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lösung

Das Grundproblem aller Philosophie,
nämlich die Frage nach dem, was ist,
resultiert aus der Voraussetzung,
es gäbe jemanden,
der diese Frage beantworten könnte.

Genau das aber ist mitnichten der Fall.
Viel mehr ist da niemand,
und damit auch niemand,
der irgendetwas erkennen könnte.

Und wo niemand ist,
da ist eben einfach nur das,
was ist.

meditation

denken ist niemand
niemand denkt

entscheiden ist niemand
niemand entscheidet

wahrnehmen ist niemand
niemand nimmt wahr

sein ist niemand
niemand ist

vermeintlich

Raum ist
die vermeintliche Trennung
von Beobachter und Beobachtetem.

Zeit ist
die vermeintliche Trennung
von Ursache und Wirkung.

Bewußtsein ist
die vermeintliche Trennung
von Denker und Gedanke.

Universum ist
die vermeintliche Trennung
von Sein und Nichts.

Bedeutung ist
die vermeintliche Trennung
von Wort und Sinn.

denken

Wollen
denkt
Sprache

Sprache
denkt
Welt

Welt
denkt
Ich

Ich
denkt
Wollen

spiel

Niemandes Gedanken,
niemandes Gefühl,
herrenlose Hunde,
namenloses Spiel.

das

Das,
was ist,
braucht nichts,
um zu sein.

alles und nichts

Nichts hat Bedeutung,
alles ist Bedeutung.

Nur Bedeutung kann bewußt sein.
Bedeutung ist Bewußtsein.

Alles ist Bewußtsein,
nichts hat Bewußtsein.

bedeutung ist bewußtsein

Die Bedeutung eines Wortes offenbart sich,
wenn das Wort zu Bewußtsein wird.
Sei es als Zeichen oder Gedanke.

Ist die Bedeutung des Wortes unbekannt,
ist seine Bedeutung die eines Wortes
mit unbekannter Bedeutung.

In jedem Fall ist die Bedeutung eines Wortes
identisch mit dem Wort als Bewußtsein.

eins

Die Bedeutung eines Wortes wird verstanden,
wenn seine Rolle im Zusammenhang,
in dem es auftaucht,
bewußt ist.

Der Zusammenhang kann aus anderen Worten
oder sonstigen Wahrnehmungen bestehen.

Was für die Bedeutung eines Wortes gilt,
muß auch für die Bedeutung einer Wahrnehmung gelten.
Ihre Rolle im Zusammenhang muß bewußt sein.

Ohne Bewußtsein keine Bedeutung,
ohne Bedeutung kein Bewußtsein.
Bewußtsein und Bedeutung sind eins.

wie es ist

sprache
sagt ich

ich
sagt welt

welt
spricht

dasein

Niemand hat Gedanken.
Da sind Gedanken.
Niemand hat Gefühle.
Da sind Gefühle.
Niemand hat Erinnerungen, Vorstellungen, Erwartungen.
Da sind Erinnerungen, Vorstellungen, Erwartungen
Niemand hat Wahrnehmungen.
Da sind Wahrnehmungen.
Niemand ist da.
dasein

Im Wachsein

haben wir genauso wenig Einfluß

auf unser Denken und Handeln

wie im Traum.

Kunst ist

entweder Handwerk

oder Anmaßung.

Das Leben

ist ein Alptraum,

der mit dem Tode endet.

