Wie wir im 1. Teil der 8. Vorlesung erfahren haben, ist es ein fundamentales Ziel der Philosophie, „die Welt als eine Einheit zu begreifen von Objekten und Subjekten, die sich auf die Objekte beziehen“ (Tetens). Im Tractatus geht Wittgenstein nun der Frage nach, ob und wie sich über diese Einheit sinnvoll reden lässt.
Im 2. Teil und 3. Teil der 8. Vorlesung wurde weiterhin gezeigt, dass es unmöglich ist die Welt sinnvoll als eine Einheit von Objekten und Subjekten zu begreifen, da das Subjekt sich letztlich außerhalb der Welt befinden muss. Damit hat Wittgenstein ein fundamentales Problem der Philosophie beschrieben.
Prof. Tetens: „Insofern die Philosophie darauf zielt, die Stellung des Menschen im Ganzen der Welt zu bestimmen, versucht die Philosophie nach Wittgenstein ständig etwas zu sagen, was sich eigentlich nicht sagen lässt, sondern sich nur zeigt.
Und insofern die Philosophie insbesondere versucht, die Bezugnahme auf die Welt zu thematisieren, stößt sie nach Wittgenstein an die Grenzen dessen, was sich noch sinnvoll und informativ sagen lässt.“
Für Wittgenstein ist es deshalb nur konsequent zu sagen, dass die Sätze der Philosophie als Disziplin zweiter Ordnung und damit die Sätze des Tractatus unsinnig sind.
Dies zeigt sich anhand von Sätzen, welche z.B. die Beziehung von Sprache zur Welt verdeutlichen sollen. So wird die Erklärung "Der Satz 'Schnee ist weiß' ist genau dann wahr, wenn Schnee weiß ist." ab einer gewissen Weiterführung auf höheren Metastufen zur Erklärung des Zusammenhangs von Sprache zur Welt einfach uninformativ und sinnlos, da Objekt und Metasprache in der letzten Reflexionsstufe zusammenfallen (man kann in der Metasprache nur noch den Satz aus der Objektsprache wiederholen).
Und es zeigt sich beim Versuch, die Stellung des Subjekts im Ganzen der Welt zu beschreiben. Denn das beschriebene Subjekt wird beim Versuch es zu beschreiben vom Subjekt beschrieben, welches damit nicht mehr das beschriebene Subjekt ist. Um dieses nun beschreibende Subjekt zu beschreiben muss dieses vom Subjekt wieder beschrieben werden. Es entsteht eine sogenannte „Endlosschleife“, wie man es in der Informatik sagen würde, welche zeigt, dass wir bei solchen Versuchen immer an die Grenzen dessen stoßen, was noch sinnvoll gesagt werden kann.
Doch solche Versuchen zeigen Wittgenstein noch etwas Anderes:
Dadurch, dass diese Versuche letztlich als unsinnig erkannt werden müssen, sind sie Zeugen für die Grenzen des Bereiches der Welt, über welchen sich sinnvoll reden lässt. Sie können uns diese Grenzen zeigen und damit die Welt „von innen heraus begrenzen“.
Prof. Tetens: „Ich gewinne ein Gefühl für das geheimnisvolle, unaussprechliche, in einem strengen Sinne unausdenkbare begrenzte Ganze der Welt, in der wir selber als Subjekte vorkommen, indem die Sätze, in denen ich dieses Ganze darzustellen versuche, in ihrer inhaltlichen Leerheit und Unsinnigkeit zeigen, dass es Unaussprechliches gibt..“
Wittgenstein beschreib dies so:
6.45: Die Anschauung der Welt sub specie aeterni ist ihre Anschauung als - begrenztes - Ganzes. Das Gefühl der Welt als begrenztes Ganzes ist das Mystische.
