Achtung, jetzt wird es anmaßend. Ich werde mich nämlich zur Abwechslung mal selbst zitieren:
„Es ist schon lustig, wie früher immer wieder kritisiert wurde, dass der „virtuelle Raum Internet“ unabhängig vom „echten Leben“ sei, während es nun so aussieht, als ob das „echte Leben“ abhängig von der „virtuellen Welt“ wird.“ (Aus: „Punk’s not dead“)
Noch ist die Abhängigkeit des „realen Lebens“ vom der „virtuellen Welt“ eher gering, doch zukünftig ist ein Leben ohne Zugang zum Netz kaum noch vorstellbar. Denn immer mehr Handlungen verlagern sich ins Internet. Hier kann man schon heute die Steuererklärung abgeben, Nachrichten lesen, mit Freunden und Geschäftspartnern Kontakt halten, Bücher und Elektronikartikel kaufen, Musik hören, Filme anschauen, den Lebenspartner finden, seine Freizeit planen, seine Finanzen managen, sich zur Politik äußern, Hilfe zu allen Lebenssituationen finden und wertvolle Karrierechancen erhaschen. Wie wird es erst in 10 Jahren sein?
Die „Weisheit der Massen“ ist eine gefeierte Eigenschaft des Web 2.0. „Endlich“, so hört man den Optimisten, „besitzen die Massen die Macht. Endgültige Aufklärung und Gerechtigkeit sind nicht mehr weit entfernt.“ „Wir sind dem Untergang nahe“ sagen hingegen die Pessimisten, welche lieber auf Pluralität und den freien Zugang zu Informationen verzichten wollen, um sich ein glückliches Leben der Selbsttäuschung gönnen zu können. Fragt man wieder die Experten, welche eigentlich von den Massen abgelöst wurden, so findet sich in jeder Aussage über die wirtschaftliche oder politische Zukunft die Ankündigung, dass der „user generated content“ alles verändern wird. Über das „Wie“ sind sie sich hingegen wieder uneinig.
Es ist mir ein Anliegen die Aufmerksamkeit von Philosophen auf eine bestimmte Dimension dieser Entwicklung zu richten. Nachfolgend soll es deshalb um die ethische Frage gehen, wie der Mensch mit seinen Artgenossen umgehen soll, wenn dieser jederzeit Alles über sein Gegenüber in Erfahrung bringen kann. Abgrenzen will ich mich hierbei von der Frage, wie der Staat mit seinen in Zukunft gläsernen Bürgern umgehen soll, denn diese Frage scheint mir von Datenschützern und Privacy-Aktivisten schon gut besetzt, unter denen sich ebenfalls Philosophen finden.
Es geht mir also indirekt um die Kehrseite des Web 2.0 und seinen Möglichkeiten, sich und sein Leben vollständig öffentlich zu machen oder durch „Buddys“ entblößen zu lassen. So hört man immer wieder von Fällen, in denen Personen aufgrund von Informationen im Netz (z.B. Bilder oder Videos von einer besuchten Party oder persönliche Beiträge in Foren oder Webblogs über das eigene Sexualleben) ihren Job verloren haben oder sonstige negative Behandlungen in Kauf nehmen mussten. Und Datenschützer werden nicht müde darauf hinzuweisen, dass Personalchefs gerne auch mal Google zu rate ziehen, um mehr über die neuen Bewerber oder die jetzigen Mitarbeiter zu erfahren. Mir scheint es deshalb angebracht zu sein den Umgang mit der neuen Macht, welche den Massen nun zu Teil wird, mal etwas zu überdenken. Denn wie jeder weiß, kommt mit der Macht ebenso auch die Verantwortung.
Was für Konsequenzen für den zwischenmenschlichen Umgang hat es also, wenn jederzeit alles über das Gegenüber in Erfahrung gebracht werden kann? Nun, es passiert etwas, dass sehr viele Menschen bis ins Mark erschüttert. Es ist dann nämlich möglich hinter die Maske eines jeden Menschen zu schauen und eine Ahnung davon zu bekommen, welche Seite(n) die Person außerdem noch besitzt. Die vielen Masken (z.B. für den Job, in der Familie, im Freundeskreis), welche jeder von uns für unterschiedliche Situationen immer parat hat, werden somit wertlos.