in der geschichte der menschlichen anmaßungen

ist das aufkommen des ich-begriffes

ohne zweifel die ungeheuerlichste

Kleine Philosophie

1. Gott als der Urgrund der Welt

Über Gott kann man sich rein philosophische Gedanken machen. Gott könnte ein Wesen sein, das ausserhalb der Welt existiert und möglicherweise von außen auf die Welt einwirkt. Das ist jedoch Sache der Theologie oder des Glaubens. Gott könnte aber auch der Welt immanent und damit ein Teil der Welt sein. Man könnte ihn dann als den Urgrund allen Seins und allen Werdens verstehen. Alles, was in der Welt entstanden ist - Berge, Pflanzen, Tiere, Mensch - , wäre eine Entfaltung der Ursubstanz. Auch das geistige Leben sowie das moralische und das ästhetische Empfinden wären aus diesem Urgrund herzuleiten.
Nach dieser Vorstellung umfasst der Urgrund sowohl Materie als auch Geist - das erinnert alles sehr an Spinoza. Der Geist ist die Form der Materie. Materie ohne Form gibt es nicht (Aristoteles). Geistiges wird durch Materie aktualisiert (oder „individuiert“). Geist und Materie bedingen sich also gegenseitig, verhelfen sich zur aktuellen Existenz. Getrennt voneinander haben sie nur potentielles Sein, sind sie Verwirklichungsmöglichkeiten.
Wenn sich alles aus dem Urgrund entwickelt hat, muss der Urgrund diese Entwicklungsmöglichkeiten enthalten haben. Der Urgrund ist damit ein unendlich großes Reich des Möglichen. Man könnte sogar überlegen, ob abstrakte geometrische Formen wie der Kreis oder das Dreieck oder Sätze der Logik zu diesem Urgrund gehörten und somit bis zur Entdeckung durch die Menschen potentielles Sein besaßen.
Gott als der Urgrund der Welt hat immer schon existiert. Philosophisch ist es nicht notwendig, einen Anfang Gottes und mit ihm des Urgrunds anzunehmen. Auch der Urknall könnte auf dem ewig existierenden Urgrund beruhen.

2. Alles, was geschieht, hat einen „hinreichenden“ Grund
    
Das Leben lehrt uns , dass alles, was sich ereignet, einen Grund hat, der erklärt, wie es geschehen konnte. Man kann sich das Geschehen in unserer Welt als einen unendlich großen Wirbel von vernetzten Kausalreihen vorstellen, wobei jede Kausalreihe eine Folge von Zuständen der beteiligten Dinge ist. Jeder einzelne von diesen Zuständen muß durch den jeweils vorangehenden Zustand ermöglicht worden sein, sonst wäre er nicht eingetreten. Der Folgezustand muß aber nicht notwendigerweise eintreten. Wenn das so wäre, wäre alles Geschehen in der Welt einschließlich unseres geistigen Lebens und damit unserer Entscheidungen vollständig determiniert. Selbst in der Physik, für die an sich strikte Gesetze charakteristisch sind, gibt es keine durchgehende Determiniertheit der Vorgänge. Nach der Quantenmechanik herrschen nämlich in der Mikrophysik nur statistische Gesetzmäßigkeiten, was sich bei labilen Vorgängen in komplexen Systemen auch makrophysikalisch auswirkt.  Erst recht sind die Gesetze der Psychologie, die für das geistige Leben des Menschen relevant sind. nicht strikt.
Die Zukunft ist damit nicht festgelegt; es können sich ganz unterschiedliche, ja diametral entgegengesetzte Entwicklungen ergeben. Das aber, was in der Vergangenheit geschehen ist, kann mit der jeweiligen Ermöglichung durch vorangehende Zustände erklärt werden. So kann der Zerfall eines radioaktiven Atoms zu einem bestimmten Zeitpunkt damit erklärt werden, dass solche Atome nach einem statistischen Gesetz in bestimmten Zeiträumen zerfallen und dass daher jedem einzelnen dieser Atome die Tendenz zum Zerfall innewohnt.  Diese Tendenz hat den Zerfall zu dem bestimmten Zeitpunkt ermöglicht; es war aber nicht notwendig, dass das Atom genau zu dem Zeitpunkt zerfiel.
Man kann sich nun vorstellen, dass auch der Urknall durch eine solche, dem Urgrund innewohnende Tendenz hervorgerufen wurde. Allerdings könnte man hier wohl nicht ein statistisches Gesetz zur Erklärung heranziehen, denn der Urknall dürfte ein singuläres Ereignis sein, das es in der Welt bisher nur ein einziges Mal gegeben hat. Eine solche Tendenz kann es aber auch ohne Vorherrschen einer statistischen Gesetzmäßigkeit gegeben haben. Das wird klar, wenn man sich überlegt, dass ein radioaktives Atom die Tendenz zum Zerfall haben könnte, wenn es das einzige Atom seiner Art auf der Welt wäre. Diese Tendenz wäre ein „hinreichender“ Grund für diesen Vorgang wie eine Tendenz des Urgrunds, einen Urknall hervorzubringen, ein hinreichender Grund dafür wäre.


