Vernachlässigbar Unverlässliches

www.wertschrift.net - Vergleichsweise sind die Naturgesetze das Verlässlichste, aber sie sind nicht absolut verlässlich. Und wenn etwas nicht absolut verlässlich ist, ist es dann überhaupt verlässlich? Ich denke, die Lebensgewohnheit ist sehr verbreitet, dass wir uns auf Dinge und wohl auch Personen (einschließlich der eigenen) verlassen, insofern sie vernachlässigbar unzuverlässig sind. Das genügt - so lässt sich leben. Und es bleibt uns auch nichts anderes übrig. Nicht einmal die Naturgesetze - nach quantenphysikalischem Befund, der zur Zeit als besonders verlässlich anzusehen ist. So verlässlich wissenschaftliche Aussagen nun einmal sein können: falsifizierbar seriös. Also bloß keine Panik! Etwas Sorge vielleicht. Wozu ist man sonst auch da.

2 Kommentare

Kommentar von: Leo Allmann [Mitglied] E-Mail
"was ist verlässlicher als naturgesetze? hat die quantenphysik die unverlässlichkeit der naturgesetze bewiesen oder nur, dass wir sie eben noch nicht genau genug kennen? …sorgen mache ich mir nicht. sollte ich?" (keah)

Wie gesagt: Vergleichsweise sind Naturgesetze das Verlässlichste. Die Wahrscheinlichkeit ihres Versagens ist äußerst niedrig. Wir können diese Möglichkeit ähnlich vernachlässigen wie zum Beispiel die Möglichkeit, dass ein Lottospieler jahrzehntelang Woche für Woche alle Glückszahlen richtig tippt.

Quantenphysiker haben in der Tat rein rechnerisch nachweisen können, dass die Naturgesetze nicht absolut verlässlich sind. (Ähnlich überzeugend konnte man vor Jahrhunderten aufzeigen, dass die Planetenbahnen nicht kreisförmig, sondern elliptisch verlaufen.) Freilich wird seit Einstein immer wieder versucht, den Standpunkt ihrer absoluten Geltung ähnlich plausibel und "elegant" erscheinen zu lassen. Dieses Gedankenexperiment ist bis heute nicht gelungen. Die Gegner der Quantenphysik arbeiten allerdings weiter daran.

In Sorge sind wir übrigens ohnehin, insofern wir als Menschen dies und das besorgen, einander und uns selbst versorgen, in der einen oder anderen Hinsicht Vorsorge treffen, bei uns wichtigen Anliegen sorgfältig zu Werke gehen, mit so manchem Schützling fürsorglich umgehen usw. usw. Da fällt es so gut wie gar nicht ins Gewicht, dass sogar die Naturgesetze ein Grund zur Sorge sind. Wie oben erwähnt, am ehesten noch für theoretische Physiker.
01.10.08 @ 10:43
Kommentar von: SoftMachinist [Besucher]
Im Grunde ist das "menschliche bewusste und physische Sein" eigebettet in das goße Mysterium Ewigkeit. Ewigkeit ist etwas Irrationales (für uns).Es lässt sich somit ableiten, dass es keine Rationalität gibt, höchstens als Orientierungskrücke in einer absolut metaphysischen Welt. Der physische und biologische Gärungsprozess ist umgeben von Metaphysik, ja er ist sogar Bestandteil derselben. Unendlichkeit auf Macro- und Microebene.Wo sind die Schnittstellen? Wo die Übergänge? Was ist das absolute Vakuum, wenn das Volumen doch vorhanden ist? Der größte Fehler des Menschen ist seine selbstverherrlichenden Eitelkeit. Es gibt nichts, was verbindlich absolut verlässlich ist. Das Sein hat letztlich "nur" die Bedeutung, die man ihm beimisst. Absolut gesehen gibt es womöglich keine Bedeutung. Würde das Universum metaphysisch n i c h t existieren, wäre es kein Unterschied. Gegensätze sind eine Einheit. Alles und Nichts sind hier austauschbar. Das der Mensch mit seinem Großhirn dazu befähigt ist, über diese Dinge nachzudenken, ist tragisch. Ich habe selten wirklich glückliche Menschen getroffen, aber noch nie einen glücklichen Philosophen! Philosophie ist immer irgendwie mit Skeptizismus und Nihilismus verbunden.Am Schluß bleibt nach viel Energieverbrauch immer nur der Beigeschmack des Unbehagens im Sein.Da keiner von uns der allmächtige Gott ist, stelle ich mir den Zustand "Alle Fragen" wirklich beantworten zu können, als extrem grausam vor..
Keep it simple ist womöglich der bessere Weg, was nicht heißen soll, sich dem Primitiven hinzugeben.
28.06.09 @ 17:07

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