Diese Woche ist die Vorlesung tatsächlich wieder ausgefallen. Deshalb habe ich die Zeit genutzt um hier noch mal eine kleine Zusammenfassung bzw. Einleitung zu den Vorlesungen von Prof. Tetens zu Wittgensteins Tractatus zu schreiben.
Zum Tractatus schrieb Wittgenstein 1919 seinem Freund Ludwig von Ficker, dass der Sinn des Buches ein Ethischer sei und er dies ursprünglich auch im Vorwort verdeutlichen wollte:
„Ich wollte nämlich schreiben, mein Werk bestehe aus zwei Teilen:
aus dem, der hier vorliegt, und aus alle dem, was ich nicht geschrieben habe.
Und gerade dieser zweite Teil ist der Wichtige. Es wird nämlich das Ethische durch mein Buch gleichsam von Innen her begrenzt; und ich bin überzeugt, dass es, streng, NUR so zu begrenzen ist.“
Mit dem ersten Teil des ethischen Werks von Wittgenstein, dem Tractatus, soll das Ethische „von Innen her begrenzt“ werden. Die vormalige Unbegrenztheit sah Wittgenstein wohl auch als Grund für die Probleme in der Philosophie an. Im Vorwort zum Tractatus schreibt er:
„Das Buch behandelt die philosophischen Probleme und zeigt - wie ich glaube - dass die Fragestellung auf einem Missverständnis unserer Sprache beruht. [...] Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen. […] Das Buch will [dem Ausdruck der Gedanken] eine Grenze ziehen [...] was jenseits der Grenze liegt, wird einfach Unsinn sein. […]
Dagegen scheint mir die Wahrheit der hier mitgeteilten Gedanken unantastbar und definitiv. Ich bin also der Meinung, die Probleme im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben. Und wenn ich mich hierin nicht irre, so besteht der Wert der Arbeit zweitens darin, zu zeigen, wie wenig damit getan ist, dass die Probleme gelöst sind.“
Betrachten wir dazu noch drei weitere Sätze aus dem Tractatus:
6.52: Wir fühlen, dass selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort.
6.54: Meine Sätze erläutern dadurch, dass die der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinaufgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.) Er muss die Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.
7: Wovon man nicht sprechen kann, davon muss man schweigen.
Den zweiten Teil seines ethischen Werkes hat Wittgenstein nicht geschrieben, sondern übt sich damit im Schweigen. Dennoch gibt er eine Antwort in 6.52, wenn er sagt, dass dann keine Frage mehr bleibt. Wie diese Antwort zu verstehen ist, dass will und Herr Prof. Tetens in seiner Vorlesung zum Tractatus näher bringen. Und wie in 6.54 geschrieben steht, muss dazu der Tractatus als Leiter genutzt werden, um ihn letztendlich als unsinnig erkennen und damit überwinden zu können.
Für Prof. Tetens stellen sich uns bis jetzt drei Fragen:
1. Warum gehört das Ethische zu dem, über das nicht sinnvoll geredet werden kann?
2. Wie kann das sinnvoll Sagbare vom nicht sinnvoll Sagbaren abgegrenzt werden, ohne je dabei die Grenze zwischen Sinn und Unsinn sinnvoll redend und denkend überschreiten zu können?
3. Wie kann das sinnvoll Sagbare vom Inneren der Sprache vom nicht sinnvoll Sagbaren abgegrenzt werden?
Wir erinnern uns, dass Wittgenstein daran glaubt, „dass die Fragestellung“, und damit die philosophischen Probleme, „auf einem Missverständnis unserer Sprache beruht.“ Wer sich schon mal mit Philosophie beschäftigt hat, der weiß jedoch, dass sich die Philosophie mit sehr vielen Dingen beschäftigt. Wie kann es dann sein, dass alle philosophischen Probleme durch eine Missverständnis unserer Sprache ergeben? Prof. Tetens beantwortet dies in der zweiten Vorlesung durch das Prinzip der transzendentalen Rolle der Logik, welches dem Tractatus zu Grunde liegt:
„Die logischen Eigenschaften der Sprache sind zugleich Bedingungen der Möglichkeit der sprachlich darstellbaren [Tatsachen].“
Nehmen wir hierzu noch Satz 1.11 aus dem Tractatus, in dem es heißt, dass die Welt durch die Tatsachen bestimmt ist, dann wird verständlich warum Wittgenstein glaubt, dass die Sprache der Schlüssel zur Welt, und damit zu den philosophischen Problemen ist.