3. Dinge - Vorgänge - Eigenschaften - Bedeutung

Was in der Welt existiert, kann man schlicht als „Dinge“ bezeichnen.  So wären auch Gedanken, Gefühle, Erkenntnisse der Wissenschaften, Werke der Künste, der Literatur, der Technik Dinge. Berücksichtigt man die zeitlichen Veränderungen bei den Dingen, kann man von „Vorgängen“ oder auch  „Ereignissen“ sprechen. Mit diesen Begriffen müsste man eigentlich die ganze Welt erfassen können.
Die Dinge haben Eigenschaften, mit denen man sie identifizieren und beschreiben kann. Diese Eigenschaften können sich auf die materielle oder auf die geistige Seite der Dinge beziehen. So könnte man bei einem  Gemälde beschreiben, auf welchem Untergrund es gemalt ist und welche Farben an welchen Stellen aufgetragen sind, oder aber was es darstellt und was der künstlerische Gehalt ist. Bei einem erklingenden Musikstück könnte man die Folge der Frequenzen der Schallwellen oder aber die musikalische Aussage beschreiben. Letzlich sind aber alle Eigenschaften, auch soweit sie die stoffliche Grundlage von Dingen beschreiben, geistig; sie sagen aus, wie die Dinge sind, die „Seinsweise“ der Dinge. Bestimmte Eigenschaften sind in ihrer Summe dafür wesentlich, was ein Ding ist. Dazu kann auch die Entstehungsgeschichte eines Dings  gehören. Eine perfekt gefälschter 50€-Schein ist dennoch kein 50€-Schein, weil er zwar alle sinnlichen Qualitäten eines echten Geldscheins hat, aber nicht von der autorisierten staatlichen Stelle ausgegeben worden ist. Mehrere benachbarte Steinhaufen im Gebirge können Wegmarkierungen oder rein zufällige Gebilde sein
Alternativ zu „Eigenschaften“ kann man auch von der „Bedeutung“ der Dinge sprechen. Der Begriff Bedeutung passt noch besser zu Vorgängen. Bestimmte Vorgänge im Gehirn haben die Bedeutung eines Gedankens oder einer Empfindung. Menschliche Handlungen sind in der Regel mit Körperbewegungen verbunden; entscheidend ist aber ihre Bedeutung. Das ist ihre geistige Seite.

4. Ebenen im materiellen und im geistigen Bereich

Das Geistige ist nicht einfach nochmal eine Ebene über der biologischen Ebene. In der materiellen Sphäre kann man ausgehend von der elementarsten physikalischen Ebene mit zunehmender Komplexität etwa die Ebenen der Chemie, der Zellen, der Organe und der lebenden Organismen unterscheiden. Die Bestandteile der niedrigeren Ebenen bilden das Ganze des Organismus; es handelt sich hier um die Beziehung zwischen dem Ganzen und seinen Teilen. Dabei ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile, weil es entscheidend darauf ankommt, wie die Teile zusammengesetzt und miteinander verbunden sind. Eine derartige Beziehung herrscht dagegen nicht zwischen  dem Empfinden und Denken des Menschen und den damit verbundenen Strukturen der materielle Seite. Diese stehen den geistigen Vorgängen jeweils als Ganzes gegenüber. Wenn also jemand etwas denkt, zum Beispiel „Morgen wird es regnen“, dann bilden alle damit korrelierten neuronalen Strukturen im Gehirn das materielle Gegenstück. Die geistige Seite befindet sich nicht auf  einer höheren Komplexitätsebene. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Teile, die dieses Organ konstituieren, etwa die Neuronen, auch eine geistige Seite, nämlich bestimmte Eigenschaften, haben. Diese Eigenschaften sind aber noch nicht der Ebene des Bewusstseins, des Denkens und des Empfindens zuzuordnen.
Weder auf der materiellen noch auf der geistigen Seite gibt es eine Verursachung nach unten (vom Ganzen auf seine Teile) noch eine von unten nach oben (von den Teilen zum Ganzen). Die Änderung eines Bestandteils ist zugleich die Änderung des Ganzen. Die Änderung des Ganzen ist nur möglich durch eine Änderung von Bestandteilen: ein einheitlicher Vorgang, keine wechselseitige Kausalbeziehung.
Zu beachten ist, dass nicht alle materiellen Vorgänge im Körper für das mentale Geschehen relevant sind: Wenn unbemerkt ein Haar ausfällt, ändert
sich nichts in der mentalen Sphäre.