6.522: Es gibt Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische
Damit sind für Wittgenstein diese Versuche zwar letztlich sinnlos, jedoch nicht funktionslos. Denn sie zeigen uns die Grenzen der für uns redend und denkend bezugfähigen Welt. Und da Wittgenstein konsequent ist wendet er dieses auch gleich wieder auf die Sätze des Tractatus an:
6.54: Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem auf er auf ihr hinaufgestiegen ist.) Er muss diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.
Dies kann man so jedoch nicht kommentarlos stehen lassen, denn es stellt sich damit natürlich die Frage, was Wittgenstein unter „die Welt richtig sehen“ versteht. Dieses „richtig sehen“ verdeutlicht Wittgenstein 1919 in einem Brief an seinem Freund Ludwig von Ficker, indem er den Sinn des Tractatus erläutert:
„Von seiner Lektüre werden Sie [...] – wie ich bestimmt glaube – nicht allzu viel haben. Denn Sie werden es nicht verstehen; der Stoff wird Ihnen ganz fremd erscheinen. In Wirklichkeit ist er Ihnen nicht fremd, denn der Sinn des Buches ist ein Ethischer.
Ich wollte einmal in das Vorwort einen Satz geben, der nun tatsächlich nicht darin steht, den ich Ihnen aber jetzt schreibe, weil er Ihnen vielleicht ein Schlüssel sein wird:
Ich wollte nämlich schreiben, mein Werk bestehe aus zwei Teilen:
aus dem, der hier vorliegt, und aus alle dem, was ich nicht geschrieben habe. Und gerade dieser zweite Teil ist der Wichtige. Es wird nämlich das Ethische durch mein Buch gleichsam von Innen her begrenzt; und ich bin überzeugt, dass es, streng, NUR so zu begrenzen ist.“
Der Leser des Tractatus soll also dazu befähigt werden, die Ethik als etwas zu begreifen, worüber sich sinnvoll nichts sagen lässt. Und er soll gezeigt bekommen, wie das Ethische von Innen her begrenzt werden kann.
6.42: Darum kann es auch keine Sätze der Ethik geben. Sätze können nichts Höheres ausdrücken.
6.421: Es ist klar, dass sich die Ethik nicht aussprechen lässt.
Im den anderen Teilen der 9. Vorlesung wird es deshalb um das Ethische gehen.
Im 2. Teil und 3. Teil der 8. Vorlesung wurde weiterhin gezeigt, dass es unmöglich ist die Welt sinnvoll als eine Einheit von Objekten und Subjekten zu begreifen, da das Subjekt sich letztlich außerhalb der Welt befinden muss. Damit hat Wittgenstein ein fundamentales Problem der Philosophie beschrieben.
Prof. Tetens: „Insofern die Philosophie darauf zielt, die Stellung des Menschen im Ganzen der Welt zu bestimmen, versucht die Philosophie nach Wittgenstein ständig etwas zu sagen, was sich eigentlich nicht sagen lässt, sondern sich nur zeigt.
Und insofern die Philosophie insbesondere versucht, die Bezugnahme auf die Welt zu thematisieren, stößt sie nach Wittgenstein an die Grenzen dessen, was sich noch sinnvoll und informativ sagen lässt.“
Für Wittgenstein ist es deshalb nur konsequent zu sagen, dass die Sätze der Philosophie als Disziplin zweiter Ordnung und damit die Sätze des Tractatus unsinnig sind.
Dies zeigt sich anhand von Sätzen, welche z.B. die Beziehung von Sprache zur Welt verdeutlichen sollen. So wird die Erklärung "Der Satz 'Schnee ist weiß' ist genau dann wahr, wenn Schnee weiß ist." ab einer gewissen Weiterführung auf höheren Metastufen zur Erklärung des Zusammenhangs von Sprache zur Welt einfach uninformativ und sinnlos, da Objekt und Metasprache in der letzten Reflexionsstufe zusammenfallen (man kann in der Metasprache nur noch den Satz aus der Objektsprache wiederholen).
