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Rezension von Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens

 


Bin irritiert nach der Lektüre des Buchs "Die Kunst des klaren Denkens" (dtv, München 2015, 12. Aufl.) von Rolf Dobelli

Erstens trifft der Titel nicht  zu:  In dem Buch wird nicht klares Denken geübt - oder gezeigt, wie man's macht - sondern es werden  "Denkfehler" beschrieben.

Und zweitens suggeriert das Wort "Denkfehler", dass wir, wir als einzelne Menschen, etwas falsch machen und es besser machen sollten.

Das ist aber gar nicht der Fall: Dobelli stellt unser Gehirn als das von Jägern und Sammlern dar, das für die Lebensumwelt von vor 50.000 Jahren optimiert ist und eben für unsere heutige, komplexere Welt in vielen Aspekten nicht mehr so gut passt. Was aber nicht bedeutet, dass man uns unsere  "Denkfehler"  oder "Biases" so einfach austreiben könnte, sondern: Wir sind halt so.

R0lf Dobelli auf die Frage, wie er es schaffe, ohne Denkfehler  zu leben: "Genau genommen versuche ich es gar nicht."  (S. 220)

Wonach sich die Frage aufdrängt: Warum und aus welcher Bewertungsperspektive heraus denn das überhaupt Denkfehler sein sollen?

Naja, vielleicht aus der Bewertungsperspektive der Wissenschaft heraus. Dobelli hat zwar keinen Schwerpunkt auf der Wissenschaft, dergestalt, dass er sagen würde, alles, was schlecht ist, mache die Wissenschaft gut. Aber er schreibt zumindest Sätze wie: "Klar ist, dass Menschen die Welt  zuerst  durch Geschichten erklärt haben, bevor sie begonnen haben, wissenschaftlich zu denken." (S. 54)

Geschichten sind für ihn übrigens Konstrukte, die etwas verbergen:  "Geschichten verdrehen und vereinfachen die Wirklichkeit."  (S. 54) "Pflücken Sie die Geschichten auseinander. Fragen Sie sich: Was will die Geschichte verbergen?" (S. 55)

Ich selbst glaube nun ja nicht, dass das wissenschaftliche Denken dem Geschichtenerzählen überlegen ist. Denn Geschichten schaffen es zumindest, das Wesentliche in absehbarer Zeit  zu erzählen. Wissenschaften beginnen immer mit den Grundlagen. Und bis man zu dem Problem kommt, das einen interessiert, sind mindestens 5 Jahre vergangen.

Wer glaubt, wissenschaftliches Denken bestehe  darin, dass man ein Problem isoliere und es logisch und methodisch analysiere, unterliegt dem, was ich den "Wissenschaft-ist-keine-gemeinschaftliche-Erkenntnisform"-Denkfehler nennen würde. Sobald du in der Wissenschaft ein  Thema hernimmst und es so eingrenzt, wie es dich interessiert, wird man dich der methodologischen Verkürzung zeihen oder Bourdieu  wird rufen, dass du die gesamte Matrix aller gesellschaftlichen Gegensätze zeichnen musst, bis du diesen einen verstehst, oder irgendein Historiker wird sagen, dass du die Problemgeschichte bis zurück zur Steinzeit verstehen musst, damit du dieses Problem verstehen kannst. Mit anderen Worten: Wissenschaft ist eine gemeinschaftliche Erkenntnisform, da kannst du nicht so  tun, wie du selber willst.

Als gemeinschaftliche Erkenntnisforms stünde die Wissenschaft in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Denkfehlern des "Social Proof" (S. 17-20), des "Authority Bias (S. 37-40), des "Groupthink" (S. 101-104) und des "Social Loafing" (S. 137-140). Das wird aber von Dobelli mit keinem Wort thematisiert.

Dobelli könnte auch die Bewertungsperspektive des Einzelmenschen meinen, denn er schreibt: "Die heutige Welt belohnt scharfes Nachdenken und unabhängiges Handeln." (S 216) Aber da fragt man sich dann als Leser, wie? Bzw. man versucht sich den Menschen vorzustellen, der das können kann, was Dobelli im Sinne des fehlerfreien Denkens von ihm verlangt. Und man kommt zu dem Schluss: Das geht nicht! Diesen Menschen gibt es nicht. Was den Untertitel "52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen" nach Hohn aussehen lässt.

Beim Denkfehler  der "Hedonic Threadmill" (S. 189-191) etwa beschreibt Dobelli einen Freund, der sich eine Villa gebaut hat, weil er dachte, das ihn das glücklich machen würde. Aber das Glücksgefühl  verging schnell, es blieb nur der täglich Ärger über den längeren Weg zur Arbeit. Dobelli meint, wir sollten damit rechnen, dass der emotionale Effekt von materiellen Dingen in kurzer Zeit  verpuffe. Andererseits sollten wir auf unsere emotionale Stabilität zählen, weil wir  auch nach einer Querschnittslähmung  nach drei Monaten wieder lachen würden. Ich denke, dass das keine Grundlage ist, auf der man sich seine Lebensziele wählen kann.

Damit will ich nun nicht sagen, dass das ganze Buch Schrott wäre. Im Gegenteil, bei manchen dieser "Denkfehler" ist es gut, sie zu kennen. Auch ist einzuberechnen, dass dieses Buch nur der zweite Aufguß ist, in welchem noch einmal verkauft wird, was zuvor schon in Deutschland und in der Schweiz in der Zeitung erschienen ist. Aus dem Grund sind alle Texte gleich lang (je 3 Seiten).

Aber die Texte  sind eben ziemlich einseitig. Zum Beispiel: Verfällt man nicht dem Outcome Bias (S. 81-84), wenn man sich den "Denkfehler" der Verlustaversion (S. 133-136) eingesteht? Soll ich mich kasteien wenn mir ein Kecks besser schmeckt als eine ganze Packung (Knappheitsirrtum, S. 113-136)? Ich habe keine Lust, mich als fehlerhaft zu sehen, wenn ich weiß, dass ich nur Kontraste wahrnehme und keine absoluten Größen (Kontrasteffekt, S. 41-44). Für Nullrisiko zahlen wir vielleicht zuviel, aber es entlastet auch (Zero-Risk Bias, S 109-112).

"Je mehr Macht wir über unsere  Impulse gewinnen, desto besser gelingt es uns, diesen  Fehler zu vermeiden."  (S. 211). Nämlich den, die  Gegenwart  (carpe diem) über die Zukunft zu stellen (S. 209-212). Ja, aber desto unfähiger können wir andererseits durch dieses Maßnahme werden, den gegenwärtigen Augenblick zu genießen.

In seinem Buch "Die Kunst des klaren Denkens"  stellt Rolf Dobelli  52 "Denkfehler" nebeneinander, so als wären sie gleichwertig und lässt uns in Andeutungen einen Supermenschen erscheinen, der in einer objektiven Welt lebt und fähig ist, alle Denkfehler zu vermeiden. Wenn Sie sich vorzustellen versuchen, was für ein Mensch Sie sein müssten, um das zu können, dann werden Sie zu dem Schluss kommen, dass Sie dieser Mensch gar nicht sein wollen (würden). Woraus sich die Frage nach einer lebbaren Version  von Dobellis Ratschlägen ergibt.

