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15 Kommentare

  1. § xconroy E-Mail sagte am:
    Was mich bei den Diskussionen zu diesem Thema erstaunt, ist die weitgehende Abwesenheit von Gedanken wie diesem:

    wenn man davon ausgeht, daß "gutes" ethisches Verhalten (dessen Wegfall bzw. Nichtbeachtung Fukuyama ja kritisiert) etwas ist, was von der "Natur des Menschen" abhängt - warum tun sich die Kritiker des Transhumanismus dann so schwer damit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, daß mittels Gentechnik (zb) der Mensch nicht nur körperlich "verbessert" werden kann, sondern auch von seiner Natur her zu einem sozialeren Wesen gemacht werden könnte (ob dies gewünscht wird ist eine andere Frage)?

    Ganz knapp wirft John Brunner diese Frage in "Morgenwelt" auf (da gibt es diesen afrikanischen Stamm, der mittels Pheromonen alle aggressiven Gelüste, die jemand in der Umgebung eines Stammesmitgleides empfindet, dämpfen kann), beantwortet sie aber nicht wirklich... mir kam es so vor, als ob er darauf hinauswollte, daß die Menschheit sich eine Entwicklung hin zu mehr, tja, "sozialer Kompetenz" quasi erarbeiten muß und es sich nicht zu einfach machen dürfe... warum auch immer.
  2. § Robert Duerhager® E-Mail sagte am:
    Hallo xconroy!

    So leicht kann man es sich wohl nicht machen. Natürlich hängt soziales Verhalten von der Biologie des Lebewesens ab (Tiere haben schließlich auch ein soziales Verhalten), Grundlage dafür ist die Möglichkeit zu Kommunikation. Da der Mensch im Bereich der Kommunikation die Fähigkeit besitzt sich auf vielen Metaebenen zu bewegen, ist das soziale Verhalten der Menschen um einiges Komplexer als es bei Tieren der Fall ist. Soziales Verhalten ist somit natürlich an die Biologie des Lebewesens gebunden, was gleichzeitig aber auch bedeutet, dass wenn die Biologie verändert wird, sich auch das soziale Verhalten der Lebewesen ändert.
    Die Kritiker des Transhumanismus kennen diesen Zusammenhang und Trennen deshalb körperliche Verbesserung nicht von sozialer Veränderung.

    Nun betrachten wir mal den Fall, dass gezieltes Verändern der Biologie des Menschen dazu führen könnte ihn sozialer zu machen.
    Zwei der sich hier stellenden Probleme wurden schon an anderer Stelle gut beschrieben: http://futur.plomlompom.de/archiv/1839/
    Doch lass uns hier gezielt auf das Argument von Fukuyama eingehen.
    Zu früheren Zeiten stand die Veränderung der menschlichen Biologie nicht zur Debatte, weil es technisch einfach unmöglich war. Somit hatte die Natur des Menschen eine Unverfügbarkeit inne, und wir haben uns über Jahrtausende innerhalb dieser Begrenzungen mit extrem viel Mühe ein teilweise funktionierendes Sozial-Verhalten aufgebaut, dass über die eigene Familienbande hinaus geht. Und eine der größten Leistungen unserer Zeit war die Einigung auf allgemein gültige Menschenrechte und allgemein gültigen Menschenwürde. Der Grundlegende Gedanke hinter Menschenrechten und Menschenwürde ist dabei die Gleichheit der Menschen. Wird nun durch gezielte Verbesserung, deren Authorisierung und Gestaltung ethische Probleme für sich darstellen, der Mensch verändert, wird es Menschen geben, welche anders sind als andere Menschen. Deshalb wollen diese Menschen sich auch "Transhumanisten" nennen. Folgt man deinem Vorschlag und nimmt an, dass die Transhumanisten auch ein Sozial-Tuning mitbekommen haben, welche auf den Ergebnissen unserer bisherigen Zivilisation aufbauen und sie nicht untergraben, dann wäre es wohl logisch anzunehmen, dass Transhumanisten auch weiterhin den normalen Menschen als Menschen mit gleichen Rechten anerkennen und ihm eine umfassende Gleichberechtigung zuspricht. Wie oben im Beitrag aber Verlinkt und zitiert, gibt es bei den Transhumanisten immer auch die Forderung, dass eine für sie optimierte neue soziale Ordnung geschaffen werden soll. Doch was sie dabei vergessen: Auch die Transhumanisten würden auf kurz oder lang von den Transhumanisten Version 2.0 abgehängt, wenn sie sich nicht dahingehend upgraden können. Die traditionellen Begriffe von "Natur" und "Mensch" verflüssigen sich und damit auch die Letztbegründung von Menschenrechten und Menschenwürde. Davor hat Fukuyama Angst. Unsere zivilisatorischen Errungenschaften könnten Einstürzen und zurück gesetzt werden auf das Recht des Stärkeren (Besseren).

