Nun hat er damit Recht, dass es durchaus in der Philosophie schon vorgekommen ist, dass die logische Form missverstanden wurde und aufgrund dieses Fehlers Scheinprobleme und sinnlose Sätze erzeugt wurden. Wittgenstein könnte dies also zum Anlass nehmen um das Philosophieren unter eine Verhaltensmaxime zu stellen, um sie so vor solchen Fehlern zu bewahren. Prof. Tetens hat eine solche Maxime für das Philosophieren mal aufgestellt:
Sich an eine solche Maxime beim Philosophieren zu halten, würde sicherlich helfen die Qualität in der Philosophie zu bewahren. Wittgenstein ist dies jedoch nicht genug. Er vertritt die These, dass alle Fragen und Antwortversuche der Philosophie sich am Ende als sinnlos erweisen. In 6.53 sagt er deshalb: „Die richtige Methode der Philosophie wäre eigentlich die: Nichts zu sagen, als was sich sagen läßt, also Sätze der Naturwissenschaft – also etwas, was mit Philosophie nichts zu tun hat -, und dann immer, wenn ein anderer etwas Metaphysisches sagen wollte, ihm nachzuweisen, dass er gewissen Zeichen in seinen Sätzen keine Bedeutung gegeben hat. Diese Methode wäre für den anderen unbefriedigend – er hätte nicht das Gefühl, das wir ihn Philosophie lehrten - aber sie wäre die einzig streng richtige.“1. Vergewissere dich zunächst, dass eine philosophische Frage sinnvoll ist und nicht dadurch entstanden ist, dass man die logische Form von Sätzen missverstanden hat!
2. Achte auch bei deinen Antwortversuchen auf philosophische Fragen stets darauf, dass deine Sätze sinnvoll sind und du jederzeit über die logische Form deiner Sätze Rechenschaft ablegen kannst.
Wittgenstein meint es mit dieser harschen Philosophiekritik also tatsächlich ernst. Kann er sie jedoch auch wirklich begründen? Prof. Tetens hat deshalb zwei Argumente zusammengestellt, welche sich implizit aus dem Tractatus entnehmen lassen, welche die Sinnlosigkeit der Philosophie nachweisen sollen:
Vor allem das zweite Argument ist ein typisches für den Wiener Kreis. Rudolf Carnap, berühmtes Mitglied des Wiener Kreises hat dann auch versucht im Aufsatz „Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache“ (Amazon-Link1. Nur die Sätze der Naturwissenschaften sind sinnvoll.
2. Die Sätze der Philosophie sind keine Sätze der Naturwissenschaften.
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3. Also sind die Sätze der Philosophie nicht sinnvoll.
1. Jeder sinnvolle Satz ist entweder empirisch oder er ist ein Satz der Logik (Tautologie).
2. Die Sätze der Metaphysik (=Philosophie) sind weder empirisch noch logisch wahr.
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3. Also sind die Sätze der Metaphysik (=Philosophie) nicht sinnvoll.
Carnap: „Auf dem Gebiet der Metaphysik (einschließlich aller Wertphilosophie und Normwissenschaft) führt die logische Analyse zu dem negativen Ergebnis, dass die vorgeblichen Sätze dieses Gebietes gänzlich sinnlos sind.
Damit ist eine radikale Überwindung der Metaphysik erreicht, die von den früheren antimetaphysischen Standpunkten aus noch nicht möglich war. [....] Die Metaphysik gilt uns nicht als „bloßes Hirngespinst“ oder „Märchen“.
Die Sätze eines Märchens widerstreiten nicht der Logik, sondern nur der Erfahrung; sie sind durchaus sinnvoll, wenn auch falsch.
Die Metaphysik ist kein „Aberglaube“; glauben kann man an wahre und an falsche Sätze, aber nicht an sinnlose Wortreihen.
Auch nicht als „Arbeitshypothesen“ kommen metaphysische Sätze in Betracht; denn für eine Hypothese ist das Ableitungsverhältnis zu (wahren oder falschen) empirischen Sätzen wesentlich, und das fehlt gerade bei Scheinsätzen.“