Wie diese "lebbare Version" aussehen würde, weiß ich nicht. Mir ist nur soviel klar: Dass man bei ihrer Konstruktion von richtigen Menschen ausgehen müsste und nicht von Phantasiewesen, die in der objektiven, wissenschaftlichen und logischen Welt zu Hause sind. In dieser Welt sind die Mensche nämlich nicht zu Hause; und wenn man sie an deren Maßstäben misst, dann kommt eine Überzahl von "Denkfehlern" heraus, die in Wirklichkeit wahrscheinlich gar nicht als solche aufzufassen sind.

Nachschrift:  Sollte die Lebensphilosophie nur ein Fehler sein?

Zum Hintergrund: Im Nachwort unterscheidet Dobelli zwischen einer "heißen" und einer "kalten Theorie der Irrationalität. Die heiße Theorie der Irrationalität kennen wir schon von Platon und sie reicht bis Sigmund Freud: "Die Gefühle sind eine brodelnde Lavamasse. Meistens kann die Vernunft sie unter dem Deckel halten." (S. 213)

Der Kern der heißen Theorie der Irrationalität ist: Das Denken ist rein. Es wird zwar manchmal von der Emotionalität getrübt, aber wenn man sich beherrscht, dann kann man klar denken.

In den 1960er Jahren hätten die Psychologen begonnen, so Dobelli, "mit den unsinnigen Behauptungen von Freud aufzuräumen" (S. 214) uns sie hätten dabei eine "kalte Theorie der Irrationalität". Diese besagt, dass unser Denken an sich schon nicht rein ist, sondern dass alle Menschen immer wieder dieselben Denkfehler begehen, die auch nicht zufällig verteilt sind und  die deshalb sogar prognostizierbar seien.

Das unreine Denken hänge damit zusammen, dass "Denken ein biologisches Phänomen" sei (S. 215) und von der Evolution geformt - und danach kommt bereits die Geschichte von den Jägern und Sammlern in Hugo Boss- oder H&M-Kleidern, die wir heute immer noch seien.

Nun ist es so, dass mich die Aussage überhaupt nicht überrascht, dass Denken ein biologisches Phänomen ist. Im Gegenteil, das hat José Ortega y Gasset vor 100 Jahren schon behauptet, und ich habe hier im philosophieblog davon berichtet: Ist José Ortega y Gassets Thema seiner Zeit auch das Thema unserer Zeit?

Was jedoch bei Dobelli passiert, ist eine völlige Umwertung von Ortegas Vorschlag. Ortega y Gasset bemerkte, dass wir nicht in der objektiven Welt von Wissenschaft und Logik leben, sondern dass der Mensch so denkt wie er Nahrungsmittel verdaut, dass das Denken eine Funktion des Lebens ist. Wenn wir daher verstehen wollen, wie der Mensch wirklich denkt, dann müssen wir das Denken als lebendiges Denken verstehen, das heißt als biologisches Phänomen. Diesen Zugang zum menschlichen Denken nannte Ortega "Lebensphilosophie".

Dobelli - und mit ihm offenbar eine Riege von Psychologen seit den 1960er Jahren sowie Nassim Taleb und andere Wissenschaftler, die sich mit Wahrscheinlichkeit beschäftigen - sehen aber in der biologischen Verfasstheit des menschlichen Denkens ausschließlich einen Fehler. Das bedeutet, das menschliche Denken wird aus der Perspektive des objektiven/wissenschaftlichen/logischen Denkens beurteilt und für defizient befunden.

In dieser Gestalt scheint die Lebensphilosophie Ortegas nun doch im Mainstream der geistigen Überzeugungen angekommen zu sein. Nur eben mit umgekehrten Vorzeichen: Aus einer Kritik der objektiven Vernunft durch das lebendige Denken hat man eine Kritik des lebendigen Denkens durch die objektive Vernunft gemacht.

Damit ist immerhin schon ein erster Schritt getan: damit existiert dasjenige, von dem die Lebensphilosophie spricht, immerhin schon einmal in den Köpfen der Menschen. Jetzt ginge es noch darum zu zeigen, dass der Begriff vom Denken und von der Vernunft, von dem Dobelli ausgeht, unmenschlich und maschinenhaft ist - mit einem Wort, dass er kein taugliches Kriterium ist, um die menschliche Vernunft zu beurteilen.

Ein Wort zur Leistungsgesellschaft

Link: http://www.gabarage.at

Am 27. 4. 2016, um 19 Uhr, besuchte ich in der gabarage Michael Musaleks Vortrag „Scham in einer schamlosen Gesellschaft“

Musalek sagte in seinem Vortrag zwar auch allerhand Interessantes über das Phänomen der Scham, in diesem Blogbeitrag möchte ich allerdings eine Bemerkung von ihm über das Wesen unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt stellen:

Musalek sagte, man könne häufig lesen, dass unsere Gesellschaft charakterisiert werde als:

  • Leistungsgesellschaft

  • Informationsgesellschaft

  • Genussgesellschaft

Das entspreche jedoch nicht der beobachtbaren Realität

Auf Leistung, so Michael Musalek, komme in unserer Gesellschaft es überhaupt nicht an: Solang Sie Erfolg haben, wird Ihnen Leistung angedichtet. Wenn Sie keinen Erfolg mehr haben, wird Ihnen gesagt: "Sie leisten zuwenig!" Es wird auch Leistung nicht honoriert, sondern es wird nur der Erfolg honoriert.

Wir seien, so Musalek, leider auch keine Informationsgesellschaft, sondern bestenfalls eine Infotainment-Gesellschaft. Infotainment, das kennen Sie am besten, von manchen Radiosendungen: Viel Musik und ein bisschen Information dazwischen. Das sei es, was heute zählt: Großartige, lange Diskussionen sollen nicht sein; kurz, prägnant, durchaus ein bisschen öfters, aber dazwischen was Lustiges.

Wir befänden uns, so Musalek, auch nicht in einer Genussgesellschaft, sondern in einer Spassgesellschaft. Das heißt, es gehe um diesen raschen Dopaminanstieg, wo wir uns kurzfristig wohlfühlen, wo danach gleich die postkoitale Tristesse folgt, um danach wieder zu einem Anstieg zu kommen. Das habe mit Freude und Genuss, die beide wunderbare Plateauerlebnisse sind, nicht viel zu tun.

Wir leben also, so die Diagnose Musaleks, in einer

  • Erfolgsgesellschaft

  • Infotainment-Gesellschaft

  • Spassgesellschaft

Über diesen Befund könnte man jetzt nachdenken bzw. diskutieren.

Ich möchte etwas anderes an ihm bemerken: Mir erscheint er als ein gutes Beispiel für Philosophie, für das, was ich mir unter Philosophie vorstelle. Dazu zeichnen ihn folgende Aspekte aus.

-Musalek beschäftigt sich hier mit etwas Bekanntem, mit etwas, das wir alle kennen – nicht mit unbekannten Phänomenen, wie das die Wissenschaft häufig tut.

-Dieses bekannte Phänomen vergleicht er mit seiner eigenen Wahrnehmung der Realität. Das bedeutet, wir befinden uns hier innerhalb der Lebenswelt – auch das unterscheidet Philosophie von Wissenschaft, die sich häufig mit Phänomenen weit außerhalb der von den meisten Menschen erlebbaren Welt (Lebenswelt) beschäftigt.