    Und so ganz nebenbei: Etliche Probleme dieser Welt lassen sich auch ohne die Veränderung des conditio humana lösen. Z.B. durch bessere Bildung und noch besserer Kommunikation. Transhumanisten haben kein Vertrauen in die stärke unserer natürlichen Anlagen und haben Angst vor der chaotischen Lage des Jetzt. Sie machen es sich meiner Meinung nach echt zu leicht und flüchten in die Errungenschaften der Technik.

    Gruß Robert Dürhager
  3. § xconroy E-Mail sagte am:
    Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

    Generell ist natürlich der Versuch, eine bestimmte Denkrichtung als alleinseligmachend zu positionieren, kritikwürdig (bzw. einfach schlecht). Das gilt für den Transhumanismus wie für die meisten anderen -ismen (Humanismus im Sinne von "human und sozial handeln" auch? Eigentlich nicht... würde ich jetzt mal so aus meiner augenblicklichen Verfassung heraus sagen, aber das könnten andere aus ihrer jeweiligen Verfassung auch...).

    Man muß sich nur ziemlich sicher dem Gedanken stellen, daß das, was möglich ist, auch gemacht wird. Wenn "upgraden" geht, werden es Leute ausprobieren wollen. Und es kann gut sein, daß nach den üblichen Kinderkrankheiten (alles mögliche geht schief, es werden mahnende Ethikräte gegründet und allgemein viel Bohei gemacht) ein Plateau erreicht wird, auf dem "Upgrades" für viele machbar sind.

    Kann also gut sein, daß wir uns noch zu Lebzeiten damit auseinandersetzen müssen.
    Dann wäre es (steht ja auch auf der verlinkten Seite) wichtig, daß so etwas wirklich langsam und schrittweise passiert, quasi nach der "Kaizen"-Methode. Ein plötzlicher "Sprung" wäre extrem gefährlich.
    Weiterhin sollte jeder prinzipiell die Möglichkeit zum "upgrade" haben, es sollte aber kein Zwang bestehen (weder gesellschaftlich noch staatlich verordnet). Wie das funktionieren soll, dazu habe ich auch noch keine Antworten gefunden... zumindest könnte das ein Problem werden, wenn man die heutigen Statistiken zu kosmetischen Operationen betrachtet. Und der Mensch, dem Gruppenzwang egal ist, soll ja erst "geschaffen" werden ;-)

    Mir gehts auch in erster Linie darum, daß dieses spannende Thema sachlich betrachtet wird und nicht die üblichen Fronten dominieren (auf der einen Seite die überzeugten Fans, die superoptimistisch nur das Beste erwarten, und dazu die ewigen Ablehner, denen schon die Erfindung des Rades suspekt war, von Autos, Fernsehen und dem Internet ganz zu schweigen).

    lg/xc
  4. § Claudia E-Mail sagte am:
    Was sollte denn z.B. "ge-upgradet" werden - nur mal so blöd gefragt?

    Da hier sogar besseres Sozialverhalten angesprochen wurde (was ich für NICHT technisch machbar halte), nehme ich das mal als Beispiel: wie würde denn ein "genetisch sozialerer" Mensch in dieser Welt leben? Der würde doch sang- und klanglos untergehen, denn er könnte sich im allgemeinen Wettbewerb um ein "gutes Leben", um Anerkennung, Aufmerksamkeit und erfolgreiche Geschäfte nicht behaupten.

    Ich halte die Transhumanisten, die mir schon 1996 im Netz begegneten, für in Wahrheit konservative, technikgläubige Spinner.
  5. § Robert Duerhager® E-Mail sagte am:
    Es freut mich, dass hier unterschiedliche Meinungen zu Wort kommen.

    Verbessert werden sollen z.B. die Intelligenz, das Erinnerungsvermögen, das Immunsystem und allerlei kleinere Gen-Defekte (Augenprobleme, Gewichtsprobleme, Krankheiten, Sucht...). Das ist jetzt aber wirklich nur eine kleine willkürliche Auswahl von mir.

    Ob tatsächlich alles gemacht wird, was man machen kann, ist die zentrale Frage des Themas. Kritiker wollen hier scharfe Grenzen setzen, Gläubiger sich keine Grenzen setzen lassen.
    Und es stimmt nicht, dass alles was gemacht werden kann auch gemacht wird. Die USA könnte im Krieg Atomwaffen einsetzen, machen sie aber nicht. Die Regelung dahinter (Atomare-Wettrüstung) ist zwar nicht die beste, aber sie hat bisher funktioniert. Das Problem bei globalen Fragen (und der Transhumanismus gehört dazu) ist, dass während innerhalb einer Nation sich die Konfliktbewäligung auf hohem kulturellen Niveau bewegt, also ziemlich zivilisiert abläuft, die internationale und vor allem globale Konfliktbewältigung noch in der Steinzeit verhaftet ist (das Recht des Stärkeren). Wie Habermas aber zurecht sagt, wird die Fähigkeit, global zu technischen Möglichkeiten auch nein sagen zu können, das Schicksal der Menschheit entscheiden.