Wie soll man also mit den Informationen umgehen, welche man alle über eine Person herausfinden kann? Ist es z.B. angebracht einer angehenden Lehrerin den Studienabschluss zu verweigern, weil es im Internet ein Bild von ihr gibt, welches sie betrunken auf einer Party zeigt? Oder müsste der Studiendekan hier nicht von sich aus sagen, dass dies nur eine Dokumentation einer allzumenschlichen Begebenheit darstellt, welches nichts mit den Studienleistungen oder der Qualifikation für die Ausübung des Lehrer-Berufes zu tun hat? Müssten Christen hier nicht gerade an den Wert der Vergebung appellieren? Und müssten Aufklärer hier nicht sofort die Fahne der Toleranz hochhalten?
Die Geschichte zeigt uns, dass wann immer ein Mensch Macht über andere Menschen besaß, er diese auch genutzt hat. Meistens zum Nachteil der unterlegenen Menschen. In einem Zeitalter des gläsernen Menschen kann sich dies jedoch ändern, denn hier kann prinzipiell jeder etwas über die andere Person in der Hand haben. Werden wir nun also auch im Privatleben miteinander konkurrieren um dadurch bessere Chancen für das Berufsleben zu haben? Klingt verrückt, doch scheint es darauf hin hinaus zu laufen.
Hier dazu einen Verhalteskodex aufzustellen halte ich für unrealistisch, wenn viele Menschen es nicht einmal schaffen über so unschuldige Dinge wie Geschlecht und Hautfarbe hinwegzusehen. Die Zeiten könnten also hart werden, sobald der „Infowar“ zum Bürgerkrieg wird.
Ob eine solche Zukunft verhindert werden kann, vielleicht auch mit den Mitteln des Staates um die Bürger vor sich selbst zu schützen, dass kann niemand sagen. Jedoch ist es ein Anfang, wenn wir Menschen endlich das Menschliche als etwas Menschliches annehmen würden, um somit Allzumenschliches mit Güte zu begegnen, anstatt in jeder Lage immer nur nach den eigenen Vorteilen zu handeln. Das Web 2.0 bietet jedem, welcher dieses kann dafür eine Menge Gegenwert an, indem es so tolle Dinge wie Wikipedia, Open Source Software (siehe Sourceforge), Blogs (siehe Technorati), Soziale Netzwerke (Wikipedia), freie Musik (siehe Jamendo), Kunst (siehe DeviantART) und Filme (siehe Youtube) möglich macht.
„Es ist schon lustig, wie früher immer wieder kritisiert wurde, dass der „virtuelle Raum Internet“ unabhängig vom „echten Leben“ sei, während es nun so aussieht, als ob das „echte Leben“ abhängig von der „virtuellen Welt“ wird.“ (Aus: „Punk’s not dead“)
Noch ist die Abhängigkeit des „realen Lebens“ vom der „virtuellen Welt“ eher gering, doch zukünftig ist ein Leben ohne Zugang zum Netz kaum noch vorstellbar. Denn immer mehr Handlungen verlagern sich ins Internet. Hier kann man schon heute die Steuererklärung abgeben, Nachrichten lesen, mit Freunden und Geschäftspartnern Kontakt halten, Bücher und Elektronikartikel kaufen, Musik hören, Filme anschauen, den Lebenspartner finden, seine Freizeit planen, seine Finanzen managen, sich zur Politik äußern, Hilfe zu allen Lebenssituationen finden und wertvolle Karrierechancen erhaschen. Wie wird es erst in 10 Jahren sein?
Die „Weisheit der Massen“ ist eine gefeierte Eigenschaft des Web 2.0. „Endlich“, so hört man den Optimisten, „besitzen die Massen die Macht. Endgültige Aufklärung und Gerechtigkeit sind nicht mehr weit entfernt.“ „Wir sind dem Untergang nahe“ sagen hingegen die Pessimisten, welche lieber auf Pluralität und den freien Zugang zu Informationen verzichten wollen, um sich ein glückliches Leben der Selbsttäuschung gönnen zu können. Fragt man wieder die Experten, welche eigentlich von den Massen abgelöst wurden, so findet sich in jeder Aussage über die wirtschaftliche oder politische Zukunft die Ankündigung, dass der „user generated content“ alles verändern wird. Über das „Wie“ sind sie sich hingegen wieder uneinig.
