<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1"?><!-- generator="Philosophieblog/2.4.7" -->
<rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:admin="http://webns.net/mvcb/" xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
	<channel>
		<title>Thomas Heichele</title>
		<link>http://philosophieblog.de/heichele/</link>
		<description>Philosophieblog von Thomas Heichele</description>
		<language>de-DE</language>
		<docs>http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss</docs>
		<admin:generatorAgent rdf:resource="http://b2evolution.net/?v=2.4.7"/>
		<ttl>60</ttl>
				<item>
			<title>Philosophie im 21. Jahrhundert: eine Vorstellung von &#8222;Jungert, M.; Romfeld, E.; Sukopp, T.; Voigt, U.: Interdisziplinarit&#228;t: Theorie, Praxis, Probleme. Darmstadt: WBG 2010.&#8220;</title>
			<link>http://philosophieblog.de/heichele/philosophie-im-21-jahrhundert-eine-vorst-2010</link>
			<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 10:03:25 +0000</pubDate>			<dc:creator>heichele</dc:creator>
			<category domain="main">heichele</category>			<guid isPermaLink="false">619@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.wbg-wissenverbindet.de/WBGShop/php/Proxy.php?purl=/wbg/products/search/show,8834,sukopp.html#8834&quot;&gt;http://www.wbg-wissenverbindet.de/WBGShop/php/Proxy.php?purl=/wbg/products/search/show,8834,sukopp.html#8834&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&amp;#8222;Interdisziplinarit&amp;#228;t&amp;#8220; ist zu einem der zentralen Begriffe gegenw&amp;#228;rtiger akademischer Bestrebungen geworden: ich habe bereits &lt;a href=&quot;/heichele/das-weite-feld-der-philosophie-ursprung&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; ein wenig &amp;#252;ber den Zusammenhang von Philosophie und Interdisziplinarit&amp;#228;t bzw. die Notwendigkeit interdisziplin&amp;#228;rer Vernetzungen f&amp;#252;r die Philosophie geschrieben. Nachdem diese Ausf&amp;#252;hrungen zwangsweise sehr kurz gehalten wurden, m&amp;#246;chte ich heute auf einen &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/Interdisziplinarit%C3%A4t-Theorie-Probleme-Michael-Jungert/dp/353423054X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;amp;s=books&amp;amp;qid=1265017918&amp;amp;sr=1-1&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;neuen Sammelband&lt;/a&gt; hinweisen, der sich eingehend mit dem Begriff der Interdisziplinarit&amp;#228;t besch&amp;#228;ftigt und damit auch einen unmittelbaren Beitrag leistet, das Wesen und die Aufgaben der Philosophie im 21. Jahrhundert darzustellen.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Die Herausgeber &lt;a href=&quot;http://www.uni-bamberg.de/philosophie/personen/michael_jungert/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Michael Jungert&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~q44/romfeld/romfeld.htm&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Elsa Romfeld&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://www.thomas-sukopp.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Thomas Sukopp&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://www.philso.uni-augsburg.de/institute/philosophie/Personen/Mitglieder/voigt/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Uwe Voigt&lt;/a&gt; versuchen (und &amp;#8211; das kann ich vorwegnehmen &amp;#8211; schaffen es auch bzw. legen die notwendigen Grundlagen f&amp;#252;r eine sp&amp;#228;tere abschlie&amp;#223;ende Behandlung), der oft fehlenden Pr&amp;#228;zision bzw. Systematik in der mitunter inflation&amp;#228;ren Verwendung des Interdisziplinarit&amp;#228;tsbegriffs Rechnung zu tragen und (siehe Klappentext) &amp;#8222;prinzipielle Fragen und konkrete Probleme der interdisziplin&amp;#228;ren Arbeit zu kl&amp;#228;ren&amp;#8220;. Zweck und Wesen der Interdisziplinarit&amp;#228;t zu analysieren und darzulegen ist in den Augen der Herausgeber &amp;#8211; und hier schlie&amp;#223;e ich mich in vollem Umfang an &amp;#8211; eine wichtige Aufgabe der Philosophie (und hier insbesondere der Wissenschaftstheorie). Dem eigenen Anspruch nach liegt &amp;#8211; an dieser Stelle sieht man, dass ein durchaus realistisches und keineswegs utopisches Ziel verfolgt wurde &amp;#8211; mit dem Band noch &amp;#8222;nicht die zunehmend als l&amp;#228;ngt &amp;#252;berf&amp;#228;llig geforderte wissenschaftstheoretische Monographie zur Interdisziplinarit&amp;#228;t vor&amp;#8220;, sondern eine Sammlung von grundlegenden &amp;#220;berlegungen, hinter die man im Sinne eines gew&amp;#252;nschten Fortschritt in Zukunft nicht mehr zur&amp;#252;ckfallen sollte. Formal zeichnet sich der Sammelband selbst durch eine klare, dreigliedrige Aufteilung aus: den Einstieg bilden philosophisch-wissenschaftstheoretische Vorkl&amp;#228;rungen (4 Aufs&amp;#228;tze), gefolgt von einem Blick auf die Praxis (5 Aufs&amp;#228;tze), dem sich als Abschluss&amp;#160; &amp;#220;berlegungen zu Problemen der Interdisziplinarit&amp;#228;t (3 Aufs&amp;#228;tze) anschlie&amp;#223;en. F&amp;#252;r ihr anspruchsvolles Projekt konnten die Herausgeber neben &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Mainzer&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Klaus Mainzer&lt;/a&gt; f&amp;#252;r das Geleitwort mehrere Autoren gewinnen, darunter weitere philosophische Schwergewichte wie z.B. &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Ian_Hacking&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Ian Hacking&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kanitscheider&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Bernulf Kanitscheider&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/Hilary_Kornblith&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Hilary Kornblith&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Vollmer&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Gerhard Vollmer&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Bereits im Geleitwort von Klaus Mainzer wird deutlich, weswegen Interdisziplinarit&amp;#228;t (insbesondere f&amp;#252;r ein auf Innovationsdynamik angewiesenes Land wie Deutschland) zur Bew&amp;#228;ltigung der anstehenden Aufgaben so wichtig ist: Innovationen h&amp;#228;ngen oftmals ma&amp;#223;geblich von transdiszipliner Forschung ab und etliche der gegenw&amp;#228;rtigen Probleme lassen sich nicht mehr in die &amp;#252;berholten traditionellen Fach- und Fakult&amp;#228;tsgrenzen pressen &amp;#8211; unmittelbar problemorientierte Forschung ist jedoch angesichts der Ver&amp;#228;nderungen in der Welt und einer damit einhergehenden notwendigen Anpassung wichtiger denn je. Beispiele f&amp;#252;r interdisziplin&amp;#228;re Forschungen sind u.a. in den Neurowissenschaften, der Robotik, der Umweltforschung oder der Risiko- und Komplexit&amp;#228;tsforschung zu finden. In diesem w&amp;#252;nschenswerten und bereits an vielen Stellen begonnenen Prozess kommt dabei der Philosophie als Ort der Begegnung der einzelnen Wissenschaften und als mahnende, leitende und kontrollierende Instanz eine zentrale Rolle zu. Dieses Pl&amp;#228;doyer f&amp;#252;r ein modernes Verst&amp;#228;ndnis von Philosophie, das jedoch auch deutliche Anleihen an ihrer eigenen Entstehungsgeschichte und &amp;#8211; mit einem gewissen Universalit&amp;#228;tsanspruch &amp;#8211; ihrer urspr&amp;#252;nglichen Intention hat, sowie der Appell zu mehr interdisziplin&amp;#228;rer Zusammenarbeit unter gro&amp;#223;er Ber&amp;#252;cksichtigung der m&amp;#246;glichen Hilfestellung der Philosophie decken sich &lt;a href=&quot;/heichele/das-weite-feld-der-philosophie-ursprung&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;mit meinen Ausf&amp;#252;hrungen zum Ursprung und zur Aufgabe der Philosophie&lt;/a&gt; &amp;#8211; was, wenn man meine philosophische Herkunft betrachtet, nicht ganz verwunderlich ist ;-)&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Eine umfangreiche inhaltliche Wiedergabe der Beitr&amp;#228;ge w&amp;#252;rde den Rahmen des Blogs eindeutig sprengen. Deswegen m&amp;#246;chte ich mich im Folgenden gr&amp;#246;&amp;#223;tenteils darauf beschr&amp;#228;nken, in groben Z&amp;#252;gen die Gegenst&amp;#228;nde der jeweiligen Besch&amp;#228;ftigung der Autoren aufzuzeigen. Dies d&amp;#252;rfte f&amp;#252;r den Leser (des Blogs) insbesondere deswegen wichtig sein, weil so zum einen &amp;#8211; wie ich hoffe &amp;#8211; die Lust geweckt wird, sich eigenst&amp;#228;ndig mit der Thematik zu befassen, und zum enderen auf diese Weise ein &amp;#220;berblick geliefert werden kann, welch breites Feld abgearbeitet werden muss, wenn man sich der Interdisziplinarit&amp;#228;t n&amp;#228;hern m&amp;#246;chte. Im &amp;#220;brigen werde ich mich v.a. auf den Grundlagenteil, also den ersten Teil (&amp;#8222;Theorie der Interdisziplinarit&amp;#228;t&amp;#8220;) des Buches konzentrieren &amp;#8211; nicht, weil der Rest es nicht wert w&amp;#228;re, dass dar&amp;#252;ber ein wenig ausf&amp;#252;hrlicher berichtet wird, aber ich kann hier ja keine 30 Din-A-4-Seiten schreiben&amp;#8230;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Die philosophisch-wissenschaftstheoretischen Vorkl&amp;#228;rungen werden mit einem Beitrag von Michael Jungert eingeleitet: &amp;#8222;Was zwischen wem und warum eigentlich? Grunds&amp;#228;tzliche Fragen der Interdisziplinarit&amp;#228;t&amp;#8220;. Jungert weist auf eine enorme &amp;#8222;Diskrepanz zwischen Verwendungsh&amp;#228;ufigkeit und theoretischer Reflexion&amp;#8220; (S. 1) bzgl. des Interdisziplinarit&amp;#228;tsbegriffs hin und bem&amp;#228;ngelt ebenfalls eine viel zu starke Zur&amp;#252;ckhaltung der bisherigen Wissenschaftstheorie hinsichtlich einer eingehenden Besch&amp;#228;ftigung mit dem Ph&amp;#228;nomen der Interdisziplinarit&amp;#228;t. Das eigentliche Anliegen Jungerts ist die Skizzierung &amp;#8222;einige[r] Bedeutungsfacetten und grunds&amp;#228;tzliche[r] Problemdimensionen des Interdisziplinarit&amp;#228;tsbegriffs&amp;#8220; (S. 1). Der erste Schritt dieses Unternehmens ist die Darstellung und Analyse verschiedener (und h&amp;#228;ufig uneinheitlich gebrauchter) Begriffe, die eng mit dem der Interdisziplinarit&amp;#228;t zusammenh&amp;#228;ngen und oftmals synonym dazu verwendet werden: Multi-, Pluri-, Cross und Transdisziplinarit&amp;#228;t. Zus&amp;#228;tzlich werden bezugnehmend auf Heinz Heckhausen allein sechs unterschiedliche Erscheinungsformen der Interdisziplinarit&amp;#228;t selbst angef&amp;#252;hrt: Unterschiedslose Interdisziplinarit&amp;#228;t, Pseudo-Interdisziplinarit&amp;#228;t, Hilfsinterdisziplinarit&amp;#228;t, Zusammengesetze Interdisziplinarit&amp;#228;t, Erg&amp;#228;nzende Interdisziplinarit&amp;#228;t und Vereinigte Interdisziplinarit&amp;#228;t. Sp&amp;#228;testens auf Seite Sieben ist nun jedem Leser klar, weswegen ein solcher Band dringend notwendig war&amp;#8230; Aber in welchem Zusammenhang kann im Falle der Interdisziplinarit&amp;#228;t von einer &amp;#8222;Inter&amp;#8220;-Relation gesprochen werden bzw. auf welchen Ebenen finden die entsprechenden disziplin&amp;#252;bergreifenden Kooperationen statt? Hier werden f&amp;#252;nf M&amp;#246;glichkeiten untersucht, die da w&amp;#228;ren: Gegenst&amp;#228;nde, Methoden, Probleme, theoretisches Integrationsniveau und Personen/Institutionen. In dem Eingangsaufsatz des Sammelbandes wird der Vollst&amp;#228;ndigkeit halber ebenfalls noch kurz auf die (wissenschaftsexternen und wissenschaftsinternen) Motive und Gr&amp;#252;nde von Interdisziplinarit&amp;#228;t eingegangen &amp;#8211; eine eingehendere Behandlung (deswegen die K&amp;#252;rze) mit dieser Thematik findet im Band jedoch an sp&amp;#228;terer Stelle statt.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Thomas Sukopp widmet sich im zweiten Aufsatz des Bandes der Thematik &amp;#8222;Interdisziplinarit&amp;#228;t und Transdisziplinarit&amp;#228;t. Definitionen und Konzepte&amp;#8220;. Hierbei kommt es ihm vor allem auf das Erreichen von terminologischer Klarheit an, weswegen er sich insbesondere mit Begriffserkl&amp;#228;rungen von &amp;#8222;Interdisziplinarit&amp;#228;t&amp;#8220; und &amp;#8222;Transdisziplinarit&amp;#228;t&amp;#8220; besch&amp;#228;ftigt und damit einhergehend entsprechende (nicht vorhandene) Kooperationsformen untersucht. Zu Beginn seiner Ausf&amp;#252;hrungen legt Sukopp dar, wie Interdisziplinarit&amp;#228;t zwar oft gefordert, aber trotz des (oftmals anzutreffenden) grunds&amp;#228;tzlichen Wunsches der Beteiligten selten tats&amp;#228;chlich betrieben wird. Als Gr&amp;#252;nde f&amp;#252;r dieses auf den ersten Blick ambivalente Verhalten der verschiedenen Wissenschaftler werden Schwierigkeiten in der konkreten Zusammenarbeit angef&amp;#252;hrt, wie z.B. disziplinspezifische Methoden, eigene Sprachen, &amp;#8222;disziplin&amp;#228;re Weltbilder bzw. Paradigmen, die als unhintergehbar gelten bzw. nicht angetastet werden&amp;#8220; (S. 15) oder etwa un&amp;#252;berbr&amp;#252;ckbare Differenzen hinsichtlich des eigenen Charakters bereits in einer einzelnen Disziplin f&amp;#252;r sich (dass diese Differenzen und damit Schwierigkeiten nicht weniger werden, wenn mehrere solcher Disziplinen miteinander arbeiten sollen, kann man sich leicht vorstellen). Aus den Schwierigkeiten einer konkreten interdisziplin&amp;#228;ren Zusammenarbeit ergeben sich nun zwingend Grenzen der M&amp;#246;glichkeit der Interdisziplinarit&amp;#228;t. Im weiteren Verlauf zeigt Sukopp auf, dass eine interdisziplin&amp;#228;re Zusammenarbeit in vielen F&amp;#228;llen (z.B. aus heuristischen oder methodologischen Gr&amp;#252;nden) &amp;#252;berhaupt nicht notwendig und damit w&amp;#252;nschenswert ist. Dies geschieht &amp;#8211; das kann man sich bei der Intention des Bandes denken &amp;#8211; jedoch keineswegs in einer grunds&amp;#228;tzlich ablehnenden Haltung der Interdisziplinarit&amp;#228;t gegen&amp;#252;ber, sondern in einer wohl &amp;#252;berlegten Darstellung bzgl. der (im weiteren Sinne) epistemischen Notwendigkeit und real praktikablen M&amp;#246;glichkeit der Interdisziplinarit&amp;#228;t. Im weiteren Verlauf seines Aufsatzes geht Sukopp konkret auf die Bedeutung und die unterschiedlichen Definitionen bzw. Verwendungen von Inter- und Transdisziplinarit&amp;#228;t ein. In diesem Zusammenhang mokiert er sich bei der Kl&amp;#228;rung dessen, was Inter- und Transdisziplinarit&amp;#228;t nicht ist, v&amp;#246;llig zu Recht &amp;#252;ber mit Hilfe von Frageb&amp;#246;gen gewonnene Ausf&amp;#252;hrungen, die beispielsweise von Transdisziplinarit&amp;#228;t als &amp;#8222;Dilettantismus in Bereichen, die man nicht beherrscht&amp;#8220; oder als ausschlie&amp;#223;lich von Personen aufgestellte Forderung, &amp;#8222;die nicht selbst wissenschaftlich arbeiten&amp;#8220; (S. 18), sprechen. Zu den eingangs erw&amp;#228;hnten objektiven Schwierigkeiten bzgl. einer interdisziplin&amp;#228;ren Zusammenarbeit kommen also offensichtlich an vielen Stellen auch v&amp;#246;lliges Unverst&amp;#228;ndnis und Scheuklappendenken dazu. Sukopp geht einen vern&amp;#252;nftigen Weg, wenn er einer Reihe von fragw&amp;#252;rdigen und teilweise besch&amp;#228;menden, und damit die fruchtbare Zusammenarbeit weiter behindernden, Definitionsversuchen den Wunsch nach einer klaren Definition bzw. Explikation gegen&amp;#252;berstellt &amp;#8211; umso besser, dass er diesem Wunsch gleich selbst nachkommt. Um &amp;#252;berhaupt den Interdisziplinarit&amp;#228;tsbegriff vern&amp;#252;nftig fassen zu k&amp;#246;nnen, widmet sich Sukopp zun&amp;#228;chst einer differenzierten Darstellung der Begriffe &amp;#8222;F&amp;#228;cher&amp;#8220;, &amp;#8222;Disziplinen&amp;#8220; (man beachte hier den Unterschied!) und &amp;#8222;Disziplinarit&amp;#228;t&amp;#8220;. Auf diesem nun gelegten Fundament aufbauend werden schlie&amp;#223;lich verschiedene Formen der Inter- und Transdisziplinarit&amp;#228;t (bezogen z.B. auf Methode oder Theorie) sowie deren Voraussetzungen gekl&amp;#228;rt. An dieser Stelle werden auch einige der zuvor erw&amp;#228;hnten Schwierigkeiten, die einer interdisziplin&amp;#228;ren Zusammenarbeit m&amp;#246;glicherweise im Weg stehen k&amp;#246;nnen, relativiert (z.B. hinsichtlich der Forschung an den Grenzen einer Disziplin).&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Uwe Voigt besch&amp;#228;ftigt sich mit &amp;#8222;Interdisziplinarit&amp;#228;t: ein Modell der Modelle&amp;#8220;. Voigt beklagt in seinem Beitrag als erstes, dass eine eingehende Besch&amp;#228;ftigung mit dem Thema &amp;#8222;Interdisziplinarit&amp;#228;t&amp;#8220; bis jetzt (z.B. von Seiten der Wissenschaftstheorie) viel zu selten stattgefunden hat &amp;#8211; und liefert sogleich eine detaillierte m&amp;#246;gliche Erkl&amp;#228;rung, welche die Ursachen hierf&amp;#252;r in einer unzureichenden Reflexion bzgl. modellhafter Darstellungen der Beziehungen zwischen wissenschaftlichen Disziplinen sieht. So m&amp;#252;ssen diese &amp;#8222;Modelle erst einmal als solche erkannt&amp;#8220; werden, um &amp;#8222;sie zu analysieren und auf dieser Grundlage nach ihrer jeweiligen Brauchbarkeit [zu] fragen&amp;#8220; (S. 32). Im n&amp;#228;chsten Schritt geht Voigt der Frage nach, was konkret wissenschaftliche Disziplinen sind und wie diese sich aufeinander beziehen k&amp;#246;nnen. Nach der grunds&amp;#228;tzlichen Kl&amp;#228;rung, ob es &amp;#252;berhaupt wissenschaftliche Disziplinen gibt, stellt sich &amp;#8211; bei einer Bejahung &amp;#8211; die Frage nach der Anzahl (vgl. z.B. den Wiener Kreis und die &amp;#8222;unity of science&amp;#8220;). Von Konzepten einer Einheitswissenschaft ausgehend werden plurale und pluralistische Modelle behandelt, mit Hilfe derer sich als unberechtigt empfundene &amp;#8222;reduktive oder eliminative Anspr&amp;#252;che seitens einer vermeintlichen Einheitswissenschaft zur&amp;#252;ckweisen lassen&amp;#8220; &amp;#8211; um den Preis der Aufgabe der Einheit des Wissenschaftsbegriffs. Gerade vor dem Hintergrund der gew&amp;#252;nschten Interdisziplinarit&amp;#228;t ergeben sich dann m&amp;#246;glicherweise Probleme, was in pluralistischen Modellen auf Grund der gegenseitigen Beziehungslosigkeit die gegenseitig Akzeptanz als &amp;#8222;Wissenschaft&amp;#8220;&amp;#160; anbelangt &amp;#8211; man denke z.B. an die im englischen Sprachraum &amp;#252;bliche Unterscheidung von &amp;#8222;sciences&amp;#8220; und &amp;#8222;humanities&amp;#8220;. Aus den pluralistischen Modellen k&amp;#246;nn(t)en wieder monistische erwachsen. Ein weiteres Problem pluralistischer Modelle ist die Tatsache, dass de facto eine wechselseitige Abgrenzung weder immer gegeben, noch mitunter sinnvoll oder gar m&amp;#246;glich ist (vgl. z.B. Kuhn). Mit dem Konzept von &amp;#8222;Kontaktmodellen&amp;#8220; wird nun dem Umstand der gegenseitigen Beziehung zwischen Wissenschaften Rechnung getragen. Die Kontakte k&amp;#246;nnen sich nun auf einen gemeinsamen Gegenstandsbereich oder auf eine gemeinsame Methode beziehen. Erfolgversprechend scheint bzw. schien hier insbesondere ein nicht-hierarchisches Methoden-Kontakt-Modell, &amp;#8222;wonach die Beziehungen zwischen den Disziplinen nicht von einer einzigen Methode gestaltet werden, sondern darauf beruhen, dass die einzelnen Disziplinen spezifische Auspr&amp;#228;gungen einer Methode verwenden und gerade dadurch auf wechselseitige Erg&amp;#228;nzung angewiesen wie auch zu ihr bef&amp;#228;higt sind&amp;#8220; (S. 41f.; man beachte z.B. die Rolle der Systemtheorie in &amp;#214;konomie, Spieltheorie, Soziologie, Primatenforschung etc. und die Zusammenarbeit dieser Disziplinen bei dem Bem&amp;#252;hen, sozial intelligente Roboter herzustellen). Trotz dieser vermeintlich eindeutigen Durchschlagskraft von Methoden-Kontakt-Modellen muss im Sinne Feyerabends vor einer &amp;#220;berbewertung des Stellenwerts der Methode f&amp;#252;r Wissenschaften gewarnt werden: der Wechsel bzw. die Modifikation der Methode mit dem Ziel des Erkenntnisgewinns ist ein wesentlicher Grundzug wissenschaftlichen Arbeitens. Was nun? Voigt pl&amp;#228;diert &amp;#8211; nach der Absage an Gegenstands-Kontakt-Modelle und Methoden-Kontakt-Modelle &amp;#8211; f&amp;#252;r ein Kooperations-Kontakt-Modell, das zwar den Einfluss von Gegenstand und Methode auf das wissenschaftliche Arbeiten ber&amp;#252;cksichtigt, aber noch dar&amp;#252;ber hinausgeht, denn &amp;#8222;[j]enseits dieser Momente bleibt noch das wissenschaftliche Arbeiten als solches, das sich in interdisziplin&amp;#228;ren Beziehungen jeweils konkret als Kooperation vollzieht&amp;#8220; (S. 42). Aus den Versuchen der Wissenschaften, Wissen zu gewinnen, ergibt sich die Bestimmung gegenseitiger Erg&amp;#228;nzung. So stellt interdisziplin&amp;#228;re Kooperation die wechselseitige Anerkennung als wissenschaftliche Disziplin dar und wird zum konstitutiven Faktor von Wissenschaft &amp;#252;berhaupt.