    Ganz abgesehen davon, ob die Techniken der Transhumanisten wirklich irgendwann so funktionieren, wie sie es hoffen, stellt sich das Problem, dass die Transhumansismus-Gläubiger als noch normale Menschen eine Menge offene Fragen bei ihrem Tun übersehen. Man hat das Gefühl, dass sie sämtliche sozio-kulturellen Forschungen außer Acht lassen und hoffen, dass sich mit dem Erschaffen von transhumanistischen Wesen diese schon von allein gelöst werden. Es ist diese Fokussierung auf die naturwissenschaftlichen Möglichkeiten, welche für riesige Kritik sorgt. Transhumanisten handeln unverantwortlich. Sie spielen mit Techniken, welche die Welt entscheidend verändern können (wie damals beim Bau der Atombombe) und machen sich dabei aber überhaupt keine Gedanken darüber, ob ihre Spielereinen wirklich im Sinne der gesammten Menscheit sind (die Frage nach der fehlenden demokratisierung der Wissenschaften) oder was für Schaden ihre Spielereien den kulturellen Errungenschaften antuen könnten. Ja sie haben sich noch nicht einmal konkrete Gedanken darüber gemacht, wie diese verbesserten Menschen zusammen mit den natürlichen Menschen in eienr Zivilisation leben können.

    Heutzutage sind es eben die Naturwissenschaften, welche in ihrem Elfenbeinturm forchen und sich nicht die Mühe machen mit der Welt außerhalb in Kontakt zu treten. Was sie aber durchaus machen, und was in meinem Beitrag oben auch kritisiert wurde, ist ihren Einfluss medial so zu missbrauchen, dass die transhumanistische Ideologie weiter verbreitet wird.

    Und noch ein Satz zu Ideologie. Im letzten Satz meines Beitrags schreibe ich ja schon, dass es bei dieser "Golem" Debatte nicht darum gehen darf, sich entweder für die humanistische oder die transhumanistische Ideologie zu entscheiden. Auch hier muss ein Kompromiss gefunden werden. Überlicherweise sind aber beide Gruppen so stark in ihren Ideologien gefangen, dass eine wirkliche Debatte bisher nicht stattfinden konnte.

    Und hier noch ein Link zum Thema, den ich vielleicht schon wo anders mal gesetzt habe, aber durchaus lohnend ist:
    http://www.mercedes-bunz.de/theorie/technikfeindlichkeit-und-der-anteil-der-dinge
  6. § Christian (in der Rolle eines Transhumanisten) E-Mail sagte am:
    Der Transhumanist will mit Mitteln der Technik sich von biologischen Einschränkungen befreien. Er fordert nicht pauschal, dass das allen Menschen aufgezwungen wird. Er ist sich aber sicher, dass, wenn mit Mitteln der Technik diverse schmerzhafte Nachteile geheilt werden könnten, von körperlicher Schwäche bis zur Sterblichkeit, sehr viele Menschen sich für sich eher dafür als dagegen entscheiden würden. Der Transhumanismus bzw. Extropianismus ist aber das ganze Gegenteil einer kollektivistischen Ideologie, die wie zum Beispiel die Eugenik fordert, dass sich das Individuum einer Optimierung von Menschenmassen (Volksmassen, Ethnien) zu unterwerfen habe. Im Gegenteil, die Vorwürfe gegen den Transhumanismus richten sich im Allgemeinen eher gegen seine individualistische Natur, z.B. wenn sie sich mit techno-libertären Konzeptionen verknüpft findet (siehe z.B. diese Polemik von Annalee Newitz: http://www.alternet.org/columnists/story/19850/ ).

    Warum nun sollte dem Transhumanist sein individuelles Anliegen, sich intelligenter, körperlich fitter, langlebiger zu machen, verwehrt werden? Es ginge dies nur über ein Verwehren seiner individuellen Freiheit. Wenn ein Staat Gesetze gegen Eigen-Upgrades erlässt, dann wird der Transhumanist halt in einen Staat wechseln, wo diese Gesetze nicht gegeben sind. Global ließe sich transhumanistisches Eigen-Upgrade nur durch eine perfekte totalitäre Weltdiktatur verhindern, die noch die tiefsten Winkel der Techno-Unterwelt unter Kontrolle zu bringen imstande wäre. Eine Technik, die so attraktiv ist wie Linderung eigener Krankheiten oder Ewige Jugend, wird sich schwerlich durch moralische Appelle verhindern lassen. Die Alternative einer das Leben der Menschen ins Biologische hinein kontrollierenden Weltdiktatur dagegen ist offenkundig nicht wünschenswert.