5. Freiheit der Willensbildung

Wir Menschen sind in der Regel überzeugt, dass wir unseren Willen frei bilden können. Das gilt natürlich nur innerhalb eines durch die konkreten Lebensumstände vorgegebenen Rahmens: Ich kann nicht etwas tun wollen, was mir offensichtlich unmöglich ist, zum Beispiel aus dem Stand 10m hoch zu springen oder wie Jesus über das Wasser zu wandeln. Aber zu Handlungen, die mir jetzt und hier möglich sind, kann ich mich wohl frei entscheiden? Da gibt es aber ein Problem: Alles, was in mir geistig vorgeht, beruht auf physischen Vorgängen, die sich im Wesentlichen in meinem Gehirn abspielen. Diese Vorgänge sind materielle Vorgänge, die sich nach den Naturgesetzen, nämlich denen der Physik, der Chemie und der Biologie richten. Spinoza, der noch nichts von Unbestimmtheiten im mikrophysikalischen Bereich wissen konnte und der die Naturvorgänge daher für vollständig determiniert hielt, war deshalb der Überzeugung, dass auch unser geistiges Leben vollständig auch für die Zukunft festgelegt ist. Eine Möglichkeit, dennoch glücklich zu leben, sah er dann darin, sich in diese nun einmal gegebene Sachlage zu fügen und sich positiv dazu einzustellen.
Wir wissen aber nun, dass die physischen Vorgänge aufgrund der quantenphysikalischen Unbestimmtheiten nicht strikt determiniert sind, vielmehr die Zukunft offen ist. Ermöglicht das eine Freiheit der Willensbildung? Da muß man sehen, dass wegen dieser Unbestimmtheiten auch Zufälle im physischen Bereich eine Rolle spielen. Damit ergeben sich im Gehirn Konstellationen, die von diesen Zufällen abhängen und auch auf der geistigen Seite eine Bedeutung haben können. Die Mitwirkung von Zufällen bringt aber überhaupt keinen Vorteil für die Freiheit der Willensbildung. Diese muß daher anders begründet werden:
Wenn sich in einem Menschen ein bestimmter Wille bildet, der dann auch zu einem Entschluss führt, ist das ein geistiger Prozess, bei dem unter Umständen viele Faktoren zusammenwirken wie etwa verstandesmäßige Überlegungen, emotionale Einstellungen und Befindlichkeiten, die auch unterbewusst sein können. All diese Faktoren sind auch physisch in Form von neuronalen Strukturen im Gehirn vorhanden; auch dort gibt es das Zusammenspiel der Faktoren. Das Ganze ist aber ein einheitlicher Prozess, wobei dessen geistige Seite durch die Eigenart der geistigen und die physische Seite durch die Eigenart der physischen Faktoren bestimmt wird. Man kann sich das anhand eines Beispiels verdeutlichen:
Wenn ich mich entschließe, ein bestimmtes Auto bei einem Händler zu kaufen, dann gehen dem viele Überlegungen voraus; aber auch emotionale Gründe wie etwa persönliche Vorlieben spielen eine Rolle. Der Entschluss ist aber gleichzeitig ein neuronales Muster im Gehirn, dass durch die physischen Faktoren verursacht worden ist. Das Vorhandensein dieses Musters erklärt wiederum, warum ich meinen Entschluss durch entsprechendes Handeln vollziehen kann: Dazu muss ich ja meinen Körper mit seinen Teilen  in bestimmter Weise bewegen, und das sind ja (auch) physische Vorgänge, die durch die von meinem Gehirn ausgehenden Impulse verursacht werden.