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Gerhard Vollmer geht der Frage &amp;#8222;Interdisziplinarit&amp;#228;t &amp;#8211; unerl&amp;#228;sslich, aber leider unm&amp;#246;glich?&amp;#8220; nach. Vollmer beginnt mit einem mir sehr sympathischen Thema, indem er auf die Komplexit&amp;#228;t der Welt und (fast aller) ihrer Teilsysteme verweist &amp;#8211; und aus dieser Komplexit&amp;#228;t der Welt leitet er (nachvollziehbarerweise) die Notwendigkeit der Interdisziplinarit&amp;#228;t ab. In Bezug auf die Interdisziplinarit&amp;#228;t zwischen mehreren Wissenschaften wird gezeigt, dass oft die einzelnen Wissenschaften nicht unterschiedliche Teile, sondern verschiedene Eigenschaften einheitlicher Systeme bearbeiten. Zudem gibt es etliche Grenzf&amp;#228;lle, bei denen eindeutige Zuordnungen nicht m&amp;#246;glich sind und die aus diesem Grund einer interdisziplin&amp;#228;ren Herangehensweise bed&amp;#252;rfen. Vollmer beschreibt anschlie&amp;#223;end den Zusammenhang zwischen der evolutiven Zunahme von Komplexit&amp;#228;t realer Systeme und den sie beschreibenden Wissenschaften. Mit einer immer st&amp;#228;rker ausgepr&amp;#228;gten Verfeinerung des Spektrums der Disziplinen entstehen aus benachbarten Disziplinen nun mehr und mehr Br&amp;#252;ckendisziplinen wie z.B. Biophysik, Neurolinguistik oder Wirtschaftsgeografie. Hinsichtlich gelungener Interdisziplinarit&amp;#228;t werden Musterbeispiele pr&amp;#228;sentiert &amp;#8211; sowohl, was einzelne Personen als auch Interdisziplinarit&amp;#228;t zwischen mehreren Personen anbelangt. Schwierigkeiten, die der Interdisziplinarit&amp;#228;t im Wege stehen k&amp;#246;nnen, teilt Vollmer in vier Gruppen auf: Interdisziplinarit&amp;#228;t erfordert viel Wissen, Interdisziplinarit&amp;#228;t erfordert Vereinfachungen (die aber zu Verf&amp;#228;lschungen f&amp;#252;hren), Interdisziplinarit&amp;#228;t f&amp;#252;hrt zu Verst&amp;#228;ndnisschwierigkeiten und zu Missverst&amp;#228;ndnissen und Interdisziplinarit&amp;#228;t leidet unter Selbst&amp;#252;bersch&amp;#228;tzung einer oder mehrerer Parteien (man schaue sich nur einmal das &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung._Alles,_was_man_wissen_mu%C3%9F&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Schwanitz-Buch &amp;#8222;Bildung &amp;#8211; alles, was man wissen muss&amp;#8220;&lt;/a&gt; n&amp;#228;her an). Vollmer zeigt in seinem Aufsatz v.a. zweierlei: dass Interdisziplinarit&amp;#228;t notwendig ist &amp;#8211; aber auch, dass sie schwierig ist und mit viel Anstrengung betrieben werden muss.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Bei den restlichen Aufs&amp;#228;tzen beschr&amp;#228;nke ich mich, wie bereits gesagt, auf die Nennung von Autor und Thema: man sieht schon hieran deutlich, welch ausf&amp;#252;hrliche Behandlung die Interdisziplinarit&amp;#228;t erfahren hat &amp;#8211; und was es alles zu beachten gilt, wenn man sich diesem Komplex m&amp;#246;glichst umfassend n&amp;#228;hern m&amp;#246;chte. Im Bereich &amp;#8222;Praxis der Interdisziplinarit&amp;#228;t&amp;#8220; finden sich 5 Aufs&amp;#228;tze. Ulrich Frey schreibt &amp;#252;ber &amp;#8222;Im Prinzip geht alles, ohne Empirie geht nichts &amp;#8211; Interdisziplinarit&amp;#228;t in der Wissenschaftstheorie&amp;#8220;. Hilary Kornblith befasst sich mit &amp;#8222;Erkenntnistheorie und Kognitive Ethologie&amp;#8220; und Berthold Schweizer mit &amp;#8222;Vom Fehler im Gegenstand zur Theorie &amp;#252;ber den Gegenstand: Wissenschaftstheorie und interdisziplin&amp;#228;res Arbeiten&amp;#8220;. Bernulf Kanitscheiders Aufsatz ist in meinen Augen in doppelter Weise interessant: &amp;#8222;Epikur als Wegbereiter einer interdisziplin&amp;#228;ren Ethik&amp;#8220; ist zum einen ob seines Inhalts lesenswert, zum anderen sehe ich pers&amp;#246;nlich Kanitscheider immer als eine Art &amp;#8222;Epikur der Gegenwart&amp;#8220; bzw. Epikur als einen &amp;#8222;Kanitscheider der Antike&amp;#8220; (gerade, was Naturphilosophie und Ethik anbelangt)&amp;#8230; Elsa Romfeld kl&amp;#228;rt &amp;#8222;&amp;#220;ber die Rolle des Moralphilosophen in interdisziplin&amp;#228;ren Beratungsgremien&amp;#8220; auf. Im abschlie&amp;#223;enden Teil des Sammelbandes &amp;#8222;Probleme der interdisziplin&amp;#228;ren Zusammenarbeit&amp;#8220; geht Winfried L&amp;#246;ffler der Frage &amp;#8222;Vom Schlechten des Guten: Gibt es schlechte Interdisziplinarit&amp;#228;t?&amp;#8220; nach. Thomas Potthast untersucht &amp;#8222;Epistemisch-moralische Hybride und das Problem interdisziplin&amp;#228;rer Urteilsbildung. Den Schluss bildet Ian Hackings &amp;#8222;Verteidigung der Disziplin&amp;#8220;.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Wie lautet nun das Fazit bzgl. des gut 200 Seiten umfassenden Buchs? Obschon ich mich immer wieder (durchaus ausf&amp;#252;hrlich) mit Interdisziplinarit&amp;#228;t auseinandergesetzt habe, stellt dieses Buch auch f&amp;#252;r mich pers&amp;#246;nlich einen unheimlichen Mehrwert dar. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle, darunter vor allem: durchg&amp;#228;ngig kompetente (und gut darstellende) Autoren, die alle selbst aus pers&amp;#246;nlicher Erfahrung interdisziplin&amp;#228;res Arbeiten kennen, eine beeindruckende Tiefe in den Aufs&amp;#228;tzen trotz der gerade einmal 12 bis 20 Seiten pro Artikel und eine enorme Breite, in der das Thema Interdisziplinarit&amp;#228;t aus verschiedenen Blickwinkeln angegangen wird. Eines ist gewiss: zuk&amp;#252;nftige wissenschaftstheoretische Grundlagenarbeiten zur Interdisziplinarit&amp;#228;t k&amp;#246;nnen die hier pr&amp;#228;sentierten Ergebnisse definitiv nicht einfach &amp;#252;bergehen.&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/heichele/philosophie-im-21-jahrhundert-eine-vorst-2010&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://heichele.philosophieblog.de/&quot;&gt;Heichele&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wbg-wissenverbindet.de/WBGShop/php/Proxy.php?purl=/wbg/products/search/show,8834,sukopp.html#8834">http://www.wbg-wissenverbindet.de/WBGShop/php/Proxy.php?purl=/wbg/products/search/show,8834,sukopp.html#8834</a></p><p align="justify">&#8222;Interdisziplinarit&#228;t&#8220; ist zu einem der zentralen Begriffe gegenw&#228;rtiger akademischer Bestrebungen geworden: ich habe bereits <a href="http://philosophieblog.de/heichele/das-weite-feld-der-philosophie-ursprung" target="_blank">hier</a> ein wenig &#252;ber den Zusammenhang von Philosophie und Interdisziplinarit&#228;t bzw. die Notwendigkeit interdisziplin&#228;rer Vernetzungen f&#252;r die Philosophie geschrieben. Nachdem diese Ausf&#252;hrungen zwangsweise sehr kurz gehalten wurden, m&#246;chte ich heute auf einen <a href="http://www.amazon.de/Interdisziplinarit%C3%A4t-Theorie-Probleme-Michael-Jungert/dp/353423054X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1265017918&amp;sr=1-1" target="_blank">neuen Sammelband</a> hinweisen, der sich eingehend mit dem Begriff der Interdisziplinarit&#228;t besch&#228;ftigt und damit auch einen unmittelbaren Beitrag leistet, das Wesen und die Aufgaben der Philosophie im 21. Jahrhundert darzustellen.</p><p align="justify">Die Herausgeber <a href="http://www.uni-bamberg.de/philosophie/personen/michael_jungert/" target="_blank">Michael Jungert</a>, <a href="http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~q44/romfeld/romfeld.htm" target="_blank">Elsa Romfeld</a>, <a href="http://www.thomas-sukopp.de/" target="_blank">Thomas Sukopp</a> und <a href="http://www.philso.uni-augsburg.de/institute/philosophie/Personen/Mitglieder/voigt/" target="_blank">Uwe Voigt</a> versuchen (und &#8211; das kann ich vorwegnehmen &#8211; schaffen es auch bzw. legen die notwendigen Grundlagen f&#252;r eine sp&#228;tere abschlie&#223;ende Behandlung), der oft fehlenden Pr&#228;zision bzw. Systematik in der mitunter inflation&#228;ren Verwendung des Interdisziplinarit&#228;tsbegriffs Rechnung zu tragen und (siehe Klappentext) &#8222;prinzipielle Fragen und konkrete Probleme der interdisziplin&#228;ren Arbeit zu kl&#228;ren&#8220;. Zweck und Wesen der Interdisziplinarit&#228;t zu analysieren und darzulegen ist in den Augen der Herausgeber &#8211; und hier schlie&#223;e ich mich in vollem Umfang an &#8211; eine wichtige Aufgabe der Philosophie (und hier insbesondere der Wissenschaftstheorie). Dem eigenen Anspruch nach liegt &#8211; an dieser Stelle sieht man, dass ein durchaus realistisches und keineswegs utopisches Ziel verfolgt wurde &#8211; mit dem Band noch &#8222;nicht die zunehmend als l&#228;ngt &#252;berf&#228;llig geforderte wissenschaftstheoretische Monographie zur Interdisziplinarit&#228;t vor&#8220;, sondern eine Sammlung von grundlegenden &#220;berlegungen, hinter die man im Sinne eines gew&#252;nschten Fortschritt in Zukunft nicht mehr zur&#252;ckfallen sollte. Formal zeichnet sich der Sammelband selbst durch eine klare, dreigliedrige Aufteilung aus: den Einstieg bilden philosophisch-wissenschaftstheoretische Vorkl&#228;rungen (4 Aufs&#228;tze), gefolgt von einem Blick auf die Praxis (5 Aufs&#228;tze), dem sich als Abschluss&#160; &#220;berlegungen zu Problemen der Interdisziplinarit&#228;t (3 Aufs&#228;tze) anschlie&#223;en. F&#252;r ihr anspruchsvolles Projekt konnten die Herausgeber neben <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Mainzer" target="_blank">Klaus Mainzer</a> f&#252;r das Geleitwort mehrere Autoren gewinnen, darunter weitere philosophische Schwergewichte wie z.B. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ian_Hacking" target="_blank">Ian Hacking</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kanitscheider" target="_blank">Bernulf Kanitscheider</a>, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Hilary_Kornblith" target="_blank">Hilary Kornblith</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Vollmer" target="_blank">Gerhard Vollmer</a>.</p><p align="justify">Bereits im Geleitwort von Klaus Mainzer wird deutlich, weswegen Interdisziplinarit&#228;t (insbesondere f&#252;r ein auf Innovationsdynamik angewiesenes Land wie Deutschland) zur Bew&#228;ltigung der anstehenden Aufgaben so wichtig ist: Innovationen h&#228;ngen oftmals ma&#223;geblich von transdiszipliner Forschung ab und etliche der gegenw&#228;rtigen Probleme lassen sich nicht mehr in die &#252;berholten traditionellen Fach- und Fakult&#228;tsgrenzen pressen &#8211; unmittelbar problemorientierte Forschung ist jedoch angesichts der Ver&#228;nderungen in der Welt und einer damit einhergehenden notwendigen Anpassung wichtiger denn je. Beispiele f&#252;r interdisziplin&#228;re Forschungen sind u.a. in den Neurowissenschaften, der Robotik, der Umweltforschung oder der Risiko- und Komplexit&#228;tsforschung zu finden. In diesem w&#252;nschenswerten und bereits an vielen Stellen begonnenen Prozess kommt dabei der Philosophie als Ort der Begegnung der einzelnen Wissenschaften und als mahnende, leitende und kontrollierende Instanz eine zentrale Rolle zu. Dieses Pl&#228;doyer f&#252;r ein modernes Verst&#228;ndnis von Philosophie, das jedoch auch deutliche Anleihen an ihrer eigenen Entstehungsgeschichte und &#8211; mit einem gewissen Universalit&#228;tsanspruch &#8211; ihrer urspr&#252;nglichen Intention hat, sowie der Appell zu mehr interdisziplin&#228;rer Zusammenarbeit unter gro&#223;er Ber&#252;cksichtigung der m&#246;glichen Hilfestellung der Philosophie decken sich <a href="http://philosophieblog.de/heichele/das-weite-feld-der-philosophie-ursprung" target="_blank">mit meinen Ausf&#252;hrungen zum Ursprung und zur Aufgabe der Philosophie</a> &#8211; was, wenn man meine philosophische Herkunft betrachtet, nicht ganz verwunderlich ist ;-)</p><p align="justify">Eine umfangreiche inhaltliche Wiedergabe der Beitr&#228;ge w&#252;rde den Rahmen des Blogs eindeutig sprengen. Deswegen m&#246;chte ich mich im Folgenden gr&#246;&#223;tenteils darauf beschr&#228;nken, in groben Z&#252;gen die Gegenst&#228;nde der jeweiligen Besch&#228;ftigung der Autoren aufzuzeigen. Dies d&#252;rfte f&#252;r den Leser (des Blogs) insbesondere deswegen wichtig sein, weil so zum einen &#8211; wie ich hoffe &#8211; die Lust geweckt wird, sich eigenst&#228;ndig mit der Thematik zu befassen, und zum enderen auf diese Weise ein &#220;berblick geliefert werden kann, welch breites Feld abgearbeitet werden muss, wenn man sich der Interdisziplinarit&#228;t n&#228;hern m&#246;chte. Im &#220;brigen werde ich mich v.a. auf den Grundlagenteil, also den ersten Teil (&#8222;Theorie der Interdisziplinarit&#228;t&#8220;) des Buches konzentrieren &#8211; nicht, weil der Rest es nicht wert w&#228;re, dass dar&#252;ber ein wenig ausf&#252;hrlicher berichtet wird, aber ich kann hier ja keine 30 Din-A-4-Seiten schreiben&#8230;</p><p align="justify">Die philosophisch-wissenschaftstheoretischen Vorkl&#228;rungen werden mit einem Beitrag von Michael Jungert eingeleitet: &#8222;Was zwischen wem und warum eigentlich? Grunds&#228;tzliche Fragen der Interdisziplinarit&#228;t&#8220;. Jungert weist auf eine enorme &#8222;Diskrepanz zwischen Verwendungsh&#228;ufigkeit und theoretischer Reflexion&#8220; (S. 1) bzgl. des Interdisziplinarit&#228;tsbegriffs hin und bem&#228;ngelt ebenfalls eine viel zu starke Zur&#252;ckhaltung der bisherigen Wissenschaftstheorie hinsichtlich einer eingehenden Besch&#228;ftigung mit dem Ph&#228;nomen der Interdisziplinarit&#228;t. Das eigentliche Anliegen Jungerts ist die Skizzierung &#8222;einige[r] Bedeutungsfacetten und grunds&#228;tzliche[r] Problemdimensionen des Interdisziplinarit&#228;tsbegriffs&#8220; (S. 1). Der erste Schritt dieses Unternehmens ist die Darstellung und Analyse verschiedener (und h&#228;ufig uneinheitlich gebrauchter) Begriffe, die eng mit dem der Interdisziplinarit&#228;t zusammenh&#228;ngen und oftmals synonym dazu verwendet werden: Multi-, Pluri-, Cross und Transdisziplinarit&#228;t. Zus&#228;tzlich werden bezugnehmend auf Heinz Heckhausen allein sechs unterschiedliche Erscheinungsformen der Interdisziplinarit&#228;t selbst angef&#252;hrt: Unterschiedslose Interdisziplinarit&#228;t, Pseudo-Interdisziplinarit&#228;t, Hilfsinterdisziplinarit&#228;t, Zusammengesetze Interdisziplinarit&#228;t, Erg&#228;nzende Interdisziplinarit&#228;t und Vereinigte Interdisziplinarit&#228;t. Sp&#228;testens auf Seite Sieben ist nun jedem Leser klar, weswegen ein solcher Band dringend notwendig war&#8230; Aber in welchem Zusammenhang kann im Falle der Interdisziplinarit&#228;t von einer &#8222;Inter&#8220;-Relation gesprochen werden bzw. auf welchen Ebenen finden die entsprechenden disziplin&#252;bergreifenden Kooperationen statt? Hier werden f&#252;nf M&#246;glichkeiten untersucht, die da w&#228;ren: Gegenst&#228;nde, Methoden, Probleme, theoretisches Integrationsniveau und Personen/Institutionen. In dem Eingangsaufsatz des Sammelbandes wird der Vollst&#228;ndigkeit halber ebenfalls noch kurz auf die (wissenschaftsexternen und wissenschaftsinternen) Motive und Gr&#252;nde von Interdisziplinarit&#228;t eingegangen &#8211; eine eingehendere Behandlung (deswegen die K&#252;rze) mit dieser Thematik findet im Band jedoch an sp&#228;terer Stelle statt.</p><p align="justify">Thomas Sukopp widmet sich im zweiten Aufsatz des Bandes der Thematik &#8222;Interdisziplinarit&#228;t und Transdisziplinarit&#228;t. Definitionen und Konzepte&#8220;. Hierbei kommt es ihm vor allem auf das Erreichen von terminologischer Klarheit an, weswegen er sich insbesondere mit Begriffserkl&#228;rungen von &#8222;Interdisziplinarit&#228;t&#8220; und &#8222;Transdisziplinarit&#228;t&#8220; besch&#228;ftigt und damit einhergehend entsprechende (nicht vorhandene) Kooperationsformen untersucht. Zu Beginn seiner Ausf&#252;hrungen legt Sukopp dar, wie Interdisziplinarit&#228;t zwar oft gefordert, aber trotz des (oftmals anzutreffenden) grunds&#228;tzlichen Wunsches der Beteiligten selten tats&#228;chlich betrieben wird. Als Gr&#252;nde f&#252;r dieses auf den ersten Blick ambivalente Verhalten der verschiedenen Wissenschaftler werden Schwierigkeiten in der konkreten Zusammenarbeit angef&#252;hrt, wie z.B. disziplinspezifische Methoden, eigene Sprachen, &#8222;disziplin&#228;re Weltbilder bzw. Paradigmen, die als unhintergehbar gelten bzw. nicht angetastet werden&#8220; (S. 15) oder etwa un&#252;berbr&#252;ckbare Differenzen hinsichtlich des eigenen Charakters bereits in einer einzelnen Disziplin f&#252;r sich (dass diese Differenzen und damit Schwierigkeiten nicht weniger werden, wenn mehrere solcher Disziplinen miteinander arbeiten sollen, kann man sich leicht vorstellen). Aus den Schwierigkeiten einer konkreten interdisziplin&#228;ren Zusammenarbeit ergeben sich nun zwingend Grenzen der M&#246;glichkeit der Interdisziplinarit&#228;t. Im weiteren Verlauf zeigt Sukopp auf, dass eine interdisziplin&#228;re Zusammenarbeit in vielen F&#228;llen (z.B. aus heuristischen oder methodologischen Gr&#252;nden) &#252;berhaupt nicht notwendig und damit w&#252;nschenswert ist. Dies geschieht &#8211; das kann man sich bei der Intention des Bandes denken &#8211; jedoch keineswegs in einer grunds&#228;tzlich ablehnenden Haltung der Interdisziplinarit&#228;t gegen&#252;ber, sondern in einer wohl &#252;berlegten Darstellung bzgl. der (im weiteren Sinne) epistemischen Notwendigkeit und real praktikablen M&#246;glichkeit der Interdisziplinarit&#228;t. Im weiteren Verlauf seines Aufsatzes geht Sukopp konkret auf die Bedeutung und die unterschiedlichen Definitionen bzw. Verwendungen von Inter- und Transdisziplinarit&#228;t ein. In diesem Zusammenhang mokiert er sich bei der Kl&#228;rung dessen, was Inter- und Transdisziplinarit&#228;t nicht ist, v&#246;llig zu Recht &#252;ber mit Hilfe von Frageb&#246;gen gewonnene Ausf&#252;hrungen, die beispielsweise von Transdisziplinarit&#228;t als &#8222;Dilettantismus in Bereichen, die man nicht beherrscht&#8220; oder als ausschlie&#223;lich von Personen aufgestellte Forderung, &#8222;die nicht selbst wissenschaftlich arbeiten&#8220; (S. 18), sprechen. Zu den eingangs erw&#228;hnten objektiven Schwierigkeiten bzgl. einer interdisziplin&#228;ren Zusammenarbeit kommen also offensichtlich an vielen Stellen auch v&#246;lliges Unverst&#228;ndnis und Scheuklappendenken dazu. Sukopp geht einen vern&#252;nftigen Weg, wenn er einer Reihe von fragw&#252;rdigen und teilweise besch&#228;menden, und damit die fruchtbare Zusammenarbeit weiter behindernden, Definitionsversuchen den Wunsch nach einer klaren Definition bzw. Explikation gegen&#252;berstellt &#8211; umso besser, dass er diesem Wunsch gleich selbst nachkommt. Um &#252;berhaupt den Interdisziplinarit&#228;tsbegriff vern&#252;nftig fassen zu k&#246;nnen, widmet sich Sukopp zun&#228;chst einer differenzierten Darstellung der Begriffe &#8222;F&#228;cher&#8220;, &#8222;Disziplinen&#8220; (man beachte hier den Unterschied!) und &#8222;Disziplinarit&#228;t&#8220;. Auf diesem nun gelegten Fundament aufbauend werden schlie&#223;lich verschiedene Formen der Inter- und Transdisziplinarit&#228;t (bezogen z.B. auf Methode oder Theorie) sowie deren Voraussetzungen gekl&#228;rt. An dieser Stelle werden auch einige der zuvor erw&#228;hnten Schwierigkeiten, die einer interdisziplin&#228;ren Zusammenarbeit m&#246;glicherweise im Weg stehen k&#246;nnen, relativiert (z.B. hinsichtlich der Forschung an den Grenzen einer Disziplin).