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Haben wir und wenn ja, worin besteht unsere (Wahl-Entscheidungs-) Freiheit in Bezug auf Naturgesetze?
Ein Denkfehler besteht meiner Meinung nach darin, dass die Erklärung der Vergangenheit und der vergangenen Entscheidungen von Mensch und Natur (und damit die Erklärbarkeit der Vergangenheit und der vergangenen Entscheidungen von Mensch und Natur) als Kausalität vereinseitigt wird.
Nur weil ich meine Entscheidung post festum erklären kann, war die Entscheidung nicht notwendig so und nicht anders. Erklärbarkeit ist nicht das Gleiche wie Notwendigkeit!
Vielmehr, nachdem die Entscheidung für den Lavastrom, rechts oder links zu fliessen oder für mich, rechts oder links zu kämpfen gefallen ist, hat der Berg, habe ich ein libidinöses Bedürfnis nach Rechtfertigung dieser Entscheidung (ich habe den Pfeil losgelassen, die Macht abgegeben, die Energie freigesetzt, das Kondom nicht benutzt) weil ich mit der Verantwortung für die Folgen konfrontiert werde (Der Pfeil trifft den Hund, die Macht wird missbraucht, die Energie tötet Natur, der Samen erzeugt ein Kind und entscheidet über mein Leben für die nächsten 18 Jahre) und ich gebe in meiner Erklärung (mehr oder
weniger unbewusst) all den Fakten eine höhere Chance, in meinem Wissens - Modell aufzuscheinen, welche meine Entscheidung post festum stützen. Das ist der Grund, weshalb die Eule der Minerva erst in der Dämmerung losfliegt.
Fortsetzung:
Das nennen einige dann Wissenschaft.
Vielmehr haben wir schon immer die Freiheit zu entscheiden, auch die Gebirge haben die Freiheit hier so und dort anders zu sein. Aber nachdem sie sich entschieden haben, irgendwo zu sein, hat es Folgen, Arten sterben aus oder finden Lebensmöglichkeiten, Aussichtstürme werden gebaut, Atommüll wird in den Höhlen gelagert.
Die Entscheidungen der Natur nennen wir Zufall oder Kontingenz. Die Entscheidungen der Menschen nennen wir Freiheit.
Die Freiheit zu Entscheidung aber ist substanzieller Bestandteil der Natur! Was Spinoza "deus sive natura" nennt ist m.E. genau diese substanzielle Eigenschaft der Natur, Entscheidungen zu fällen, frei zu sein.
Worum es mir geht ist, dass Menschen anders als Gebirge die Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen können, ob die Entscheidung nun richtig ist oder falsch war wird sich vor allem durch den Umgang mit der Verantwortung herausstellen.
Wenn ich mich für Atomenergie entscheide, muss ich für die Folgen Verantwortung übernehmen.
Genau das tun einige Entscheider aber nicht.
Sie bürden uns diese Folgen auf, wir sollen den Müll wegräumen, den Zigarettenrauch einatmen, den Krebs bekommen, die Folgen der Wirtschaftskrise tragen. Deshalb lieben es Regierungen auch so, wenn die Verantwortung dem Anderen an sich aufgebürdet wird, Gott, der Natur, der Wissenschaft, allen allgemeinen Begriffen.
Einige Entscheider lieben es, ihre Entscheidungen zum Problem anderer Leute zu machen.
"Vom Ich zum Wir" heisst in der Gesellschaft zu oft: Ich entscheide und Wir trägt die Verantwortung für die Folgen.
"Entropisches Resignieren" ist auch nur eine Form diese Aufbürdens von Verantwortung an jemand anderen, hier an die "Entropie".
Da lob ich mir doch Leute, die bei jedem gefällten Baum wie Idefix jaulen und Abfälle fotografieren um diese Verantwortung wieder sichtbar zu machen und damit in den Verantwortungsbereich von Entscheidern zurückzuführen.
Bei Freiheit geht es um die Übernahme der Verantwortung für die eigene Entscheidung, nicht um die Möglichkeit einer richtigen, falschen oder überhaupt einer Entscheidung.
Die Freiheit beginnt so nach der Entscheidung, nicht vorher.
Menschliche Freiheit ist die Einsicht, die Not zu wenden, die aus meinen Entscheidungen folgt.


BP ist somit verantwortlich für die Folgen ihrer Ölbohrungen, auch wenn sie den Bruch der Leitungen nicht intendiert haben.