-Dieses bekannte, lebensweltliche Phänomen lässt er durch den Filter seiner individuellen Reflexion laufen. Das bedeutet: Es geht nicht darum – wie in der Wissenschaft – gemeinsame Wahrheiten herzustellen und zu befestigen, sondern ganz im Gegenteil darum, sich gemeinsame Wahrheiten noch einmal vorzunehmen und sie als Individuum, als der Mensch, der man ist, noch einmal zu bearbeiten.

Einen Menschen, der selber nachdenkt, erkennt man daran, dass er manchmal zu allgemein anerkannten Überzeugungen seine eigene, abweichende Meinung oder Interpretation hat. Andernfalls würde er ja nur geistig mit der Masse mittreiben. Und Philosophieren ist ja nichts anderes als selber nachzudenken. Ich glaube, das sage ich oft genug, dass ich unter Philosophieren nicht die Kenntnis von bekannten Philosophen und ihrer Werke verstehe.

In der Arbeit muss sich der Mensch zurückhalten - es geht nicht anders!

In Der neue Chef. Suhrkamp, Berlin 2016. charakterisiert Niklas Luhmann das Arbeitsleben in Organisationen folgendermaßen

Die Arbeitswelt: soziale und emotionale Entbehrungen. Jede Organisation besteht aus Handlungen. Kein Mensch kann aber handeln, ohne selbst dabei zu sein. Er bringt sich selbst, seine Persönlichkeit, mit an die Arbeitsstelle. Die Organisation fordert ihm jedoch nur spezifische Leistungen ab. Seine Gefühle und seine Selbstdarstellungsinteressen werden dabei kaum beansprucht. Sie lungern während der Arbeit funktionslos herum und stiften Schaden, wenn sie nicht unter Kontrolle gehalten werden.

Die Arbeit selbst ist rational organisiert. Aber ihre Konsequenz ist nicht die innere Konsequenz des persönlichen Lebens. Daher bleibt der Arbeitende mit dem, was er gerne möchte, oft ungehört; in dem, worin er sein Eigenstes darstellt, ungesehen. Die kühle Indifferenz der Aufnahme wird ihm als Mangel an Gelegenheit und an Erfüllung bewußt. Unter dem Stichwort „Entfremdung“ findet man eine ausgedehnte sozialkritische Literatur, die Ar-[S. 44]beitsorganisationen nach Symptomen für soziale und emotionale Entbehrungen absucht. Neuere empirische Forschungen über Zufriedenheit am Arbeitsplatz ergeben zwar insgesamt ein erfreulicheres Bild, als man erwarten konnte; aber es läßt sich nicht verkennen, daß hier Gewöhnung eine Rolle spielt, und daß mancher nur deshalb zufrieden ist, weil er einen Fernsehapparat und keine anderen Hoffnungen mehr hat.“ (S. 43-44)

Und Jürgen Kaube fügt im Nachwort desselben Bands hinzu:

„Daß Luhmann wiederholt auf Takt, Selbstdisziplin, die Bereitschaft, Gefühle für sich zu behalten, und wechselseitige Achtung als Elemente kollegialen Verhaltens zu sprechen kommt, berührt insofern auch die notwendigen Bedingungen für sachbezogene […] Kommunikation in Organisationen.“ (S. 119)

Das sehe ich alles ein: Im Arbeitsleben muss man sich zurückhalten; im Arbeitsleben kann man nicht seine ganze Persönlichkeit ausleben, sondern nur einen Teil davon. Sonst funktioniert es nicht.

Umso wichtiger wäre es, dass der Mensch noch ein Leben neben der Arbeit hat.

Da ich kein politischer Mensch bin, geht es mir mehr um Vorstellungen als um Forderungen: die Vorstellung etwa, dass ein erwachsener Mensch in der Arbeit, in seinem Berufsleben seine Identität und Erfüllung finden müsste.

Diese Vorstellung ist immer noch weit verbreitet. Und sie ist so stark, dass man sich eines Hangs zur Faulheit verdächtig macht, wenn man ihr nicht begeistert zustimmt, wann immer sie geäußert wird.

Aber wer nachdenkt und die Sache möglichst realitätsgerecht zu betrachten versucht, bemerkt: Das geht nicht. Man kann im Arbeitsleben immer nur einen Teil seiner Persönlichkeit, seiner Talente, Motivationen und Eigenschaften einbringen. Deshalb erscheint es akzeptabel, dass der Mensch seinen Dienst tun muss, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, aber leben kann er in der Arbeit nicht. Er kann sich dort nicht ausleben, sondern muss sich zurücknehmen, dem reibungslosen Ablauf der Arbeitsorganisation zuliebe.

Deshalb: Der Mensch muss neben der Arbeit noch ein anderes Leben haben. Aber kein Privatleben in dem Sinn von „privat“, der mit diesem Wort „bedeutungslos“ meint, sondern ein bedeutungsvolles Leben.

Damit einher geht natürlich auch die Notwendigkeit, dass es für dieses zweite Leben ausreichend freie Zeit geben muss, damit es sich entwickeln und manifestieren kann.

 

dies

alles
geschieht
grundlos

ursache
ist
aberglaube

wind weht
blatt zittert
ohne grund

1+1=11

Zahlen könnte es nur geben,
wenn Gleiches
zusammengezählt würde.

Im Falle ‘1+1’
handelt es sich jedoch
keinesfalls um Gleiches.

Es gibt ‘1’ links von ‘+’
und ‘1’ rechts von ‘+’.

Das sind zwei grundverschiedene Elemente
und damit nicht zusammenzählbar.

Zahlen sind also nicht möglich.

Gedanken bei der Lektüre eines Aufsatzes von Richard Rorty

Heute habe ich gelesen: Richard Rorty: „Die moderne analytische Philosophie aus pragmatischer Sicht“, in: Mike Sandbothe (Hg.): Die Renaissance des Pragmatismus. Aktuelle Verflechtungen zwischen analytischer und kontinentaler Philosophie. Velbrück Wissenschaft, Weilerswist 2000. S. 78-95.

Folgende Zitate aus dem Text erscheinen mir relevant:

ATOMISMUS SCHAFFT EINEN VORTEIL IN DER PROFESSIONALISIERUNG VON PHILOSOPHIE

„13. These: Die Professionalisierung verschafft den Atomisten einen Vorteil gegenüber den Holisten und somit einen Vorteil für die Repräsentationalisten gegenüber den Nichtrepräsentationalisten. Philosophen mit Theorien über die Elementarteilchen der Sprache oder des Denkens und die Zusammensetzung dieser Teilchen wirken nämlich systematischer und daher auch professioneller als Philosophen, die behaupten, alles sei kontextrelativ. Nach Ansicht dieser letzteren sind die sogenannten Elementarteilchen ihrer Gegner nichts weiter als Knoten in Gespinsten wechselseitiger Beziehungen.“ (S. 94)

Atomisten = Philosophen, die alle Probleme in ihre kleinstmöglichen Teile zerlegen

Holisten = Philosophen, die philosophische Probleme vor ihrem Hintergrund, in ihrem Kontext, beurteilen.

Repräsentationalisten = Philosophen, die glauben, dass unsere Erkenntnisse reale Dinge in der Außenwelt repräsentieren (oder dass unsere Aussagen über unsere Erkenntnisse Stück für Stück reale Gegenstücke in der nichtmenschlichen Realität haben).

„Repräsentationalisten sind mit Notwendigkeit Realisten, und das Umgekehrte gilt ebenfalls. Denn Realisten glauben, daß es nur eine einzige Art des Soseins der Welt an sich gibt…“ (S. 80)

Nichtrepräsentationalisten = Philosophen, die das nicht glauben.