</p><p align="justify">Uwe Voigt besch&#228;ftigt sich mit &#8222;Interdisziplinarit&#228;t: ein Modell der Modelle&#8220;. Voigt beklagt in seinem Beitrag als erstes, dass eine eingehende Besch&#228;ftigung mit dem Thema &#8222;Interdisziplinarit&#228;t&#8220; bis jetzt (z.B. von Seiten der Wissenschaftstheorie) viel zu selten stattgefunden hat &#8211; und liefert sogleich eine detaillierte m&#246;gliche Erkl&#228;rung, welche die Ursachen hierf&#252;r in einer unzureichenden Reflexion bzgl. modellhafter Darstellungen der Beziehungen zwischen wissenschaftlichen Disziplinen sieht. So m&#252;ssen diese &#8222;Modelle erst einmal als solche erkannt&#8220; werden, um &#8222;sie zu analysieren und auf dieser Grundlage nach ihrer jeweiligen Brauchbarkeit [zu] fragen&#8220; (S. 32). Im n&#228;chsten Schritt geht Voigt der Frage nach, was konkret wissenschaftliche Disziplinen sind und wie diese sich aufeinander beziehen k&#246;nnen. Nach der grunds&#228;tzlichen Kl&#228;rung, ob es &#252;berhaupt wissenschaftliche Disziplinen gibt, stellt sich &#8211; bei einer Bejahung &#8211; die Frage nach der Anzahl (vgl. z.B. den Wiener Kreis und die &#8222;unity of science&#8220;). Von Konzepten einer Einheitswissenschaft ausgehend werden plurale und pluralistische Modelle behandelt, mit Hilfe derer sich als unberechtigt empfundene &#8222;reduktive oder eliminative Anspr&#252;che seitens einer vermeintlichen Einheitswissenschaft zur&#252;ckweisen lassen&#8220; &#8211; um den Preis der Aufgabe der Einheit des Wissenschaftsbegriffs. Gerade vor dem Hintergrund der gew&#252;nschten Interdisziplinarit&#228;t ergeben sich dann m&#246;glicherweise Probleme, was in pluralistischen Modellen auf Grund der gegenseitigen Beziehungslosigkeit die gegenseitig Akzeptanz als &#8222;Wissenschaft&#8220;&#160; anbelangt &#8211; man denke z.B. an die im englischen Sprachraum &#252;bliche Unterscheidung von &#8222;sciences&#8220; und &#8222;humanities&#8220;. Aus den pluralistischen Modellen k&#246;nn(t)en wieder monistische erwachsen. Ein weiteres Problem pluralistischer Modelle ist die Tatsache, dass de facto eine wechselseitige Abgrenzung weder immer gegeben, noch mitunter sinnvoll oder gar m&#246;glich ist (vgl. z.B. Kuhn). Mit dem Konzept von &#8222;Kontaktmodellen&#8220; wird nun dem Umstand der gegenseitigen Beziehung zwischen Wissenschaften Rechnung getragen. Die Kontakte k&#246;nnen sich nun auf einen gemeinsamen Gegenstandsbereich oder auf eine gemeinsame Methode beziehen. Erfolgversprechend scheint bzw. schien hier insbesondere ein nicht-hierarchisches Methoden-Kontakt-Modell, &#8222;wonach die Beziehungen zwischen den Disziplinen nicht von einer einzigen Methode gestaltet werden, sondern darauf beruhen, dass die einzelnen Disziplinen spezifische Auspr&#228;gungen einer Methode verwenden und gerade dadurch auf wechselseitige Erg&#228;nzung angewiesen wie auch zu ihr bef&#228;higt sind&#8220; (S. 41f.; man beachte z.B. die Rolle der Systemtheorie in &#214;konomie, Spieltheorie, Soziologie, Primatenforschung etc. und die Zusammenarbeit dieser Disziplinen bei dem Bem&#252;hen, sozial intelligente Roboter herzustellen). Trotz dieser vermeintlich eindeutigen Durchschlagskraft von Methoden-Kontakt-Modellen muss im Sinne Feyerabends vor einer &#220;berbewertung des Stellenwerts der Methode f&#252;r Wissenschaften gewarnt werden: der Wechsel bzw. die Modifikation der Methode mit dem Ziel des Erkenntnisgewinns ist ein wesentlicher Grundzug wissenschaftlichen Arbeitens. Was nun? Voigt pl&#228;diert &#8211; nach der Absage an Gegenstands-Kontakt-Modelle und Methoden-Kontakt-Modelle &#8211; f&#252;r ein Kooperations-Kontakt-Modell, das zwar den Einfluss von Gegenstand und Methode auf das wissenschaftliche Arbeiten ber&#252;cksichtigt, aber noch dar&#252;ber hinausgeht, denn &#8222;[j]enseits dieser Momente bleibt noch das wissenschaftliche Arbeiten als solches, das sich in interdisziplin&#228;ren Beziehungen jeweils konkret als Kooperation vollzieht&#8220; (S. 42). Aus den Versuchen der Wissenschaften, Wissen zu gewinnen, ergibt sich die Bestimmung gegenseitiger Erg&#228;nzung. So stellt interdisziplin&#228;re Kooperation die wechselseitige Anerkennung als wissenschaftliche Disziplin dar und wird zum konstitutiven Faktor von Wissenschaft &#252;berhaupt.</p><p align="justify">Gerhard Vollmer geht der Frage &#8222;Interdisziplinarit&#228;t &#8211; unerl&#228;sslich, aber leider unm&#246;glich?&#8220; nach. Vollmer beginnt mit einem mir sehr sympathischen Thema, indem er auf die Komplexit&#228;t der Welt und (fast aller) ihrer Teilsysteme verweist &#8211; und aus dieser Komplexit&#228;t der Welt leitet er (nachvollziehbarerweise) die Notwendigkeit der Interdisziplinarit&#228;t ab. In Bezug auf die Interdisziplinarit&#228;t zwischen mehreren Wissenschaften wird gezeigt, dass oft die einzelnen Wissenschaften nicht unterschiedliche Teile, sondern verschiedene Eigenschaften einheitlicher Systeme bearbeiten. Zudem gibt es etliche Grenzf&#228;lle, bei denen eindeutige Zuordnungen nicht m&#246;glich sind und die aus diesem Grund einer interdisziplin&#228;ren Herangehensweise bed&#252;rfen. Vollmer beschreibt anschlie&#223;end den Zusammenhang zwischen der evolutiven Zunahme von Komplexit&#228;t realer Systeme und den sie beschreibenden Wissenschaften. Mit einer immer st&#228;rker ausgepr&#228;gten Verfeinerung des Spektrums der Disziplinen entstehen aus benachbarten Disziplinen nun mehr und mehr Br&#252;ckendisziplinen wie z.B. Biophysik, Neurolinguistik oder Wirtschaftsgeografie. Hinsichtlich gelungener Interdisziplinarit&#228;t werden Musterbeispiele pr&#228;sentiert &#8211; sowohl, was einzelne Personen als auch Interdisziplinarit&#228;t zwischen mehreren Personen anbelangt. Schwierigkeiten, die der Interdisziplinarit&#228;t im Wege stehen k&#246;nnen, teilt Vollmer in vier Gruppen auf: Interdisziplinarit&#228;t erfordert viel Wissen, Interdisziplinarit&#228;t erfordert Vereinfachungen (die aber zu Verf&#228;lschungen f&#252;hren), Interdisziplinarit&#228;t f&#252;hrt zu Verst&#228;ndnisschwierigkeiten und zu Missverst&#228;ndnissen und Interdisziplinarit&#228;t leidet unter Selbst&#252;bersch&#228;tzung einer oder mehrerer Parteien (man schaue sich nur einmal das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung._Alles,_was_man_wissen_mu%C3%9F" target="_blank">Schwanitz-Buch &#8222;Bildung &#8211; alles, was man wissen muss&#8220;</a> n&#228;her an). Vollmer zeigt in seinem Aufsatz v.a. zweierlei: dass Interdisziplinarit&#228;t notwendig ist &#8211; aber auch, dass sie schwierig ist und mit viel Anstrengung betrieben werden muss.</p><p align="justify">Bei den restlichen Aufs&#228;tzen beschr&#228;nke ich mich, wie bereits gesagt, auf die Nennung von Autor und Thema: man sieht schon hieran deutlich, welch ausf&#252;hrliche Behandlung die Interdisziplinarit&#228;t erfahren hat &#8211; und was es alles zu beachten gilt, wenn man sich diesem Komplex m&#246;glichst umfassend n&#228;hern m&#246;chte. Im Bereich &#8222;Praxis der Interdisziplinarit&#228;t&#8220; finden sich 5 Aufs&#228;tze. Ulrich Frey schreibt &#252;ber &#8222;Im Prinzip geht alles, ohne Empirie geht nichts &#8211; Interdisziplinarit&#228;t in der Wissenschaftstheorie&#8220;. Hilary Kornblith befasst sich mit &#8222;Erkenntnistheorie und Kognitive Ethologie&#8220; und Berthold Schweizer mit &#8222;Vom Fehler im Gegenstand zur Theorie &#252;ber den Gegenstand: Wissenschaftstheorie und interdisziplin&#228;res Arbeiten&#8220;. Bernulf Kanitscheiders Aufsatz ist in meinen Augen in doppelter Weise interessant: &#8222;Epikur als Wegbereiter einer interdisziplin&#228;ren Ethik&#8220; ist zum einen ob seines Inhalts lesenswert, zum anderen sehe ich pers&#246;nlich Kanitscheider immer als eine Art &#8222;Epikur der Gegenwart&#8220; bzw. Epikur als einen &#8222;Kanitscheider der Antike&#8220; (gerade, was Naturphilosophie und Ethik anbelangt)&#8230; Elsa Romfeld kl&#228;rt &#8222;&#220;ber die Rolle des Moralphilosophen in interdisziplin&#228;ren Beratungsgremien&#8220; auf. Im abschlie&#223;enden Teil des Sammelbandes &#8222;Probleme der interdisziplin&#228;ren Zusammenarbeit&#8220; geht Winfried L&#246;ffler der Frage &#8222;Vom Schlechten des Guten: Gibt es schlechte Interdisziplinarit&#228;t?&#8220; nach. Thomas Potthast untersucht &#8222;Epistemisch-moralische Hybride und das Problem interdisziplin&#228;rer Urteilsbildung. Den Schluss bildet Ian Hackings &#8222;Verteidigung der Disziplin&#8220;.</p><p align="justify">Wie lautet nun das Fazit bzgl. des gut 200 Seiten umfassenden Buchs? Obschon ich mich immer wieder (durchaus ausf&#252;hrlich) mit Interdisziplinarit&#228;t auseinandergesetzt habe, stellt dieses Buch auch f&#252;r mich pers&#246;nlich einen unheimlichen Mehrwert dar. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle, darunter vor allem: durchg&#228;ngig kompetente (und gut darstellende) Autoren, die alle selbst aus pers&#246;nlicher Erfahrung interdisziplin&#228;res Arbeiten kennen, eine beeindruckende Tiefe in den Aufs&#228;tzen trotz der gerade einmal 12 bis 20 Seiten pro Artikel und eine enorme Breite, in der das Thema Interdisziplinarit&#228;t aus verschiedenen Blickwinkeln angegangen wird. Eines ist gewiss: zuk&#252;nftige wissenschaftstheoretische Grundlagenarbeiten zur Interdisziplinarit&#228;t k&#246;nnen die hier pr&#228;sentierten Ergebnisse definitiv nicht einfach &#252;bergehen.</p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/heichele/philosophie-im-21-jahrhundert-eine-vorst-2010">Original post</a> blogged on <a href="http://heichele.philosophieblog.de/">Heichele</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
								<comments>http://philosophieblog.de/heichele/philosophie-im-21-jahrhundert-eine-vorst-2010#comments</comments>
		</item>
				<item>
			<title>Aufkl&#228;rung 2.0 dringend n&#246;tig: der Wunderglaube an Broers Revolution 2012 und der Umgang mit Kritikern</title>
			<link>http://philosophieblog.de/heichele/aufklaerung-2-0-dringend-noetig-der-wund-1</link>
			<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 15:51:34 +0000</pubDate>			<dc:creator>heichele</dc:creator>
			<category domain="main">heichele</category>			<guid isPermaLink="false">609@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Schon seit l&amp;#228;ngerer Zeit beobachte ich mit einer Mischung aus Am&amp;#252;sement und Ver&amp;#228;rgerung diverse Auseinandersetzungen zwischen Wissenschaftlern und vern&amp;#252;nftigen Menschen auf der einen Seite und Esoterikern, Spinnern und Pseudowissenschaftlern auf der anderen Seite. Als ein Paradebeispiel hierf&amp;#252;r kann man die Dispute zwischen &lt;a href=&quot;http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Florian Freistetter von Astrodicticum Simplex&lt;/a&gt; und den Anh&amp;#228;ngern von &lt;a href=&quot;http://www.revolution-2012.de/blog/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Dieter Broers&lt;/a&gt; heranziehen. &lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Der Aufh&amp;#228;nger meines Blogbeitrags ist nun nicht etwa irgendeine spektakul&amp;#228;re Neuentwicklung, sondern ein (u.a. in den Kommentaren der beiden n&amp;#228;chsten verlinkten Artikel nachzulesender) Schlagabtausch zwischen oben genannten Parteien, wie man ihn st&amp;#228;ndig erleben kann: es geht um die vermeintliche Erkl&amp;#228;rung durch Broers, was denn nun konkret &lt;a href=&quot;http://www.revolution-2012.com/blog/2010/01/was-ist-der-synchronisationsstrahl/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;sein mysteri&amp;#246;ser Synchronisationsstrahl&lt;/a&gt; sein soll, den es 2012 geben soll &amp;#8211; das Ganze ist nat&amp;#252;rlich &lt;a href=&quot;http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/01/dieter-broers-erklart-den-synchronisationsstrahl.php&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;haneb&amp;#252;chener Unfug&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Mir geht es nun nicht um einige konkret-inhaltliche Aussagen zu dem ganzen Unsinn bzgl. 2012 (wer will, findet &lt;a href=&quot;http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/weltuntergang-2012-fragen-und-antworten.php&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; etliche wirklich gute Artikel), sondern um das prinzipielle Unverst&amp;#228;ndnis der Broers-J&amp;#252;nger (die stellvertretend f&amp;#252;r diverse Esoteriker, Anh&amp;#228;nger pseudowissenschaftlicher Erg&amp;#252;sse und dergleichen stehen), wie denn m&amp;#246;glichst sicheres Wissen generiert wird und warum Wissenschaft den ganzen Spinnereien &amp;#252;berlegen ist.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;strong&gt;Was ist Wissenschaft?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ich folge hier &amp;#8211; einmal mehr &amp;#8211; &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Schurz&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Gerhard Schurz&lt;/a&gt;, dessen &lt;a href=&quot;http://www.wbg-wissenverbindet.de/WBGShop/php/Proxy.php?purl=/wbg/products/search/show,19026900,schurz.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Einf&amp;#252;hrung in die Wissenschaftstheorie&lt;/a&gt; in meinen Augen zu den besten ihrer Art geh&amp;#246;rt.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;F&amp;#252;r Wissenschaft lautet das oberste Erkenntnisziel, m&amp;#246;glichst wahre und gehaltvolle Aussagen, Gesetze oder Theorien &amp;#252;ber einen bestimmten Gegenstandsbereich zu finden. Die gehaltvolle Wahrheit als Zielvorgabe der Wissenschaft &amp;#228;u&amp;#223;ert sich darin, dass sie Hypothesen aufzustellen hat, die sich empirisch bewahrheiten und die sich als gehaltvoll und konsequenzenreich erweisen.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Nun braucht es aber zuerst ein erkenntnistheoretisches Modell der Wissenschaft (bei Formal- und Metawissenschaften gibt es einige Ausnahmen), damit die entsprechenden Begriffe wie Wahrheit &amp;#252;berhaupt mit einem nachvollziehbaren Sinn versehen werden. Als eine erste erkenntnistheoretische Grundannahme kann der &amp;#8222;Minimale Realismus&amp;#8220; genannt werden, wonach es eine (wie auch immer geartete) Wirklichkeit bzw. Realit&amp;#228;t unabh&amp;#228;ngig vom Erkenntnissubjekt gibt. Keineswegs wird jedoch behauptet, dass alle Eigenschaften dieser Realit&amp;#228;t erkennbar sind &amp;#8211; genau so, wie die M&amp;#246;glichkeit prinzipieller Erkenntnisgrenzen offengelassen wird. &amp;#8222;Wahrheit&amp;#8220; kann dann im Sinn der strukturellen Korrespondenztheorie als strukturelle &amp;#220;bereinstimmung zwischen Satz und dem von ihm beschriebenen Teil der Realit&amp;#228;t verstanden werden (andere Wahrheitstheorien in der Philosophie w&amp;#228;ren z.B. Redundanz- und Koh&amp;#228;renztheorie). Als weitere Grundannahme muss man den Fallibilismus anf&amp;#252;hren, nach dem grunds&amp;#228;tzlich jede wissenschaftliche Behauptung fehlbar ist. Ein ganz zentraler Punkt sind Objektivit&amp;#228;t und Intersubjektivit&amp;#228;t: Die Wahrheit einer Aussage muss objektiv, also unabh&amp;#228;ngig von den Einstellungen des Erkenntnissubjekts bestehen. Das zentrale wissenschaftliche Kriterium f&amp;#252;r Objektivit&amp;#228;t liegt nun in der Intersubjektivit&amp;#228;t von Aussagen, weswegen man auch (statt von einem naiven absoluten Objektivit&amp;#228;tsverst&amp;#228;ndnis) von der intersubjektiven Objektivierbarkeit wissenschaftlicher Aussagen spricht. Im Sinne eines rationalen Dialogs muss sich prinzipiell jede kognitiv hinreichend kompetente Person von der Wahrheit der Aussage nach einer hinreichenden Kenntnisnahme der Datenlage &amp;#252;berzeugen lassen. Diese Objektivit&amp;#228;tsannahme als Unabh&amp;#228;ngigkeit von den Einstellungen des Erkenntnissubjekts folgt automatisch aus der Annahme des minimalen Realismus, da die Realit&amp;#228;t unabh&amp;#228;ngig davon besteht und Wahrheit als &amp;#220;bereinstimmung von Aussage und Realit&amp;#228;t definiert wurde. Eine weitere notwendige Grundannahme findet sich (hier ist z.B. auf eine Sonderrolle der Formalwissenschaften zu verweisen) im minimalen Empirismus, der fordert, dass der Gegenstandsbereich einer Wissenschaft im Prinzip der Erfahrung bzw. Beobachtung zug&amp;#228;nglich sein muss, denn nur durch die wahrnehmende Beobachtung kann verl&amp;#228;ssliche Information &amp;#252;ber die Realit&amp;#228;t erlangt werden. So werden empirische Beobachtungen zum Schiedsrichter f&amp;#252;r die wissenschaftliche Wahrheitssuche und an den empirischen Beobachtungen m&amp;#252;ssen die Hypothesen und Theorien &amp;#252;berpr&amp;#252;ft werden. All diese vier Punkte (minimaler Realismus, Fallibilismus, intersubjektive Objektivierbarkeit und minimaler Empirismus) verlangen als Konsequenz &amp;#8211; und das ist die letzte erkenntnistheoretische Grundannahme &amp;#8211; das Streben nach logischer Klarheit. Das bedeutet u.a., dass die verwendeten Begriffe sauber definiert werden und eindeutig verwendet werden m&amp;#252;ssen, dass Konsequenzen einer Hypothese zwecks der notwendigen &amp;#220;berpr&amp;#252;fung klar ersichtlich sein m&amp;#252;ssen, dass keine offensichtlichen Widerspr&amp;#252;che auftreten d&amp;#252;rfen und dergleichen &amp;#8211; nur so kann die gew&amp;#252;nschte Wahrheitssuche sinnvoll und fruchtbar gestaltet werden.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Wenn man nun in der Wissenschaft als Ziel die Findung von m&amp;#246;glichst gehaltvollen und wahren Aussagen ausgegeben hat und sich die f&amp;#252;nf eben erw&amp;#228;hnten erkenntnistheoretischen Annahmen anschaut, folgen sehr plausibel vier methodologische Merkmale, die charakteristisch f&amp;#252;r (empirische) Wissenschaften sind. Bereits unmittelbar aus dem Ziel der gehaltvollen Wahrheit folgt als erstes methodologisches Merkmal die hypothetische Generalisierung bzw. Vereinheitlichung, welche die Grundlage f&amp;#252;r Erkl&amp;#228;rungen und Prognosen darstellt. Wissenschaft sucht folglich nach m&amp;#246;glichst allgemeinen und gehaltvollen hypothetischen S&amp;#228;tzen, denn Gesetze und Theorien sind Musterbeispiele allgemeiner gehaltvoller S&amp;#228;tze. Wegen der Annahmen des Fallibilismus, der intersubjektiven Objektivierbarkeit und v.a. des minimalen Empirismus ist als weiteres methodologisches Merkmal der Wissenschaft die empirische Aussch&amp;#246;pfung zu nennen. Das bedeutet, dass nach m&amp;#246;glichst vielen relevanten aktualen Beobachtungss&amp;#228;tzen gesucht wird. Letztlich kommen als weitere methodologische Merkmale noch die Aspekte Erkl&amp;#228;rung und Prognose (aktuale Beobachtungss&amp;#228;tze werden erkl&amp;#228;rt und potentielle Beobachtungss&amp;#228;tze werden vorausgesagt) sowie die empirische &amp;#220;berpr&amp;#252;fung allgemeiner hypothetischer S&amp;#228;tze dazu. &lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Wenn man nun noch zus&amp;#228;tzlich in der Tradition Max Webers und seines Postulats der Wertfreiheit von Wissenschaft darauf achtet, dass der Begr&amp;#252;ndungszusammenhang frei von fundamentalen wissenschaftsexternen Wertannahmen ist, hat man ein vern&amp;#252;nftiges Bild von dem, was Wissenschaft ist (bzw. sein soll).