Über den Tod
von antaeus
Philosophie kann schlüssig und einfach verständlich für jedermann zugleich sein...
Epikur schreibt in seinen Lehrbriefen, konkret im Brief an Menoikeus:
"Gewöhne dich auch an den Gedanken, dass es mit dem Tode für uns nichts auf sich hat. Denn alles Gute und Schlimme beruht auf Empfindung; der Tod aber ist die Aufhebung der Empfindung."
"Das angeblich schaurigste aller Übel also, der Tod, hat für uns keine Bedeutung; denn solange wir noch dasind, ist der Tod nicht da; stellt sich aber der Tod ein, so sind wir nicht mehr da."
Quelle: Aus: Diogenes Laertius: X. Buch. Epikur. Griechisch-deutsch. Übers. von Otto Apelt. Hrsg. sowie mit Vorw., Einl. und Anm. vers. von Klaus Reich und Hans Günter Zekl. Hamburg: Meiner, 1968. S. 101-111 (Brief an Menoikeus).
10 Kommentare
Zum Thema Tod empfehle ich immer gerne auch T.Pratchett.
Natürlich enden aus der Sicht der jetzt Lebenden die Empfindungen, wohlgemerkt die körperlichen, mit Eintritt des Todes. Der vorher belebte Körper ist nach dem Todesereignis schließlich nicht mehr belebt. Somit entfallen alle körperlichen Empfindungen aus unserer Sicht. In welchen Zustand sich das Individuum nach dem Tode befindet und ob dieses in irgendeiner Form noch existiert und folglich noch etwas irgendwie empfindet, darüber brauchen wir und können wir Lebenden keine Auskunft geben. Auch Spekulationen oder gar (scheinbar) logische Schlüsse werden nichtig, denn eine Überprüfung dieser "Erkenntnisse" kann nicht stattfinden.
Recht geben muss ich Epikur allerdings im zweiten Absatz: "Der Tod hat für uns keine Bedeutung; denn solange wir noch da sind, ist der Tod nicht da; stellt sich aber der Tod ein, so sind wir nicht mehr da." Eine sehr gute Feststellung eines damals Lebenden! Schließlich fehlt der eigentliche Mensch, wenn dessen Körper reglos daliegt. Mehr ließ sich damals und auch bis heute nicht beobachten. Vielleicht, um auf die Bedeutung des Todes einzugehen, hat der Tod auch nach seinem eigenen Eintreffen keine Bedeutung für uns? Vielleicht. :-)
Somit haben meiner Empfindung nach beide Aussagen etwas zutiefst tröstliches und menschliches an sich.
Als "Optimismus" und gerne lebender Mensch sprechen Epikurs Sätze mich allerdings eher schwermütig an, denn: Ich empfinde gerne und wenn dies zuende sein sollte beim Todesmoment und ich nicht mehr "da" bin, wäre das für mich nicht leicht hinzunehmen.
Ich bedanke mich bei Ihnen dafür, dass Sie auch antike Texte in der heutigen Zeit sprechen lassen - es ist selten geworden. Danke!
Wir Menschen kommen nicht umhin zu philosophieren und tastend und zuweilen unter Schmerzen eine Wahrheit zu suchen, die zu finden dem Menschen nicht gegeben ist. Ob wir dies im systematischen Sinne, basierend auf den Werkzeugen der Naturwissenschaften tun oder mit einem erfühlenden Intellekt ist letztlich vielleicht nur eine Frage des Gemütes oder der Disposition. Ich vermute bei Ihnen, sofern Sie dies erlauben, letzteres, zähle mich ebenfalls zu diesem Kreis und möchte meinen Kommentar mit Goethe schliessen, dem Kausalität im Sinne Kants fraglos fremd war. Er empfand die "Notwendigkeit des Schicksals" um eine Formulierung Oswald Spenglers in den Mund zu nehmen in seinen orphischen Urworten ausgedrückt:
"So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen.
So sagten schon Sibyllen, so Propheten;
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt."
Es ist dies die Kernfrage des Seins. Die Frage nach dem Sinn und dem Warum. Sie wurde zu Zeiten Epikurs vor über 2000 Jahren nicht schlüssig beantwortet und sie wird wohl nie schlüssig beantwortet werden können. Leben ist ein Mysterium. Wir werden geboren, leben über einen kürzeren oder längeren Zeitraum hinweg und sterben. Das einzige, was zweifelsohne Sinn macht brachten Sie in ihrem letzten Satz zum Ausdruck: "...es zu leben und zu empfinden und gegebenenfalls dafür zu kämpfen."
Freundliche Grüsse von antaeus.

17.02.09 13:13:53, 