Der Vollständigkeit halber will ich noch kurz auf das von Prof. Tetens in der 5. Vorlesung angesprochene Problem der Elementarsätze als Verbindung von Namen eingehen.
Wittgensteins Elementarsätze, welche natürlich aus der Anwendung des logischen Atomismus resultieren, sind hier die logisch voneinander unabhängigen Sätze, welche die logisch voneinander unabhängigen Sachverhalte beschreiben. „Alle anderen möglichen Sachverhalte sind logisch vollständig durch die Elementarsätze bestimmt.“ (Prof. Tetens).
Soweit ist noch alles in Ordnung. Problematisch wird es erst durch die folgenden Bestimmungen von Wittgenstein:
4.22: Der Elementarsatz besteht aus Namen. Er ist ein Zusammenhang, eine Verkettung, von Namen.
4.221: Es ist offenbar, dass wir bei der Analyse der Sätze auf Elementarsätze kommen müssen, die aus Namen in unmittelbarer Verbindung bestehen. Es frägt sich hier, wie kommt der Satzverband zustande.
Dies ist deshalb problematisch, weil es keine einfache unterstützende Argumentation im Sinne Wittgensteins für die These gibt, dass Elementarsätze aus einer unmittelbaren Verkettung von Namen bestehen. Ein Satz nur aus Namen kann nämlich keinen Sachverhalt beschreiben. Dazu ist immer noch zusätzlich ein Prädikat nötig.
Betrachten wir das folgende Beispiel: „Der Mond kreist um die Erde“. Da „der Mond“ und „die Erde“ jeweils komplexe Sachverhalte sind, ist dies zwar kein Elementarsatz im Sinne Wittgensteins, jedoch teilen sie sich die logische Form. „Der Mond“ und „die Erde“ sind Namen, singuläre Termini also, welche jedoch allein miteinander verbunden nicht den Sachverhalt beschreiben können, dass der Mond um die Erde kreist. Dazu bedarf es noch eines generellen Terminus (Prädikats), wie eben „kreisen um“. Ein genereller Terminus ist jedoch kein Name und steht deshalb im Widerspruch zu Wittgensteins Aussage.
Eine Lösung könnte sein, dass Wittgenstein generelle Termini vielleicht als Namen ansieht. Diese Möglichkeit gibt es, denn generelle Termini kann man auch als die Menge all der Gegenstände auffassen, auf die das Prädikat zutrifft. Ein genereller Terminus wäre somit der Name einer Klasse. Da eine Klasse jedoch kein einfacher, nicht-komplexer und unanalysierbarer Gegenstand ist, kann dies nicht die Lösung sein.
Prof. Tetens schlägt eine weitere Lösung vor, die Wittgensteins extensionalen Standpunkt der Logik aufnimmt. Kennt man nämlich alle Namen von den gegebenen logisch einfachsten Gegenständen, dann kennt man auch alle logisch möglichen Verbindungen von Namen (Paare, Tripel usw.) und kann deshalb auch extensional auf alle logisch möglichen Prädikate schließen. Prof. Tetens: „Alle Sätze für die Sachverhalte im logischen Raum sind daher vom extensionalen Standpunkt durch die Verbindung der Namen für die logischen Atome vollständig bestimmt. Für die Elementarsätze braucht man daher nur die Namen für die logischen Atome zu kennen.“
Auf diese Lösung zu kommen ist jedoch nicht gerade einfach. Und Wittgensteins Anmerkung in 4.221 „Es frägt sich hier, wie kommt der Satzverband zustande.“ zeigt, dass Wittgenstein hier selbst Schwierigkeiten hat. Prof. Tetens kritisiert dann auch zurecht, indem er sagt: „Wenn er das meint, [dann] hat er es mehr als undeutlich und missverständlich gesagt.“ Als Beispiel für eine verständliche und klare Darstellung der logischen Syntax hebt Prof. Tetens noch mal das Buch von Rudolf Carnap „Logische Syntax der Sprache“ hervor. Außerdem warnt er anhand dieser Unfähigkeit Wittgensteins sich hier klar auszudrücken davor, bei Wittgenstein oder irgend einem anderen Philosophen wegen eines Heroenkultes solche Unklarheiten als „tiefsinnig“ anzusehen. Es ist nämlich ein Unding, wenn Textpassagen von Philosophen unverständlich geschrieben sind, hinter diesen dann etwas besonders tiefsinniges zu vermuten. Auch große Philosophen machen manchmal Unfug, so wie es z.B. Wittgenstein mit der Nummerierung in seinem Buch gemacht hat, welche beim besten Willen nicht Verständnis fördernd angelegt ist. Daran, dass Wittgenstein oft Sätze auseinander gerissen hat, die hintereinander besser hätten verstanden werden können, zeigt sich nämlich nur, dass er eben kein guter Theoretiker war.