Prof. Tetens zeigt uns im zweiten Teil seiner dritten Vorlesung, zu dessen Verständnis es hilfreich ist den Unterschied zwischen Sinn und Bedeutung aus dem ersten Teil der dritten Vorlesung zu kennen, dass Wittgensteins in seinen weiteren Sätzen beginnend mit 2 einen „logischen Atomismus“ verfolgt und dabei einen extensionalen Standpunkt der Logik einnimmt. Nur durch das Prinzip der extensionalen Logik ist zu erklären, warum Wittgenstein z.B. in Satz 2.014 sagt:
„Sind alle Gegenstände gegeben, so sind damit auch alle möglichen Sachverhalte gegeben.“
Weiterhin erklärt und Prof. Tetens wie es sich mit der Menge aller logisch möglichen Welten, dem logischen Raum und der Substanz der Welt verhält. Denn dadurch, dass wir extensional von den Gegenständen auf alle möglichen Sachverhalte schließen können, die übrigens nicht alle wahr sein müssen, ist es uns möglich Bilder von Welten zu machen. Und eben diese Gesamtheit der möglichen Bilder stellt die Menge aller logisch möglichen Welten dar, die Wittgenstein auch den logischen Raum oder, im Sinne des logischen Atomismus, die Substanz der Welt nennt.
Soweit die bisherigen Vorlesungen. Noch sind nicht alle Fragen beantwortet. Deshalb werde ich auch nächste Woche Mittwoch wieder eine Mitschrift der Vorlesung bloggen. Mal sehen, was uns Herr Prof. Tetens dann zu sagen hat.
Hilfreiche Quellen im Internet:
Eine Webdarstellung in Menuestruktur des Traktats von Christoph Hochholzer.
Zum Tractatus schrieb Wittgenstein 1919 seinem Freund Ludwig von Ficker, dass der Sinn des Buches ein Ethischer sei und er dies ursprünglich auch im Vorwort verdeutlichen wollte:
„Ich wollte nämlich schreiben, mein Werk bestehe aus zwei Teilen:
aus dem, der hier vorliegt, und aus alle dem, was ich nicht geschrieben habe.
Und gerade dieser zweite Teil ist der Wichtige. Es wird nämlich das Ethische durch mein Buch gleichsam von Innen her begrenzt; und ich bin überzeugt, dass es, streng, NUR so zu begrenzen ist.“
Mit dem ersten Teil des ethischen Werks von Wittgenstein, dem Tractatus, soll das Ethische „von Innen her begrenzt“ werden. Die vormalige Unbegrenztheit sah Wittgenstein wohl auch als Grund für die Probleme in der Philosophie an. Im Vorwort zum Tractatus schreibt er:
„Das Buch behandelt die philosophischen Probleme und zeigt - wie ich glaube - dass die Fragestellung auf einem Missverständnis unserer Sprache beruht. [...] Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen. […] Das Buch will [dem Ausdruck der Gedanken] eine Grenze ziehen [...] was jenseits der Grenze liegt, wird einfach Unsinn sein. […]
Dagegen scheint mir die Wahrheit der hier mitgeteilten Gedanken unantastbar und definitiv. Ich bin also der Meinung, die Probleme im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben. Und wenn ich mich hierin nicht irre, so besteht der Wert der Arbeit zweitens darin, zu zeigen, wie wenig damit getan ist, dass die Probleme gelöst sind.“
Betrachten wir dazu noch drei weitere Sätze aus dem Tractatus:
6.52: Wir fühlen, dass selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort.
6.54: Meine Sätze erläutern dadurch, dass die der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinaufgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.) Er muss die Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.