Anmerkung von mir dazu: Die Professionalisierung in der Philosophie verschafft den Atomisten einen Vorteil gegenüber den Holisten oder, wie der zweite Satz des Zitats es ausdrückt, die Atomisten wirken professioneller: Wenn Philosophie sich professionalisiert, wie das in der akademischen Philosophie der Fall ist, dann ist es vorteilhafter ein repräsentationalistisch gesinnter Atomist zu sein als ein nichtrepräsentationalistischer Holist. Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Der erste ist, dass es sehr genau und methodisch und systematisch aussieht, wenn man alle Fragen in ihre kleinsten Teile zerlegt. (Außerdem führt es dazu, aber das sei nur nebenbei gesagt, dass es durch die Vereinfachung sehr schnell wiederum abstrakt und dadurch auch kompliziert wird, wodurch Außenstehende den Einblick verlieren und nicht mehr mitreden können.)

  2. Der zweite Grund dafür ist, dass im Atomismus das Versprechen liegt, dass man am Ende der Wahrheit auf den Grund kommen wird und wahre Erkenntnisse bringen wird können.

EXPERTENTUM

„Die These, Philosophen sollten eine eigene Expertenkultur bilden, besagt etwas ganz anderes als der Vorschlag, sie sollten nicht wie Juristen verfahren, sondern wie Mathematiker bzw. nicht so wie Historiker, sondern wie Mikrobiologen. Man kann eine Expertenkultur haben, ohne über ein allgemein anerkanntes Verfahren zur Schlichtung von Meinungsstreitigkeiten zu verfügen. Beim Expertentum kommt es darauf an, daß man sich mit dem Gang des bisher geführten Gesprächs auskennt, nicht darauf, dieses Gespräch durch allgemeine Einigkeit zum Abschluß zu bringen.“ (S. 92)

Anmerkung zu diesem Zitat von Rorty: Es löst einen Denkfehler auf, einen Fehler in unserer Erwartungshaltung: Die Menschen meinen, wenn die Philosophen Experten werden, würde Philosophie wissenschaftlich werden (und zwar so wie die „harte“ Wissenschaft der Mathematik oder der Naturwissenschaften). Aber, schreibt Rorty, zum Expertentum gehöre nur, dass man die bisher geführte Diskussion kenne, nicht aber, dass irgendwelche Ergebnisse rauskommen wie in der Naturwissenschaft.

Rorty zitiert Arthur Fine, der schrieb:

„der erste falsche Schritt, den man in diesem ganzen Bereich tun kann, liegt in der Vorstellung, die Wissenschaft habe eine Sonderstellung, und das wissenschaftliche Denken sei von jeder anderen Art des Denkens grundverschieden.“ (S. 88)

Rorty zitiert Fine zustimmend: Die Wissenschaft sollte keine Sonderstellung in der menschlichen Kultur haben. Damit wird er sich aber in Gegensatz zu all jenen gesetzt haben, die schon haben wollten, dass die Wissenschaft eine solche Sonderstellung haben sollte.

Was mich wundert an diesem gesamten Artikel von Rorty, ist, dass er darin die Vorstellung von der Wahrheit oder von der äußeren Realität kritisiert, ohne dabei den Begriff der Macht auch nur einmal zu erwähnen, der sich doch aus der Wahrheit speist: Wer weiß, wie es ist, kann richten unter den Menschen und, noch dramatischer, wer weiß, wie etwas unabhängig von uns in der äußeren Realität ist, der kann sogar unparteiisch urteilen, sodass kein Vorwurf auf ihn fallen wird.

Element 1: Der Wahrheitsanspruch erzeugt Macht bzw. zieht Ressourcen an, wenn man die Gesellschaft davon überzeugen kann, für diese Wahrheitssuche zu bezahlen.

Was erzeugt noch Macht? – Natürlich eine Gemeinschaft, die Posten und Ressourcen zu verteilen hat. Daran erinnert das erste der drei Zitate: Wenn man alles in kleine Teile zerlegt, um es besser zu verstehen, wird bald notwendig Teamwork daraus werden, weil man viele Teile in Händen hat. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als dass die gemeinschaftliche Verfasstheit akademischen philosophischen Arbeitens vorgibt, auf welche Weise philosophiert und wo nach Erkenntnis gesucht wird. Die gemeinschaftliche Verfasstheit akademischen Philosophierens hat also durchaus auch einen inhaltlichen Einfluss auf die Philosophie und bestimmt, was beforscht wird und was als Ergebnis gilt.

Es wird ja immer gesagt, wissenschaftliche Erkenntnis unterscheide sich von anderen Arten von Erkenntnis in erster Linie dadurch dass sie rational sei (und nicht emotional), aber Rationalität ist nicht das wesentliche Kriterium. Das wesentliche Kriterium ist Gemeinschaftlichkeit. Die Gemeinschaftlichkeit bewirkt, dass wir jene Vorgangsweise bevorzugen, in der alle Probleme in ihre kleinsten Teile zerteilt werden, damit es für viele Menschen Arbeit gibt.

Ein nichtrepräsentationalistischer Holist legt hingegen eine Beschreibung der Wirklichkeit vor, die interessant sein kann oder auch nicht, aber sie erzeugt nicht in dem Ausmaß Arbeit für hoffnungsvolle Nachwuchsakademiker wie der repräsentationalistische Atomismus.

Der philosophische Atomismus entspricht schon an und für sich dem Begriff vom Teamwork, weil er an vielen Punkten Probleme schafft, die von einzelnen Philosophen gelöst werden können. Noch deutlicher ist die Bezogenheit auf die Gemeinschaft jedoch beim Expertentum: Hier kommt es nicht darauf an, die Wahrheit zu wissen, sondern darauf, die bisherige Diskussion im Fach zu kennen und an sie anzuschließen. Das ist ein Ausschlussmechanismus, der verhindert, dass Menschen, die außerhalb der Expertengemeinschaft an einer ähnlichen Fragestellung arbeiten, mit den Mitgliedern der Gemeinschaft in einen Austausch treten können. Die Gemeinschaft schützt sich gleichsam gegen Eindringlinge, indem sie von einem jeden fordert, ihre interne Diskussion fortzusetzen, wenn er an dieser teilnehmen möchte. Dieser Aspekt verweist jedoch ebenfalls wiederum zurück auf die professionalisierte Philosophie, in der philosophischer Atomismus Spezialprobleme produziert, deren Geschichte und Stand der Diskussion man kennen kann.

Am Schluss habe ich das Zitat von Arthur Fine gebracht, wonach die Wissenschaft keine Sonderstellung haben sollte. Wieder wundert mich die Blauäugigkeit, mit der Rorty das vorbringt. Er hätte genauso gut schreiben können, die akademischen Philosophen sollten ihre Stellen an den Universitäten verlieren oder man sollte ihnen das Gehalt streichen. Meiner Meinung nach verdienen Wissenschaftler an Universitäten deshalb Geld, weil Wissenschaft in unserer Gesellschaft eine Sonderstellung hat. Hätte sie diese nicht, würden Staat und Gesellschaft die Wissenschaft und ihre Institutionen nicht so großzügig fördern und dann wäre kein Geld da, um die akademischen Philosophieprofessoren zu bezahlen.