Und es zeigt sich beim Versuch, die Stellung des Subjekts im Ganzen der Welt zu beschreiben. Denn das beschriebene Subjekt wird beim Versuch es zu beschreiben vom Subjekt beschrieben, welches damit nicht mehr das beschriebene Subjekt ist. Um dieses nun beschreibende Subjekt zu beschreiben muss dieses vom Subjekt wieder beschrieben werden. Es entsteht eine sogenannte „Endlosschleife“, wie man es in der Informatik sagen würde, welche zeigt, dass wir bei solchen Versuchen immer an die Grenzen dessen stoßen, was noch sinnvoll gesagt werden kann.
Doch solche Versuchen zeigen Wittgenstein noch etwas Anderes:
Dadurch, dass diese Versuche letztlich als unsinnig erkannt werden müssen, sind sie Zeugen für die Grenzen des Bereiches der Welt, über welchen sich sinnvoll reden lässt. Sie können uns diese Grenzen zeigen und damit die Welt „von innen heraus begrenzen“.
Prof. Tetens: „Ich gewinne ein Gefühl für das geheimnisvolle, unaussprechliche, in einem strengen Sinne unausdenkbare begrenzte Ganze der Welt, in der wir selber als Subjekte vorkommen, indem die Sätze, in denen ich dieses Ganze darzustellen versuche, in ihrer inhaltlichen Leerheit und Unsinnigkeit zeigen, dass es Unaussprechliches gibt..“
Wittgenstein beschreib dies so:
6.45: Die Anschauung der Welt sub specie aeterni ist ihre Anschauung als - begrenztes - Ganzes. Das Gefühl der Welt als begrenztes Ganzes ist das Mystische.
6.522: Es gibt Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische
Damit sind für Wittgenstein diese Versuche zwar letztlich sinnlos, jedoch nicht funktionslos. Denn sie zeigen uns die Grenzen der für uns redend und denkend bezugfähigen Welt. Und da Wittgenstein konsequent ist wendet er dieses auch gleich wieder auf die Sätze des Tractatus an:
6.54: Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem auf er auf ihr hinaufgestiegen ist.) Er muss diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.
Dies kann man so jedoch nicht kommentarlos stehen lassen, denn es stellt sich damit natürlich die Frage, was Wittgenstein unter „die Welt richtig sehen“ versteht. Dieses „richtig sehen“ verdeutlicht Wittgenstein 1919 in einem Brief an seinem Freund Ludwig von Ficker, indem er den Sinn des Tractatus erläutert:
„Von seiner Lektüre werden Sie [...] – wie ich bestimmt glaube – nicht allzu viel haben. Denn Sie werden es nicht verstehen; der Stoff wird Ihnen ganz fremd erscheinen. In Wirklichkeit ist er Ihnen nicht fremd, denn der Sinn des Buches ist ein Ethischer.
Ich wollte einmal in das Vorwort einen Satz geben, der nun tatsächlich nicht darin steht, den ich Ihnen aber jetzt schreibe, weil er Ihnen vielleicht ein Schlüssel sein wird:
Ich wollte nämlich schreiben, mein Werk bestehe aus zwei Teilen:
aus dem, der hier vorliegt, und aus alle dem, was ich nicht geschrieben habe. Und gerade dieser zweite Teil ist der Wichtige. Es wird nämlich das Ethische durch mein Buch gleichsam von Innen her begrenzt; und ich bin überzeugt, dass es, streng, NUR so zu begrenzen ist.“
Der Leser des Tractatus soll also dazu befähigt werden, die Ethik als etwas zu begreifen, worüber sich sinnvoll nichts sagen lässt. Und er soll gezeigt bekommen, wie das Ethische von Innen her begrenzt werden kann.
6.42: Darum kann es auch keine Sätze der Ethik geben. Sätze können nichts Höheres ausdrücken.
6.421: Es ist klar, dass sich die Ethik nicht aussprechen lässt.
Im den anderen Teilen der 9. Vorlesung wird es deshalb um das Ethische gehen.
