Folgende Darstellung ist nicht als philosophisch-wissenschaftliche Abhandlung zu verstehen, sondern soll in einer einfachen Art und Weise lediglich einige Punkte klarstellen, die in einem Gespräch, das ich neulich führte, aufgrund unterschiedlich verwendeter Begrifflichkeiten und verschiedener Ansätze auf diese Weise wohl nicht klar wurden. Dabei soll insbesondere deutlich werden, dass – diesem Vorwurf sah ich mich ausgesetzt – unter Zugrundelegung einer klassisch-materialistischen Sichtweise meine Gedanken nicht (!) auszudrücken sind und insbesondere der (damit wohl zusammenhängende) mechanistische Ansatz völlig (!) unbrauchbar ist. Je nach Definition kann zwar von einem reduktionistischen evolutionären Naturalismus mit Emergenz in Verbindung mit einem metaphysischen Realismus die Rede sein, aber definitiv nicht von einem mechanistischen Materialismus. Ebenso können folgende Zeilen dazu beitragen, einer uns in diesem Dialog nicht recht gelungenen Klärung bzgl. der Problematik um die Benennung und Definition des freien Willens näher zu kommen bzw. zumindest meine Position zu explizieren.
Sämtliche Aussagen gelten in aller Deutlichkeit unter der Annahme der prinzipiellen Fallibilität. Die platonische Schau der Ideen ist zwar als Philosoph erstrebenswert, aber man kann sich ihrer nicht gewiss sein… Ebenso ist folgende Konzeption wegen der Dynamik meiner persönlichen intellektuellen Entwicklung einem ständigen Wandel bzw. einer immer wieder notwendigen Aktualisierung unterworfen.
Mir ist klar, dass an sich sämtliche Begriffe wie „Natur“, „Welt“, „Bewusstsein“ etc. eigentlich erst einmal geklärt bzw. definiert gehören – darauf werde ich dennoch aus Gründen der Ökonomie verzichten (müssen).
Die Struktur und der Aufbau der Welt
Ich gehe davon aus, dass die Natur auf einer sehr tiefen ontologischen Ebene aus Teilchen, Feldern und der Raumzeit aufgebaut ist. Diese drei Elemente sind strukturell miteinander verflochten und interagieren dynamisch. Beschreibbar ist diese Interaktion insbesondere mit den Mitteln der modernen Physik. Mit einem sehr liberalen Verständnis könnte man hier noch einen Materialismus verorten, sofern die fundamentale ontologische Ebene erreicht wäre. Dies ist jedoch nicht der Fall: auf einer fundamentalen Ebene vertrete ich einen ontologischen Monismus, der in derjenigen (neu)platonischen Tradition z.B. (in einem weiteren Verständnis) eines Cusanus, Bruno oder Spinoza steht – und damit aber auch in die Richtung eines Einstein, Heisenberg, Weizsäcker oder Dürr geht. Diese fundamentale ontologische Substanz kann man nun vermutlich ebenso Geist nennen wie Information. Materie ist, um mit einem Dürrbegriff zu sprechen, hier „verkrusteter Geist“ – aber nicht in einem esoterisch-mystischen Sinn, sondern in dem Sinn, dass es noch der Materie Zugrundeliegendes gibt, das sie erst ermöglicht, sie strukturiert und ihr gewissermaßen eine Form gibt (man denke hier an eine Mischung von platonischer Ideenwelt-Sinnenwelt-Relation und dem aristotelischen Materie-Form-Zusammenhang). Der Geist ist das strukturelle und gewissermaßen mathematische Prinzip aller Materie (gewissermaßen eine „anima mundi“). Dies ist aber ein unpersönlicher Geist, der eher in naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten und Symmetrien zu finden ist als im dialogfähigen und willkürlich mit der materiellen Welt wechselwirkenden Geist manch esoterischer Vereinigungen.
