In Medien und Politik ist der Begriff Globalisierung längt fester Bestandteil des rhetorischen Repertoires und ich habe oft den Eindruck, dass alle Entwicklungen, die international und etwas komplizierter sind, gerne unter diesem Schlagwort subsumiert werden. Dabei ist Globalisierung etwas anderes als Internationalisierung und tatsächlich wird der Gehalt des Begriffs Globalisierung erst im direkten Vergleich mit dem Begriff Internationalisierung sichtbar.
Internationale Beziehungen und Auswirkungen existieren seit dem Entstehen erster Nationen. Nichts Neues also, denn schließlich besagt der Begriff Internationalisierung nichts Weiteres, als dass irgendwelche Verflechtungen zwischen (lat: inter) verschiedenen Nationen existieren und entstehen. Internationalisierung beschreibt hierbei genauer den Prozess der zunehmenden Quantität solcher Verflechtungen zwischen Individuen, Wirtschaft und Politik.
Globalisierung hingegen ist aus einer solchen gesteigerten Quantität internationaler Verflechtungen erst entstanden. Zitat aus dem zu empfehlenden Aufsatz „Globalisierung. Versuch einer Annäherung“ (PDF) von Joseph Bordat:
Die Globalisierung hat sich durch eine neue Dimension der Internationalisierung aus dieser entwickelt, wobei sich das „Neue“ sowohl quantitativ (ein „Mehr“ an Beziehung) als auch qualitativ (eine andere Art von Beziehung) beschreiben lässt. Zur Globalisierung wird Internationalisierung also ab einer bestimmten Reichweite und Intensität der Beziehungen, also dann, wenn es „kaum noch nationale Sachbereiche [gibt], welche nicht in irgendeiner Weise eine Internationalisierung erfahren hätten [...]“ (Saxer 1994, 19 f.).
Eine „internationalisierte“ Welt bleibt eine Welt einzelner Nationalstaaten, die miteinander in Kooperationsbeziehungen stehen, jedoch weiterhin die maßgeblichen politischen und wirtschaftlichen Akteure bleiben. Dem liegt das Souveränitätsmodell internationaler Beziehung und des Völkerrechts zugrunde, das den Staat als einziges Völkerrechtssubjekt begreift. Eine „globalisierte“ Welt hingegen ist eine Welt, in der die Kooperationsbeziehungen eine neue Qualität erreicht haben, vor deren Hintergrund nationalstaatliche Politik unzureichend erscheint und in der ein neues System entsteht, das nur durch global governance kontrollierbar ist. Dem liegt das Humanitätsmodell internationaler Beziehung und des Völkerrechts zugrunde, das den einzelnen Menschen als Mitglied der einen Menschheit zum Völkerrechtssubjekt macht.