&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;strong&gt;Und was machen Broers und Konsorten sowie ihre Anh&amp;#228;nger?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Zur&amp;#252;ck zu dem eingangs erw&amp;#228;hnten Disput: wenn nun &amp;#252;ber Planet Nibiru, Synchronisationsstrahlen, Bewusstseinsspr&amp;#252;nge und wei&amp;#223; der Teufel was alles noch gesprochen wird, werden praktisch s&amp;#228;mtliche oben erw&amp;#228;hnten Kriterien von Wissenschaft verletzt. Wie allerdings gezeigt wurde, sind diese Kriterien nicht zum Spa&amp;#223; aufgestellt worden, sondern sind der nach dem gegenw&amp;#228;rtigen Stand der Dinge beste und sicherste Weg, zu so etwas wie Wahrheit zu gelangen. Warum wird auf all das verzichtet? Warum werden Wissenschaftler oder allgemein Menschen, die &amp;#8211; wie Florian &amp;#8211; den Finger in die Wunde der Esoteriker legen, von eben diesen Leuten als dogmatisch, f&amp;#252;r das neue Wissen nicht bereit, ignorant usw. bezeichnet?&amp;#160;Ich w&amp;#252;rde mal gerne von irgendeinem dieser Witzbolde ein vern&amp;#252;nftiges erkenntnis- und wissenschaftstheoretisches Modell h&amp;#246;ren, das ihren &amp;#8222;&amp;#220;berlegungen&amp;#8220; zu Grunde liegt. Was glauben diese Leute, wie Wissen zustande kommt?&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen: ich kenne Florian Freistetter (genau so wenig wie Dieter Broers) nicht pers&amp;#246;nlich. Ich stimme auch l&amp;#228;ngst nicht allen &amp;#196;u&amp;#223;erungen zu, die Florian (v.a. zu Fragen der Ontologie, Erkenntnistheorie und dem Verh&amp;#228;ltnis von Wissenschaft und Religion) von sich gibt (dennoch lese ich seinen Blog unheimlich gern). Aber es gibt doch einen fundamentalen qualitativen Unterschied in der Argumentation, wenn auf der einen Seite mit einem (gr&amp;#246;&amp;#223;tenteils) konsistenten, empirisch pr&amp;#252;fbaren Modell gearbeitet wird und auf der anderen Seite st&amp;#228;ndig un&amp;#252;berpr&amp;#252;fbare Ad-hoc-Annahmen get&amp;#228;tigt werden. Und wenn auf Seiten der Pseudowissenschaft tats&amp;#228;chlich &amp;#252;berpr&amp;#252;fbare Aussagen gemacht werden, gibt es eine Immunisierungsstrategie nach der n&amp;#228;chsten, mit Hilfe derer gegen s&amp;#228;mtliche Widerlegungen vorgegangen wird. Ich kenne keinen, der eine solche Geduld mit den ganzen Verr&amp;#252;ckten beweist wie Florian: auf seinem Blog finden sich alle Augenblicke irgendwelche verkorksten Gestalten ein, die ihn beschimpfen und ihre kruden Gedanken zum Besten geben &amp;#8211; und anstatt einfach zur&amp;#252;ck zu beleidigen, macht er sich die M&amp;#252;he und versucht, die ganzen Einw&amp;#228;nde auf der Basis von Vernunft und Wissenschaft zu erkl&amp;#228;ren. Der Lohn: &amp;#252;belste Beschimpfungen ignoranter Verschw&amp;#246;rungstheoretiker. An dieser Stelle m&amp;#246;chte ich auch noch einmal betonen, dass ich von Broers direkt keine ausfallenden Fehltritte mitbekommen habe &amp;#8211; er h&amp;#228;lt sich wenigstens an die Regeln eines vern&amp;#252;nftigen Miteinander.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;So ganz nebenbei: Wer &amp;#252;brigens mehr Unfug lesen will, braucht einfach in regelm&amp;#228;&amp;#223;igen Abst&amp;#228;nden einen Blick in die H&amp;#246;rzu zu werfen. Was dort unter der &lt;a href=&quot;http://www.hoerzu.de/wissen-service/wissen&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Rubrik &amp;quot;Wissen&amp;quot;&lt;/a&gt; immer wieder &amp;#252;ber Engel, Astrologie, 2012 usw. zu lesen ist, ist einfach erschreckend. Man stellt sich hier die Frage, ob es als notwendige Qualifikation zur Mitarbeit ausreicht, einen Stift in der Hand halten zu k&amp;#246;nnen, ohne dass man vom Stuhl f&amp;#228;llt (wobei ich nicht wei&amp;#223;, wie der Boden der Redaktion ausschaut&amp;#8230;).&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/heichele/aufklaerung-2-0-dringend-noetig-der-wund-1&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://heichele.philosophieblog.de/&quot;&gt;Heichele&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Schon seit l&#228;ngerer Zeit beobachte ich mit einer Mischung aus Am&#252;sement und Ver&#228;rgerung diverse Auseinandersetzungen zwischen Wissenschaftlern und vern&#252;nftigen Menschen auf der einen Seite und Esoterikern, Spinnern und Pseudowissenschaftlern auf der anderen Seite. Als ein Paradebeispiel hierf&#252;r kann man die Dispute zwischen <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/" target="_blank">Florian Freistetter von Astrodicticum Simplex</a> und den Anh&#228;ngern von <a href="http://www.revolution-2012.de/blog/" target="_blank">Dieter Broers</a> heranziehen. </p><p align="justify">Der Aufh&#228;nger meines Blogbeitrags ist nun nicht etwa irgendeine spektakul&#228;re Neuentwicklung, sondern ein (u.a. in den Kommentaren der beiden n&#228;chsten verlinkten Artikel nachzulesender) Schlagabtausch zwischen oben genannten Parteien, wie man ihn st&#228;ndig erleben kann: es geht um die vermeintliche Erkl&#228;rung durch Broers, was denn nun konkret <a href="http://www.revolution-2012.com/blog/2010/01/was-ist-der-synchronisationsstrahl/" target="_blank">sein mysteri&#246;ser Synchronisationsstrahl</a> sein soll, den es 2012 geben soll &#8211; das Ganze ist nat&#252;rlich <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/01/dieter-broers-erklart-den-synchronisationsstrahl.php" target="_blank">haneb&#252;chener Unfug</a>.</p><p align="justify">Mir geht es nun nicht um einige konkret-inhaltliche Aussagen zu dem ganzen Unsinn bzgl. 2012 (wer will, findet <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/weltuntergang-2012-fragen-und-antworten.php" target="_blank">hier</a> etliche wirklich gute Artikel), sondern um das prinzipielle Unverst&#228;ndnis der Broers-J&#252;nger (die stellvertretend f&#252;r diverse Esoteriker, Anh&#228;nger pseudowissenschaftlicher Erg&#252;sse und dergleichen stehen), wie denn m&#246;glichst sicheres Wissen generiert wird und warum Wissenschaft den ganzen Spinnereien &#252;berlegen ist.</p><p align="justify">&nbsp;</p><p align="justify"><strong>Was ist Wissenschaft?</strong></p><p align="justify">Ich folge hier &#8211; einmal mehr &#8211; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Schurz" target="_blank">Gerhard Schurz</a>, dessen <a href="http://www.wbg-wissenverbindet.de/WBGShop/php/Proxy.php?purl=/wbg/products/search/show,19026900,schurz.html" target="_blank">Einf&#252;hrung in die Wissenschaftstheorie</a> in meinen Augen zu den besten ihrer Art geh&#246;rt.</p><p align="justify">F&#252;r Wissenschaft lautet das oberste Erkenntnisziel, m&#246;glichst wahre und gehaltvolle Aussagen, Gesetze oder Theorien &#252;ber einen bestimmten Gegenstandsbereich zu finden. Die gehaltvolle Wahrheit als Zielvorgabe der Wissenschaft &#228;u&#223;ert sich darin, dass sie Hypothesen aufzustellen hat, die sich empirisch bewahrheiten und die sich als gehaltvoll und konsequenzenreich erweisen.</p><p align="justify">Nun braucht es aber zuerst ein erkenntnistheoretisches Modell der Wissenschaft (bei Formal- und Metawissenschaften gibt es einige Ausnahmen), damit die entsprechenden Begriffe wie Wahrheit &#252;berhaupt mit einem nachvollziehbaren Sinn versehen werden. Als eine erste erkenntnistheoretische Grundannahme kann der &#8222;Minimale Realismus&#8220; genannt werden, wonach es eine (wie auch immer geartete) Wirklichkeit bzw. Realit&#228;t unabh&#228;ngig vom Erkenntnissubjekt gibt. Keineswegs wird jedoch behauptet, dass alle Eigenschaften dieser Realit&#228;t erkennbar sind &#8211; genau so, wie die M&#246;glichkeit prinzipieller Erkenntnisgrenzen offengelassen wird. &#8222;Wahrheit&#8220; kann dann im Sinn der strukturellen Korrespondenztheorie als strukturelle &#220;bereinstimmung zwischen Satz und dem von ihm beschriebenen Teil der Realit&#228;t verstanden werden (andere Wahrheitstheorien in der Philosophie w&#228;ren z.B. Redundanz- und Koh&#228;renztheorie). Als weitere Grundannahme muss man den Fallibilismus anf&#252;hren, nach dem grunds&#228;tzlich jede wissenschaftliche Behauptung fehlbar ist. Ein ganz zentraler Punkt sind Objektivit&#228;t und Intersubjektivit&#228;t: Die Wahrheit einer Aussage muss objektiv, also unabh&#228;ngig von den Einstellungen des Erkenntnissubjekts bestehen. Das zentrale wissenschaftliche Kriterium f&#252;r Objektivit&#228;t liegt nun in der Intersubjektivit&#228;t von Aussagen, weswegen man auch (statt von einem naiven absoluten Objektivit&#228;tsverst&#228;ndnis) von der intersubjektiven Objektivierbarkeit wissenschaftlicher Aussagen spricht. Im Sinne eines rationalen Dialogs muss sich prinzipiell jede kognitiv hinreichend kompetente Person von der Wahrheit der Aussage nach einer hinreichenden Kenntnisnahme der Datenlage &#252;berzeugen lassen. Diese Objektivit&#228;tsannahme als Unabh&#228;ngigkeit von den Einstellungen des Erkenntnissubjekts folgt automatisch aus der Annahme des minimalen Realismus, da die Realit&#228;t unabh&#228;ngig davon besteht und Wahrheit als &#220;bereinstimmung von Aussage und Realit&#228;t definiert wurde. Eine weitere notwendige Grundannahme findet sich (hier ist z.B. auf eine Sonderrolle der Formalwissenschaften zu verweisen) im minimalen Empirismus, der fordert, dass der Gegenstandsbereich einer Wissenschaft im Prinzip der Erfahrung bzw. Beobachtung zug&#228;nglich sein muss, denn nur durch die wahrnehmende Beobachtung kann verl&#228;ssliche Information &#252;ber die Realit&#228;t erlangt werden. So werden empirische Beobachtungen zum Schiedsrichter f&#252;r die wissenschaftliche Wahrheitssuche und an den empirischen Beobachtungen m&#252;ssen die Hypothesen und Theorien &#252;berpr&#252;ft werden. All diese vier Punkte (minimaler Realismus, Fallibilismus, intersubjektive Objektivierbarkeit und minimaler Empirismus) verlangen als Konsequenz &#8211; und das ist die letzte erkenntnistheoretische Grundannahme &#8211; das Streben nach logischer Klarheit. Das bedeutet u.a., dass die verwendeten Begriffe sauber definiert werden und eindeutig verwendet werden m&#252;ssen, dass Konsequenzen einer Hypothese zwecks der notwendigen &#220;berpr&#252;fung klar ersichtlich sein m&#252;ssen, dass keine offensichtlichen Widerspr&#252;che auftreten d&#252;rfen und dergleichen &#8211; nur so kann die gew&#252;nschte Wahrheitssuche sinnvoll und fruchtbar gestaltet werden.</p><p align="justify">Wenn man nun in der Wissenschaft als Ziel die Findung von m&#246;glichst gehaltvollen und wahren Aussagen ausgegeben hat und sich die f&#252;nf eben erw&#228;hnten erkenntnistheoretischen Annahmen anschaut, folgen sehr plausibel vier methodologische Merkmale, die charakteristisch f&#252;r (empirische) Wissenschaften sind. Bereits unmittelbar aus dem Ziel der gehaltvollen Wahrheit folgt als erstes methodologisches Merkmal die hypothetische Generalisierung bzw. Vereinheitlichung, welche die Grundlage f&#252;r Erkl&#228;rungen und Prognosen darstellt. Wissenschaft sucht folglich nach m&#246;glichst allgemeinen und gehaltvollen hypothetischen S&#228;tzen, denn Gesetze und Theorien sind Musterbeispiele allgemeiner gehaltvoller S&#228;tze. Wegen der Annahmen des Fallibilismus, der intersubjektiven Objektivierbarkeit und v.a. des minimalen Empirismus ist als weiteres methodologisches Merkmal der Wissenschaft die empirische Aussch&#246;pfung zu nennen. Das bedeutet, dass nach m&#246;glichst vielen relevanten aktualen Beobachtungss&#228;tzen gesucht wird. Letztlich kommen als weitere methodologische Merkmale noch die Aspekte Erkl&#228;rung und Prognose (aktuale Beobachtungss&#228;tze werden erkl&#228;rt und potentielle Beobachtungss&#228;tze werden vorausgesagt) sowie die empirische &#220;berpr&#252;fung allgemeiner hypothetischer S&#228;tze dazu. </p><p align="justify">Wenn man nun noch zus&#228;tzlich in der Tradition Max Webers und seines Postulats der Wertfreiheit von Wissenschaft darauf achtet, dass der Begr&#252;ndungszusammenhang frei von fundamentalen wissenschaftsexternen Wertannahmen ist, hat man ein vern&#252;nftiges Bild von dem, was Wissenschaft ist (bzw. sein soll).</p><p align="justify">&nbsp;</p><p align="justify"><strong>Und was machen Broers und Konsorten sowie ihre Anh&#228;nger?</strong></p><p align="justify">Zur&#252;ck zu dem eingangs erw&#228;hnten Disput: wenn nun &#252;ber Planet Nibiru, Synchronisationsstrahlen, Bewusstseinsspr&#252;nge und wei&#223; der Teufel was alles noch gesprochen wird, werden praktisch s&#228;mtliche oben erw&#228;hnten Kriterien von Wissenschaft verletzt. Wie allerdings gezeigt wurde, sind diese Kriterien nicht zum Spa&#223; aufgestellt worden, sondern sind der nach dem gegenw&#228;rtigen Stand der Dinge beste und sicherste Weg, zu so etwas wie Wahrheit zu gelangen. Warum wird auf all das verzichtet? Warum werden Wissenschaftler oder allgemein Menschen, die &#8211; wie Florian &#8211; den Finger in die Wunde der Esoteriker legen, von eben diesen Leuten als dogmatisch, f&#252;r das neue Wissen nicht bereit, ignorant usw. bezeichnet?&#160;Ich w&#252;rde mal gerne von irgendeinem dieser Witzbolde ein vern&#252;nftiges erkenntnis- und wissenschaftstheoretisches Modell h&#246;ren, das ihren &#8222;&#220;berlegungen&#8220; zu Grunde liegt. Was glauben diese Leute, wie Wissen zustande kommt?</p><p align="justify">Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen: ich kenne Florian Freistetter (genau so wenig wie Dieter Broers) nicht pers&#246;nlich. Ich stimme auch l&#228;ngst nicht allen &#196;u&#223;erungen zu, die Florian (v.a. zu Fragen der Ontologie, Erkenntnistheorie und dem Verh&#228;ltnis von Wissenschaft und Religion) von sich gibt (dennoch lese ich seinen Blog unheimlich gern). Aber es gibt doch einen fundamentalen qualitativen Unterschied in der Argumentation, wenn auf der einen Seite mit einem (gr&#246;&#223;tenteils) konsistenten, empirisch pr&#252;fbaren Modell gearbeitet wird und auf der anderen Seite st&#228;ndig un&#252;berpr&#252;fbare Ad-hoc-Annahmen get&#228;tigt werden. Und wenn auf Seiten der Pseudowissenschaft tats&#228;chlich &#252;berpr&#252;fbare Aussagen gemacht werden, gibt es eine Immunisierungsstrategie nach der n&#228;chsten, mit Hilfe derer gegen s&#228;mtliche Widerlegungen vorgegangen wird. Ich kenne keinen, der eine solche Geduld mit den ganzen Verr&#252;ckten beweist wie Florian: auf seinem Blog finden sich alle Augenblicke irgendwelche verkorksten Gestalten ein, die ihn beschimpfen und ihre kruden Gedanken zum Besten geben &#8211; und anstatt einfach zur&#252;ck zu beleidigen, macht er sich die M&#252;he und versucht, die ganzen Einw&#228;nde auf der Basis von Vernunft und Wissenschaft zu erkl&#228;ren. Der Lohn: &#252;belste Beschimpfungen ignoranter Verschw&#246;rungstheoretiker. An dieser Stelle m&#246;chte ich auch noch einmal betonen, dass ich von Broers direkt keine ausfallenden Fehltritte mitbekommen habe &#8211; er h&#228;lt sich wenigstens an die Regeln eines vern&#252;nftigen Miteinander.</p><p align="justify">So ganz nebenbei: Wer &#252;brigens mehr Unfug lesen will, braucht einfach in regelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden einen Blick in die H&#246;rzu zu werfen. Was dort unter der <a href="http://www.hoerzu.de/wissen-service/wissen" target="_blank">Rubrik &quot;Wissen&quot;</a> immer wieder &#252;ber Engel, Astrologie, 2012 usw. zu lesen ist, ist einfach erschreckend. Man stellt sich hier die Frage, ob es als notwendige Qualifikation zur Mitarbeit ausreicht, einen Stift in der Hand halten zu k&#246;nnen, ohne dass man vom Stuhl f&#228;llt (wobei ich nicht wei&#223;, wie der Boden der Redaktion ausschaut&#8230;).</p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/heichele/aufklaerung-2-0-dringend-noetig-der-wund-1">Original post</a> blogged on <a href="http://heichele.philosophieblog.de/">Heichele</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
								<comments>http://philosophieblog.de/heichele/aufklaerung-2-0-dringend-noetig-der-wund-1#comments</comments>
		</item>
				<item>
			<title>Die Relation von Geist und Materie - oder: ich bin weder Materialist noch Mechanist</title>
			<link>http://philosophieblog.de/heichele/die-relation-von-geist-und-materie</link>
			<pubDate>Thu, 10 Dec 2009 17:14:14 +0000</pubDate>			<dc:creator>heichele</dc:creator>
			<category domain="main">heichele</category>			<guid isPermaLink="false">596@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Folgende Darstellung ist nicht als philosophisch-wissenschaftliche Abhandlung zu verstehen, sondern soll in einer einfachen Art und Weise lediglich einige Punkte klarstellen, die in einem Gespr&amp;#228;ch, das ich neulich f&amp;#252;hrte, aufgrund unterschiedlich verwendeter Begrifflichkeiten und verschiedener Ans&amp;#228;tze auf diese Weise wohl nicht klar wurden. Dabei soll insbesondere deutlich werden, dass &amp;#8211; diesem Vorwurf sah ich mich ausgesetzt &amp;#8211; unter Zugrundelegung einer klassisch-materialistischen Sichtweise meine Gedanken nicht (!) auszudr&amp;#252;cken sind und insbesondere der (damit wohl zusammenh&amp;#228;ngende) mechanistische Ansatz v&amp;#246;llig (!) unbrauchbar ist. Je nach Definition kann zwar von einem reduktionistischen evolution&amp;#228;ren Naturalismus mit Emergenz in Verbindung mit einem metaphysischen Realismus die Rede sein, aber definitiv nicht von einem mechanistischen Materialismus. Ebenso k&amp;#246;nnen folgende Zeilen dazu beitragen, einer uns in diesem&amp;#160;Dialog nicht recht gelungenen Kl&amp;#228;rung bzgl. der Problematik um die Benennung und Definition des freien Willens n&amp;#228;her zu kommen bzw. zumindest meine Position zu explizieren.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;S&amp;#228;mtliche Aussagen gelten in aller Deutlichkeit unter der Annahme der prinzipiellen Fallibilit&amp;#228;t. Die platonische Schau der Ideen ist zwar als Philosoph erstrebenswert, aber man kann sich ihrer nicht gewiss sein&amp;#8230; Ebenso ist folgende Konzeption wegen der Dynamik meiner pers&amp;#246;nlichen intellektuellen Entwicklung einem st&amp;#228;ndigen Wandel bzw. einer immer wieder notwendigen Aktualisierung unterworfen.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Mir ist klar, dass an sich s&amp;#228;mtliche Begriffe wie &amp;#8222;Natur&amp;#8220;, &amp;#8222;Welt&amp;#8220;, &amp;#8222;Bewusstsein&amp;#8220; etc. eigentlich erst einmal gekl&amp;#228;rt bzw. definiert geh&amp;#246;ren &amp;#8211; darauf werde ich dennoch aus Gr&amp;#252;nden der &amp;#214;konomie verzichten (m&amp;#252;ssen).