Schreiben ist etwas anderes als Sprechen. Wer kann sich heute noch einen wissenschaftlichen Aufsatz in Umgangssprache vorstellen? Nun, dass war nicht immer so. Es gab Zeiten, in denen das miteinander Reden wichtiger war als die Beschäftigung mit Texten. Vor der Einführung des Buchdrucks beschäftigte man sich mit Texten entweder um sie erhalten zu können, welches in der Meisterschaft des Urkunden-Abschreibens gipfelte, oder um sich mit einer bestimmten Rhetorik vertraut zu machen. Denn anders als heute waren die Bücher von damals vor allem zum lauten Lesen, also zum Nachsprechen gedacht. Dem entsprechend gab es auch noch keine großen Unterschiede zwischen dem Schreib- und Sprechstil, obwohl schon Sokrates wohl damit seine Schwierigkeiten gehabt haben soll. Die neuen Sprachgewohnheiten seiner beleseneren bzw. im Schreiben geübteren Zeitgenossen brachten ihm nämlich so manche Verständnisprobleme, weshalb er hin und wieder nach den Bedeutungen von bestimmten Worten fragen musste. (Siehe Eric Havelock in „The Socratic Problem: Some Second Thoughts“)
Mit der Erfindung des Buchdrucks und der damit massenhaften Verbreitung von Schriftstücken änderte sich dieses jedoch. Nicht nur, weil Text besser dazu geeignet ist den Inhalt und die Darstellung zu reflektieren, sondern auch dadurch, dass zum Drucken der Text gesetzt werden musste, wurden Rechtschreibung und Grammatik wichtiger. Nach und nach entwickelten sich so Normierungen der Schrift, die nicht unbedingt alle Facetten einer schönen Rede mehr gerecht werden konnten. Lautes Lesen verlor an Attraktion.
Veränderung gab es auch in der Verwendung von Illustrationen. Früher waren Bücher reich illustriert und viele Texte wurden durch Darstellungen ergänzt. Der Buchdruck hatte damit so seine Schwierigkeiten, weshalb diese Gewohnheit verloren ging.
Heute, nach der Erfindung des Computers, dem Digitalen und des Internets, gibt es erneut einen Wandel. Es entwickelt sich ein E-Mail-, Chat- und SMS-Vokabular bei dem es meist wichtiger ist etwas schnell als sorgfältig geschrieben zu haben. Rechtschreibung und Grammatik verlieren ihre Wichtigkeit. Es wächst eine Generation heran, zu deren Alltag die Produktion von Videos, Bildern und Tonaufnahmen gehören wird. Youtube.com und Flickr.com sind die besten Beispiele dafür. Außerdem wird es nicht mehr lange dauern, bis alles Geschriebene auch automatisch vorgelesen, also in Laut-Sprache umgesetzt werden kann.
Zur kürzlich in Berlin stattgefundenen Web 2.0 Konferenz re:publica hat Spreeblick.com ein Printmagazin mit dem passenden Headliner „Print ist tot“ herausgegeben. Und tatsächlich kann man erkennen, dass die langsamen und geschriebenen Printmedien in Zukunft Probleme haben werden. Aber nicht nur diese werden sich anpassen müssen, sondern auch der auf Text basierte Wissenschaftsbetrieb.
Wenn Bild und Rede wieder in den Vordergrund rücken, stellt sich die Frage, ob das geschriebene Wort für wissenschaftliches Arbeiten noch zwingend notwendig ist. Denn vielleicht können die neuen Technologien, die es so leicht wie nie gemacht haben Videos, Bilder und Tondokumente zu erzeugen und zu verteilen, auch dem Wissenschaftsbetrieb neue Möglichkeiten eröffnen. Der ungarische Philosoph Kristóf Nyíri behauptet, dass Wittgenstein und Heidegger erste Zeugen dieses Wandels waren. Ihre Betonung auf den sich entwickelnden, lebenden Prozess und ihre Forderung die praktische Bedeutung der Begriffe wieder zur Kenntnis zu nehmen, lassen dies tatsächlich vermuten.
Die Geisteswissenschaften müssen sich der Aufgabe stellen die verschiedenen Medien miteinander zu vergleichen. Das geschriebene Wort in linearer Form bietet sicherlich Vorteile bei der Rekonstruierung und Entwicklung von Argumentationen. Die vernetzten, unlinearen Formen der Darstellung im Internet sind schneller und besitzen fast immer einen Rückkanal. Durch Animation und Projektion wird es in Zukunft möglich sein nicht nur Informationen über ein Thema zu bekommen, sondern das Thema sogar zu erleben.
Niemand kann sagen wie es sich in Zukunft mit dem geschrieben Wort verhalten wird. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass Sprache, Kommunikation und Denken sich verändern wird. Ich glaube nicht, dass es durch die Umstellung auf Video, Bild und Ton zu einem Qualitätsverlust kommen wird. Es wird anders sein, spontaner, kreativer und fast immer wird sich alles in einem stetigen Entwicklungsprozess befinden. Die Wissenschaft wird durch die Nutzung anderer Medien den Text als Wissensbasis reflektieren müssen und dadurch vielleicht die eine oder andere Gewohnheit abschütteln können. Multimedialität kann somit auch hilfreich sein, wenn es darum geht Begriffe und Denkstrukturen zu überprüfen. Es müssen Mechanismen gefunden werden, welche die Vorteile des Textes ersetzen können. Das Wiki-System, obwohl es ebenso noch auf Text beruht, macht es vor, indem es die Historie der Textentwicklung speichert. Dadurch ist es möglich sich auf Versionen zu beziehen, die auch in Zukunft noch abgerufen werden können.
Das Web 2.0 bietet an, schon jetzt diese Multimedialität zu nutzen. Als Philosoph könnten Sie den Anfang damit machen, hier ein Blog zu eröffnen. Sie werden sehen, dass andere Medien nicht unbedingt schlechter sein müssen.
Mit der Erfindung des Buchdrucks und der damit massenhaften Verbreitung von Schriftstücken änderte sich dieses jedoch. Nicht nur, weil Text besser dazu geeignet ist den Inhalt und die Darstellung zu reflektieren, sondern auch dadurch, dass zum Drucken der Text gesetzt werden musste, wurden Rechtschreibung und Grammatik wichtiger. Nach und nach entwickelten sich so Normierungen der Schrift, die nicht unbedingt alle Facetten einer schönen Rede mehr gerecht werden konnten. Lautes Lesen verlor an Attraktion.
Veränderung gab es auch in der Verwendung von Illustrationen. Früher waren Bücher reich illustriert und viele Texte wurden durch Darstellungen ergänzt. Der Buchdruck hatte damit so seine Schwierigkeiten, weshalb diese Gewohnheit verloren ging.
Heute, nach der Erfindung des Computers, dem Digitalen und des Internets, gibt es erneut einen Wandel. Es entwickelt sich ein E-Mail-, Chat- und SMS-Vokabular bei dem es meist wichtiger ist etwas schnell als sorgfältig geschrieben zu haben. Rechtschreibung und Grammatik verlieren ihre Wichtigkeit. Es wächst eine Generation heran, zu deren Alltag die Produktion von Videos, Bildern und Tonaufnahmen gehören wird. Youtube.com und Flickr.com sind die besten Beispiele dafür. Außerdem wird es nicht mehr lange dauern, bis alles Geschriebene auch automatisch vorgelesen, also in Laut-Sprache umgesetzt werden kann.
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