Es ist mir ein Anliegen die Aufmerksamkeit von Philosophen auf eine bestimmte Dimension dieser Entwicklung zu richten. Nachfolgend soll es deshalb um die ethische Frage gehen, wie der Mensch mit seinen Artgenossen umgehen soll, wenn dieser jederzeit Alles über sein Gegenüber in Erfahrung bringen kann. Abgrenzen will ich mich hierbei von der Frage, wie der Staat mit seinen in Zukunft gläsernen Bürgern umgehen soll, denn diese Frage scheint mir von Datenschützern und Privacy-Aktivisten schon gut besetzt, unter denen sich ebenfalls Philosophen finden.
Es geht mir also indirekt um die Kehrseite des Web 2.0 und seinen Möglichkeiten, sich und sein Leben vollständig öffentlich zu machen oder durch „Buddys“ entblößen zu lassen. So hört man immer wieder von Fällen, in denen Personen aufgrund von Informationen im Netz (z.B. Bilder oder Videos von einer besuchten Party oder persönliche Beiträge in Foren oder Webblogs über das eigene Sexualleben) ihren Job verloren haben oder sonstige negative Behandlungen in Kauf nehmen mussten. Und Datenschützer werden nicht müde darauf hinzuweisen, dass Personalchefs gerne auch mal Google zu rate ziehen, um mehr über die neuen Bewerber oder die jetzigen Mitarbeiter zu erfahren. Mir scheint es deshalb angebracht zu sein den Umgang mit der neuen Macht, welche den Massen nun zu Teil wird, mal etwas zu überdenken. Denn wie jeder weiß, kommt mit der Macht ebenso auch die Verantwortung.
Was für Konsequenzen für den zwischenmenschlichen Umgang hat es also, wenn jederzeit alles über das Gegenüber in Erfahrung gebracht werden kann? Nun, es passiert etwas, dass sehr viele Menschen bis ins Mark erschüttert. Es ist dann nämlich möglich hinter die Maske eines jeden Menschen zu schauen und eine Ahnung davon zu bekommen, welche Seite(n) die Person außerdem noch besitzt. Die vielen Masken (z.B. für den Job, in der Familie, im Freundeskreis), welche jeder von uns für unterschiedliche Situationen immer parat hat, werden somit wertlos.
Wie soll man also mit den Informationen umgehen, welche man alle über eine Person herausfinden kann? Ist es z.B. angebracht einer angehenden Lehrerin den Studienabschluss zu verweigern, weil es im Internet ein Bild von ihr gibt, welches sie betrunken auf einer Party zeigt? Oder müsste der Studiendekan hier nicht von sich aus sagen, dass dies nur eine Dokumentation einer allzumenschlichen Begebenheit darstellt, welches nichts mit den Studienleistungen oder der Qualifikation für die Ausübung des Lehrer-Berufes zu tun hat? Müssten Christen hier nicht gerade an den Wert der Vergebung appellieren? Und müssten Aufklärer hier nicht sofort die Fahne der Toleranz hochhalten?
Die Geschichte zeigt uns, dass wann immer ein Mensch Macht über andere Menschen besaß, er diese auch genutzt hat. Meistens zum Nachteil der unterlegenen Menschen. In einem Zeitalter des gläsernen Menschen kann sich dies jedoch ändern, denn hier kann prinzipiell jeder etwas über die andere Person in der Hand haben. Werden wir nun also auch im Privatleben miteinander konkurrieren um dadurch bessere Chancen für das Berufsleben zu haben? Klingt verrückt, doch scheint es darauf hin hinaus zu laufen.
Hier dazu einen Verhalteskodex aufzustellen halte ich für unrealistisch, wenn viele Menschen es nicht einmal schaffen über so unschuldige Dinge wie Geschlecht und Hautfarbe hinwegzusehen. Die Zeiten könnten also hart werden, sobald der „Infowar“ zum Bürgerkrieg wird.
Ob eine solche Zukunft verhindert werden kann, vielleicht auch mit den Mitteln des Staates um die Bürger vor sich selbst zu schützen, dass kann niemand sagen. Jedoch ist es ein Anfang, wenn wir Menschen endlich das Menschliche als etwas Menschliches annehmen würden, um somit Allzumenschliches mit Güte zu begegnen, anstatt in jeder Lage immer nur nach den eigenen Vorteilen zu handeln. Das Web 2.0 bietet jedem, welcher dieses kann dafür eine Menge Gegenwert an, indem es so tolle Dinge wie Wikipedia, Open Source Software (siehe Sourceforge), Blogs (siehe Technorati), Soziale Netzwerke (Wikipedia), freie Musik (siehe Jamendo), Kunst (siehe DeviantART) und Filme (siehe Youtube) möglich macht.
