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Kausale Kraft des Geistigen

Die kausale Kraft des Geistigen

Bei physikalischen Abläufen verursachen vorausgehende Zustände die ihnen folgenden Zustände, wobei auch die Wirkung physikalischer Energie mit im Spiel ist. Man kann daher davon sprechen, dass physikalische Zustände eine kausale Kraft haben. Wie steht es nun mit der kausalen Kraft geistiger Zustände oder Dinge, wie Gedanken, Ideen, Empfindungen, Wahrnehmungen, Büchern, Kunstwerken? In der Philosophie des Geistes wird vielfach angenommen, dass diese Dinge keine eigene kausale Kraft haben, weil es hier keine Energie gibt, die die kausalen Abläufe antreiben könnte. Geistige Dinge seien daher entweder bloße Begleiterscheinungen (Epiphänomene) physischer Abläufe oder sie würden ihre kausale Kraft von den physischen Abläufen „erben“, mit denen sie verbunden sind.
Nun ist es so, dass geistige Dinge in aller Regel eine materielle Basis haben, so etwa mentale Dinge in neuronalen Hirnvorgängen, Romane in gedruckten Büchern oder sonstigen Medien, Gemälde in Leinwand und Farben, und dass sie diese Basis benötigen, um kausal wirksam zu werden. Die Identitätstheorie sieht hier geistig-materielle Einheiten mit dem Doppelaspekt des Geistigen und des Materiellen. Wenn man aber kausale Kraft nur der materiellen Ebene zuschreibt oder allein aus dieser herleitet, übergeht man die spezifische kausale Wirksamkeit der geistigen Dinge. So kann man die Wirkung von Büchern, die die Welt bewegen, nicht auf Papier und Druckerschwärze zurückführen. Gedanken und Ideen haben unter Umständen eine Wirkmächtigkeit, die es verbietet, ihnen eine eigene kausale Kraft abzusprechen.

Permalink 03.11.09    3 Kommentare »

3 Kommentare

Kommentar von: oxnzeam [Besucher] · http://oxnzeam.de
Jaja, die 'die spezifische kausale Wirksamkeit der geistigen Dinge' ist mir erstmals als kleiner Junge bewusst geworden, als ich bemerkte, dass alle Hunde in unserer Strasse einen großen Bogen um einen bestimmten Baum machten, in dessen Rinde unser eigener Köter am Vortag den intentionalen Gehalt seines Hundehirns in Form einer Duftmarke hinterlassen hatte ;-)
05.11.09 @ 11:24
Kommentar von: benjamin [Mitglied] E-Mail
Ich möchte nicht in Skepsis verfallen, aber dennoch will ich bemerken, dass wir den Gegenständen unserer Erfahrung immer geschlossene Kausalität unterstellen und die physikalische Methode dadurch genötigt ist mit Kausalität zu arbeiten. Sie aber als objektiv durchdringend darzustellen ist eine tief metaphysische Behauptung, die noch nicht einmal in Physiklehrbüchern vertreten wird. Neben dieser Realitätskritik möchte ich weiter anmerken, dass die "geistige Ebene" - selbst wenn sie der materiellen entspringt - völlig verschiedene Eigenschaften vorweist. So sind wir zumindest dazu gezwungen, ein Eigenschaftsdualismus anzunehmen. Dieser Dualismus wäre dann nicht der Substanz nach, sondern den Eigenschaften nach und man kann von geistiger Kausalität sprechen, sofern man die ebenenspezifischen Unterschiede nicht aus den Augen lässt.

Vielen Dank für die Gelegenheit meines ersten Kommentars!
07.02.10 @ 16:28
Kommentar von: Günter Maier [Besucher]
Zu benjamin:
Ich denke , dass in der Physik Kausalität auch auch insoweit angenommen wird als - wegen der Unbestimmtheitsrelation - nur statistische Gesetzmäßigkeiten gelten. Das Prinzip der kausalen Geschlossenheit des Physikalischen wird m.E. weitgehend anerkannt.
Die logischen Bedenken David Humes richten sich nun gegen Induktivschlüsse, die zugegebenermaßen nicht logisch zwingend sind.Ich brauche aber keinen Induktivschluss, wenn ich weiß, wie ein kausaler Zusammenhang funtioniert, Z.B. warum die Sachen im Kühlschrank gekühlt werden oder warum das Licht erlischt, wenn ich den Lichtschalter betätige oder warum die Blumen vertrocknen, wenn ich sie längere Zeit nicht gieße. Der funktionale Zusammenhang erklärt jeweils den Kausalvorgang.
Im Übrigen vertreten auch ich einen Eigenschaftsdualismus oder sogar einen Eigenschaftspluralismus, je nachdem, wieviele Ebenen man in Betracht zieht. So hat die biologische Ebene ihre eigenen Eigenschaften.
Vielen Dank für den - so spät nicht mehr erwarteten - Kommentar!
09.02.10 @ 12:14

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