So, das war die 5. Vorlesung. In der Sechsten wird es zu Beginn noch einmal um die Logik gehen, nämlich beim Thema "Der Satz als Funktion der Elementarsätze". Danach geht es dann wahrscheinlich weiter mit Wittgensteins Kritik an der Philosophie.
Sollte es Verstädnisprobleme beim Lesen meiner Mitschriften geben, dann bitte ich um Kommentare.
Wittgensteins Elementarsätze, welche natürlich aus der Anwendung des logischen Atomismus resultieren, sind hier die logisch voneinander unabhängigen Sätze, welche die logisch voneinander unabhängigen Sachverhalte beschreiben. „Alle anderen möglichen Sachverhalte sind logisch vollständig durch die Elementarsätze bestimmt.“ (Prof. Tetens).
Soweit ist noch alles in Ordnung. Problematisch wird es erst durch die folgenden Bestimmungen von Wittgenstein:
4.22: Der Elementarsatz besteht aus Namen. Er ist ein Zusammenhang, eine Verkettung, von Namen.
4.221: Es ist offenbar, dass wir bei der Analyse der Sätze auf Elementarsätze kommen müssen, die aus Namen in unmittelbarer Verbindung bestehen. Es frägt sich hier, wie kommt der Satzverband zustande.
Dies ist deshalb problematisch, weil es keine einfache unterstützende Argumentation im Sinne Wittgensteins für die These gibt, dass Elementarsätze aus einer unmittelbaren Verkettung von Namen bestehen. Ein Satz nur aus Namen kann nämlich keinen Sachverhalt beschreiben. Dazu ist immer noch zusätzlich ein Prädikat nötig.
Betrachten wir das folgende Beispiel: „Der Mond kreist um die Erde“. Da „der Mond“ und „die Erde“ jeweils komplexe Sachverhalte sind, ist dies zwar kein Elementarsatz im Sinne Wittgensteins, jedoch teilen sie sich die logische Form. „Der Mond“ und „die Erde“ sind Namen, singuläre Termini also, welche jedoch allein miteinander verbunden nicht den Sachverhalt beschreiben können, dass der Mond um die Erde kreist. Dazu bedarf es noch eines generellen Terminus (Prädikats), wie eben „kreisen um“. Ein genereller Terminus ist jedoch kein Name und steht deshalb im Widerspruch zu Wittgensteins Aussage.
Eine Lösung könnte sein, dass Wittgenstein generelle Termini vielleicht als Namen ansieht. Diese Möglichkeit gibt es, denn generelle Termini kann man auch als die Menge all der Gegenstände auffassen, auf die das Prädikat zutrifft. Ein genereller Terminus wäre somit der Name einer Klasse. Da eine Klasse jedoch kein einfacher, nicht-komplexer und unanalysierbarer Gegenstand ist, kann dies nicht die Lösung sein.