Ist eine solche Willensbildung nun frei? Ich meine: ja: Denn der Entschluss beruht auf meinen vernünftigen Überlegungen, auf einer bewussten Abwägung verschiedener, unter Umständen sich widerstreitender Gesichtspunkte und auf den Einstellungen und den Vorlieben, die meine Persönlichkeit prägen. Mehr kann ich mir als Freiheit gar nicht wünschen, und das ist das, was wir als Empfindung von Freiheit haben, nämlich dass wir aus unserern eigenen Gründen, Vorstellungen und Vorlieben heraus handeln können. Dass unsere Entschlüssse dabei aus (weitgehend) determinierten Kausalverläufen hervorgehen und nicht einfach aus dem Nichts kommen, sollte diese Empfindung nicht beeinträchtigen können.

6. Was ist „Seele“ und ist sie unsterblich?

Die Menschen haben eine Seele, und man kann annehmen, dass auch viele Tiere eine Seele haben. Seele kann man so verstehen, dass sie alles umfasst, was (beim Menschen) die Persönlichkeit eines Menschen ausmacht, seine Art zu reden und zu lachen, die Art, wie er sich kleidet und sich bewegt , wie er in bestimmten Situationen reagiert, seine innere geistige Struktur, was er liebt und was er ablehnt, was sein Gedächtnis gespeichert hat, welche Ereignisse in seinem Leben ihn geformt haben. Zur Persönlichkeit eines Menschen gehören auch seine äusserliche Erscheinung, seine Gestalt, seine Gesichtszüge, der Blick seiner Augen. Aristoteles spricht hier von der Form des Körpers; aber was Seele ist, geht weit darüber hinaus. Die seelischen Eigenschaften des Menschen, die sich auch in seiner Körperlichkeit ausprägen, sind (wie alle Eigenschaften) etwas Geistiges, das aber nicht unabhängig von seiner physischen Grundlage existiert. Löst sich diese Grundlage auf, weil der Mensch stirbt, dann löst sich auch seine Seele auf. Der Mensch kann nicht mehr lachen, reden, sich freuen und seine charakteristischen Wesenszüge ausleben. In der Erinnerung anderer  Menschen kann er noch „fortleben“, aber es nicht der Mensch selbst, der da noch existiert. An eine unsterbliche immaterielle Seele kann man zwar glauben; dass verstößt auch nicht gegen irgendwelche Vernunftsprinzipien. Eine solche von einer körperlichen Grundlage unabhängige Seele ist aber nicht das, was wir in unserem Leben an anderen Menschen und an uns selbst kennenlernen und was in seiner Existenz nicht bezweifelt werden kann.

Permalink 07.04.11    2 Kommentare »

wir sind

wörter ohne bedeutung

gedanken ohne denker

handlungen ohne ziel

sind wir

leben ist sehen

leben ist hören

leben ist spüren

leben ist schmecken

leben ist riechen

leben ist fühlen

leben ist,

davon

zu

erzählen

sehendes ist zu sehendes

sonst ist nichts zu sehen

Heute habe ich aber gelacht!

 Und zwar bei der Lektüre von Dan Zahavis Buch Husserls Phänomenologie (Mohr Siebeck (UTB), Tübingen 2009). 

Dabei habe ich gelesen über Husserls Gedanken zur Intersubjektivität. Darüber lacht man nicht oft. Denn normalerweise braucht man die Intersubjektivität im täglichen Leben nicht. Wenn sie aber Andere im Munde führen, dann gewöhnlich um sie gegen dich zu wenden, indem sie etwa sagen, dass das, du gesagt hast, aber keine intersubjektive Gültigkeit habe. Das bedeutet dann, dass du damit heimgehen und dich brausen kannst.