&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;strong&gt;Die Struktur und der Aufbau der Welt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich gehe davon aus, dass die Natur auf einer sehr tiefen ontologischen Ebene aus Teilchen, Feldern und der Raumzeit aufgebaut ist. Diese drei Elemente&amp;#160; sind strukturell miteinander verflochten und interagieren dynamisch. Beschreibbar ist diese Interaktion insbesondere mit den Mitteln der modernen Physik. Mit einem sehr liberalen Verst&amp;#228;ndnis k&amp;#246;nnte man hier noch einen Materialismus verorten, sofern die fundamentale ontologische Ebene erreicht w&amp;#228;re. Dies ist jedoch nicht der Fall: auf einer fundamentalen Ebene vertrete ich einen ontologischen Monismus, der in derjenigen (neu)platonischen Tradition z.B. (in einem weiteren Verst&amp;#228;ndnis) eines Cusanus, Bruno oder Spinoza steht &amp;#8211; und damit aber auch in die Richtung eines Einstein, Heisenberg, Weizs&amp;#228;cker oder D&amp;#252;rr geht. Diese fundamentale ontologische Substanz kann man nun vermutlich ebenso Geist nennen wie Information. Materie ist, um mit einem D&amp;#252;rrbegriff zu sprechen, hier &amp;#8222;verkrusteter Geist&amp;#8220; &amp;#8211; aber nicht in einem esoterisch-mystischen Sinn, sondern in dem Sinn, dass es noch der Materie Zugrundeliegendes gibt, das sie erst erm&amp;#246;glicht, sie strukturiert und ihr gewisserma&amp;#223;en eine Form gibt (man denke hier an eine Mischung von platonischer Ideenwelt-Sinnenwelt-Relation und dem aristotelischen Materie-Form-Zusammenhang). Der Geist ist das strukturelle und gewisserma&amp;#223;en mathematische Prinzip aller Materie (gewisserma&amp;#223;en eine &amp;#8222;anima mundi&amp;#8220;). Dies ist aber ein unpers&amp;#246;nlicher Geist, der eher in naturwissenschaftlichen Gesetzm&amp;#228;&amp;#223;igkeiten und Symmetrien zu finden ist als im dialogf&amp;#228;higen und willk&amp;#252;rlich mit der materiellen Welt wechselwirkenden Geist manch esoterischer Vereinigungen. &lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Aus dem eben Gesagten folgt ein ontologischer Monismus, aus dem ein struktureller Pluralismus hervorgeht: wir haben eine (unver&amp;#228;nderliche, ewige) Einheit in der Tr&amp;#228;gersubstanz aller Dinge und gleichzeitig eine Pluralit&amp;#228;t in den emergenten Strukturen. F&amp;#252;r die Dynamik der Welt ben&amp;#246;tigt es keine (klassische) Teleologie, sondern naturgesetzliche und damit in einem abstrakten Sinn geistgeleitete Selbstorganisation und Emergenz. Diese naturgesetzliche und damit in obigem Verst&amp;#228;ndnis geistgeleitete Entwicklung beinhaltet deterministische, kausalistische und probabilistische bzw. aleatorische Elemente. Die Welt ist kontingent und Einstein hat sich geirrt: Gott w&amp;#252;rfelt&amp;#8230; Nachdem unbestritten ein gro&amp;#223;er M&amp;#246;glichkeitsraum vorhanden ist (dem man durchaus in platonischer Tradition eine eigene Existenz zuschreiben kann), k&amp;#246;nnen die Prozesse darin einwandfrei unter Zugrundelegung aristotelischer Begriffe wie Wirklichkeit und M&amp;#246;glichkeit und damit Verwirklichung der M&amp;#246;glichkeit bzw. Aktualisierung der Potenz beschrieben werden (vgl. insbesondere die Quantenmechanik): von universaler Finalit&amp;#228;t und Entelechie &amp;#8211; losgel&amp;#246;st von oben erw&amp;#228;hnten Naturprinzipien &amp;#8211; ist aber nicht sinnvoll zu sprechen (wenngleich z.B. die quasi-platonische Idee der Gravitation oder starken Kernkraft nat&amp;#252;rlich wie ein Attraktor lokal in der Welt komplexer Systeme wirken kann und damit in gewissen Bereichen teleologisch &amp;#8222;agiert&amp;#8220; &amp;#8211; der Sinn bzw. Zweck oder das Ziel ist in einem holistischen Sinn die Welt an sich; die vier uns bekannten Grundkr&amp;#228;fte im Universum k&amp;#246;nnen demnach durchaus als &amp;#8222;Ideen&amp;#8220; verstanden werden &amp;#8211; im Sinne von Ideenhierarchien sind dann auch die entsprechenden Vereinigungen der Grundkr&amp;#228;fte zu verstehen).&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ich denke, hier wurde klar: ich bin kein Materialist. Der Aufbau und die Struktur der Welt kann also wie folgt gesehen werden: Geist &amp;#8211; Materie &amp;#8211; Emergenz (die Emergenz ist geistverursacht unter Zuhilfenahme der schon vom Geist verursachten Materie &amp;#8211; holistische Interpretationen sind an mancher Stelle nicht mehr allzu fern, was naturgem&amp;#228;&amp;#223; auch am monistischen Ausgang aller &amp;#220;berlegungen liegen kann&amp;#8230;).&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;strong&gt;Der freie Wille&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ohne hier nun noch eine vollst&amp;#228;ndige philosophische Anthropologie anbieten zu wollen, m&amp;#252;ssen noch einige Vorabkl&amp;#228;rungen get&amp;#228;tigt werden, um sich dem (vermeintlich) freien Willen zu n&amp;#228;hern. Die Prozesshaftigkeit der Welt unter oben genannten Bedingungen hat zur kontingenten Ausbildung vieler Dinge gef&amp;#252;hrt, darunter die uns bekannten physikalischen Elemente und chemischen Stoffe. Durch Selbstorganisationsprozesse komplexer Systeme, durch nicht-lineare Wechselwirkungen und Phasen&amp;#252;berg&amp;#228;nge kam es zu einer praktisch nicht &amp;#252;berschaubaren Anzahl von Symmetriebr&amp;#252;chen und der Entstehung neuer Ordnungen. Auf diese Weise entstanden immer komplexere materielle Strukturen, auf diese Weise entstanden die ersten Atome, die ersten Sterne und die Vielzahl der Elemente. Auf diese Weise entstand aus unbelebter Materie vor ca. 3.8 Mrd. Jahren auf der Erde Leben und auf diese Weise entstanden nach und nach komplexere Lebewesen, die schlie&amp;#223;lich auf diese Weise auch Eigenschaften wie Bewusstsein hervorbrachten. Leben &amp;#8211; und grunds&amp;#228;tzliche jede Art von h&amp;#246;herer Ordnung &amp;#8211; ist in gewisser Weise eine Besonderheit, die sich gegen den universellen Anstieg der Entropie stellt. Das ist eine lokale Angelegenheit um den Preis der Wechselwirkung eines offenen Systems mit seiner Umwelt &amp;#8211; die Funktionsweisen wurden eben dargelegt. Um jedoch noch einmal in aller Deutlichkeit aufzuzeigen, dass auch hier keine naiv-materialistischen Vorstellungen am Werk sind: eine systemtheoretische Erkenntnis mit enormer philosophischer Bedeutung ist diejenige, dass Evolution nicht die irdische Kohlenstoffchemie ben&amp;#246;tigt. Es geht im Prinzip nur um die entsprechenden Strukturen von Informationssystemen, um deren funktionelle und strukturelle Architektur, also um Wechselwirkung und Interaktion &amp;#8211; es geht um Geist im Sinne der Information.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Der entscheidende Punkt ist nun, dass im Laufe der Evolution aus nichts weiter als den eben erw&amp;#228;hnten Funktionsweisen hochentwickelte Lebewesen zu Eigenschaften wie Bewusstsein, Emotionen etc. gekommen sind. Das menschliche Gehirn entstammt der Evolution und in dieser Entwicklung gab es keine fundamentalen ontologischen Br&amp;#252;che oder Spr&amp;#252;nge. Menschliches (Ich)Bewusstsein, menschlicher Geist, die F&amp;#228;higkeit zu Emotionen und Empathie, all das ist auf neuronale, nichtlineare Wechselwirkungen zur&amp;#252;ckzuf&amp;#252;hren. Die Verschaltungsmuster unseres hochgradig komplexen Systems Gehirn (im ganzen Universum gibt es nichts Bekanntes, das ann&amp;#228;hernd derma&amp;#223;en komplex ist) haben zur Entwicklung und Auspr&amp;#228;gung der menschlich-geistigen Ph&amp;#228;nomene gef&amp;#252;hrt (vermutlich durch das Auftreten von Arealen der Hirnrinde, die Verarbeitungsergebnisse aus bereits vorhanden Arealen neu/weiter bearbeiten), die f&amp;#252;r uns intuitiv eine besondere bzw. eigenst&amp;#228;ndige Stellung einnehmen. Nun gibt es allerdings weder einen speziellen Ort im dezentral und distributiv organisierten und sich selbst organisierenden Gehirn, an dem konkret ein intentionales Ich sich konstituiert, noch ist die Vorstellung korrekt, dass wir jederzeit losgel&amp;#246;st von allem Bedingten irgendetwas wollen oder uns frei entscheiden k&amp;#246;nnen. Der menschliche Geist bzw. das menschliche Bewusstsein ist nun allerdings wiederum nichts materialistisch-mechanistisch Verursachtes, sondern Resultat naturgesetzlicher Entwicklungen unter Verwendung des vorhandenen Materials. Sowohl die Ordnungsprinzipien an sich als auch das Ph&amp;#228;nomen der Emergenz mit seiner Abh&amp;#228;ngigkeit von Struktur und Information zeigen deutlich, dass auch hier &amp;#8222;geistverursachte&amp;#8220; Prozesse gemeint sind. Allerdings: man kann zwar durchaus in einem platonischen Sinn von einer Teilhaberelation des (unvollkommenen, abh&amp;#228;ngigen, verg&amp;#228;nglichen) menschlichen Geistes am Universalgeist/Urgrund sprechen &amp;#8211; aber da es hier keine fundamentalen ontologischen Spr&amp;#252;nge in der Entwicklung des menschlichen Geistes gibt, handelt es sich nicht um einen &amp;#8222;neuen&amp;#8220;, frei verf&amp;#252;gbaren Geist &amp;#8211; es ist kein eigener oder in absolutem Sinn eigenst&amp;#228;ndiger Geist (vgl. dazu z.B. auch Konzeptionen in Richtung Anaxagoras, Cusanus, Spinoza).&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Was ist nun konkret mit dem freien Willen? Der menschliche Wille ist sicherlich in dem Sinne frei, dass der Wille (und das ihn hervorbringende Gehirn) vor einem offenen M&amp;#246;glichkeitsraum der Zukunft steht. Unter anderem Komplexit&amp;#228;tstheorie und Quantenmechanik geben zu dieser Position mehr als begr&amp;#252;ndeten Anlass. Doch der menschliche Wille ist nicht frei von den dem Denken zugrundeliegenden neuro-chemischen Prozessen, der Wille ist nicht frei/unabh&amp;#228;ngig von den Naturgesetzen &amp;#8211; aber, wie oben dargelegt, nicht in einem mechanistisch-deterministischen Sinn! Der Abw&amp;#228;gungsprozess bei einer Entscheidung h&amp;#228;ngt von einer Vielzahl an Faktoren ab, die unter anderem durch genetische Faktoren (Evolution), Pr&amp;#228;gungen und vorangegangene Lernprozesse spezifiziert werden k&amp;#246;nnen. In diesem Sinne laufen das Hervorbringen eines Willens und Entscheidungen nach Regeln ab, welche in der funktionellen Architektur der im konkreten Fall beteiligten Hirnregionen gr&amp;#252;nden. Alles andere w&amp;#228;ren reine Zufallsentwicklungen und &amp;#8211;entscheidungen, welche nicht einem Menschen als bewusst get&amp;#228;tigt unterstellt werden k&amp;#246;nnten. Der Wille ist also ein in das Bewusstsein durchschlagender Antrieb, der zu bewussten Entscheidungen f&amp;#252;hren kann. Im Vergleich zu einem Laplace-Determinismus ist dieser Wille frei.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Es gibt jedoch neben dieser Freiheit des Willens im Sinne des Nichtgebundenseins an eine einzige m&amp;#246;gliche zuk&amp;#252;nftige Entwicklung noch weitere M&amp;#246;glichkeiten, dem Willen das Attribut &amp;#8222;frei&amp;#8220; zuzusprechen. Wir verstehen uns als frei, wenn wir bei/vor einer Handlung s&amp;#228;mtliche bewusstseinsf&amp;#228;higen Argumente ohne innere und &amp;#228;u&amp;#223;ere Zw&amp;#228;nge abw&amp;#228;gen k&amp;#246;nnen. Hier ist erstens zu beachten, dass dies vorerst nur die Handlung/Entscheidung und nicht den Willensbildungsprozess betrifft, und zweitens, dass wir &amp;#252;ber unbewusste, aber relevante Variablen nichts wissen k&amp;#246;nnen, diese also nicht in das Bewusstsein als wahrnehmungsf&amp;#228;hig durchschlagen. Einen Zusammenhang von Freiheit und Willen herzustellen ist dann legitim, wenn man Entscheidungen als mit dem Willen &amp;#252;bereinstimmend ansehen kann. Ein Zusammenhang von Freiheit und Willen als Letzturheberschaft im Sinne einer Akteurskausalit&amp;#228;t ist abstrus. Frei von aller Gebundenheit und Bedingtheit w&amp;#228;re es zudem nicht mehr &amp;#8222;mein&amp;#8220; freier Wille, sondern ein (zuf&amp;#228;lliger) freier Wille, der quasi &amp;#252;ber mich hereinbricht. In einem strengen Verst&amp;#228;ndnis sind (abgesehen von der Charakterisierung des zuk&amp;#252;nftigen M&amp;#246;glichkeitsraums) die Begriffe &amp;#8222;Freiheit&amp;#8220; und &amp;#8222;Wille&amp;#8220; also nicht in Einklang zu bringen, in einem pragmatischen schon. Oder, noch einmal anders ausgedr&amp;#252;ckt: wir k&amp;#246;nnen zwar tun, was wir wollen, und wenn wir das tun, was wir wollen, sind wir frei. Wir k&amp;#246;nnen aber nicht wollen, was wir wollen, also sind wir unfrei&amp;#8230;&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/heichele/die-relation-von-geist-und-materie&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://heichele.philosophieblog.de/&quot;&gt;Heichele&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Folgende Darstellung ist nicht als philosophisch-wissenschaftliche Abhandlung zu verstehen, sondern soll in einer einfachen Art und Weise lediglich einige Punkte klarstellen, die in einem Gespr&#228;ch, das ich neulich f&#252;hrte, aufgrund unterschiedlich verwendeter Begrifflichkeiten und verschiedener Ans&#228;tze auf diese Weise wohl nicht klar wurden. Dabei soll insbesondere deutlich werden, dass &#8211; diesem Vorwurf sah ich mich ausgesetzt &#8211; unter Zugrundelegung einer klassisch-materialistischen Sichtweise meine Gedanken nicht (!) auszudr&#252;cken sind und insbesondere der (damit wohl zusammenh&#228;ngende) mechanistische Ansatz v&#246;llig (!) unbrauchbar ist. Je nach Definition kann zwar von einem reduktionistischen evolution&#228;ren Naturalismus mit Emergenz in Verbindung mit einem metaphysischen Realismus die Rede sein, aber definitiv nicht von einem mechanistischen Materialismus. Ebenso k&#246;nnen folgende Zeilen dazu beitragen, einer uns in diesem&#160;Dialog nicht recht gelungenen Kl&#228;rung bzgl. der Problematik um die Benennung und Definition des freien Willens n&#228;her zu kommen bzw. zumindest meine Position zu explizieren.</p><p align="justify">S&#228;mtliche Aussagen gelten in aller Deutlichkeit unter der Annahme der prinzipiellen Fallibilit&#228;t. Die platonische Schau der Ideen ist zwar als Philosoph erstrebenswert, aber man kann sich ihrer nicht gewiss sein&#8230; Ebenso ist folgende Konzeption wegen der Dynamik meiner pers&#246;nlichen intellektuellen Entwicklung einem st&#228;ndigen Wandel bzw. einer immer wieder notwendigen Aktualisierung unterworfen.</p><p align="justify">Mir ist klar, dass an sich s&#228;mtliche Begriffe wie &#8222;Natur&#8220;, &#8222;Welt&#8220;, &#8222;Bewusstsein&#8220; etc. eigentlich erst einmal gekl&#228;rt bzw. definiert geh&#246;ren &#8211; darauf werde ich dennoch aus Gr&#252;nden der &#214;konomie verzichten (m&#252;ssen).</p><p align="justify"><strong>Die Struktur und der Aufbau der Welt</strong><br />Ich gehe davon aus, dass die Natur auf einer sehr tiefen ontologischen Ebene aus Teilchen, Feldern und der Raumzeit aufgebaut ist. Diese drei Elemente&#160; sind strukturell miteinander verflochten und interagieren dynamisch. Beschreibbar ist diese Interaktion insbesondere mit den Mitteln der modernen Physik. Mit einem sehr liberalen Verst&#228;ndnis k&#246;nnte man hier noch einen Materialismus verorten, sofern die fundamentale ontologische Ebene erreicht w&#228;re. Dies ist jedoch nicht der Fall: auf einer fundamentalen Ebene vertrete ich einen ontologischen Monismus, der in derjenigen (neu)platonischen Tradition z.B. (in einem weiteren Verst&#228;ndnis) eines Cusanus, Bruno oder Spinoza steht &#8211; und damit aber auch in die Richtung eines Einstein, Heisenberg, Weizs&#228;cker oder D&#252;rr geht. Diese fundamentale ontologische Substanz kann man nun vermutlich ebenso Geist nennen wie Information. Materie ist, um mit einem D&#252;rrbegriff zu sprechen, hier &#8222;verkrusteter Geist&#8220; &#8211; aber nicht in einem esoterisch-mystischen Sinn, sondern in dem Sinn, dass es noch der Materie Zugrundeliegendes gibt, das sie erst erm&#246;glicht, sie strukturiert und ihr gewisserma&#223;en eine Form gibt (man denke hier an eine Mischung von platonischer Ideenwelt-Sinnenwelt-Relation und dem aristotelischen Materie-Form-Zusammenhang). Der Geist ist das strukturelle und gewisserma&#223;en mathematische Prinzip aller Materie (gewisserma&#223;en eine &#8222;anima mundi&#8220;). Dies ist aber ein unpers&#246;nlicher Geist, der eher in naturwissenschaftlichen Gesetzm&#228;&#223;igkeiten und Symmetrien zu finden ist als im dialogf&#228;higen und willk&#252;rlich mit der materiellen Welt wechselwirkenden Geist manch esoterischer Vereinigungen. </p><p align="justify">Aus dem eben Gesagten folgt ein ontologischer Monismus, aus dem ein struktureller Pluralismus hervorgeht: wir haben eine (unver&#228;nderliche, ewige) Einheit in der Tr&#228;gersubstanz aller Dinge und gleichzeitig eine Pluralit&#228;t in den emergenten Strukturen. F&#252;r die Dynamik der Welt ben&#246;tigt es keine (klassische) Teleologie, sondern naturgesetzliche und damit in einem abstrakten Sinn geistgeleitete Selbstorganisation und Emergenz. Diese naturgesetzliche und damit in obigem Verst&#228;ndnis geistgeleitete Entwicklung beinhaltet deterministische, kausalistische und probabilistische bzw. aleatorische Elemente. Die Welt ist kontingent und Einstein hat sich geirrt: Gott w&#252;rfelt&#8230; Nachdem unbestritten ein gro&#223;er M&#246;glichkeitsraum vorhanden ist (dem man durchaus in platonischer Tradition eine eigene Existenz zuschreiben kann), k&#246;nnen die Prozesse darin einwandfrei unter Zugrundelegung aristotelischer Begriffe wie Wirklichkeit und M&#246;glichkeit und damit Verwirklichung der M&#246;glichkeit bzw. Aktualisierung der Potenz beschrieben werden (vgl. insbesondere die Quantenmechanik): von universaler Finalit&#228;t und Entelechie &#8211; losgel&#246;st von oben erw&#228;hnten Naturprinzipien &#8211; ist aber nicht sinnvoll zu sprechen (wenngleich z.B. die quasi-platonische Idee der Gravitation oder starken Kernkraft nat&#252;rlich wie ein Attraktor lokal in der Welt komplexer Systeme wirken kann und damit in gewissen Bereichen teleologisch &#8222;agiert&#8220; &#8211; der Sinn bzw. Zweck oder das Ziel ist in einem holistischen Sinn die Welt an sich; die vier uns bekannten Grundkr&#228;fte im Universum k&#246;nnen demnach durchaus als &#8222;Ideen&#8220; verstanden werden &#8211; im Sinne von Ideenhierarchien sind dann auch die entsprechenden Vereinigungen der Grundkr&#228;fte zu verstehen).</p><p align="justify">Ich denke, hier wurde klar: ich bin kein Materialist. Der Aufbau und die Struktur der Welt kann also wie folgt gesehen werden: Geist &#8211; Materie &#8211; Emergenz (die Emergenz ist geistverursacht unter Zuhilfenahme der schon vom Geist verursachten Materie &#8211; holistische Interpretationen sind an mancher Stelle nicht mehr allzu fern, was naturgem&#228;&#223; auch am monistischen Ausgang aller &#220;berlegungen liegen kann&#8230;).</p><p align="justify"><strong>Der freie Wille</strong><br />Ohne hier nun noch eine vollst&#228;ndige philosophische Anthropologie anbieten zu wollen, m&#252;ssen noch einige Vorabkl&#228;rungen get&#228;tigt werden, um sich dem (vermeintlich) freien Willen zu n&#228;hern. Die Prozesshaftigkeit der Welt unter oben genannten Bedingungen hat zur kontingenten Ausbildung vieler Dinge gef&#252;hrt, darunter die uns bekannten physikalischen Elemente und chemischen Stoffe. Durch Selbstorganisationsprozesse komplexer Systeme, durch nicht-lineare Wechselwirkungen und Phasen&#252;berg&#228;nge kam es zu einer praktisch nicht &#252;berschaubaren Anzahl von Symmetriebr&#252;chen und der Entstehung neuer Ordnungen. Auf diese Weise entstanden immer komplexere materielle Strukturen, auf diese Weise entstanden die ersten Atome, die ersten Sterne und die Vielzahl der Elemente. Auf diese Weise entstand aus unbelebter Materie vor ca. 3.8 Mrd. Jahren auf der Erde Leben und auf diese Weise entstanden nach und nach komplexere Lebewesen, die schlie&#223;lich auf diese Weise auch Eigenschaften wie Bewusstsein hervorbrachten. Leben &#8211; und grunds&#228;tzliche jede Art von h&#246;herer Ordnung &#8211; ist in gewisser Weise eine Besonderheit, die sich gegen den universellen Anstieg der Entropie stellt. Das ist eine lokale Angelegenheit um den Preis der Wechselwirkung eines offenen Systems mit seiner Umwelt &#8211; die Funktionsweisen wurden eben dargelegt. Um jedoch noch einmal in aller Deutlichkeit aufzuzeigen, dass auch hier keine naiv-materialistischen Vorstellungen am Werk sind: eine systemtheoretische Erkenntnis mit enormer philosophischer Bedeutung ist diejenige, dass Evolution nicht die irdische Kohlenstoffchemie ben&#246;tigt. Es geht im Prinzip nur um die entsprechenden Strukturen von Informationssystemen, um deren funktionelle und strukturelle Architektur, also um Wechselwirkung und Interaktion &#8211; es geht um Geist im Sinne der Information.