Es stört mich also an Rortys Aufsatz, dass er sagt, er habe einfach Recht, der Repräsentationalismus und Realismus sei nicht zu halten und deshalb sollte die Wissenschaft keine Sonderstellung haben. Wir reden ja schließlich nicht nur über das, was wahr ist, sondern auch über die Machteinbußen, die diese Überzeugung zur Folge hätte, wenn sie sich durchsetzte: Zahlreiche Menschen würden ihre Jobs und ihre soziale Bedeutung verlieren.

Halten wir daher fest, der akademische Philosoph bezieht seine Wahrheit daraus, dass er

  1. Einen Wahrheitsanspruch erhebt (das Wahrheitsversprechen kann sich auch auf die Zukunft beziehen) – dadurch mobilisiert er gesellschaftliche Ressourcen, die ihm zur Verfügung gestellt werden.

  2. Behauptet, die Wahrheit findet man durch philosophischen Atomismus, also durch die Zerteilung aller Probleme in kleinstmögliche Fragestellungen – dadurch gliedert er sich ein in eine Gemeinschaft, die ihn stärkt, abschirmt und schützt.

  3. Behauptet, die Wissenschaft habe eine Sonderstellung in der Kultur, weil nur sie die Fragen methodisch und systematisch bearbeite – die Sonderstellung in der Kultur macht aus der wissenschaftlichen Wahrheit eine unique selling proposition der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Sie ermöglicht der Wissenschaft ein Monopol auf Wahrheit und infolge der Monopolstellung kann sie hohe Preise für die wissenschaftliche Wahrheit verlangen.

Richard Rorty glaubte offensichtlich nicht mehr an die Wahrheit und an ihrer Stelle versprach er eine „humanistische Kultur“, die „erst dann zum Vorschein kommen wird, wenn wir die Frage „Kenne ich den wirklichen Gegenstand oder nur eine seiner Erscheinungen?“ verwerfen und durch folgende Frage ersetzen: „Bediene ich mich hier der bestmöglichen Beschreibung der Situation, in der ich mich befinde, oder kann ich eine bessere zusammenschustern?“ (S. 84) Das Versprechen einer humanistischen Kultur hört sich recht humanistisch an, aber eigentlich hätte er wohl sagen müssen: „Ich bin grausam, ich nehme euch Philosophen euer bisheriges Geschäftsmodell weg! Lasst uns überlegen, womit ihr künftig Geld verdienen könnt, wenn das Versprechen der Wahrheit nicht mehr zieht! An den Verlust eurer sozialen Anerkennung gewöhnt ihr euch besser gleich, denn ohne das Versprechen der Wahrheit seid ihr ganz normale Menschen wie alle anderen auch und nicht mehr länger akademische Halbgötter!“

Das hat er aber nicht gesagt, und deshalb erscheint mir auch das in diesem Aufsatz Gesagte als wirkungslos. Man kann an manchen Stellen erahnen, dass es weitreichende Konsequenzen haben würde, wenn man es beim Wort nähme. Aber Rorty nimmt es nicht beim Wort. Er sagt nur, wir hätten es bisher so gemacht und wir müssten es in Zukunft anders machen, und es wäre dann eine menschenfreundlichere Zukunft; aber er sagt nicht, welchen Umbau in der Gesellschaft das erfordern würde und wie die akademischen Philosophen den damit verbundenen Machtverlust überstehen könnten. Für mich ist das eine wolkige Philosophie.

Über Wahrheit oder über ihre Abschaffung kann man nicht sprechen, ohne gleichzeitig über Macht und sozialen Einfluss zu sprechen. Und so kommt es, dass sich in Rortys Aufsatz bloß nebenbei Passagen finden, die zeigen, wie Macht im Wahrheitsversprechen entspringt, über den repräsentationalistischen Atomismus in das Expertentum mündet, über die fachliche Zusammenarbeit an spezialisierten Detailproblemen zur wissenschaftlichen Gemeinschaft anschwillt, welche gegenüber der Gesellschaft für die Wissenschaft eine Sonderstellung beansprucht, die ihrerseits mit dem Anspruch auf Förderungen und Zuwendungen verbunden ist.

Ein Philosoph, der da als nichtrepräsentationaler Holist außerhalb dieser Gemeinschaft steht, wird nichts abbekommen vom Kuchen. Ob er dabei Recht hat mit Frege, der gesagt hat, dass Wörter nur im Zusammenhang eines Satzes Bedeutung haben (=dass es ein Irrtum ist, nach kleinsten bedeutungstragenden Einheiten zu suchen), ist gegenstandslos, weil er keine Gemeinschaft hat, die ihm was abgibt. Rein aus dem Willen zum Überleben sollte er seine Überzeugungen abwerfen und zum repräsentationalen Atomisten werden, der sich gut in die philosophische akademische Gemeinschaft einfügt.

Denn in unserer gegenwärtigen Gesellschaft ist Philosophie ein akademisches Fach und wem es nicht gelingt, sich Zutritt zu ihm zu verschaffen – was bedeutet: aufgenommen zu werden von den akademischen Philosophen – kann nicht empfangen, was das Fach an materiellen und immateriellen Gütern zu verteilen hat. Auch kann er letztlich nicht Recht behalten, weil die Gesellschaft das akademische Fach nach der Wahrheit fragen wird und nicht ihn. In Summe: Die Wahrheit kennen hilft nichts, denn niemand wird dich anhören; in die Gemeinschaft reinkommen und in ihr groß werden, ist alles, was zählt.

Permalink 23.04.16    8 Kommentare »

Der Nutzen von Philosophie unter Druck

Link: http://www.philohof.com/philosophie/ethik/warum_philosophie_keinen_gesellschaftlichen_nutzen_hat.htm

Eine kurze Notiz. Weil ich mir immer wieder mal Gedanken über das Thema "Nutzen von Philosophie" mache.

Man muss bei der Frage nach dem Nutzen von Philosophie auch die Voraussetzungen berücksichtigen. Es kann nämlich sein, dass Philosophie schon einen gewissen Nutzen für manche Menschen vielleicht hätte, aber nicht jetzt und nicht in dieser Situation.

Stellen Sie sich vor, Sie haben was anderes, Dringendes, zu tun. Die Milch geht gerade auf dem Herd über und jemand kommt Ihnen mit der Philosophie. Da werden Sie sagen: "Ja, vielleicht, aber sicher nicht jetzt!"

Oder Sie stehen in der U-Bahn, und es ist ein Gedränge, herbe Düfte schweben durch die Luft und jemand steht auf Ihren Zehen. Wenn man Ihnen dann mit der Philosophie kommt, werden Sie wohl sagen: "Mir ist jetzt nicht danach."

Der Hintergrund des Gesagten besteht darin, dass wir in einer Gesellschaft leben, die fortschrittig immer fortschreitet und daher immer mehr organisiert, es immer umfassender und immer lückenloser organisiert. Anders gesagt, das gesellschaftliche Leben, das Arbeitsleben könnte mittlerweile insgesamt zu einem (Dauer-)Zustand geworden sein, der sich anfühlt, als ob einem jemand auf den Zehen steht.

Und da stellt sich die Frage: Gesetzt Philosophie hat irgendeinen Nutzen - aber bis zu welchem Grad von Druck hat sie einen Nutzen? Ist ihr Nutzen groß genug - oder ist unser Bedürfnis nach ihr eindringlich genug - um einen Druck von außen, der uns dazu drängt, Anderes zu erledigen, zu übertönen?