 

Aber lassen wir Husserl mal reden:

 

S. 117 „Wie Husserl in der Krisis schreibt, kann die Intersubjektivität nur durch ein radikales „Mich-selbst-befragen“ als ein transzendentales Problem behandelt werden (Hua 6/206); nur meine Erfahrung von und Beziehung zu einem anderen Subjekt, ebenso wie diejenigen meiner Erfahrungen, die den Anderen voraussetzen, verdienen es, im eigentlichen Sinne als intersubjektiv bezeichnet zu werden.“

 

Hahahaha, nur MEINE Erfahrungen verdienen es, intersubjektiv genannt zu werden!!! Der war gut, nicht wahr!

 

Wollen wir noch einen lesen? Noch einen! Einer geht noch!

 

S. 120-121 „Husserls Hauptthese ist, dass meine Erfahrung von etwas objektiv Geltendem durch meine Erfahrung der Transzendenz (und Unzugänglichkeit) eines fremden Subjekts ermöglicht wird, und dass diese Transzendenz, die Husserl als die erste echte Andersheit und als die Quelle aller wirklichen [S. 121] Transzendenz bezeichnet, der Welt ihre objektive Gültigkeit verleiht (Hua 14/277, 15/560, 1/173).“

 

MEINE Erfahrungen sind objektiv – das gefällt mir auch sehr gut. (Der Günther sagt ja immer zu mir: „Helmut, das sind deine Probleme, andere Leute haben diese Probleme nicht!“ Er sollte es besser wissen, der Günther.) Ja, und warum kann ich das Objektive erfahren? Na, weil ich in die Köpfe anderer Menschen NICHT hineinschauen kann: Das Objektive ist mir also zugänglich, weil es mir unzugänglich ist – sehr logisch, nicht wahr?

 

Einer geht noch:

 S. 121 „Nur indem ich erfahre, dass andere dieselben Gegenstände wie ich selbst erfahren, erfahre ich wirklich diese Gegenstände als objektiv und real. Erst dann erscheinen die Gegenstände mit einer Gültigkeit, die sie zu anderem und mehr macht als zu bloßen intentionalen Objekten. Nun sind sie als wirkliche (objektiv, d.h. intersubjektiv gültige) intentionale Gegenstände gegeben.“ 

Das bedeutet: Wenn Andere sich den Schädel anhauen gleichzeitig mit mir, ist mein Schädelweh wirklich. Hahaha!

 

Noch einen Allerletzten: Es ist nämlich so: Ich brauche die Anderen zur Intersubjektivität gar nicht, das kann ich auch alleine! Kann ich nicht? Na, schauen wir mal:

 

S. 125 „Da der Wahrnehmungsgegenstand sich also immer auch Anderen darbietet, gleichgültig, ob sie tatsächlich anwesend sind oder nicht, verweist der Gegenstand auf solche Andere und ist aus eben diesem Grund charakterisiert durch eine ihm innewohnende Intersubjektivität. Er existiert nicht nur für mich, sondern verweist auf eine Vielzahl möglicher Subjekte, ebenso wie meine Intentionalität es tut, wann immer ich auf diese intersubjektiv zugänglichen Gegenstände gerichtet bin. Das besagt, die Intentionalität meiner Wahrnehmung enthält einen Verweis auf andere, ohne Rücksicht darauf, ob ich diese Anderen erfahre oder nicht, und sogar ohne Rücksicht darauf, ob sie tatsächlich existieren oder nicht.“

 

Genau. Ich brauche nämlich gar keine Intersubjektivität, ich bin mir nämlich selber intersubjektiv genug! Das sagt auch das allerallerletzte Zitat:

 

S. 128 „Anders gesagt kann die transzendentale Intersubjektivität nur durch eine radikale Explikation und Analyse der Erfahrungsstrukturen des Ich zum Vorschein gebracht werden. Darin bekundet sich nicht nur die ichliche Verwurzelung der Intersubjektivität, sondern auch die intersubjektive Strukturierung des Ich.“

 

Ichlichste Grüße von meiner Euch geneigten Intersubjektivität schickt Euch philohof!

 

Permalink 02.04.11    2 Kommentare »

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