7: Wovon man nicht sprechen kann, davon muss man schweigen.
Den zweiten Teil seines ethischen Werkes hat Wittgenstein nicht geschrieben, sondern übt sich damit im Schweigen. Dennoch gibt er eine Antwort in 6.52, wenn er sagt, dass dann keine Frage mehr bleibt. Wie diese Antwort zu verstehen ist, dass will und Herr Prof. Tetens in seiner Vorlesung zum Tractatus näher bringen. Und wie in 6.54 geschrieben steht, muss dazu der Tractatus als Leiter genutzt werden, um ihn letztendlich als unsinnig erkennen und damit überwinden zu können.
Für Prof. Tetens stellen sich uns bis jetzt drei Fragen:
1. Warum gehört das Ethische zu dem, über das nicht sinnvoll geredet werden kann?
2. Wie kann das sinnvoll Sagbare vom nicht sinnvoll Sagbaren abgegrenzt werden, ohne je dabei die Grenze zwischen Sinn und Unsinn sinnvoll redend und denkend überschreiten zu können?
3. Wie kann das sinnvoll Sagbare vom Inneren der Sprache vom nicht sinnvoll Sagbaren abgegrenzt werden?
Wir erinnern uns, dass Wittgenstein daran glaubt, „dass die Fragestellung“, und damit die philosophischen Probleme, „auf einem Missverständnis unserer Sprache beruht.“ Wer sich schon mal mit Philosophie beschäftigt hat, der weiß jedoch, dass sich die Philosophie mit sehr vielen Dingen beschäftigt. Wie kann es dann sein, dass alle philosophischen Probleme durch eine Missverständnis unserer Sprache ergeben? Prof. Tetens beantwortet dies in der zweiten Vorlesung durch das Prinzip der transzendentalen Rolle der Logik, welches dem Tractatus zu Grunde liegt:
„Die logischen Eigenschaften der Sprache sind zugleich Bedingungen der Möglichkeit der sprachlich darstellbaren [Tatsachen].“
Nehmen wir hierzu noch Satz 1.11 aus dem Tractatus, in dem es heißt, dass die Welt durch die Tatsachen bestimmt ist, dann wird verständlich warum Wittgenstein glaubt, dass die Sprache der Schlüssel zur Welt, und damit zu den philosophischen Problemen ist.
Prof. Tetens zeigt uns im zweiten Teil seiner dritten Vorlesung, zu dessen Verständnis es hilfreich ist den Unterschied zwischen Sinn und Bedeutung aus dem ersten Teil der dritten Vorlesung zu kennen, dass Wittgensteins in seinen weiteren Sätzen beginnend mit 2 einen „logischen Atomismus“ verfolgt und dabei einen extensionalen Standpunkt der Logik einnimmt. Nur durch das Prinzip der extensionalen Logik ist zu erklären, warum Wittgenstein z.B. in Satz 2.014 sagt:
„Sind alle Gegenstände gegeben, so sind damit auch alle möglichen Sachverhalte gegeben.“
Weiterhin erklärt und Prof. Tetens wie es sich mit der Menge aller logisch möglichen Welten, dem logischen Raum und der Substanz der Welt verhält. Denn dadurch, dass wir extensional von den Gegenständen auf alle möglichen Sachverhalte schließen können, die übrigens nicht alle wahr sein müssen, ist es uns möglich Bilder von Welten zu machen. Und eben diese Gesamtheit der möglichen Bilder stellt die Menge aller logisch möglichen Welten dar, die Wittgenstein auch den logischen Raum oder, im Sinne des logischen Atomismus, die Substanz der Welt nennt.
Soweit die bisherigen Vorlesungen. Noch sind nicht alle Fragen beantwortet. Deshalb werde ich auch nächste Woche Mittwoch wieder eine Mitschrift der Vorlesung bloggen. Mal sehen, was uns Herr Prof. Tetens dann zu sagen hat.
Hilfreiche Quellen im Internet:
Eine Webdarstellung in Menuestruktur des Traktats von Christoph Hochholzer.
Der Wikipedia-Eintrag zum Tractatus Logico-Philosophicus