Ich bemerke das bei den Studierenden der Medizinischen Universität, an der ich tätig bin. Sie werden vom Anfang bis zum Ende ihres Studiums lückenlos beschäftigt. Beim Eintritt ins Berufsleben wird der Druck (neben Klinik noch Wissenschaft und Publikationen machen) noch größer. Sie hätten keine Zeit für Philosophie, selbst wenn sie wollten. (Und wenn sie sich die Zeit nähmen, dann wäre es nicht vernünftig für sie.)

Diese Überlegungen lenken den Blick darauf, dass Philosophie etwas mit Muße und mit der Freiheit, nach links und rechts zu schauen, zu tun hat. Wenn man das Herumsuchen für ineffizient hält, wenn man Freiräume und Leerzeiten für unproduktiv hält, dann erliegt man der Versuchung, Philosophie wegzuorganisieren.

Dagegen hülfe auch kein verpflichtender Kurs in Philosophie. Denn wenn man diesen einführte, hätte man das Wichtigste nicht verstanden: dass Philosophieren in gewissem Sinne NICHTSTUN ist. Man konzentriert sich eben nicht auf etwas, man arbeitet nicht an einem Problem, sondern man schaut hin und her; man nimmt sich Zeit dafür, man entschleunigt, man riskiert sogar, diese Zeit schlicht zu vergeuden; man lässt sich Zeit, wartet, bis man ruhig wird und man die eigenen Gedanken wieder hört, die zu leise waren, um sich gegen die laute Stimme der Pflicht durchzusetzen.

Kurz, wenn Ihr vom Nutzen oder Nichtnutzen von Philosophie redet, dann fragt, unter welchen Bedingungen sie eventuell Nutzen haben kann. Wenn der Stürmer im Fußball mit dem Fall aufs gegnerische Tor zusprintet, wird es der falsche Zeitpunkt sein, um mit dem Philosophieren anzufangen. Während der Erledigung wichtiger und dringender Aufgaben sind die Aufgaben wichtiger als die Philosophie. Die Philosophie - und ihr Nutzen - könnten erst dann hervortreten, wenn die Aufgaben ein wenig zurücktreten.

Zu dem Zweck müsste die Leistungsgesellschaft aber auch manchmal Pause machen. Oder ist es keine Leistungsgesellschaft (=gehört es nicht zum Begriff der Leistungsgesellschaft), wenn sie uns manchmal temporär aus dem Hamsterrad entlässt?

ich gott

ein ich
als nicht-stoffliche ursache
stofflicher wirkungen
wäre gott

Ich denke (nicht meine Gedanken), also bin ich (nicht)

Link: https://www.facebook.com/Die-Nacht-der-Philosophie-472772002775854/?fref=ts

Ich bereite mich auf meinen Abend bei der diesjährigen „Nacht der Philosophie“ vor, welche am 25. Mai 2016 in Wien stattfindet. Zu dieser Veranstaltung, in der zahlreiche PhilosophInnen in Wiener Kaffeehäusern auftreten, werde ich um 19:00 Uhr mit einem Vortrag mit Diskussion im Lokal „zur rezeption“, Große Sperlgasse 6, 1020 Wien (https://www.facebook.com/zur-rezeption-540031136147939/info?tab=overview) beitragen.

Als Titel meines Abends habe ich gewählt: „Ich denke (nicht meine Gedanken), also bin ich (nicht)“

Dieser Titel geht, wie dem Bildungsbürger gleich auffallen wird, auf René Descartes (1596-1650) zurück. Anlass genug für mich, mich ein wenig mit Descartes‘ Gedanken auseinanderzusetzen, der mir haarsträubend falsch erscheint (und mich darüber zu verwundern, dass sich offenbar noch niemand mit ihm in derselben Weise auseinandergesetzt hat, wie ich das tue).

Descartes formulierte seinen Gedanken „Ich denke, also bin ich“ in drei verschiedenen Werken: im Discours de la méthode (1637), in den Grundlagen der Philosophie (1641) und in den Prinzipien der Philosophie (1644) (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Cogito_ergo_sum). Er muss ihm also sehr wichtig gewesen sein.

Ich selbst nehme nun den Discours de la méthode zur Hand und lese daselbst:

„Weil unsere Sinne uns manchmal täuschen, wollte ich voraussetzen, es gebe nichts, das so wäre, wie sie es uns vorstellen lassen. Da es außerdem Menschen gibt, die sich beim Überlegen täuschen, – selbst bei den einfachsten Materien der Geometrie […] und ich urteilte, dem Irrtum genauso unterworfen zu sein wie jeder andere auch, wies ich alle Begründungen zurück, die ich vorher für Beweise genommen hatte. Schließlich zog ich in Betracht, daß genau dieselben Gedanken, die wir haben, wenn wir wach sind, uns auch kommen können, wenn wir schlafen, ohne daß irgendeiner davon wahr wäre. Deshalb entschloß ich mich, so zu tun, als ob alles, was jemals in meinem Geist eingetreten war, nicht wahrer wäre als die Illusionen meiner Träume. Aber gleich darauf bemerkte ich, daß, während ich so denken wollte, alles sei falsch, es sich notwendig so verhalten müsse, daß ich, der dies dachte, etwas war. Ich bemerkte, daß diese Wahrheit: Ich denke, also bin ich, so fest und gesichert war, daß auch die verrücktesten Voraussetzungen der Skeptiker nicht fähig waren, sie zu erschüttern, und deshalb urteilte ich, sie ohne Bedenken als erstes Prinzip der von mir gesuchten Philosophie annehmen zu können.“ (René Descartes: Discours de la Méthode. Französisch – Deutsch. Meiner, Hamburg 2011. S. 57-59.)

Kurz, weil die Sinne täuschen können, weil man sich beim Nachdenken manchmal irren kann und weil auch Traumbilder sehr real erscheinen können, wollte Descartes keinen einzigen Gedankeninhalt für vertrauenswürdig halten. Das einzige, das ihm mit Fug und Recht behauptbar erschien, war, dass der Mensch diese Inhalte denkt und dass er deshalb wohl existieren muss, um sie denken zu können.

Diese Behauptung erscheint zunächst einmal, grundsätzlich und in ihrer vereinfachten Gestalt betrachtet, einsichtig: Damit jemand denken kann, muss es jemanden geben, der denkt; damit jemand getäuscht werden kann, muss es jemanden geben, der getäuscht wird, etc. Aber das widerspricht meinen Erfahrungen.

Meine eigenen Erfahrungen besagen ungefähr dieses: Ich werde mir meiner Existenz als denkendes Wesen nur dann bewusst, wenn ich mich gedanklich, also inhaltlich, genau mit diesem Gedanken befasse, dass ich existiere. Wenn ich denke, dass ich bin, dann denke ich, dass ich bin – und in dem Fall werde ich mir meiner Existenz auch bewusst. Aber es ist keinesfalls so, dass ein jeder Gedanke von mir, egal ob er durch mein eigenes Erkenntnisstreben motiviert ist oder ob ich gerade von einer äußeren Instanz manipuliert und getäuscht werde, von dem Gedanken begleitet würde, dass es auf jeden Fall ich bin, der diesen Gedanken denkt.