Aus dem eben Gesagten folgt ein ontologischer Monismus, aus dem ein struktureller Pluralismus hervorgeht: wir haben eine (unveränderliche, ewige) Einheit in der Trägersubstanz aller Dinge und gleichzeitig eine Pluralität in den emergenten Strukturen. Für die Dynamik der Welt benötigt es keine (klassische) Teleologie, sondern naturgesetzliche und damit in einem abstrakten Sinn geistgeleitete Selbstorganisation und Emergenz. Diese naturgesetzliche und damit in obigem Verständnis geistgeleitete Entwicklung beinhaltet deterministische, kausalistische und probabilistische bzw. aleatorische Elemente. Die Welt ist kontingent und Einstein hat sich geirrt: Gott würfelt… Nachdem unbestritten ein großer Möglichkeitsraum vorhanden ist (dem man durchaus in platonischer Tradition eine eigene Existenz zuschreiben kann), können die Prozesse darin einwandfrei unter Zugrundelegung aristotelischer Begriffe wie Wirklichkeit und Möglichkeit und damit Verwirklichung der Möglichkeit bzw. Aktualisierung der Potenz beschrieben werden (vgl. insbesondere die Quantenmechanik): von universaler Finalität und Entelechie – losgelöst von oben erwähnten Naturprinzipien – ist aber nicht sinnvoll zu sprechen (wenngleich z.B. die quasi-platonische Idee der Gravitation oder starken Kernkraft natürlich wie ein Attraktor lokal in der Welt komplexer Systeme wirken kann und damit in gewissen Bereichen teleologisch „agiert“ – der Sinn bzw. Zweck oder das Ziel ist in einem holistischen Sinn die Welt an sich; die vier uns bekannten Grundkräfte im Universum können demnach durchaus als „Ideen“ verstanden werden – im Sinne von Ideenhierarchien sind dann auch die entsprechenden Vereinigungen der Grundkräfte zu verstehen).
Ich denke, hier wurde klar: ich bin kein Materialist. Der Aufbau und die Struktur der Welt kann also wie folgt gesehen werden: Geist – Materie – Emergenz (die Emergenz ist geistverursacht unter Zuhilfenahme der schon vom Geist verursachten Materie – holistische Interpretationen sind an mancher Stelle nicht mehr allzu fern, was naturgemäß auch am monistischen Ausgang aller Überlegungen liegen kann…).
Der freie Wille
Ohne hier nun noch eine vollständige philosophische Anthropologie anbieten zu wollen, müssen noch einige Vorabklärungen getätigt werden, um sich dem (vermeintlich) freien Willen zu nähern. Die Prozesshaftigkeit der Welt unter oben genannten Bedingungen hat zur kontingenten Ausbildung vieler Dinge geführt, darunter die uns bekannten physikalischen Elemente und chemischen Stoffe. Durch Selbstorganisationsprozesse komplexer Systeme, durch nicht-lineare Wechselwirkungen und Phasenübergänge kam es zu einer praktisch nicht überschaubaren Anzahl von Symmetriebrüchen und der Entstehung neuer Ordnungen. Auf diese Weise entstanden immer komplexere materielle Strukturen, auf diese Weise entstanden die ersten Atome, die ersten Sterne und die Vielzahl der Elemente. Auf diese Weise entstand aus unbelebter Materie vor ca. 3.8 Mrd. Jahren auf der Erde Leben und auf diese Weise entstanden nach und nach komplexere Lebewesen, die schließlich auf diese Weise auch Eigenschaften wie Bewusstsein hervorbrachten. Leben – und grundsätzliche jede Art von höherer Ordnung – ist in gewisser Weise eine Besonderheit, die sich gegen den universellen Anstieg der Entropie stellt. Das ist eine lokale Angelegenheit um den Preis der Wechselwirkung eines offenen Systems mit seiner Umwelt – die Funktionsweisen wurden eben dargelegt. Um jedoch noch einmal in aller Deutlichkeit aufzuzeigen, dass auch hier keine naiv-materialistischen Vorstellungen am Werk sind: eine systemtheoretische Erkenntnis mit enormer philosophischer Bedeutung ist diejenige, dass Evolution nicht die irdische Kohlenstoffchemie benötigt. Es geht im Prinzip nur um die entsprechenden Strukturen von Informationssystemen, um deren funktionelle und strukturelle Architektur, also um Wechselwirkung und Interaktion – es geht um Geist im Sinne der Information.
Der entscheidende Punkt ist nun, dass im Laufe der Evolution aus nichts weiter als den eben erwähnten Funktionsweisen hochentwickelte Lebewesen zu Eigenschaften wie Bewusstsein, Emotionen etc. gekommen sind. Das menschliche Gehirn entstammt der Evolution und in dieser Entwicklung gab es keine fundamentalen ontologischen Brüche oder Sprünge. Menschliches (Ich)Bewusstsein, menschlicher Geist, die Fähigkeit zu Emotionen und Empathie, all das ist auf neuronale, nichtlineare Wechselwirkungen zurückzuführen. Die Verschaltungsmuster unseres hochgradig komplexen Systems Gehirn (im ganzen Universum gibt es nichts Bekanntes, das annähernd dermaßen komplex ist) haben zur Entwicklung und Ausprägung der menschlich-geistigen Phänomene geführt (vermutlich durch das Auftreten von Arealen der Hirnrinde, die Verarbeitungsergebnisse aus bereits vorhanden Arealen neu/weiter bearbeiten), die für uns intuitiv eine besondere bzw. eigenständige Stellung einnehmen. Nun gibt es allerdings weder einen speziellen Ort im dezentral und distributiv organisierten und sich selbst organisierenden Gehirn, an dem konkret ein intentionales Ich sich konstituiert, noch ist die Vorstellung korrekt, dass wir jederzeit losgelöst von allem Bedingten irgendetwas wollen oder uns frei entscheiden können. Der menschliche Geist bzw. das menschliche Bewusstsein ist nun allerdings wiederum nichts materialistisch-mechanistisch Verursachtes, sondern Resultat naturgesetzlicher Entwicklungen unter Verwendung des vorhandenen Materials. Sowohl die Ordnungsprinzipien an sich als auch das Phänomen der Emergenz mit seiner Abhängigkeit von Struktur und Information zeigen deutlich, dass auch hier „geistverursachte“ Prozesse gemeint sind. Allerdings: man kann zwar durchaus in einem platonischen Sinn von einer Teilhaberelation des (unvollkommenen, abhängigen, vergänglichen) menschlichen Geistes am Universalgeist/Urgrund sprechen – aber da es hier keine fundamentalen ontologischen Sprünge in der Entwicklung des menschlichen Geistes gibt, handelt es sich nicht um einen „neuen“, frei verfügbaren Geist – es ist kein eigener oder in absolutem Sinn eigenständiger Geist (vgl. dazu z.B. auch Konzeptionen in Richtung Anaxagoras, Cusanus, Spinoza).