</p><p align="justify">Der entscheidende Punkt ist nun, dass im Laufe der Evolution aus nichts weiter als den eben erw&#228;hnten Funktionsweisen hochentwickelte Lebewesen zu Eigenschaften wie Bewusstsein, Emotionen etc. gekommen sind. Das menschliche Gehirn entstammt der Evolution und in dieser Entwicklung gab es keine fundamentalen ontologischen Br&#252;che oder Spr&#252;nge. Menschliches (Ich)Bewusstsein, menschlicher Geist, die F&#228;higkeit zu Emotionen und Empathie, all das ist auf neuronale, nichtlineare Wechselwirkungen zur&#252;ckzuf&#252;hren. Die Verschaltungsmuster unseres hochgradig komplexen Systems Gehirn (im ganzen Universum gibt es nichts Bekanntes, das ann&#228;hernd derma&#223;en komplex ist) haben zur Entwicklung und Auspr&#228;gung der menschlich-geistigen Ph&#228;nomene gef&#252;hrt (vermutlich durch das Auftreten von Arealen der Hirnrinde, die Verarbeitungsergebnisse aus bereits vorhanden Arealen neu/weiter bearbeiten), die f&#252;r uns intuitiv eine besondere bzw. eigenst&#228;ndige Stellung einnehmen. Nun gibt es allerdings weder einen speziellen Ort im dezentral und distributiv organisierten und sich selbst organisierenden Gehirn, an dem konkret ein intentionales Ich sich konstituiert, noch ist die Vorstellung korrekt, dass wir jederzeit losgel&#246;st von allem Bedingten irgendetwas wollen oder uns frei entscheiden k&#246;nnen. Der menschliche Geist bzw. das menschliche Bewusstsein ist nun allerdings wiederum nichts materialistisch-mechanistisch Verursachtes, sondern Resultat naturgesetzlicher Entwicklungen unter Verwendung des vorhandenen Materials. Sowohl die Ordnungsprinzipien an sich als auch das Ph&#228;nomen der Emergenz mit seiner Abh&#228;ngigkeit von Struktur und Information zeigen deutlich, dass auch hier &#8222;geistverursachte&#8220; Prozesse gemeint sind. Allerdings: man kann zwar durchaus in einem platonischen Sinn von einer Teilhaberelation des (unvollkommenen, abh&#228;ngigen, verg&#228;nglichen) menschlichen Geistes am Universalgeist/Urgrund sprechen &#8211; aber da es hier keine fundamentalen ontologischen Spr&#252;nge in der Entwicklung des menschlichen Geistes gibt, handelt es sich nicht um einen &#8222;neuen&#8220;, frei verf&#252;gbaren Geist &#8211; es ist kein eigener oder in absolutem Sinn eigenst&#228;ndiger Geist (vgl. dazu z.B. auch Konzeptionen in Richtung Anaxagoras, Cusanus, Spinoza).</p><p align="justify">Was ist nun konkret mit dem freien Willen? Der menschliche Wille ist sicherlich in dem Sinne frei, dass der Wille (und das ihn hervorbringende Gehirn) vor einem offenen M&#246;glichkeitsraum der Zukunft steht. Unter anderem Komplexit&#228;tstheorie und Quantenmechanik geben zu dieser Position mehr als begr&#252;ndeten Anlass. Doch der menschliche Wille ist nicht frei von den dem Denken zugrundeliegenden neuro-chemischen Prozessen, der Wille ist nicht frei/unabh&#228;ngig von den Naturgesetzen &#8211; aber, wie oben dargelegt, nicht in einem mechanistisch-deterministischen Sinn! Der Abw&#228;gungsprozess bei einer Entscheidung h&#228;ngt von einer Vielzahl an Faktoren ab, die unter anderem durch genetische Faktoren (Evolution), Pr&#228;gungen und vorangegangene Lernprozesse spezifiziert werden k&#246;nnen. In diesem Sinne laufen das Hervorbringen eines Willens und Entscheidungen nach Regeln ab, welche in der funktionellen Architektur der im konkreten Fall beteiligten Hirnregionen gr&#252;nden. Alles andere w&#228;ren reine Zufallsentwicklungen und &#8211;entscheidungen, welche nicht einem Menschen als bewusst get&#228;tigt unterstellt werden k&#246;nnten. Der Wille ist also ein in das Bewusstsein durchschlagender Antrieb, der zu bewussten Entscheidungen f&#252;hren kann. Im Vergleich zu einem Laplace-Determinismus ist dieser Wille frei.</p><p align="justify">Es gibt jedoch neben dieser Freiheit des Willens im Sinne des Nichtgebundenseins an eine einzige m&#246;gliche zuk&#252;nftige Entwicklung noch weitere M&#246;glichkeiten, dem Willen das Attribut &#8222;frei&#8220; zuzusprechen. Wir verstehen uns als frei, wenn wir bei/vor einer Handlung s&#228;mtliche bewusstseinsf&#228;higen Argumente ohne innere und &#228;u&#223;ere Zw&#228;nge abw&#228;gen k&#246;nnen. Hier ist erstens zu beachten, dass dies vorerst nur die Handlung/Entscheidung und nicht den Willensbildungsprozess betrifft, und zweitens, dass wir &#252;ber unbewusste, aber relevante Variablen nichts wissen k&#246;nnen, diese also nicht in das Bewusstsein als wahrnehmungsf&#228;hig durchschlagen. Einen Zusammenhang von Freiheit und Willen herzustellen ist dann legitim, wenn man Entscheidungen als mit dem Willen &#252;bereinstimmend ansehen kann. Ein Zusammenhang von Freiheit und Willen als Letzturheberschaft im Sinne einer Akteurskausalit&#228;t ist abstrus. Frei von aller Gebundenheit und Bedingtheit w&#228;re es zudem nicht mehr &#8222;mein&#8220; freier Wille, sondern ein (zuf&#228;lliger) freier Wille, der quasi &#252;ber mich hereinbricht. In einem strengen Verst&#228;ndnis sind (abgesehen von der Charakterisierung des zuk&#252;nftigen M&#246;glichkeitsraums) die Begriffe &#8222;Freiheit&#8220; und &#8222;Wille&#8220; also nicht in Einklang zu bringen, in einem pragmatischen schon. Oder, noch einmal anders ausgedr&#252;ckt: wir k&#246;nnen zwar tun, was wir wollen, und wenn wir das tun, was wir wollen, sind wir frei. Wir k&#246;nnen aber nicht wollen, was wir wollen, also sind wir unfrei&#8230;</p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/heichele/die-relation-von-geist-und-materie">Original post</a> blogged on <a href="http://heichele.philosophieblog.de/">Heichele</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
								<comments>http://philosophieblog.de/heichele/die-relation-von-geist-und-materie#comments</comments>
		</item>
				<item>
			<title>Das weite Feld der Philosophie: Ursprung und Aufgaben</title>
			<link>http://philosophieblog.de/heichele/das-weite-feld-der-philosophie-ursprung</link>
			<pubDate>Sat, 07 Nov 2009 12:54:56 +0000</pubDate>			<dc:creator>heichele</dc:creator>
			<category domain="main">heichele</category>			<guid isPermaLink="false">571@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Folgender &amp;#220;berblick muss aufgrund seiner K&amp;#252;rze zwangsweise an vielen Stellen sehr selektiv und verallgemeinernd sein.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;strong&gt;Anfang und erster H&amp;#246;hepunkt&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Die Geschichte der (abendl&amp;#228;ndischen) Philosophie beginnt an der Wende vom 7. zum 6. vorchristlichen Jahrhundert mit Thales von Milet. Der Anfang der Philosophie war Proto-Naturwissenschaft, er war Naturphilosophie &amp;#8211; es ging um die Losl&amp;#246;sung von Mythen und die Zuwendung hin zu einer rationalen Welterkl&amp;#228;rung, vorerst v.a. bezogen auf die Natur und das Weltall. Das Paradigma hierbei lautete &amp;#8222;Vom Mythos zum Logos&amp;#8220;. In der Folgezeit versuchten die vorsokratischen Naturphilosophen, allgemeine Ordnungsprinzipien in der Natur aufzusp&amp;#252;ren und die alles bestimmenden Gesetze aufzudecken: Ph&amp;#228;nomene sollten sich nach grundlegenden Prinzipien verhalten und nicht mehr der Beliebigkeit beispielsweise der G&amp;#246;tterwelt ausgesetzt sein. Mit Sokrates (und in gewisser Weise den Sophisten) setzte in der Philosophie ein Wandel ein, der nun das Augenmerk auf den Menschen selbst richtete: was ist das Gute und wie soll man handeln? Ist die Philosophie bei Sokrates nun ein wenig in Richtung Ethik und Moral eingeengt, w&amp;#228;chst sie bei seinem Sch&amp;#252;ler Platon und dessen Sch&amp;#252;ler Aristoteles ein erstes Mal quasi zu der kompletten Bandbreite menschlich-rationalen Denkens an. Egal ob beispielweise Mathematik, Astronomie, Ethik, Ontologie oder Zoologie, politische Theorie, Theologie, Logik oder Kosmologie &amp;#8211; Philosophie repr&amp;#228;sentierte die ganze Weite der Wissenschaft. Dieses Verst&amp;#228;ndnis der Einheit von Philosophie und Wissenschaft sollte im Wesentlichen bis weit in die Neuzeit hinein bestehen bleiben. Philosophie sollte Wahrheit statt Meinung, begr&amp;#252;ndetes Wissen statt reinen Glaubens liefern und damit die rationale Orientierung in der Welt durch theoriengeleitete &amp;#220;berlegungen erm&amp;#246;glichen.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;strong&gt;Neue Aufgaben und die verengte Rolle der Philosophie&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Mit dem Aufkommen des Christentums und in der Folge des (Neu-) Platonismus erfuhr die Philosophie eine neue Aufgabenstellung. Philosophie diente nun &amp;#8211; insbesondere in der wirkm&amp;#228;chtigen neuplatonischen Tradition &amp;#8211; als Begr&amp;#252;ndungsinstanz f&amp;#252;r das Fr&amp;#252;hchristentum. Philosophen und Kirchenv&amp;#228;ter sind wie im Fall Augustinus in einer Person vereint. Den christlichen &amp;#220;berzeugungen kommt in dieser Zeit dabei insbesondere die philosophische Tradition des Platonismus entgegen, welche den Fokus auf das Geistige bzw. Jenseitige lenkt. So wie f&amp;#252;r den wahren Philosophen nicht der konkrete, sich vor einem befindliche Stuhl die eigentliche philosophische Beachtung verdient, sondern nur die metaphysisch verortete Idee des Stuhls bzw. sein Wesen, ist f&amp;#252;r den Christen wahre Erkenntnis nicht abschlie&amp;#223;end in der empirisch zug&amp;#228;nglichen unvollkommenen Wirklichkeit zu suchen: die Suche nach der h&amp;#246;chsten Idee, der Idee des Guten und dem h&amp;#246;chsten Geist l&amp;#228;sst sich bestens mit der Suche nach Gott und dem h&amp;#246;chsten Sein vereinen. Gab es bereits eine gegenseitige Adaption von christlichem Glauben und Philosophie in dieser Zeit, verst&amp;#228;rkte sich die hier schon feststellbare Einengung der Philosophie im weiteren Verlauf noch merklich weiter. W&amp;#228;hrend auf der einen Seite die Kultivierung der Logik und der Glaube an die universelle Anwendbarkeit derselben mit Nachdruck vorangetrieben wurde, glitt auf der anderen Seite die Philosophie mehr und mehr in die Rolle als Magd der Theologie. Diese Entwicklung war nun nicht etwa eine rein von au&amp;#223;en (konkret etwa durch die Kirche) gesteuerte Angelegenheit, sondern hatte durchaus auch Gr&amp;#252;nde in der selbst gew&amp;#228;hlten Zielsetzung und den ver&amp;#228;nderten geopolitischen Machtverh&amp;#228;ltnissen und damit verbunden der (Nicht)Verbreitung gro&amp;#223;er Felder der griechischen Kenntnisse in der lateinisch-christlichen Welt. Eine weitere gegenseitige Adaption von Christentum und Philosophie setzt in den ersten Jahrhunderten des zweiten Jahrtausends mit dem nahezu vollst&amp;#228;ndigen Bekanntwerden des antiken griechischen Wissens auf dem Umweg &amp;#252;ber die islamische Welt ein, insbesondere vorangetrieben von Denkern wie Albertus Magnus und seinem Sch&amp;#252;ler Thomas von Aquin. In der Folgezeit gab es eine &amp;#252;beraus enge Verflechtung zwischen Philosophie (mit stark aristotelischer Pr&amp;#228;gung) und Christentum, die sich auch auf weite Bereiche der damaligen Naturphilosophie und damit naturwissenschaftliche Kenntnis erstreckte.&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;strong&gt;Neue Bl&amp;#252;tezeit und Abspaltung der Einzelwissenschaften&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Im Rahmen und in der Folge der Renaissance und des Humanismus erlebte die Philosophie eine neue Bl&amp;#252;tezeit. Hier ist insbesondere eine neue Subjektbezogenheit (vgl. auch Erkenntniskritik) und damit verbunden die Emanzipation in der Philosophie festzuhalten. &amp;#220;berkommene Strukturen und Grenzen wurden verworfen und vom (abstrakten) Individuum ausgehend in Anlehnung an antikes Wissen neu konzipiert. Mit der Betonung der menschlichen Eigenverantwortung ergeben sich neue Perspektiven und Aufgaben in der Politik bzw. politischen Philosophie. In diese Zeit fallen auch die Entstehung der naturphilosophisch begr&amp;#252;ndeten neuzeitlichen Naturwissenschaften (mit einem neuen Verst&amp;#228;ndnis von Mathematik, Theorie und Empirie) und eine &amp;#8211; damit durchaus zusammenh&amp;#228;ngende &amp;#8211; an vielen Stellen feststellbare ver&amp;#228;nderte Rolle der Religion im Sinne der nat&amp;#252;rlichen und negativen Theologie. In einem weiten Rationalisierungsprozess lieferte die Philosophie entscheidende emanzipatorische Antriebe, welche mit der Betonung von Vernunft, Eigenverantwortlichkeit und Unabh&amp;#228;ngigkeit die Grundlage f&amp;#252;r ein neues Zeitalter schufen. Diese neue Bl&amp;#252;tezeit sollte jedoch auch dazu f&amp;#252;hren, dass die Philosophie nun etliche Aufgabengebiete an neu entstandene Fachdisziplinen abzugeben hatte, durch die wiederum neue Bereiche dem menschlichen Denken zug&amp;#228;nglich gemacht wurden.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Mit Ausnahme der Mathematik (und mit gewissen Abstrichen Theologie) kann grunds&amp;#228;tzlich auf eine eindeutige Entstehung der wissenschaftlichen Teildisziplinen aus der Philosophie verwiesen werden &amp;#8211; &amp;#252;ber gemeinsame bzw. unterschiedliche Anf&amp;#228;nge von Philosophie und Mathematik kann man trefflich streiten. Nachdem es in Folge der Scholastik zur Trennung von Philosophie und Theologie kam, l&amp;#246;sten sich die Naturwissenschaften in der Neuzeit durch immer st&amp;#228;rkere Spezialisierung (auch Aufkommen der Ingenieurswissenschaften) von der Philosophie ab. Ebenso war im weiteren Verlauf die Losl&amp;#246;sung und Begr&amp;#252;ndung der Wirtschafts-, Geistes- und Sozialwissenschaften zu beobachten. Die Abspaltung der Einzelwissenschaften f&amp;#252;hrte zu einer ver&amp;#228;nderten Rolle der Philosophie, die insbesondere durch die Abgabe von Kompetenzen an Einzelwissenschaften charakterisiert war. Vor diesem Hintergrund brauchte die Philosophie Zeit, um sich den neuen Rahmenbedingungen anzupassen. Hier ist auch ein entscheidender Schritt des bis heute nachwirkenden Streits zu verorten, inwiefern die Philosophie sich hinsichtlich Methode und Aufgabe an das Vorbild der Naturwissenschaften angleichen muss, um weiterhin bestehen zu k&amp;#246;nnen. Gerade das naiv-optimistische Naturwissenschaftsbild im 19. Jahrhundert schien nur eine Antwort zu kennen und Philosophie streckenweise &amp;#252;berfl&amp;#252;ssig zu machen &amp;#8211; manch einer glaubte in der Folgezeit gar, Philosophen g&amp;#228;be es gar nicht mehr. Hierzu passt allerdings ein Zitat von Adolf von Harnack: &amp;#8222;Man klagt dar&amp;#252;ber, da&amp;#223; unsere Generation keine Philosophen habe. Mit Unrecht: Die Philosophen sitzen jetzt nur in der anderen Fakult&amp;#228;t, sie hei&amp;#223;en Planck und Einstein.&amp;#8220; &lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;strong&gt;Der Status Quo&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Wenngleich in der folgenden Aufz&amp;#228;hlung nat&amp;#252;rlich oftmals keine scharfen Abgrenzungen m&amp;#246;glich sind und viele der genannten philosophischen Fachdisziplinen wiederum anderen untergeordnet und in andere &amp;#252;berf&amp;#252;hrt werden k&amp;#246;nnen, soll hier &amp;#8211; ausdr&amp;#252;cklich ohne Anspruch auf Vollst&amp;#228;ndigkeit &amp;#8211; ein &amp;#220;berblick &amp;#252;ber das weite Feld der gegenw&amp;#228;rtigen Philosophie geworfen werden: (philosophische) Anthropologie, &amp;#196;sthetik, Computerphilosophie, Erkenntnistheorie, Ethik, Geschichtsphilosophie, Gesellschaftstheorie, Kosmologie, Kulturphilosophie, Logik, Metaphysik, Mystik, Medienphilosophie, Naturphilosophie, Neurophilosophie, Ontologie, Philosophie der Biologie, Philosophie des Geistes, Philosophie der Mathematik, Philosophie der Physik, Philosophiegeschichte, Politische Philosophie, Rechtsphilosophie, Religionsphilosophie, Sprachphilosophie, Technikphilosophie, Wirtschaftsphilosophie, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftsphilosophie, Wissenschaftstheorie.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ohne Notwendigkeit einer singul&amp;#228;ren Verortung in eine der eben genannten Disziplinen gibt es gewisse Grundfragen, die den Menschen und der Philosophie seit mehr als 2000 Jahren erhalten bleiben: Was ist Wirklichkeit? Welche Art Dinge existieren tats&amp;#228;chlich? Was ist die Welt? Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Warum ist &amp;#252;berhaupt etwas? Ebenso gibt es weitere Themenfelder bzw. Fragenkomplexe, die (gerade heute) von gro&amp;#223;er Bedeutung f&amp;#252;r die Philosophie sind &amp;#8211; eine kleine Auswahl daraus ist folgende Darstellung: Determinismus/Vorherbestimmung, Evolution, Freier Wille, Geist, Genforschung, Gerechtigkeit, Mensch-Maschine-Interaktion, Neuroenhancement, Orientierung in der technisch-wissenschaftlichen Welt, Sterbehilfe, Positives Recht und Rechtsempfinden, Technikfolgenabsch&amp;#228;tzung. Bei aller Wertsch&amp;#228;tzung f&amp;#252;r die Philosophie muss jedoch klar gesagt werden, dass praktisch s&amp;#228;mtliche erw&amp;#228;hnten Gebiete und Fragen von der Philosophie nicht mehr im Alleingang bearbeitet werden k&amp;#246;nnen, sondern lediglich im Verbund mit (bzw. unter Kenntnisnahme der Ergebnisse von) anderen Wissenschaften.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;strong&gt;Philosophie als alte/neue Leitwissenschaft?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Die Philosophie war f&amp;#252;r &amp;#252;ber 2000 Jahre (mit gewissen Einschr&amp;#228;nkungen im Mittelalter) Leitwissenschaft, sie spielte ihre ganze &amp;#8222;Macht&amp;#8220; in zwei Aufkl&amp;#228;rungsphasen aus. Dennoch schien sie (von stark wissenschaftsorientierten Str&amp;#246;mungen abgesehen) im 20. Jahrhundert nicht mehr &amp;#252;berall auf der H&amp;#246;he der Zeit. Doch die immer st&amp;#228;rker werdenden Spezialisierungen bef&amp;#246;rderten mit dem Wunsch nach Verst&amp;#228;ndnis, Erkl&amp;#228;rung und Orientierung einen alten Drang des Menschen, den die Philosophie mit ihrer ureigenen Aufgabe und ihrem &amp;#252;ber Jahrtausende gewachsenen Selbstverst&amp;#228;ndnis befriedigen konnte und kann: der antike Charakter des universalen und wahren Wissens betraf das Ganze und das Eine &amp;#8211; und im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Philosophie zum neuen Diskussionsplatz der aktuellen Forschung; in ihr fand und findet das Paradigma der Interdisziplinarit&amp;#228;t wieder seine Entsprechung. Neben den tradierten Aufgaben der Philosophie hat sie heute einen zentralen Auftrag, der da lautet: Orientierung im Dschungel der Einzelwissenschaften. Der Philosophie obliegen die Interpretation und der Blick auf das Ganze &amp;#8211; sie ist die Verbindung mit anderen Einzelwissenschaften. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund, dass sich die Probleme und Aufgaben der modernen Technik-, Wissenschafts- und Gesellschaftsentwicklungen nicht mehr in &amp;#252;berkommene Grenzen fachwissenschaftlicher Disziplinen pressen lassen. Es ist an der Philosophie, die Kl&amp;#228;rung der Begrifflichkeiten und Arbeitsmethoden zu betreiben (auch an dieser Stelle muss noch einmal betont werden, dass all dies zwar im Haus der Philosophie geschieht, dessen Bewohner und G&amp;#228;ste jedoch aus den verschiedensten akademischen Bereichen kommen). Die Philosophie spielt eine elementare Rolle f&amp;#252;r die Orientierung des Menschen, denn sie legt die Strukturen f&amp;#252;r begr&amp;#252;ndetes Wissen frei und verweist dabei mit den Mitteln der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie aber gleichzeitig auf den begrenzten Blick des Menschen auf die Welt. So verstanden bedeutet &amp;#8211; ein Aristoteles w&amp;#252;rde sich ob der Aussage freuen &amp;#8211; Philosophie nichts anderes als den Vollzug der menschlichen Anlage zum vernunftbegabten Wesen.