Ganz im Gegenteil: In der Arbeit muss ich fortwährend, darüber nachdenken, in welchem Ordner im Computer ich welche Information gespeichert habe und welches Email mit welchem Inhalt ich an wen schicken soll. Die Erfahrung während der Arbeitszeit ist, dass mich das „Ich-denke-also-bin-ich“ völlig verlässt und ich erst nach der Arbeit (manchmal) aufwache und zu mir komme. Daraus folgt, dass ich während der Arbeitszeit also offenbar nicht existiert habe.

Wie ist diese Diskrepanz zwischen der Auffassung von Descartes und der meinigen nun zu erklären? Nun, eine Möglichkeit wäre die zu sagen: In seinem Discours de la Méthode oder auch in seinen Meditationen über die Grundlagen der Philosophie hat Descartes sein eigenes Projekt verfolgt und seine eigenen Gedanken gedacht, während ich in der Arbeit ja die Zwecke meines Arbeitgebers verfolge und meine Gedanken inhaltlich nichts mit mir und mit meinen eigenen Motivationen zu tun haben.

Wenn das stimmt, dann würde das auch bedeuten, dass es letztlich falsch und erschwindelt ist, wenn Descartes in den Meditationen behauptet, ein böser Dämon könne ihn täuschen so viel er wolle, niemals werde er es fertigbringen, ihn davon zu überzeugen, dass er nichts sei, solange er denke, dass er etwas sei. Wenn der Dämon Descartes mit Gedanken belästigt, die Descartes nicht denken will und die ihm gleichgültig sind, weil sie nichts mit ihm zu tun haben, so ist es freilich zu erwarten, dass Descartes innerhalb kurzer Zeit dessen müde werden wird zu denken, dass er da ist und existiert.

Erschwindelt ist dieser Dämon von Descartes deshalb, weil sich Descartes gar nicht richtig einem Dämon aussetzt, der ihm irreführende Gedanken einsetzt und ihm ordentlich den Kopf wäscht; sondern Descartes stellt sich einen Dämon vor, der ihn täuscht, während er ihm in aller Ruhe dabei zuschaut. Das ist so ähnlich, als würde man behaupten, man könne Hochschaubahn fahren, ohne dabei herumgewirbelt und auf den Kopf gestellt zu werden.

Kurz, mein Argument ist, man kann dessen müde werden oder die Motivation dazu verlieren, fortwährend zu denken, dass man ist. Auf der Website https://de.wikipedia.org/wiki/Cogito_ergo_sum finden sich einige Gegenargumente zu Descartes‘ Cogito-These Wie üblich bei solchen Fällen ist das meinige nicht darunter. Ich scheine tatsächlich einen etwas anderen Blick auf die Dinge zu haben. Und dabei fällt mir auf, dass die Philosophen wiederum das Allernaheliegendste nicht bedacht haben: Oft ist der Mensch einfach zu müde dazu, um zu denken, dass er ist. Mir kommt wirklich vor, die Philosophiegeschichte ist dazu da, damit immer dieselben Geschichten gedankenlos wiederholt werden, ohne dass einer sie einmal verwundert anschaut und sagt: „Da stimmt doch etwas nicht!“

Mit Descartes‘ Discours de la Méthode stimmt vieles nicht. Die gesamte Schrift erscheint mir als ein ungereimter Blödsinn voller Widersprüchlichkeiten, sodass es mich wundert, wie sie von irgendjemandem ernst genommen werden konnte und wie es möglich ist, dass Descartes als philosophischer Wegbereiter der modernen Naturwissenschaften gilt. Schauen wir beispielsweise kurz den gleich nachfolgenden Absatz im Discours an:

„Danach prüfte ich mit Aufmerksamkeit, was ich war, und sah, daß ich so tun konnte, als ob ich keinen Körper hätte und es weder eine Welt noch einen Ort gäbe, an dem ich mich befand. Aber ich konnte deshalb nicht so tun, als ob ich überhaupt nicht wäre; im Gegenteil folgte eben daraus, daß ich dachte... […] Daraus erkannte ich, daß ich eine Substanz war, deren ganzes Wesen oder deren ganze Natur nur darin bestand, zu denken, und die, um zu sein, weder einen Ort benötigt, noch von irgendeinem materiellen Ding abhängt. Deshalb ist dieses Ich, d.h. die Seele, durch die ich das bin, was ich bin, vollkommen unterschieden vom Körper und ist sogar leichter zu erkennen als er, so daß sie nicht aufhören würde, alles zu sein, was sie ist, selbst wenn es ihn überhaupt nicht gäbe.“ (Ebd., S. 59)

Puh, Descartes kann so tun, als ob er keinen Körper hätte! Also ich kann das nicht – können Sie das? Im Übrigen scheint mir diese irrsinnige Vorstellung eine ganze Kette von weiteren falschen Vorstellungen zu triggern: Z.B. erscheint mir ein Denken ohne einen Körper wie ein Auto, das ohne Treibstoff funktionieren soll. Welchen Antrieb hätte denn ein Denken, überhaupt irgendetwas zu denken, wenn es nicht einen Körper gibt, der Triebe und Bedürfnisse hat und dem Menschen damit die Aufgabe gibt, darüber nachzudenken, wie er diese befriedigen kann?

Und wenn wir vom Denkantrieb einmal absehen: Wie könnte dieses Denken, das ohne Körper funktioniert, sich dazu entscheiden, lieber einen Gedanken als einen anderen zu denken? Denn schließlich kann es ja nicht alle möglichen Gedanken zur gleichen Zeit denken. (Dieser Umstand kommt übrigens im dritten Teil von Descartes Discours de la Méthode zum Ausdruck, in welchem er – ohne Bewusstsein dafür, dass er damit die vollkommene Pleite seines Vorschlags eingesteht – seine „vorläufige Moral“ darstellt. Diese hat zum Inhalt, dass seine Denkmethode Descartes in allen praktischen Angelegenheiten daran hinderte, sich ein eigenes Urteil zu bilden – was zur Folge hatte, dass er den Urteilen Anderer und der Tradition folgen musste, ohne sie kritisch befragen zu können.)

In Summe besteht Descartes‘ Fehler darin, dass er eine völlig falsche und irreführende Vorstellung vom Denken zeichnet. Er tut so, als ob Denken so etwas wie ein Rechnen oder ein logisches Argumentieren wäre, das automatisch in Gang kommt, wenn sobald es mit einer beliebigen Fragestellung gefüttert wird. Mit einem Wort, es handelt sich hier um eine sehr abstrakte, reduzierte Vorstellung vom Denken. (Viele Fehler in der Philosophie entstehen durch Abstraktion. Genauer: dadurch, dass man von Aspekten abstrahiert, von denen man nicht abstrahieren darf.) Diese abstrakte Vorstellung vom Denken macht uns blind dafür, wie Denken tatsächlich funktioniert. Und sie lässt auch die Frage nach den Rückwirkungen des Denkens auf den lebendigen Organismus in Vergessenheit geraten.