    Der Transhumanismus als Bewegung in Abgrenzung vom Transhumanismus als individuellem Wunsch nach Eigen-Upgrade nun ist aufgefächert in viele politische Richtungen. Er war früher allgemein stärker libertär-individualistisch geprägt -- ich hab das Geld und wechsle notfalls in eine Weltgegend, wo ich mich selbst upgraden kann, was mit den armen Seelen um mich rum passiert, muss mir dann halt gestohlen blebien -- und tendiert jetzt mehr in eine sozialere, demokratischere Richtung: Wenn diverse Heilmethoden technisch möglich werden, sollten sie auch möglichst vielen Menschen zur Verfügung stehen, nicht nur einer reichen Elite; Verbote spielen dieser Gefahr der biologischen Klassentrennung aus oben genannten Gründen eher in die Hände, als sie zu beheben; ergo sollte die Gesellschaft den neuen Entwicklungen sich eher öffnen und gesetzliche Grundlagen für ihre allgemeine Verfügbarkeit schaffen, als sich ihnen zu versperren.

    Der Mensch erweitert schon seit Jahrtausenden seine ursprüngliche biologische Form, wird bereits zum Cyborg, da er ein Werkzeug in die Hand nimmt, seine äußeren Organe durch Kleidung und Rüstung verstärkt, durch Medizin sein Leben verlängert, durch Schrift und Bibliothek seinen Geist in externe informationsverarbeitende Syteme aufgehen lässt. Ist es nicht recht willkürlich zu sagen, dass hier jetzt bei diesem Stand ist der Mensch, und alles darüber hinaus ist nicht mehr Mensch und gehört verboten? (Viel mehr noch, redet man damit nicht jenen das Wort, die enge Definitionen fürs Menschsein aufstellen und dann gerne nach biologischen oder gesundheitlichen Kriterien wegdefinieren, der Angehörige dieser Ethnie ist kein Mensch mehr, das Kind mit Down-Syndrom ist kein Mensch mehr? Die Negierung der Menschenwürde jener, die sich nicht transhumanistischen Upgrades unterziehen, durch Transhumanisten halte ich für eine Schimäre. Ich würde gerne konkrete Zitate sehen.)
  7. § xconroy E-Mail sagte am:
    Daß alles gemacht wird, was man machen kann, war vielleicht ungenau ausgedrückt von mir. Besser ist: wenn man etwas machen kann und a) denjenigen, die es tun, dadurch keine Nachteile entstehen (hätten die USA eine Atombombe auf Moskau geworfen, hätten sie sich im Gegenzug selber ein paar gefangen) sowie b) konkrete Vorteile in Aussicht sind (die Verdienstmöglichkeiten, die "transhumanistische" Techniken verlockenderweise in Aussicht stellen könnten - wie gesagt, man schaue sich den heutugen Markt der kosmetischen Chirurgie an) - dann wird es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch gemacht.

    Wie schon gesagt halte ich auch nichts davon, wenn soziologische Überlegungen beieseite geschoben werden zugunsten eines "Allheilmittels Transhumanismus" - das kann in meinen Augen nicht funktionieren, da schließe ich mich den Kritikern an.
    Was ich nicht teile ist die pauschale Sicht auf Naturwissenschaftler als "Elfenbeinturmbewohner" - gibt sicher welche, aber heutzutage ist erfolgreiches wissenschaftliches Arbeiten wohl kaum mehr ohne Vernetzung und ohne Abgleich mit dem "real life" möglich... allein schon, weil dann schnell die Forschungsgelder versiegen. Was Naturwissenschaftlern fehlt ist eine verständliche Kommunikation ihrer Arbeit nach draußen - heute denken doch viele noch, so jemand wäre entweder ein verrückter Professor, bei dem ständig Sachen explodieren, oder jemand, der für Galileo Döner testet ;-)

    Ähnlich wie der Vorposter sehe ich auch das Argument "Menschenwürde" als - erstmal - Scheinargument an. Es wird nach meiner Erfahrung immer dann gebracht, wenn bestimmte tradierte Tabus in Gefahr scheinen --> man erinnert sich an die immer mal wieder aufflammenden Diskussionen über Inzestbeziehungen und die möglichen Schädigungen daraus entstandener Kinder versus die Schädigungen von Kindern, die von nichtverwandten, aber genetisch oder sonstwie vorbelasteten Eltern gezeugt werden und der logischen Schlußfolgerung, daß wenn schon beides verboten werden müßte, wenn man diese Argumentation fortführt... in meinen Augen ist der "Menschenwürde"-Aspekt hier erst mal aus der Luft gegriffen. Andersrum kann man den Gegnern des Transhumanismus entgegenhalten: spricht es nicht auch gegen die Menschenwürde, wenn jemandem, der, was weiß ich, irgendwie verkrüppelt ist oder sonstwie gute Gründe hat, mit seinem Körper unzufrieden zu sein (oder in Bezug aufs Hirn: jemand, der geistig langsam ist, darunter leidet und sich mit Hilfe dieser Technik davon befreien kann), diese Möglichkeit vorenthalten wird?

    (ich kenne übrigens ähnliche Diskussionsfiguren zur Sterbehilfe: die Gegner sagen, es wäre "gegen die Natur" (gerne auch: "gegen Gottes Willen"), das Leben eines Menschen zu beenden, der noch an diversen Geräten hängt - man kann dann entgegnen, daß es doch eher gegen "die Natur" etc. wäre, wenn man ihn künstlich am Leben erhält... usw. Es läßt sich schnell erkennen, daß das zu nichts führt).