&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/heichele/das-weite-feld-der-philosophie-ursprung&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://heichele.philosophieblog.de/&quot;&gt;Heichele&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Folgender &#220;berblick muss aufgrund seiner K&#252;rze zwangsweise an vielen Stellen sehr selektiv und verallgemeinernd sein.</p><p align="justify">&nbsp;</p><p align="justify"><strong>Anfang und erster H&#246;hepunkt</strong></p><p align="justify">Die Geschichte der (abendl&#228;ndischen) Philosophie beginnt an der Wende vom 7. zum 6. vorchristlichen Jahrhundert mit Thales von Milet. Der Anfang der Philosophie war Proto-Naturwissenschaft, er war Naturphilosophie &#8211; es ging um die Losl&#246;sung von Mythen und die Zuwendung hin zu einer rationalen Welterkl&#228;rung, vorerst v.a. bezogen auf die Natur und das Weltall. Das Paradigma hierbei lautete &#8222;Vom Mythos zum Logos&#8220;. In der Folgezeit versuchten die vorsokratischen Naturphilosophen, allgemeine Ordnungsprinzipien in der Natur aufzusp&#252;ren und die alles bestimmenden Gesetze aufzudecken: Ph&#228;nomene sollten sich nach grundlegenden Prinzipien verhalten und nicht mehr der Beliebigkeit beispielsweise der G&#246;tterwelt ausgesetzt sein. Mit Sokrates (und in gewisser Weise den Sophisten) setzte in der Philosophie ein Wandel ein, der nun das Augenmerk auf den Menschen selbst richtete: was ist das Gute und wie soll man handeln? Ist die Philosophie bei Sokrates nun ein wenig in Richtung Ethik und Moral eingeengt, w&#228;chst sie bei seinem Sch&#252;ler Platon und dessen Sch&#252;ler Aristoteles ein erstes Mal quasi zu der kompletten Bandbreite menschlich-rationalen Denkens an. Egal ob beispielweise Mathematik, Astronomie, Ethik, Ontologie oder Zoologie, politische Theorie, Theologie, Logik oder Kosmologie &#8211; Philosophie repr&#228;sentierte die ganze Weite der Wissenschaft. Dieses Verst&#228;ndnis der Einheit von Philosophie und Wissenschaft sollte im Wesentlichen bis weit in die Neuzeit hinein bestehen bleiben. Philosophie sollte Wahrheit statt Meinung, begr&#252;ndetes Wissen statt reinen Glaubens liefern und damit die rationale Orientierung in der Welt durch theoriengeleitete &#220;berlegungen erm&#246;glichen.</p><p align="justify">&nbsp;</p><p align="justify"><strong>Neue Aufgaben und die verengte Rolle der Philosophie</strong></p><p align="justify">Mit dem Aufkommen des Christentums und in der Folge des (Neu-) Platonismus erfuhr die Philosophie eine neue Aufgabenstellung. Philosophie diente nun &#8211; insbesondere in der wirkm&#228;chtigen neuplatonischen Tradition &#8211; als Begr&#252;ndungsinstanz f&#252;r das Fr&#252;hchristentum. Philosophen und Kirchenv&#228;ter sind wie im Fall Augustinus in einer Person vereint. Den christlichen &#220;berzeugungen kommt in dieser Zeit dabei insbesondere die philosophische Tradition des Platonismus entgegen, welche den Fokus auf das Geistige bzw. Jenseitige lenkt. So wie f&#252;r den wahren Philosophen nicht der konkrete, sich vor einem befindliche Stuhl die eigentliche philosophische Beachtung verdient, sondern nur die metaphysisch verortete Idee des Stuhls bzw. sein Wesen, ist f&#252;r den Christen wahre Erkenntnis nicht abschlie&#223;end in der empirisch zug&#228;nglichen unvollkommenen Wirklichkeit zu suchen: die Suche nach der h&#246;chsten Idee, der Idee des Guten und dem h&#246;chsten Geist l&#228;sst sich bestens mit der Suche nach Gott und dem h&#246;chsten Sein vereinen. Gab es bereits eine gegenseitige Adaption von christlichem Glauben und Philosophie in dieser Zeit, verst&#228;rkte sich die hier schon feststellbare Einengung der Philosophie im weiteren Verlauf noch merklich weiter. W&#228;hrend auf der einen Seite die Kultivierung der Logik und der Glaube an die universelle Anwendbarkeit derselben mit Nachdruck vorangetrieben wurde, glitt auf der anderen Seite die Philosophie mehr und mehr in die Rolle als Magd der Theologie. Diese Entwicklung war nun nicht etwa eine rein von au&#223;en (konkret etwa durch die Kirche) gesteuerte Angelegenheit, sondern hatte durchaus auch Gr&#252;nde in der selbst gew&#228;hlten Zielsetzung und den ver&#228;nderten geopolitischen Machtverh&#228;ltnissen und damit verbunden der (Nicht)Verbreitung gro&#223;er Felder der griechischen Kenntnisse in der lateinisch-christlichen Welt. Eine weitere gegenseitige Adaption von Christentum und Philosophie setzt in den ersten Jahrhunderten des zweiten Jahrtausends mit dem nahezu vollst&#228;ndigen Bekanntwerden des antiken griechischen Wissens auf dem Umweg &#252;ber die islamische Welt ein, insbesondere vorangetrieben von Denkern wie Albertus Magnus und seinem Sch&#252;ler Thomas von Aquin. In der Folgezeit gab es eine &#252;beraus enge Verflechtung zwischen Philosophie (mit stark aristotelischer Pr&#228;gung) und Christentum, die sich auch auf weite Bereiche der damaligen Naturphilosophie und damit naturwissenschaftliche Kenntnis erstreckte.&#160;&#160;&#160;&#160;</p><p align="justify">&nbsp;</p><p align="justify"><strong>Neue Bl&#252;tezeit und Abspaltung der Einzelwissenschaften</strong></p><p align="justify">Im Rahmen und in der Folge der Renaissance und des Humanismus erlebte die Philosophie eine neue Bl&#252;tezeit. Hier ist insbesondere eine neue Subjektbezogenheit (vgl. auch Erkenntniskritik) und damit verbunden die Emanzipation in der Philosophie festzuhalten. &#220;berkommene Strukturen und Grenzen wurden verworfen und vom (abstrakten) Individuum ausgehend in Anlehnung an antikes Wissen neu konzipiert. Mit der Betonung der menschlichen Eigenverantwortung ergeben sich neue Perspektiven und Aufgaben in der Politik bzw. politischen Philosophie. In diese Zeit fallen auch die Entstehung der naturphilosophisch begr&#252;ndeten neuzeitlichen Naturwissenschaften (mit einem neuen Verst&#228;ndnis von Mathematik, Theorie und Empirie) und eine &#8211; damit durchaus zusammenh&#228;ngende &#8211; an vielen Stellen feststellbare ver&#228;nderte Rolle der Religion im Sinne der nat&#252;rlichen und negativen Theologie. In einem weiten Rationalisierungsprozess lieferte die Philosophie entscheidende emanzipatorische Antriebe, welche mit der Betonung von Vernunft, Eigenverantwortlichkeit und Unabh&#228;ngigkeit die Grundlage f&#252;r ein neues Zeitalter schufen. Diese neue Bl&#252;tezeit sollte jedoch auch dazu f&#252;hren, dass die Philosophie nun etliche Aufgabengebiete an neu entstandene Fachdisziplinen abzugeben hatte, durch die wiederum neue Bereiche dem menschlichen Denken zug&#228;nglich gemacht wurden.</p><p align="justify">Mit Ausnahme der Mathematik (und mit gewissen Abstrichen Theologie) kann grunds&#228;tzlich auf eine eindeutige Entstehung der wissenschaftlichen Teildisziplinen aus der Philosophie verwiesen werden &#8211; &#252;ber gemeinsame bzw. unterschiedliche Anf&#228;nge von Philosophie und Mathematik kann man trefflich streiten. Nachdem es in Folge der Scholastik zur Trennung von Philosophie und Theologie kam, l&#246;sten sich die Naturwissenschaften in der Neuzeit durch immer st&#228;rkere Spezialisierung (auch Aufkommen der Ingenieurswissenschaften) von der Philosophie ab. Ebenso war im weiteren Verlauf die Losl&#246;sung und Begr&#252;ndung der Wirtschafts-, Geistes- und Sozialwissenschaften zu beobachten. Die Abspaltung der Einzelwissenschaften f&#252;hrte zu einer ver&#228;nderten Rolle der Philosophie, die insbesondere durch die Abgabe von Kompetenzen an Einzelwissenschaften charakterisiert war. Vor diesem Hintergrund brauchte die Philosophie Zeit, um sich den neuen Rahmenbedingungen anzupassen. Hier ist auch ein entscheidender Schritt des bis heute nachwirkenden Streits zu verorten, inwiefern die Philosophie sich hinsichtlich Methode und Aufgabe an das Vorbild der Naturwissenschaften angleichen muss, um weiterhin bestehen zu k&#246;nnen. Gerade das naiv-optimistische Naturwissenschaftsbild im 19. Jahrhundert schien nur eine Antwort zu kennen und Philosophie streckenweise &#252;berfl&#252;ssig zu machen &#8211; manch einer glaubte in der Folgezeit gar, Philosophen g&#228;be es gar nicht mehr. Hierzu passt allerdings ein Zitat von Adolf von Harnack: &#8222;Man klagt dar&#252;ber, da&#223; unsere Generation keine Philosophen habe. Mit Unrecht: Die Philosophen sitzen jetzt nur in der anderen Fakult&#228;t, sie hei&#223;en Planck und Einstein.&#8220; </p><p align="justify">&nbsp;</p><p align="justify"><strong>Der Status Quo</strong></p><p align="justify">Wenngleich in der folgenden Aufz&#228;hlung nat&#252;rlich oftmals keine scharfen Abgrenzungen m&#246;glich sind und viele der genannten philosophischen Fachdisziplinen wiederum anderen untergeordnet und in andere &#252;berf&#252;hrt werden k&#246;nnen, soll hier &#8211; ausdr&#252;cklich ohne Anspruch auf Vollst&#228;ndigkeit &#8211; ein &#220;berblick &#252;ber das weite Feld der gegenw&#228;rtigen Philosophie geworfen werden: (philosophische) Anthropologie, &#196;sthetik, Computerphilosophie, Erkenntnistheorie, Ethik, Geschichtsphilosophie, Gesellschaftstheorie, Kosmologie, Kulturphilosophie, Logik, Metaphysik, Mystik, Medienphilosophie, Naturphilosophie, Neurophilosophie, Ontologie, Philosophie der Biologie, Philosophie des Geistes, Philosophie der Mathematik, Philosophie der Physik, Philosophiegeschichte, Politische Philosophie, Rechtsphilosophie, Religionsphilosophie, Sprachphilosophie, Technikphilosophie, Wirtschaftsphilosophie, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftsphilosophie, Wissenschaftstheorie.</p><p align="justify">Ohne Notwendigkeit einer singul&#228;ren Verortung in eine der eben genannten Disziplinen gibt es gewisse Grundfragen, die den Menschen und der Philosophie seit mehr als 2000 Jahren erhalten bleiben: Was ist Wirklichkeit? Welche Art Dinge existieren tats&#228;chlich? Was ist die Welt? Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Warum ist &#252;berhaupt etwas? Ebenso gibt es weitere Themenfelder bzw. Fragenkomplexe, die (gerade heute) von gro&#223;er Bedeutung f&#252;r die Philosophie sind &#8211; eine kleine Auswahl daraus ist folgende Darstellung: Determinismus/Vorherbestimmung, Evolution, Freier Wille, Geist, Genforschung, Gerechtigkeit, Mensch-Maschine-Interaktion, Neuroenhancement, Orientierung in der technisch-wissenschaftlichen Welt, Sterbehilfe, Positives Recht und Rechtsempfinden, Technikfolgenabsch&#228;tzung. Bei aller Wertsch&#228;tzung f&#252;r die Philosophie muss jedoch klar gesagt werden, dass praktisch s&#228;mtliche erw&#228;hnten Gebiete und Fragen von der Philosophie nicht mehr im Alleingang bearbeitet werden k&#246;nnen, sondern lediglich im Verbund mit (bzw. unter Kenntnisnahme der Ergebnisse von) anderen Wissenschaften.</p><p align="justify">&nbsp;</p><p align="justify"><strong>Philosophie als alte/neue Leitwissenschaft?</strong></p><p align="justify">Die Philosophie war f&#252;r &#252;ber 2000 Jahre (mit gewissen Einschr&#228;nkungen im Mittelalter) Leitwissenschaft, sie spielte ihre ganze &#8222;Macht&#8220; in zwei Aufkl&#228;rungsphasen aus. Dennoch schien sie (von stark wissenschaftsorientierten Str&#246;mungen abgesehen) im 20. Jahrhundert nicht mehr &#252;berall auf der H&#246;he der Zeit. Doch die immer st&#228;rker werdenden Spezialisierungen bef&#246;rderten mit dem Wunsch nach Verst&#228;ndnis, Erkl&#228;rung und Orientierung einen alten Drang des Menschen, den die Philosophie mit ihrer ureigenen Aufgabe und ihrem &#252;ber Jahrtausende gewachsenen Selbstverst&#228;ndnis befriedigen konnte und kann: der antike Charakter des universalen und wahren Wissens betraf das Ganze und das Eine &#8211; und im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Philosophie zum neuen Diskussionsplatz der aktuellen Forschung; in ihr fand und findet das Paradigma der Interdisziplinarit&#228;t wieder seine Entsprechung. Neben den tradierten Aufgaben der Philosophie hat sie heute einen zentralen Auftrag, der da lautet: Orientierung im Dschungel der Einzelwissenschaften. Der Philosophie obliegen die Interpretation und der Blick auf das Ganze &#8211; sie ist die Verbindung mit anderen Einzelwissenschaften. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund, dass sich die Probleme und Aufgaben der modernen Technik-, Wissenschafts- und Gesellschaftsentwicklungen nicht mehr in &#252;berkommene Grenzen fachwissenschaftlicher Disziplinen pressen lassen. Es ist an der Philosophie, die Kl&#228;rung der Begrifflichkeiten und Arbeitsmethoden zu betreiben (auch an dieser Stelle muss noch einmal betont werden, dass all dies zwar im Haus der Philosophie geschieht, dessen Bewohner und G&#228;ste jedoch aus den verschiedensten akademischen Bereichen kommen). Die Philosophie spielt eine elementare Rolle f&#252;r die Orientierung des Menschen, denn sie legt die Strukturen f&#252;r begr&#252;ndetes Wissen frei und verweist dabei mit den Mitteln der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie aber gleichzeitig auf den begrenzten Blick des Menschen auf die Welt. So verstanden bedeutet &#8211; ein Aristoteles w&#252;rde sich ob der Aussage freuen &#8211; Philosophie nichts anderes als den Vollzug der menschlichen Anlage zum vernunftbegabten Wesen.</p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/heichele/das-weite-feld-der-philosophie-ursprung">Original post</a> blogged on <a href="http://heichele.philosophieblog.de/">Heichele</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
								<comments>http://philosophieblog.de/heichele/das-weite-feld-der-philosophie-ursprung#comments</comments>
		</item>
				<item>
			<title>UNESCO Welttag der Philosophie</title>
			<link>http://philosophieblog.de/heichele/unesco-welttag-der-philosophie</link>
			<pubDate>Sat, 07 Nov 2009 12:49:53 +0000</pubDate>			<dc:creator>heichele</dc:creator>
			<category domain="main">heichele</category>			<guid isPermaLink="false">570@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Am 19. November wird der &lt;a href=&quot;http://www.unesco.de/tag_der_philosophie.html?&amp;amp;L=0&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;UNESCO Welttag der Philosophie&lt;/a&gt; 2009 gefeiert &amp;#8211; und das ist auch gut so! Seit 2005 hat die Philosophie, durch die UNESCO-Generalkonferenz offiziell best&amp;#228;tigt,&amp;#160; einen eigenen UNESCO Welttag, an dem das Fach in seiner ganzen Breite der &amp;#214;ffentlichkeit (insbesondere jungen Menschen) n&amp;#228;her gebracht und Begeisterung f&amp;#252;r die Philosophie geweckt werden soll. Dies geschieht insbesondere vor dem Hintergrund, &amp;#8222;dass Philosophie als Disziplin zum kritischen und unabh&amp;#228;ngigen Denken ermutigt und auf ein besseres Verst&amp;#228;ndnis der Welt hinwirken und Toleranz und Frieden f&amp;#246;rdern kann&amp;quot;. Um nun ein wenig Werbung f&amp;#252;r die Philosophie an sich und den Welttag konkret zu machen, gibt es heute - quasi als Ank&amp;#252;ndigung - mal wieder ein paar Zeilen von mir.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Im &amp;#220;brigen werde ich, was den Welttag selbst anbelangt, mit &lt;a href=&quot;http://www.unesco.de/tag_der_philosophie_2009.html?&amp;amp;L=0&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;zwei UNESCO-Veranstaltungen&lt;/a&gt; versuchen, die Philosophie nach &amp;#8222;au&amp;#223;en&amp;#8220; zu tragen: am 19.11. werde ich im Rahmen mehrerer Workshopangebote der Uni Augsburg am Holbein-Gymnasium in Augsburg f&amp;#252;r Kollegiaten einen Workshop zum Thema Willensfreiheit abhalten und am 20.11. an der Volkshochschule Kempten einen Workshop zur Frage, was &amp;#252;berhaupt Philosophie ist.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ein kleiner Text von mir zum Ursprung und den Aufgaben der Philosophie anl&amp;#228;sslich des UNESCO Welttages findet sich &lt;a href=&quot;/heichele/das-weite-feld-der-philosophie-ursprung&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/heichele/unesco-welttag-der-philosophie&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://heichele.philosophieblog.de/&quot;&gt;Heichele&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Am 19. November wird der <a href="http://www.unesco.de/tag_der_philosophie.html?&amp;L=0" target="_blank">UNESCO Welttag der Philosophie</a> 2009 gefeiert &#8211; und das ist auch gut so! Seit 2005 hat die Philosophie, durch die UNESCO-Generalkonferenz offiziell best&#228;tigt,&#160; einen eigenen UNESCO Welttag, an dem das Fach in seiner ganzen Breite der &#214;ffentlichkeit (insbesondere jungen Menschen) n&#228;her gebracht und Begeisterung f&#252;r die Philosophie geweckt werden soll. Dies geschieht insbesondere vor dem Hintergrund, &#8222;dass Philosophie als Disziplin zum kritischen und unabh&#228;ngigen Denken ermutigt und auf ein besseres Verst&#228;ndnis der Welt hinwirken und Toleranz und Frieden f&#246;rdern kann&quot;. Um nun ein wenig Werbung f&#252;r die Philosophie an sich und den Welttag konkret zu machen, gibt es heute - quasi als Ank&#252;ndigung - mal wieder ein paar Zeilen von mir.</p><p align="justify">Im &#220;brigen werde ich, was den Welttag selbst anbelangt, mit <a href="http://www.unesco.de/tag_der_philosophie_2009.html?&amp;L=0" target="_blank">zwei UNESCO-Veranstaltungen</a> versuchen, die Philosophie nach &#8222;au&#223;en&#8220; zu tragen: am 19.11. werde ich im Rahmen mehrerer Workshopangebote der Uni Augsburg am Holbein-Gymnasium in Augsburg f&#252;r Kollegiaten einen Workshop zum Thema Willensfreiheit abhalten und am 20.11. an der Volkshochschule Kempten einen Workshop zur Frage, was &#252;berhaupt Philosophie ist.</p><p align="justify">Ein kleiner Text von mir zum Ursprung und den Aufgaben der Philosophie anl&#228;sslich des UNESCO Welttages findet sich <a href="http://philosophieblog.de/heichele/das-weite-feld-der-philosophie-ursprung" target="_blank">hier</a>.</p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/heichele/unesco-welttag-der-philosophie">Original post</a> blogged on <a href="http://heichele.philosophieblog.de/">Heichele</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
								<comments>http://philosophieblog.de/heichele/unesco-welttag-der-philosophie#comments</comments>
		</item>
				<item>
			<title>Kreationisten...</title>
			<link>http://philosophieblog.de/heichele/kreationisten</link>
			<pubDate>Thu, 15 Oct 2009 08:48:53 +0000</pubDate>			<dc:creator>heichele</dc:creator>