Im Rahmen dieser Rückwirkungen des Denkens auf uns wäre z.B. auch die Frage zu stellen: Welche unserer Gedanken erinnern uns an uns? Welche Gedanken erinnern uns daran, dass wir existieren, weil wir denken – und welche anderen Gedanken tun das vielleicht weniger? Gibt es so etwas wie eine Entfremdung von uns selbst dadurch, dass wir permanent gezwungen sind, Gedanken zu denken, die wir nicht denken wollen oder die nichts mit uns zu tun haben? Existieren wir tatsächlich, wenn wir Mathematik, Logik oder Wissenschaft treiben, also uns in Disziplinen betätigen, in denen wir unser Ich verleugnen müssen? Sollte es ein Menschenrecht darauf geben zu existieren, indem man denken darf, dass man existiert – etwa dadurch, dass man dem arbeitstätigen Menschen genug Freizeit zugesteht, damit er die Möglichkeit hat, auch seine eigenen Gedanken zu denken? Oder auch dadurch, indem die LehrerInnen in der Schule dazu angehalten werden, ihre SchülerInnen darauf aufmerksam zu machen, dass sie zwar in der Schule dazu genötigt sind, fortwährend fremde Gedanken zu denken (und dadurch gleichsam zeitweilig auf ihr eigenes Leben zu verzichten), es aber auch wichtig sei, sein eigenes Denken zu entwickeln, um sich als lebendig zu erfahren?

Permalink 28.02.16    38 Kommentare »

higgs reloaded

sind wir
nicht alle
gottesteilchen

cogitare ergo nemo

denken denkt
es sei jemand

doch niemand
ist denken

denkste

niemand
denkt

denkt
niemand

alles

sprache kann
nur deshalb
über alles
sprechen

weil alles
sprache
ist

lebendig

Niemand lebt
sein Leben.

Das Leben lebt
sich selbst.

Aber was, wenn Philosophie aus der Gesellschaft rausorganisiert wurde?

Link: http://www.philohof.com/philosophische_arbeitsblaetter.htm

Zuletzt habe ich mir Gedanken zum alten Thema vom Nutzen von Philosophie gemacht: Hat Philosophie, hat Philosophieren, einen Nutzen?

Nun – aber ein jeder Nutzen hat doch auch einen bestimmten Rahmen als Voraussetzung: Stellen wir uns zum Beispiel eine Gesellschaft vor, in der philosophische Interessen und Einstellungen von den Mitmenschen mit Missvergnügen betrachtet werden, während antiphilosophische Verhaltensweisen belohnt werden.

Könnte Philosophie in einer solcherart organisierten Gesellschaft einen Nutzen für Sie haben? Nein, mit Sicherheit nicht!

Freilich könnte Ihnen Philosophie auch in einer solchen Gesellschaft noch nützlich sein, indem Sie sich z.B. privat nach dem Sinn des Lebens fragen. Aber dieser Nutzen ist dann eine Angelegenheit, die Sie mit sich selbst ausmachen müssen. Aus dem zwischenmenschlichen Verkehr und der intersubjektiven Wertschätzung wäre Philosophie in einer solchen Gesellschaft jedenfalls ausgeschlossen.

Gut. Was nun, wenn wir den philosophischen Menschen als jemanden bestimmen, der vielseitige Interessen hat; der das Bedürfnis hat, sich ein eigenes Weltbild zu erarbeiten; und der ein Interesse am Gedankenaustausch mit anderen Menschen hat, um etwas von ihnen zu lernen…

…und diesen Menschen setzen wir in eine soziale Umgebung, in der die Entwicklung von sehr einseitigen Interessen (Spezialisierung, Expertentum) Voraussetzung für den Eintritt in berufliche Karrieren ist; in der das Bedürfnis nach einem eigenen, persönlichen Weltbild als ein unverantwortliches Ansinnen und als eine Versündigung gegenüber dem allen Menschen gemeinsamen Bau der Erkenntnis gilt; und in der die Menschen nicht an Gedankenaustausch interessiert sind, weil sie mit ihren Stellungnahmen jeweils bloß ihren Expertenstatus dokumentieren, nicht aber etwas von anderen Menschen lernen wollen?

In einer solchen Gesellschaft wäre es für einen philosophisch veranlagten Menschen nützlich, auf seine philosophischen Interessen zu verzichten. Aber nicht deshalb, weil Philosophie an und für sich nicht nützlich wäre, sondern weil er in einer Gesellschaft lebt, die so organisiert ist, dass philosophische Interessen und Verhaltensweisen einem Menschen nur Nachteile bringen und keine Vorteile.

Man kann also Philosophie aus einer Gesellschaftsordnung auch rausorganisieren. Ebenso wie man umgekehrt unphilosophische Einstellungen in sie reinorganisieren kann, indem man sie z.B. durch eine bestimmte Gestaltung der beruflichen Ordnung überhaupt erst ermöglicht. So erlangt z.B. ein Mensch mit einem sehr beschränkten Interessenfeld die Möglichkeit, sich in seinem Leben für nichts weiter interessieren zu müssen, wenn gesellschaftlich etablierte Karrierelaufbahnen ihn schützen, indem sie ihm die lebenslange berufliche Betätigung im Feld seiner Expertise erlauben.

Zusammengefasst: Der Frage, ob Philosophie nützlich ist, wohnt die Tendenz inne, unser Denken in eine falsche, irrige Richtung zu führen. Wir hören diese Frage und fassen sie so auf, als ob sie danach fragte, ob Philosophie an und für sich Nutzen hätte. Und dann beantworten wir sie, aber das tun wir vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen in unserer heutigen Zeit und Gesellschaft. Bei der Organisation unserer heutigen Gesellschaft aber wurden vielfältige Maßnahmen getroffen, die sicherstellen, dass Philosophie jedenfalls im Berufsleben und im kommunikativen zwischenmenschlichen Austausch gar keinen Nutzen haben kann, sondern im Gegenteil dem Individuum sogar Nachteile einbringt.

Wenn wir die Frage nach dem Nutzen von Philosophie beantworten, glauben wir also üblicherweise, nur den Nutzen von Philosophie an und für sich zu beurteilen. In Wirklichkeit hingegen geben wir darüber Auskunft, welches Ansehen Philosophie in unserer Gesellschaft genießt und welche beruflichen Möglichkeiten sie uns eröffnet bzw. nicht eröffnet. Und bei der Einschätzung des Nutzens von Philosophie in unserer gegenwärtigen Gesellschaft und Berufswelt treffen wir zumeist intuitiv die Wahrheit.

Mit diesen und verwandten Fragen beschäftigen sich die beiden folgenden philosophischen Arbeitsblätter:

Grundelemente einer Wissenschaftstheorie (9): Was ist akademische (wissenschaftliche) Philosophie? (pdf-Dokument (2 Seiten)):

http://www.philohof.com/philosophie/philosophische_wissenschaftsforschung/Grundelemente%20einer%20Wissenschaftstheorie%209.pdf

Grundelemente einer Wissenschaftstheorie (8): Die wissenschaftliche Weltauffassung des Wiener Kreises (pdf-Dokument (2 Seiten)):

http://www.philohof.com/philosophie/philosophische_wissenschaftsforschung/Grundelemente%20einer%20Wissenschaftstheorie%208.pdf

Permalink 03.01.16    2 Kommentare »

frei

ein freier wille
wäre frei von beweggründen
und damit kein wille

ausdruck

Es ist
nicht das Geschehen,
welches zur Sprache kommt.

Wer sollte
in der Lage sein,
es zu übersetzen?

Viel mehr
ist es Sprache,
welche im Geschehen
zum Ausdruck kommt.

Alles
Geschehen
ist Sprache.

nur das

keine zeit
nur jetzt

kein raum
nur hier

kein stoff
nur das

kein geist
nur sprache

kein wille
nur erzählung

kein ich
nur anmaßung

nichts wollen

Nichts,
was geschieht,
ist gewollt.

Wollen
geschieht
unwillkürlich.

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