    Zur Kritik an "genetisch sozialeren Menschen": klar, damit das so funktioniert müßten alle mitmachen ;-) Muß aber gar nicht sein, denn es geht ja nicht darum, daß jemand zum Weichei gemacht wird. Soziale Fähigkeiten zu haben bedeutet nicht automatisch, konfliktunfähig zu sein, im Gegenteil.

  8. § rainer E-Mail sagte am:
    > wie wenig fortschrittlich die Transhumanisten mit Erkenntnistheorie, Ethik und Logik umgehen

    Eine genauere Begründung dieser Aussage fände ich interessant.

    >Aktuell gilt Technik und Naturwissenschaft wieder als die ultimativen Problemlöser.

    gibt es andere/bessere Problemlöser?
  9. § Robert Duerhager® E-Mail sagte am:
    Aufgrund einer Mathematik-Klausur komme ich erst jetzt zum Antworten. Danke für eure Geduld und euer Interesse.

    @plomlompom:
    Schön, dass du und hier noch mit deinen Insider-Kenntnisse versorgt hast. Vielleicht können wir uns ja mal zusammensetzen und über das eine oder andere Thema persönlich reden. Aber jetzt zu deinem Kommentar:

    Auch wenn der Transhumanismus sich nicht die Eigenschaft einer kollektivistischen Ideologie anhaften will, so bietet die einfache und erfolgversprechende Idee hinter dem Transhumanismus, wie du auch schon andeutest, das Potenzial einer kollektivistischen Mode. Ganz ähnlich, wie es heute auch schon Schönheits-OPs sind. Nur, dass die Schönheits-OPs noch lange nicht solche Veränderungen bewirken, wie die Techniken, welche die Transhumanisten einsetzen wollen.
    Und ob nun ein etwaiges liberales oder soziales Konzept dem Transhumanismus zugrunde liegt, hat mit Kritik am Transhumanismus erstmal nichts zu tun. Der Streit um die Umsetzung ist schließlich eher ein Streit unter den Transhumanisten selbst. Die Frage danach, ob die Techniken angewendet werden sollen oder nicht, dass scheint bei den Teilnehmern dieses Streits schon mit ja beantwortet zu sein.
    Interessanterweise benutzt auch du hier (in der Rolle eines Transhumanisten) deren Vokabular und sprichst von „heilen“, sogar wenn es um den natürlichen Tod geht. Hier ist der Punkt, um den wirklich diskutiert werden sollte. Und kritischer Austausch und Forschung ist da angebracht, wo Transhumanisten unter „heilen“ auch das „Verbessern der Menschlichen Natur“ subsumieren. Denn um etwas heilen zu können, muss vorher eine Krankheit vorhanden gewesen sein, welche der Bundesgerichtshof 1958 folgendermaßen definiert hat: „Krankheit ist jede Störung der normalen Beschaffenheit oder der normalen Tätigkeit des Körpers, die geheilt, d.h. beseitigt oder gelindert werden kann.“ Artikel 2 Satz 2 Grundgesetz spiegelt dies wieder, indem es ein Recht auf körperlichen Unversehrtheit bereit stellt. (Quelle Wikipedia). Aktuell wird unter Gesundheit natürlich nicht mehr nur die körperliche Unversehrtheit verstanden, sondern auch die Geistige. Dennoch ist ersichtlich, dass Transhumanisten eine eigene Definition von Krankheit haben, welche man keinesfalls unkritisch übernehmen sollte.
    Doch kommen wir zu dem Punkt mit der persönlichen Freiheit. Allgemein lässt sich sagen, dass in einer freien Gesellschaft die persönliche Freiheit da aufhört, wo sie die persönliche Freiheit anderer Teilnehmer dieser Gesellschaft einschränkt. Dass dies nur sehr schwer für jedes Detail zu definieren ist, sollte klar sein, denn ansonsten bräuchten wir keine Juristen mehr. Im Falle der Transhumanisten sehe ich es so, dass einige ihrer Vorhaben durchaus ohne Konflikte mit der persönlichen Freiheit von Nicht-Transhumanisten einhergehen. Deshalb bin ich auch dagegen, bei der Kritik des Transhumanismus einfach auf eine humanistische Position zurück zufallen. Außerdem bedarf diese Diskussion, wie du durch deinen Hinweis auf das historische Verhältnis Mensch-Technik zeigst, auch einer aktuellen Definition dieses Verhältnisses und ihrer Bedeutung für die Definition Mensch und Technik. Frau Bunz macht in dem von mir im letzten Kommentar angegebenen Text einen ersten Schritt hierzu in die richtige Richtung.
    Francis Fukuyamas Studie liegt mir gerade leider nicht vor, sonst hätte ich dich gerne mit Zitaten versorgt. Allerdings habe ich auf die schnelle ein Video gefunden, dass ich zwar selbst noch nicht gesehen habe, dass aber laut Beschreibung auch auf „the deeper implications of biotechnology“ eingeht.
    Link: http://www.wholeearthfilms.com/fukuyama_francis.html#

