Gewaltloser Widerstand versus gewaltlose Durchsetzung

von antaeus E-Mail

Ein klassisches Oxymoron? Kann es gewaltlosen Widerstand per se geben? Ist an die Wortbedeutung Widerstand in dessen inhärenten Bedeutung nicht an und für sich Gewalt gekoppelt?

Es gilt, das Wort Widerstand genauer zu betrachten. Wikipedia liefert unter: Widerstand (Politik), die Gehorsamsverweigerung und Opposition gegen die Obrigkeit (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Widerstand). Genauer betrachtet erscheint Widerstand immer die Aktivität des Schwächeren zu beschreiben, und nie die des Objektes, gegen welchen sich der Widerstand richtet. Es wäre eine befremdliche Formulierung, wollte z.B. der Staat gegen vermehrte Einbruchdiebstähle zum "Widerstand" aufrufen. Widerstand scheint demzufolge in Abhängigkeit einer hierarchischen Stufe des zum Widerstand Bereiten zu stehen. Auf der obersten hierarchischen Stufe ist das Wort in seiner Bedeutung obsolet.

Gilt denn folgerichtig anzunehmen, dass auf der obersten hierarchischen Stufe das Wort Durchsetzung adäquat zu Widerstand verwendet werden kann oder gar muss? Kann dann auch von einer gewaltlosen Durchsetzung gesprochen werden? Oder stellt auch diese Formulierung ein Oxymoron dar?

6 Kommentare

Kommentar von: Optimismus [Besucher] E-Mail · http://optimismus.wordpress.com/
Gewaltloser Widerstand per se kann es in meinen Augen nicht geben. Warum, dass erkläre ich an folgendem Bild (wird ein bisschen physikalisch):

Nehmen wir einen Fluss als Beispiel. In diesem Fluss ragt ein kleiner Fels empor, der in meinem Beispiel den Widerstand gegen das fließende Wasser darstellt. Aus unserem Physik-Unterricht wissen wir noch, dass es Reibungsenergie zwischen Fels und Untergrund gibt. Ist sie größer als die Energie, die vom Wasser gegen den Fels gerichtet ist, bleibt der Fels an Ort und Stelle. Vermehren sich die Fluten und erreichen sie eine höhere Fließgeschwindigkeit, so übertrifft diese Energie die Reibungsenergie - die Folge ist, dass der Fels sich bewegen wird. Obwohl der Fels sich nicht aktiv gegen das Wasser richtet, ist er durch sein eigenes Gewicht zu einem Widerstand im Fluss geworden.

Gleiches gilt wohl auch auf z.B. politischer Ebene. Wobei ich meine, dass eine solche Art von Widerstand nicht an das Wort Gewalt gekoppelt werden muss, da sich der Widerstand ja nicht aktiv gegen etwas richtet, sondern durch die "körpereigene" Energie nur den Verlauf eines Vorgangs verändert (Fluss muss bei zu niedriger Eigenenergie an Fels vorbei fließen). Widerstand scheint so die Passivität eines Opponenten zu beschreiben :-)

(Anm.: Ich habe keine Philosophie studiert und lese darüber nur aus Interesse. Darum sind meine Kommentare natürlich nicht wirklich fachkundig.)
12.02.09 @ 18:59
Kommentar von: Sky [Besucher]
Der Staat ruft bspw. zum "Widerstand gegen Rechts" auf.
Widerstand ist auch in Firmen ein bekanntes Problem, Abteilungen verweigern sich, machen Dienst nach Vorschrift.
Gewalt und Widerstand haben erst einmal nichts miteinander zu tun.
BTW, ich kenne solche Vorträge noch aus 68er-Zeiten, diese haben mich intellektuell nie überzeugt, um es dezent auszudrücken.
13.02.09 @ 10:52
Kommentar von: antaeus [Mitglied] E-Mail
Hallo @Optimismus

Das fachkundige mag das eine sein; ein Gefühl für Dinge etwas anderes. :-)

Der physikalische Ansatz und das sehr plastische Beispiel sind jedoch eine neue Sichtweise. Eine zugegebenermassen sinnmachende. Vielleicht war ich beim Schreiben etwas zu eingeschränkt; hinter meinem kleinen "Erguss" steckt auch eine durchaus reale, kürzlich erworbene Erfahrung.

Nichts desto trotz freue ich mich und kann hinter Ihrer Aussage mehr als nur einen anderen Ansatz sehen. Danke für Ihre Zeilen und

Liebe Grüsse
17.02.09 @ 12:18
Kommentar von: antaeus [Mitglied] E-Mail
Hallo @Sky

Was die 68er betrifft, war ich zu jung; Sie offensichtlich nicht :-)

Ihrer Aussage: "Gewalt und Widerstand haben erst einmal nichts miteinander zu tun" gebe ich hinsichtlich der Unmittelbarkeit gerne Recht. Bedeutend an Ihrer Aussage scheint mir das "erst einmal".

Liebe Grüsse
17.02.09 @ 12:20
Kommentar von: Sky [Besucher]
Es geht halt darum wie Widerstand zu verstehen ist, das Widerstehen einer Mode ist auch Widerstand, offensichtlich gewaltlos.
Kein Oxymoron, eher schon ohne oxy.
Nicht böse sein, aber ich witterte linkes Gedankengut.
18.02.09 @ 14:22
Kommentar von: antaeus [Mitglied] E-Mail
@Sky, Ich nehme es Ihnen keineswegs übel, dass Sie linkes Gedankengut wittern; das ist zwar bei mir weit gefehlt :-)
Es sind nur Gedanken, und ich halte es mit Kollega Leo Allmann, der da schreibt: "Ich bin mittlerweile so frei von zünftigen Zwängen, dass ich einfach schreibe, was mir einfällt - Sie dürfen sogar unterstellen: was mir gefällt." Ich musste bei diesem Kommentar echt schmunzeln. Aber das soll ja eine der Möglichkeiten hier sein, sich frei äussern zu dürfen. Selbstverständlich muss ich mir dann auch die Kommentare gefallen lassen, aber das tue ich gerne und durchaus mit Lust.
18.02.09 @ 14:37

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