5.631: Das denkende, vorstellende Subjekt gibt es nicht.
5.632: Das Subjekt gehört nicht zur Welt, sondern es ist eine Grenze der Welt.
Dies ist bemerkenswert. Es fragt sich, wie Wittgenstein darauf kommt das Subjekt als Grenze der Welt aufzufassen und es somit von der Welt auszuschließen. Denn ist es nicht normalerweise so, dass das Subjekt, welches sich auf die Objekte in der Welt (oder unmissverständlicher nach Wittgenstein auf die Sachverhalte im logischen Raum) bezieht nicht auch Teil dieser Welt ist? Und ist es nicht normalerweise Ziel der Philosophie dieses Subjekt und seine Bezugnahme auf die Welt selbstreflexiv als ein abgeschlossenes Ganzes zu betrachten? Schauen wir mal, was Wittgenstein uns noch über das Subjekt zu berichten hat:
5.63: Ich bin meine Welt. (Der Mikrokosmos.)
5.631: Das denkende, vorstellende Subjekt gibt es nicht. Wenn ich ein Buch schriebe >>Die Welt, wie ich sie vorfand<<, so wäre darin auch über meinen Leib zu berichten und zu sagen, welche Glieder meinem Willen unterstehen und welche nicht etc., dies ist nämlich eine Methode, das Subjekt zu isolieren, oder vielmehr zu zeigen, dass es in einem wichtigen Sinne kein Subjekt gibt: Von ihm allein nämlich könnte in dem Buch nicht die Rede sein.
5.633: Wo in der Welt ist ein metaphysisches Subjekt zu merken? Du sagst, es verhält sich hier ganz anders, wie mit Auge und Gesichtsfeld. Aber das Auge siehst du wirklich nicht. Und nichts am Gesichtsfeld lässt darauf schließen, dass es von einem Auge gesehen wird.
5.6331: Das Gesichtsfeld hat nämlich nicht etwa eine solche Form:

Wittgenstein macht die interessante Enddeckung, dass das Subjekt eines Betrachters der Welt gerade vom Leib isoliert wird, wenn man dessen Glieder objektiviert, obwohl normalerweise ja das Subjekt mit dessen Leib identifiziert wird. Es ist dadurch nicht möglich über das Subjekt zu reden, weil man es sonst zum Objekt macht, dass jedoch wieder vom entwichenen Subjekt betrachtet wird. Es ist wie das Hase und Igel Spiel. Das Subjekt lässt sich genauso wenig ergreifen, wie man im Gesichtsfeld das eigene Auge sieht. Es gibt somit immer ein Subjekt, dass von außerhalb eine Situation betrachtet, welches jedoch nie selbst betrachtet werden kann. Wäre dies möglich, dann würde es im nächsten Bild noch einen weiteren Rahmen geben, welcher auch das letzte „Ich“ mit einschließt. Dies ist nach Wittgenstein jedoch unmöglich.

Prof. Tetens: „Ich als das Subjekt meines aktuellen letzten sinnvollen Gedankens falle aus der Welt, auf die ich gerade Bezug nehme, heraus.
Ich als das Subjekt meines aktuellen letzten sinnvollen Gedankens stehe immer an der Grenze der Welt, auf die ich gerade Bezug nehme.“
Wittgenstein gibt hiermit ein Beispiel für etwas, worüber sich logisch nichts mehr sinnvoll sagen lässt. Seine Aussagen über das Subjekt lässt sich somit als Teilerfolg seines Projekts der Grenzziehung zwischen dem, was sinnvoll gesagt und gedacht werden kann, und dem, was nicht sinnvoll gesagt oder gedacht werden kann, werten.