    PS: Wer sagt eigentlich, dass bei einer Definition des „natürlichen Menschen“ nicht auch die natürlichen Anomalien miteinbezogen werden können? Ich sehe bei einer solchen Definition keine Probleme für die Menschenwürde.
  10. § Robert Duerhager® E-Mail sagte am:
    @xconroy

    Ich gebe zu, mein Beispiel mit den Atomwaffen war mies :-). Worauf ich in meinem letzten Kommentar hinaus wollte, war die Infragestellung des Arguments, dass nur weil man etwas nicht vollständig verhindern kann, man es deshalb nicht zulassen muss. Dieses Argument zieht nicht, wie man z.B. (und jetzt hoffe ich ein besseres Beispiel gefunden zu haben) bei der Drogen-Frage sehen kann. International wird gegen Drogenhandel vorgegangen, auch wenn der Konsum nie vollständig verhindert werden kann. Dennoch macht der Kampf gegen Drogen meiner Meinung nach Sinn. Und auch, wenn dieses Beispiel nicht sonderlich passend zu deinem Punkt b) mit den konkreten Vorteilen passt, da es allgemein bekannt ist, dass Drogen mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringen, hoffe ich doch die Problematik dieses Arguments aufgezeigt zu haben.
    Mein Verweis auf die Problematik der internationalen Beziehungen und Habermas zielt darauf ab, die Schwierigkeit der Zeit in die Diskussion mit einzubeziehen. Wir Leben in schwierigen Zeiten, in denen etliche die Welt verändernde Dinge passieren. Und wenn wir zu diesen ganzen Problemen auch noch den Transhumanismus nehmen, welcher kein anderes Ziel verfolgt, als eine neue Spezies Mensch zu schaffen, dann machen wir es uns nicht gerade leichter. Habermas fordert deshalb dringend einen globalen Diskurs, welcher zwar durch die Institution UNO einen Ort gefunden hat, jedoch durch die noch unzureichend entwickelte internationale Dialogmethodik und fehlender Instrumente zur Einbeziehung der Basis (Weltbevölkerung) noch außer Stande ist, viele der anstehenden globalen Probleme behandeln zu können.
    Für die Transhumanisten, welche in der Mehrzahl Naturwissenschaftler sind, lässt sich daraus die Kritik ableiten, dass ihre Forschung und Entwicklung sich zu weit von den tatsächlich dringend zu lösenden Problemen entfernt hat. Mit ihren „Glasperlenspielen“ verschaffen sie der Welt eher mehr Probleme als Lösungen. Deshalb auch die Unterstellung vom Forscher im „Elfenbeinturm“, der die Medien nur dazu nutzt um seine Glasperlen zu verkaufen und sich so die Finanzierung seiner Spielchen zu sichern.
  11. § Robert Duerhager® E-Mail sagte am:
    @rainer

    Wittgenstein hat in seinem Tractatus, zu dem du auch einiges hier in diesem Blog finden wirst, eine eindeutige Grenze gezogen, zwischen einer logischen Welterklärung und den Lebensfragen, welche sich außerdem noch stellen. Und auch, wenn er sich zu den Lebensfragen, welche über die logischen Welterklärung hinaus gehen, in Schweigen hüllt, beweist er dennoch eindrucksvoll, dass die logische (Natur-)Wissenschaft nicht ausreicht, um den Menschen, die Welt und das Universum zu erklären.
    Hier ein paar passende Zitate dazu aus dem Tractatus:
    6.52: Wir fühlen, dass selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort.
    6.54: Meine Sätze erläutern dadurch, dass die der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinaufgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.) Er muss die Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.
    7: Wovon man nicht sprechen kann, davon muss man schweigen.

    Doch worauf will ich hinaus? Es geht mir darum die Transhumanisten, und vor allem die Naturwissenschaftler unter Ihnen daran zu erinnern, dass sie sich mit ihren Äußerungen gerade zu Fragen wie „was ist Glück“, „was ist Ethik“, „was ist das Gute“ und „was ist der Sinn des Lebens“ zurückhalten sollen, denn ihnen steht es nicht zu im Rahmen ihrer naturwissenschaftlichen Sprache und Methode diese Fragen zu beantworten. Naturwissenschaft kann etliche Probleme lösen, doch soll sie sich auf ihre Kompetenzen beschränken und sich nicht darüber hinaus als „ultimativer“ Problemlöser aus dem Fenster lehnen.
  12. § Christian (in der Rolle eines Transhumanisten) E-Mail sagte am:
    @iSophus: Wenn du betont dem Naturwissenschaftler das Recht absprichst, Moral und Sinn des Lebens zu klären (ein Anspruch, den er in seiner Funktion als Naturwissenschaftler gar nicht vertritt), klingt das ein wenig so, als gäbe es andere Instanzen, denen du das durchaus zugestehst. Sollte ich mit dieser Interpretation richtig liegen: Welche Instanzen, außer dem Individuum für sich (eine Norm, die der Transhumanismus eben erstmal[*] nicht angreift), sollen das sein, und warum?