Das bedeutet aber auch, und wir tun das in der Regel nicht, "worst case scenarios" durchzuspielen. Solche Entscheidungen wie Atomversuche, Giftgasangriffe, Atomenergieanlagen und so weiter wären mit einer solchen Moral nicht ohne weiteres möglich und auf jeden Fall viel aufwendiger.
Ich habe nie begriffen, wie so wahnsinnig kluge Wissenschaftler, die Raketen ins Weltall schiessen, die Existenz von Weltraummüll erst zu kalkulieren begannen, als er die erste Kuh auf Kuba erschlagen hatte.
Sie geben, wenn ich mich nicht täusche, mehrere entgegengesetzte Definitionen von Freiheit. Einmal schreiben Sie „Die Freiheit zu Entscheidung aber ist substanzieller Bestandteil der Natur!“. Dem kann ich mehr oder weniger zustimmen, wenn ich das auch anders formulieren würde, denn hier macht sich die Ambivalenz des Begriffs „Freiheit“ bemerkbar. Andererseits schreiben Sie: „Freiheit ist die Einsicht, die Not zu wenden, die aus meinen Entscheidungen folgt“. Das ist eine ungewöhnliche und kontraintuitive Definition von Freiheit. Jemand der sich keinerlei Gedanken über die Folgen seiner Handlungen macht und überhaupt keine Schuld empfindet, wäre nach Ihnen dann nicht im Geringsten frei. Dabei würde man doch meinen, dass gerade so jemand freier ist als jeder Andere, oder?
Sie führen eine Unterscheidung ein, zwischen der „Entscheidung“ sich Verantwortlich zu fühlen und allen anderen Entscheidungen, aber wie rechtfertigen Sie diese Unterscheidung? Was Sie formulieren ist wohl eher so etwas wie eine moralische Forderung. Die Befolgung einer solchen kann man aber doch nicht mit „Freiheit“ gleichsetzen.
Vielleicht verstehe ich Sie aber auch komplett falsch.
Es gibt eine Freiheit, die über die Entscheidungen (klassische Entscheidungsfreiheit) definiert wird und es gibt eine Freiheit, welche über die Verantwortung definiert wird (basierend auf Spinoza).
Zunächst: Stellen Sie sich zwei Flaschen vor, in denen je eine Fliege lebt. Die eine Fliege stößt auf der Suche nach den Grenzen ihrer Welt während ihres Lebens dauernd an die Flaschenwände, bis sie stirbt. Die andere Fliege bewegt sich immer im Raum der Flasche, ohne je eine Wand zu berühren, weil ihr Bewegungsradius enger gewählt ist. Welche Fliege wird freier sein und welche wird sich freier fühlen?
Ja und ich muss den letzten Satz präzisieren: "Für den weisen Menschen ist Freiheit die Einsicht, die Not zu wenden, welche aus seinen Entscheidungen folgt." Die Natur umfasst alle Wesen, Steine und Tiere und Menschen. Als solche trägt sie auch die Folgen ihrer Entscheidungen und ist frei. Menschen aber versuchen, die Folgen ihrer Entscheidungen anderen Wesen aufzubürden. Sie fühlen sich freier, sind es aber nicht, weil das Gesamtsystem Natur früher oder später die Folgen auch auf sie zurückfallen lässt.
Ich versuche, Freiheit und Verantwortung zu verbinden und das ist tatsächlich eine moralische Forderung.
Freiheit als Möglichkeit, Fähigkeit zu Entscheidung, Entscheidungsfreiheit ist keine allein menschliche Eigenschaft, sie ist natürlich. Freiheit als Einsicht ist menschlich. Nur eine moralische, das heißt Verantwortung übernehmende Entscheidung ist eine menschliche Entscheidung. Nicht die Willkürlichkeit, der freie Wille, sondern verantwortliche Entscheidungen definieren menschliche Freiheit.
Als Gegenbegriff zu Freiheit definiere ich so mit Spinoza nicht die Determiniertheit, sondern die Verantwortungslosigkeit.
Da bin ich ganz im Einklang mit Heraklit: "Die Einsicht ist die größte Tugend, und Weisheit ist es, Wahres zu reden und gemäß der Natur zu handeln, indem man auf sie hört."
Menschlich freies Handeln ist weises Handeln.
Ich glaube jedenfalls nicht, dass man in einer Art „ausgleichenden Gerechtigkeit“ unbedingt die Konsequenzen seines Handelns zu spüren bekommt oder auch nur bekommen müsste.