			<category domain="main">heichele</category>			<guid isPermaLink="false">558@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 10pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot; align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Calibri&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Ich bin leider gerade sehr stark mit Arbeit eingedeckt und komme deswegen in letzter Zeit nicht dazu, hier neue Artikel einzustellen. In diesem Fall aber gen&amp;#252;gt ein kleiner Hinweis und jeder kann sich selbst ein Bild von den&amp;#160;l&amp;#228;cherlichen Versuchen, Wissenschaft zu diskreditieren, machen. &amp;#220;ber &lt;a href=&quot;http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/10/kreationismuskampagne-95-thesen-gegen-evolution-und-wissenschaft.php&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Florians Blog&lt;/a&gt; bin ich auf eine &lt;a href=&quot;http://www.0095.info/de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Kreationismus-Kampagne&lt;/a&gt; gesto&amp;#223;en, die in n&amp;#228;chster Zeit in Anlehung an Luthers Thesen mit merkw&amp;#252;rdigen Ver&amp;#246;ffentlichungen und Aktionen Stimmung gegen Evolution in Kosmologie und Biologie machen m&amp;#246;chte.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 11pt; line-height: 115%; font-family: 'Calibri','sans-serif'&quot;&gt;Ach ja, nur so am Rande: ich bin weder ein naiv-reduktionistischer Materialist noch ein Kirchen-/Religionshasser (man mag es kaum glauben, ich habe sogar kath. Theologie als Nebenfach studiert)&amp;#8230; Aber solch fundamentalistische Positionen sind einfach nicht hinnehmbar.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/heichele/kreationisten&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://heichele.philosophieblog.de/&quot;&gt;Heichele&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin: 0cm 0cm 10pt" class="MsoNormal" align="justify"><font face="Calibri" size="3">Ich bin leider gerade sehr stark mit Arbeit eingedeckt und komme deswegen in letzter Zeit nicht dazu, hier neue Artikel einzustellen. In diesem Fall aber gen&#252;gt ein kleiner Hinweis und jeder kann sich selbst ein Bild von den&#160;l&#228;cherlichen Versuchen, Wissenschaft zu diskreditieren, machen. &#220;ber <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/10/kreationismuskampagne-95-thesen-gegen-evolution-und-wissenschaft.php" target="_blank">Florians Blog</a> bin ich auf eine <a href="http://www.0095.info/de/" target="_blank">Kreationismus-Kampagne</a> gesto&#223;en, die in n&#228;chster Zeit in Anlehung an Luthers Thesen mit merkw&#252;rdigen Ver&#246;ffentlichungen und Aktionen Stimmung gegen Evolution in Kosmologie und Biologie machen m&#246;chte.</font></p><p align="justify"><span style="font-size: 11pt; line-height: 115%; font-family: 'Calibri','sans-serif'">Ach ja, nur so am Rande: ich bin weder ein naiv-reduktionistischer Materialist noch ein Kirchen-/Religionshasser (man mag es kaum glauben, ich habe sogar kath. Theologie als Nebenfach studiert)&#8230; Aber solch fundamentalistische Positionen sind einfach nicht hinnehmbar.</span></p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/heichele/kreationisten">Original post</a> blogged on <a href="http://heichele.philosophieblog.de/">Heichele</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
								<comments>http://philosophieblog.de/heichele/kreationisten#comments</comments>
		</item>
				<item>
			<title>Faszination Universum &#8211; Faszination M&#228;rchen: warum macht Harald Lesch so einen Unfug mit?</title>
			<link>http://philosophieblog.de/heichele/faszination-universum-faszination-maerch</link>
			<pubDate>Sun, 03 May 2009 19:21:11 +0000</pubDate>			<dc:creator>heichele</dc:creator>
			<category domain="main">heichele</category>			<guid isPermaLink="false">516@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&amp;#8222;Leider&amp;#8220; habe ich vorhin nur einen kleinen Ausschnitt aus der ZDF-Sendung &amp;#8222;Faszination Universum&amp;#8220; mit &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Lesch&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Harald Lesch&lt;/a&gt; gesehen: das Thema lautete &amp;#8222;Das neue Bild des Kosmos. Von Tycho Brahe zu Galileo Galilei&amp;#8220;. Was ich in den f&amp;#252;nf Minuten zu sehen bekam, hatte allerdings mit der historischen Wahrheit nicht viel zu tun. Was macht man in solchen F&amp;#228;llen? Nachschauen, ob zuf&amp;#228;lligerweise auf der Homepage des Senders etwas zu der Sendung steht. Und siehe da: &lt;a href=&quot;http://terra-x.zdf.de/ZDFde/inhalt/18/0,1872,7560274,00.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;auch dort findet sich der Unfug&lt;/a&gt;&amp;#8230;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Nachdem ich zu Galilei und dem ganzen Umfeld seiner Verurteilung &lt;a href=&quot;/heichele/der-fall-galilei-galileis-schicksal-wiss&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;bereits&lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;/heichele/zum-internationalen-astronomiejahr-2009&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;etliches&lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;/heichele/title_10&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;geschrieben&lt;/a&gt; habe, werde ich hier auf eine ausf&amp;#252;hrliche Widerlegung der nur exemplarisch angef&amp;#252;hrten ZDF-Zitate (es gibt noch mehr Bl&amp;#246;dsinn als die unten stehenden Aussagen, aber zu viel Zeit m&amp;#246;chte ich f&amp;#252;r die 1000. Klarstellung auch nicht aufbringen) verzichten und das Ganze nur stichpunktartig abhandeln.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;em&gt;&amp;#8222;Die Wissenschaften unterstanden dem Einfluss der Kirche, sie bestimmte, was richtig und was falsch war. Das &amp;#228;nderte sich, als man Ph&amp;#228;nomene am Himmel entdeckte, die sich nicht in die bisherigen Erkl&amp;#228;rungsmodelle einf&amp;#252;gten und ein v&amp;#246;llig neues Weltbild erforderlich machten. Bis ins 16. Jahrhundert hinein unterlag das Weltbild der Deutungshohheit der Kirche: Die Erde ist das Zentrum des Kosmos, der Mensch steht im Mittelpunkt des Universums. Wer an den vermeintlich ewigen Wahrheiten r&amp;#252;ttelte und eine Theoriebildung auf Basis von genauen Beobachtungen und Berechnungen anstrebte, sah sich schnell im Konflikt mit dem Vatikan.&amp;#8220;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Einseitiger geht es kaum... Die Wissenschaften &lt;a href=&quot;/heichele/die_entstehung_der_neuzeitlichen_naturwi_1&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;unterstanden AUCH dem Einfluss der Kirche&lt;/a&gt;: zu dieser Zeit war die etablierte Wissenschaft &lt;a href=&quot;/heichele/die_entstehung_der_neuzeitlichen_naturwi_2&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;auf der gleichen Seite wie die Kirche&lt;/a&gt; und jeder Angriff auf das tradierte Weltbild war ein &lt;a href=&quot;http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2009/04/wissenschaft-und-dogmatik.php&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Angriff auf Kirche UND Wissenschaft&lt;/a&gt;. Die ersten Angriffe gegen Galilei z.B. kamen von seinen Fachkollegen, nicht aus der Kirche.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;&lt;em&gt;&amp;#8222;An seinem ber&amp;#252;hmten Hauptwerk, dem &amp;quot;Dialog &amp;#252;ber die zwei wichtigsten Weltsysteme&amp;quot;, schrieb Galilei 20 Jahre. Darin tr&amp;#228;gt er seine Argumente f&amp;#252;r das heliozentrische Weltbild geschickt in Form fiktiver Gespr&amp;#228;chsinhalte vor. Rom entging die Ver&amp;#246;ffentlichung dieses Werkes nicht, denn Galileo war einer der bedeutensten Gelehrten seiner Zeit. Eine p&amp;#228;pstliche Kommission analysierte Galileis Werk, bald nachdem es in Florenz gedruckt worden war - und emp&amp;#246;rte sich. Die Haltung eines so angesehenen Mannes wie Galilei konnte man nicht ignorieren. So wurde der mit 68 Jahren alte und gebrechliche Wissenschaftler vor die Inquisition zitiert und dazu gezwungen, seinen Theorien abzuschw&amp;#246;ren. Doch dieser Triumph des Klerus war von kurzer Dauer. Der aus Sicht der Kirche ungeheuerliche Gedanke, dass statt der Erde die Sonne im Zentrum des damals bekannten Unversums steht und die Planeten um die Sonne kreisen - dies war von nun an nicht mehr eine ketzerische Idee, sonderen eine wissenschaftlich belegte Theorie.&amp;#8220;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Warum sich die Kirche emp&amp;#246;rte, war nicht einfach der oben erw&amp;#228;hnte Grund (was die Emp&amp;#246;rung nat&amp;#252;rlich nicht viel besser macht): es ging unter anderem um die (vermeintliche) Widersetzung gegen einen pers&amp;#246;nlichen p&amp;#228;pstlichen Befehl, pers&amp;#246;nliche Beleidigungen und die fragw&amp;#252;rdige Erlangung der Druckerlaubnis. Zudem, noch einmal f&amp;#252;r alle zum mitschreiben: mindestens genauso emp&amp;#246;rt wie die Kirche waren Galileis Kollegen aus Philosophie und Physik, also der Wissenschaft. Des Weiteren war der Heliozentrismus von nun an keine &amp;#8222;wissenschaftlich belegte Theorie&amp;#8220;, sondern z.B. mit Brahes Kompromiss eine Alternative zum widerlegten Geozentrismus: wenngleich Galilei das aristotelisch-ptolem&amp;#228;ische Weltbild (der Kirche UND Wissenschaft) wiederlegen konnte, hatte er keinen Beweis f&amp;#252;r den Heliozentrismus &amp;#8211; nur Indizien.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Ich habe selten so etwas Dummes im ZDF gesehen (gelesen). Eine derma&amp;#223;en billige und polemische &amp;#8222;Wissenschaftssendung&amp;#8220; sollte eigentlich unter dem Niveau des ZDF sein. Und warum Harald Lesch das mitmacht, ist mir auch schleierhaft. F&amp;#252;r gew&amp;#246;hnlich &amp;#8211; was er in den verschiedensten Sendungen und auch &amp;#8222;live&amp;#8220; pr&amp;#228;sentiert &amp;#8211; ist er ja sowohl ein redlicher Wissenschaftler als auch (neben den unbestrittenen konkret-fachlichen Qualifikationen und seinen Unterhaltungsqualit&amp;#228;ten) ein guter Kenner der Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte.&lt;/p&gt;&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Bildungsfernsehen zum Internationalen Jahr der Astronomie ist ja etwas sch&amp;#246;nes, aber dann doch bitte unter Ber&amp;#252;cksichtigung des Wortes &amp;#8222;Bildung&amp;#8220;. Eine derart primitive Meinungsmache gegen die Kirche ist einfach widerlich. Die Kirche hat mit Sicherheit genug Fehler in ihrer Geschichte gemacht - sowohl in ihrem Verhalten Galilei gegen&amp;#252;ber als auch gegen&amp;#252;ber der Wissenschaft/Philosophie im Allgemeinen: wenn man nun kritisieren m&amp;#246;chte, sollte man dann aber auch an den richtigen Stellen bohren und sich nicht einem breitgetretenen M&amp;#228;rchen anschlie&amp;#223;en. Fehlt nur noch, dass behauptet wird, Galilei sei auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, weil er die kirchliche Lehre der Erdscheibe zur&amp;#252;ckgewiesen h&amp;#228;tte&amp;#8230;&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/heichele/faszination-universum-faszination-maerch&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://heichele.philosophieblog.de/&quot;&gt;Heichele&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">&#8222;Leider&#8220; habe ich vorhin nur einen kleinen Ausschnitt aus der ZDF-Sendung &#8222;Faszination Universum&#8220; mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Lesch" target="_blank">Harald Lesch</a> gesehen: das Thema lautete &#8222;Das neue Bild des Kosmos. Von Tycho Brahe zu Galileo Galilei&#8220;. Was ich in den f&#252;nf Minuten zu sehen bekam, hatte allerdings mit der historischen Wahrheit nicht viel zu tun. Was macht man in solchen F&#228;llen? Nachschauen, ob zuf&#228;lligerweise auf der Homepage des Senders etwas zu der Sendung steht. Und siehe da: <a href="http://terra-x.zdf.de/ZDFde/inhalt/18/0,1872,7560274,00.html" target="_blank">auch dort findet sich der Unfug</a>&#8230;</p><p align="justify">Nachdem ich zu Galilei und dem ganzen Umfeld seiner Verurteilung <a href="http://philosophieblog.de/heichele/der-fall-galilei-galileis-schicksal-wiss" target="_blank">bereits</a> <a href="http://philosophieblog.de/heichele/zum-internationalen-astronomiejahr-2009" target="_blank">etliches</a> <a href="http://philosophieblog.de/heichele/title_10" target="_blank">geschrieben</a> habe, werde ich hier auf eine ausf&#252;hrliche Widerlegung der nur exemplarisch angef&#252;hrten ZDF-Zitate (es gibt noch mehr Bl&#246;dsinn als die unten stehenden Aussagen, aber zu viel Zeit m&#246;chte ich f&#252;r die 1000. Klarstellung auch nicht aufbringen) verzichten und das Ganze nur stichpunktartig abhandeln.</p><p align="justify"><em>&#8222;Die Wissenschaften unterstanden dem Einfluss der Kirche, sie bestimmte, was richtig und was falsch war. Das &#228;nderte sich, als man Ph&#228;nomene am Himmel entdeckte, die sich nicht in die bisherigen Erkl&#228;rungsmodelle einf&#252;gten und ein v&#246;llig neues Weltbild erforderlich machten. Bis ins 16. Jahrhundert hinein unterlag das Weltbild der Deutungshohheit der Kirche: Die Erde ist das Zentrum des Kosmos, der Mensch steht im Mittelpunkt des Universums. Wer an den vermeintlich ewigen Wahrheiten r&#252;ttelte und eine Theoriebildung auf Basis von genauen Beobachtungen und Berechnungen anstrebte, sah sich schnell im Konflikt mit dem Vatikan.&#8220;</em></p><p align="justify">Einseitiger geht es kaum... Die Wissenschaften <a href="http://philosophieblog.de/heichele/die_entstehung_der_neuzeitlichen_naturwi_1" target="_blank">unterstanden AUCH dem Einfluss der Kirche</a>: zu dieser Zeit war die etablierte Wissenschaft <a href="http://philosophieblog.de/heichele/die_entstehung_der_neuzeitlichen_naturwi_2" target="_blank">auf der gleichen Seite wie die Kirche</a> und jeder Angriff auf das tradierte Weltbild war ein <a href="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2009/04/wissenschaft-und-dogmatik.php" target="_blank">Angriff auf Kirche UND Wissenschaft</a>. Die ersten Angriffe gegen Galilei z.B. kamen von seinen Fachkollegen, nicht aus der Kirche.</p><p align="justify"><em>&#8222;An seinem ber&#252;hmten Hauptwerk, dem &quot;Dialog &#252;ber die zwei wichtigsten Weltsysteme&quot;, schrieb Galilei 20 Jahre. Darin tr&#228;gt er seine Argumente f&#252;r das heliozentrische Weltbild geschickt in Form fiktiver Gespr&#228;chsinhalte vor. Rom entging die Ver&#246;ffentlichung dieses Werkes nicht, denn Galileo war einer der bedeutensten Gelehrten seiner Zeit. Eine p&#228;pstliche Kommission analysierte Galileis Werk, bald nachdem es in Florenz gedruckt worden war - und emp&#246;rte sich. Die Haltung eines so angesehenen Mannes wie Galilei konnte man nicht ignorieren. So wurde der mit 68 Jahren alte und gebrechliche Wissenschaftler vor die Inquisition zitiert und dazu gezwungen, seinen Theorien abzuschw&#246;ren. Doch dieser Triumph des Klerus war von kurzer Dauer. Der aus Sicht der Kirche ungeheuerliche Gedanke, dass statt der Erde die Sonne im Zentrum des damals bekannten Unversums steht und die Planeten um die Sonne kreisen - dies war von nun an nicht mehr eine ketzerische Idee, sonderen eine wissenschaftlich belegte Theorie.&#8220;</em></p><p align="justify">Warum sich die Kirche emp&#246;rte, war nicht einfach der oben erw&#228;hnte Grund (was die Emp&#246;rung nat&#252;rlich nicht viel besser macht): es ging unter anderem um die (vermeintliche) Widersetzung gegen einen pers&#246;nlichen p&#228;pstlichen Befehl, pers&#246;nliche Beleidigungen und die fragw&#252;rdige Erlangung der Druckerlaubnis. Zudem, noch einmal f&#252;r alle zum mitschreiben: mindestens genauso emp&#246;rt wie die Kirche waren Galileis Kollegen aus Philosophie und Physik, also der Wissenschaft. Des Weiteren war der Heliozentrismus von nun an keine &#8222;wissenschaftlich belegte Theorie&#8220;, sondern z.B. mit Brahes Kompromiss eine Alternative zum widerlegten Geozentrismus: wenngleich Galilei das aristotelisch-ptolem&#228;ische Weltbild (der Kirche UND Wissenschaft) wiederlegen konnte, hatte er keinen Beweis f&#252;r den Heliozentrismus &#8211; nur Indizien.</p><p align="justify">Ich habe selten so etwas Dummes im ZDF gesehen (gelesen). Eine derma&#223;en billige und polemische &#8222;Wissenschaftssendung&#8220; sollte eigentlich unter dem Niveau des ZDF sein. Und warum Harald Lesch das mitmacht, ist mir auch schleierhaft. F&#252;r gew&#246;hnlich &#8211; was er in den verschiedensten Sendungen und auch &#8222;live&#8220; pr&#228;sentiert &#8211; ist er ja sowohl ein redlicher Wissenschaftler als auch (neben den unbestrittenen konkret-fachlichen Qualifikationen und seinen Unterhaltungsqualit&#228;ten) ein guter Kenner der Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte.</p><p align="justify">Bildungsfernsehen zum Internationalen Jahr der Astronomie ist ja etwas sch&#246;nes, aber dann doch bitte unter Ber&#252;cksichtigung des Wortes &#8222;Bildung&#8220;. Eine derart primitive Meinungsmache gegen die Kirche ist einfach widerlich. Die Kirche hat mit Sicherheit genug Fehler in ihrer Geschichte gemacht - sowohl in ihrem Verhalten Galilei gegen&#252;ber als auch gegen&#252;ber der Wissenschaft/Philosophie im Allgemeinen: wenn man nun kritisieren m&#246;chte, sollte man dann aber auch an den richtigen Stellen bohren und sich nicht einem breitgetretenen M&#228;rchen anschlie&#223;en. Fehlt nur noch, dass behauptet wird, Galilei sei auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, weil er die kirchliche Lehre der Erdscheibe zur&#252;ckgewiesen h&#228;tte&#8230;</p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/heichele/faszination-universum-faszination-maerch">Original post</a> blogged on <a href="http://heichele.philosophieblog.de/">Heichele</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
								<comments>http://philosophieblog.de/heichele/faszination-universum-faszination-maerch#comments</comments>
		</item>
				<item>
			<title>Wissenschaft und Dogmatik</title>
			<link>http://philosophieblog.de/heichele/wissenschaft-und-dogmatik</link>
			<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 10:29:48 +0000</pubDate>			<dc:creator>heichele</dc:creator>
			<category domain="main">heichele</category>			<guid isPermaLink="false">491@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p align=&quot;justify&quot;&gt;Meinen aktuellen Beitrag &lt;a href=&quot;http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2009/04/wissenschaft-und-dogmatik.php&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&amp;quot;Wissenschaft und Dogmatik&amp;quot;&lt;/a&gt; findet Ihr dieses Mal&amp;#160;bei &lt;a href=&quot;http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;J&amp;#246;rg Rings (Diax&amp;#180;s Rake)&lt;/a&gt; auf den &lt;a href=&quot;http://www.scienceblogs.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Scienceblogs&lt;/a&gt;. J&amp;#246;rg hatte mir das Angebot unterbreitet, bei ihm einen Gastbeitrag zu ver&amp;#246;ffentlichen. Daf&amp;#252;r auch nochmal hier vielen Dank und beste Gr&amp;#252;&amp;#223;e &amp;quot;r&amp;#252;ber&amp;quot; zu Diax&amp;#180;s Rake...&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/heichele/wissenschaft-und-dogmatik&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://heichele.philosophieblog.de/&quot;&gt;Heichele&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Meinen aktuellen Beitrag <a href="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2009/04/wissenschaft-und-dogmatik.php" target="_blank">&quot;Wissenschaft und Dogmatik&quot;</a> findet Ihr dieses Mal&#160;bei <a href="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/" target="_blank">J&#246;rg Rings (Diax&#180;s Rake)</a> auf den <a href="http://www.scienceblogs.de/" target="_blank">Scienceblogs</a>. J&#246;rg hatte mir das Angebot unterbreitet, bei ihm einen Gastbeitrag zu ver&#246;ffentlichen. Daf&#252;r auch nochmal hier vielen Dank und beste Gr&#252;&#223;e &quot;r&#252;ber&quot; zu Diax&#180;s Rake...</p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/heichele/wissenschaft-und-dogmatik">Original post</a> blogged on <a href="http://heichele.philosophieblog.de/">Heichele</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
								<comments>http://philosophieblog.de/heichele/wissenschaft-und-dogmatik#comments</comments>
		</item>
			</channel>
</rss>