    Du erkennst richtig, dass im Transhumanismus so manches begriffspolitische Projekt gefahren wird, zum Beispiel das, das biologische Altern als einen heilbaren Krankheitsprozess umzudefinieren. Als Gegenargument fällt dir hier die Definitionshoheit einer nationalen juristischen Institution von Mitte des letzten Jahrhunderts des letzten Jahrtausends ein, die den Begriff der Normalität selbst mehrfach als Maßstab ihrer Begriffsdefinition verwendet. Was in einer bestimmten historischen Situation 'normal' ist, hängt mit den Bedingungen dieser Zeit zusammen. Diese Bedingungen sind gerade dabei, sich in Hinblick auf die Biotechnik sehr radikal zu verändern. Ein Abklopfen von Begriffen auf ihre Geeignetheit als Maßstab der Gegenwart erscheint also angemessen. Warum sollte der Auftrag der körperlichen Unversehrtheit nicht auch die Bekämpfung jener körperlichen Verfallsprozesse, die das Altern darstellt, einschließen?

    Bunz hab ich überflogen, Fukuyama liegt hier bei mir rum, nur die ersten paar Seiten angelesen (in der deutschen Übersetzung, das hat mich bisher vom Lesen abgehalten, ich bin so ein Originaltextefetischist). Ich finde es aber öde, mit Namen zu jonglieren, anstatt einfach den argumentativen Gehalt ihrer Überlegungen (gern mit Quellenangabe natürlich) direkt in das Gespräch einzubringen ;-)

    Was Drogen betrifft, bin ich übrigens auch für Liberalisierung. Mein Körper gehört mir, was ich mit ihm anstelle, ist meine Sache, ob nun Piercings (die ich igittigitt finde), Drogen (abgesehen von Club Mate und Alkohol ist da auch nix für mich bei), Body Modification (manche Leute lassen sich gezielt gesunde Extremitäten amputieren, *schulterzuck*, sollen sie doch) oder biotechnisches Eigen-Upgrade. Eine äußere Instanz, die verhindert, dass ich Anderen Schaden zufüge, gut, darüber kann man reden; aber für eine äußere Instanz, die für mich als Erwachsenen entscheidet, was /mir/ gut tut und was nicht, sehe ich keine Notwendigkeit.

    Dass wir schon genug Probleme auf der Welt haben und sowas wie Transhumanismus das alles nur noch verkomplizieren würde, ist, ganz ehrlich, auch kein sehr mächtiges Argument ;-) Viele deiner Gedanken zum vorsichtigeren Umgang damit laufen auf World-Governance-Ideen der globalen Beherrschung durch wohlgesinnt-informierte Diktatur (nach obiger Manier des 'Wir wissen besser, was gut für euch ist, als ihr selbst') hinaus, die ich in ihrer politischen Konsequenz sehr viel beängstigender finde als alle denkbaren Auswüchse der Biotechnologie.

    [*] Wenn wir mal nicht ins singularitarianistische Borgbewusstsein abgleiten, wo wir alle zu einem Weltgeist verschmelzen, aber das fällt eigentlich nicht mehr unter den Begriff "Transhumanismus".
  13. § Robert Duerhager® E-Mail sagte am:
    @plomlompom: Ich habe mir überlegt, dir das letzte Wort zu lassen. Doch dein letzter Beitrag passt nicht so richtig als Schlusswort. Deshalb will ich es mal versuchen, was dich aber nicht daran hindern soll vielleicht doch noch das letzte Wort zu ergreifen, da dies wohl ebenfalls kein allgemeines, sondern eher persönliches Schlusswort wird.

    Wittgenstein hat in seinem Tractatus versucht die Welt rein logisch zu beschreiben, was ihm auch beeindruckend gelungen ist. Sein jedoch ernüchterndes Ergebnis findet sich in Satz 6.52 des Tractatus: „Wir fühlen, dass selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort.“ Und die daraus folgende, logische Konsequenz findet sich in seinem berühmten Satz 7: „Wovon man nicht sprechen kann, davon muss man schweigen.“
    Wittgenstein hat damit die Grenzen der (natur-)wissenschaftlichen Welterkenntnis (und Beschreibung in natur-wissenschaftlicher Sprache) gesetzt, mit der natürlich auch die Wissenschaft Philosophie zu kämpfen hat.

    Nun, Wittgensteins unausgesprochene Instanz für all die Bereiche, von denen die Wissenschaft lieber schweigen soll, ist die Religion. Da die Religion jedoch keine allgemein akzeptable Instanz ist (zumindest nicht für mich), stellt sich hier tatsächlich die Frage, wer auf die verbleibenden (nicht-wissenschaftlichen) Fragen antworten soll. Eine Welt-Regierung, die Regierungen der einzelnen Staaten oder jeder Einzelne selbst. Ich selbst tendiere zu den einzelnen Staaten, die dann je nach ihrer politischen Realisierung die Grenzen für die individuelle Entscheidung weit oder eng fassen können.