Prof. Tetens schlägt eine weitere Lösung vor, die Wittgensteins extensionalen Standpunkt der Logik aufnimmt. Kennt man nämlich alle Namen von den gegebenen logisch einfachsten Gegenständen, dann kennt man auch alle logisch möglichen Verbindungen von Namen (Paare, Tripel usw.) und kann deshalb auch extensional auf alle logisch möglichen Prädikate schließen. Prof. Tetens: „Alle Sätze für die Sachverhalte im logischen Raum sind daher vom extensionalen Standpunkt durch die Verbindung der Namen für die logischen Atome vollständig bestimmt. Für die Elementarsätze braucht man daher nur die Namen für die logischen Atome zu kennen.“
Auf diese Lösung zu kommen ist jedoch nicht gerade einfach. Und Wittgensteins Anmerkung in 4.221 „Es frägt sich hier, wie kommt der Satzverband zustande.“ zeigt, dass Wittgenstein hier selbst Schwierigkeiten hat. Prof. Tetens kritisiert dann auch zurecht, indem er sagt: „Wenn er das meint, [dann] hat er es mehr als undeutlich und missverständlich gesagt.“ Als Beispiel für eine verständliche und klare Darstellung der logischen Syntax hebt Prof. Tetens noch mal das Buch von Rudolf Carnap „Logische Syntax der Sprache“ hervor. Außerdem warnt er anhand dieser Unfähigkeit Wittgensteins sich hier klar auszudrücken davor, bei Wittgenstein oder irgend einem anderen Philosophen wegen eines Heroenkultes solche Unklarheiten als „tiefsinnig“ anzusehen. Es ist nämlich ein Unding, wenn Textpassagen von Philosophen unverständlich geschrieben sind, hinter diesen dann etwas besonders tiefsinniges zu vermuten. Auch große Philosophen machen manchmal Unfug, so wie es z.B. Wittgenstein mit der Nummerierung in seinem Buch gemacht hat, welche beim besten Willen nicht Verständnis fördernd angelegt ist. Daran, dass Wittgenstein oft Sätze auseinander gerissen hat, die hintereinander besser hätten verstanden werden können, zeigt sich nämlich nur, dass er eben kein guter Theoretiker war.
So, das war die 5. Vorlesung. In der Sechsten wird es zu Beginn noch einmal um die Logik gehen, nämlich beim Thema "Der Satz als Funktion der Elementarsätze". Danach geht es dann wahrscheinlich weiter mit Wittgensteins Kritik an der Philosophie.
Sollte es Verstädnisprobleme beim Lesen meiner Mitschriften geben, dann bitte ich um Kommentare.

Mit Wittgensteins These, den Satz als Verbindung von Namen aufzufassen, kann ich mich nur schwer anfreunden. Ich frage mich, ob der ganze Ansatz, der hinter dem logischen Atomismus steckt, nicht verfehlt ist. Freilich ist auch die Alternative, Sätze als Beziehung zwischen Begriffen aufzufassen, kaum weniger problematisch. (Diese Auffassung findet sich bei Leibniz). Die Antwort auf die Frage, wie man eine "allgemeine Form des Satzes" plausibel angeben kann, scheint mir in beiden Fällen (logischer Atomismus, Begriffslogik) nicht zufrieden stellend. Ich bin gespannt, ob ihre Vorlesungsmitschrift bei Prof. Tetens noch was Interessantes dazu bringt.
Merz
Prof. Tetens behauptet ebenfalls, dass dieser Punkt, Sätze als Verbindung von Namen von Gegegenständen, eine Schwachstelle in Wittgensteins Tractatus darstellt. Vor allem weil Wittgenstein uns ein Beispiel für einen Elementarsatz schuldig bleibt.
Prof. Tetens Erläuterung bezieht sich auf Sätze im "logischen Raum", also auf alle logisch möglichen Satzverbindungen. Dann ist es auch möglich allein durch die Kenntnisse der Namen der logischen Atome, mithilfe einfacher logischer Kombinatorik, alle möglichen Verbindungen im Sinne von "Gegenstand A und Gegenstand B" oder "Wenn Gegenstand A, dann auch Gegenstand B" zu bilden. Genauso wie Sätze wie "Alle Gegenstände A haben die Eigenschaft F" und "Es existiert ein Gegenstand B auf den die Eigenschaft F zutrifft". Kurz: Es können mit diesem extensionalen Standpunkt der Logik alle logisch möglichen Verbindungen hergestellt werden, unter denen sich auch die Verbindungen, welche in der Welt tatsächlich vorkommen, befinden. Eine bloße Anhäufung von Namen wäre es somit nicht, sondern eine Zusammenstellung aller logisch möglichen Konstellationen von Namen.
Insgesamt halte ich den Ansatz des logischen Atomismus von Wittgenstein auch für fragwürdig.