Aber ich bin ja auch kein besonders weiser Mensch ;-)
Lesen Sie den Text einfach noch mal, es geht hier um die Übernahme von Verantwortung, weniger um die Willensfreiheit. "Als Gegenbegriff zu Freiheit definiere ich so mit Spinoza nicht die Determiniertheit, sondern die Verantwortungslosigkeit."
Ein einfaches Postulat, wie Sie es hier konstatieren ist m.E. nicht ausreichend und auch nicht hilfreich.
In Bezug auf die Willensfreiheit setze ich sogar die Natur selbst mit dem Menschen gleich.
Also: Womit genau sind Sie nicht einverstanden?
Zur Welt gehört auch der Mensch, auch sein Bewußtsein, auch sein Wille; aber dennoch ist nicht der Wille des Menschen „frei“, sondern nur der Wille der Welt (vgl. „zufällig“, „kontingent“); der Mensch ist nur ein Teil der Gemeinschaft von Menschen; das Gehirn ist nur ein Teil der Gemeinschaft von Gehirnen. Der Mensch ist abhängig von seiner Gemeinschaft, weil sein Gehirn, von dem er abhängig ist, von den Gehirnen derjenigen Menschen, die zu dieser Gemeinschaft gehören, abhängig ist. Was den einzelnen Menschen angeht, so „entscheidet“ nicht dessen Wille, sondern dessen Gehirn, und das auch nur in Abhängigkeit von den Gehirnen der Gemeinschaft. Dies ist auch im Sinne der Evolutionstheorie. Jedes Gehirn dient dem Leben, denn es tut immer nur das, was dem Lebewesen das Überleben sichert; und das Überleben wird dem Lebewesen durch die Lebewesen als die Gemeinschaft gesichert. Evolutionär ist es einfach sinnvoll, ein Gehirn in Abhängigkeit von mehreren Gehirnen einer Gemeinschaft funktionieren zu lassen. Das gilt auch und vielleicht sogar erst recht dann, wenn die Träger der Gehirne sich darüber täuschen und lieber glauben, es sei genau umgekehrt.
Weil der Mensch glauben kann, er habe einen „freien Willen“, verfügt er immerhin über einen „bedingten freien Willen“, denn der Mensch kann in „Distanz“ zu sich selber und also auch zu seinem Gehirn gehen (z.B. Gehirnforschung, Neurologie betreiben), über sich selbst hinausgehen, das heißt: der Mensch kann „transzendent“ sein. Es ist seine „Transzendenz“ (Heidegger nannte sie auch „Weltoffenheit“), die ihm einen „bedingten freien Willen“ ermöglicht und ihn gegenüber allen anderen Lebewesen „frei“ macht. Obwohl er also über keinen „freien Willen“, sondern nur über einen „bedingten freien Willen“ verfügt, ist der Mensch - und zwar: nur der Mensch - wegen seiner Fähigkeit zur „Transzendenz“, die man ja auch „Geist“ nennen kann, „freier“ als alle anderen Lebewesen; er ist Schöpfer und einziges Mitglied der „geistigen“ Schicht). „Freiheit“ des Menschen heißt eben nicht „Willensfreiheit“ des Menschen, denn der Mensch verfügt über keinen „freien Willen“, sondern nur über einen „bedingten freien Willen“.
Vgl. http://www.Hubert-Brune.de/blanke_schichtenlehre.html
Freundliche Grüße !
Hubert Brune
Ich empfehle Ihnen Vorsicht mit "ist" Aussagen und auch mit Autoritätsbeweisen. Namedropping beweist nichts und so bleibt, was Sie hier schrieben eben nur weitgehend Behauptung. Interessante Behauptungen, aber eben nur Behauptungen.
Zum Beispiel: Ob es den freien Willen "gibt" oder nicht ist nicht die Frage, sondern, was wir mit dem Worten "freier Wille" eigentlich bezeichnen. Dass dieser Wille, an dem Sie offenbar nicht zweifeln, selbst bedingt ist, macht ihn nicht unfrei. Wenn ich eine einzige Möglichkeit habe, ist es Zwang (oder Notwendigkeit), habe ich zwei Möglichkeiten, ist es eine Entscheidung (zum Beispiel zwischen rechts und links, gut und böse, Eigennutz oder Altruismus), habe ich drei oder mehr Möglichkeiten, habe ich die Wahl. In der Wissenschaft sprechen wir hier von unterschiedlichen Freiheitsgraden.
Ich habe demzufolge sogar Dingen, wie Steinen oder Flüssen und auch Tieren einen Willen zugestanden und ihnen auch dieselben Freiheitgrade zugerechnet. Das ist der eigentliche Kern meiner Behauptung, den ich hier zur Debatte stelle.