    Doch die Problematik ist nicht durch die Wahl der richtigen Instanz behoben. Fassen wir diese noch einmal in wenigen Sätzen zusammen:

    1. Weder Technik noch Technologie ist neutral. Ihre Anwendung und sogar bloße Existenz hat immer auch eine soziale Dimension (siehe z.B. Günter Ropohl in „Allgemeine Technologie“). Die soziale Dimension der Techniken und Technologien, welche die Transhumanisten anwenden wollen, ist schwer abzuschätzen und wahrscheinlich ziemlich groß.
    2. Den (Natur-)Wissenschaften ist es aufgrund ihrer Methodik (Logik) nicht erlaubt, zu entscheiden, was das (ethisch) Beste für die Menschheit ist. (Siehe Wittgensteins Tractatus und meine Kritik an Wissenschaft als ultimativer Problemlöser)
    3. Da die soziale Dimension von Technik und Technologie nicht nur das Individuum betrifft, sondern auch die Gemeinschaft, in welcher die Individuen leben, bedarf es grundsätzlicher Entscheidungen dazu innerhalb der sozialen Gemeinschaft.
    4. Da es bisher keine für alle sozialen Gemeinschaften allgemein gültigen Entscheidungen gibt, kann das Individuum durch Wechsel der sozialen Gemeinschaft die für seine eigenen Interessen beste Entscheidung auswählen.
    5. Faktisch bleibt damit die Entscheidung beim Individuum, welches jedoch meist aus Mangel an Informationen und Zeit nicht dazu in der Lage ist, auch die sozialen Auswirkungen der Technik und Technologie auf die anderen sozialen Gemeinschaften voll zu erfassen.

    Was bleibt ist immer noch die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Und bevor diese Frage von den Transhumanisten durch rücksichtslose, idealistisch angetriebene Anwendung ihrer Techniken und Technologien entschieden wird, plädiere ich für eine möglichst weit und umfassend geführte Diskussion innerhalb aller möglichen sozialen Gemeinschaften.
  14. § Philos sagte am:
    Gegen die Möglichkeit einer Erschaffung des Transhumanen bzw. der Künstlichen Intelligenz (KI) argumentiert die folgende Arbeit (frei verfügbares pdf):
    http://www.archive.org/details/Dissertation.Der_Mensch_und_die_KI
    Liegt zusätzlich auch als kostenloses mp3-Hörbuch vor:
    http://www.archive.org/details/mp3.Der_Mensch_und_die_KI

  15. § Christian (in der Rolle eines Transhumanisten) E-Mail sagte am:
    Mag sein, dass die Anwendung von Technologie immer auch eine soziale Komponente hat, egal wie vermeintlich individuell autark sie geschieht. Im Fall transhumanistischer Technologien ist das sogar sehr wahrscheinlich. Die positiven Folgen (bei ausreichender Gewissheit und Sicherheit der technischen Prozeduren) für den Einzelnen wären konkret, offenkundig und gewaltig. Es ginge um nichts Geringeres als die Lösung einiger der größten Probleme, mit denen sich Menschen je konfrontiert sahen: körperliche und geistige Schwäche, Sterblichkeit. Zeige mir eine scholastische Verteidigung dieser, die sie zur Grundbedingung des Menschseins machen, und ich zeige dir ein Vielfaches unter die Definition des Menschseins fallender Individuen, die bereit wären, diese Definition hinter sich zu lassen, wenn sie dafür ihre körperlichen und geistigen Kapazitäten steigern oder Ewige Jugend erlangen könnten. Dieser positiven Qualität des Versprechens stehen Spekulationen über mögliche Schwierigkeiten sozialer oder psychologischer Natur entgegen. Mag sein, dass man sich mit neuen Bedingungen auch neue Herausforderungen einbrockt; aber das war schon immer so, schon immer gab es neue Lücken, die gefüllt werden, neue Probleme, die gelöst werden mussten. Verglichen mit den katastrophalen Potentialen, die etwa in die Idee der Atombombe per definitionem mit eingebaut waren, überwiegt das Konto konkreter positiver Versprechungen transhumanistischer Technologien jedoch das Konto anforderungsreich spekulativer negativer Potentiale bei Weitem.

    Man kann sich nicht nur Fahrlässigkeit zuschulden kommen lassen, indem man ein Risiko eingeht. Man kann sich auch Fahrlässigkeit zuschulden kommen lassen, indem man die Lösung eines Problems hinaus zögert (und so zum Beispiel Millionen von Individuen zum unfreiwilligen Tod durch Altern verdammt, die durch frühere Initiative in mancher transhumanistischen Technologie hätten gerettet werden können).

    Zum Thema Ethik-Diskussionen des Transhumanismus möchte ich schließlich mit einem Verweis auf dieses neue Blog schließen, das sich genau damit beschäftigt: http://mjsl.wordpress.com/

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