Was ist nun konkret mit dem freien Willen? Der menschliche Wille ist sicherlich in dem Sinne frei, dass der Wille (und das ihn hervorbringende Gehirn) vor einem offenen Möglichkeitsraum der Zukunft steht. Unter anderem Komplexitätstheorie und Quantenmechanik geben zu dieser Position mehr als begründeten Anlass. Doch der menschliche Wille ist nicht frei von den dem Denken zugrundeliegenden neuro-chemischen Prozessen, der Wille ist nicht frei/unabhängig von den Naturgesetzen – aber, wie oben dargelegt, nicht in einem mechanistisch-deterministischen Sinn! Der Abwägungsprozess bei einer Entscheidung hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab, die unter anderem durch genetische Faktoren (Evolution), Prägungen und vorangegangene Lernprozesse spezifiziert werden können. In diesem Sinne laufen das Hervorbringen eines Willens und Entscheidungen nach Regeln ab, welche in der funktionellen Architektur der im konkreten Fall beteiligten Hirnregionen gründen. Alles andere wären reine Zufallsentwicklungen und –entscheidungen, welche nicht einem Menschen als bewusst getätigt unterstellt werden könnten. Der Wille ist also ein in das Bewusstsein durchschlagender Antrieb, der zu bewussten Entscheidungen führen kann. Im Vergleich zu einem Laplace-Determinismus ist dieser Wille frei.
Es gibt jedoch neben dieser Freiheit des Willens im Sinne des Nichtgebundenseins an eine einzige mögliche zukünftige Entwicklung noch weitere Möglichkeiten, dem Willen das Attribut „frei“ zuzusprechen. Wir verstehen uns als frei, wenn wir bei/vor einer Handlung sämtliche bewusstseinsfähigen Argumente ohne innere und äußere Zwänge abwägen können. Hier ist erstens zu beachten, dass dies vorerst nur die Handlung/Entscheidung und nicht den Willensbildungsprozess betrifft, und zweitens, dass wir über unbewusste, aber relevante Variablen nichts wissen können, diese also nicht in das Bewusstsein als wahrnehmungsfähig durchschlagen. Einen Zusammenhang von Freiheit und Willen herzustellen ist dann legitim, wenn man Entscheidungen als mit dem Willen übereinstimmend ansehen kann. Ein Zusammenhang von Freiheit und Willen als Letzturheberschaft im Sinne einer Akteurskausalität ist abstrus. Frei von aller Gebundenheit und Bedingtheit wäre es zudem nicht mehr „mein“ freier Wille, sondern ein (zufälliger) freier Wille, der quasi über mich hereinbricht. In einem strengen Verständnis sind (abgesehen von der Charakterisierung des zukünftigen Möglichkeitsraums) die Begriffe „Freiheit“ und „Wille“ also nicht in Einklang zu bringen, in einem pragmatischen schon. Oder, noch einmal anders ausgedrückt: wir können zwar tun, was wir wollen, und wenn wir das tun, was wir wollen, sind wir frei. Wir können aber nicht wollen, was wir wollen, also sind wir unfrei…

Ich werde über Ihren Beitrag noch nachdenken und Ihnen vielleicht noch einen inhaltlichen Kommentar geben.
Auch ich halte einen ontologischen Monismus für zutreffend. Die fundamentale Substanz würde ich aber nicht Geist (Information) nennen. Ich halte es eher mit Spinoza ("deus sive natura" im Sinne von "Geist oder auch Materie") Man könnte die fundamentale Substanz "Geist-Materie" nennen, weil sie beide Aspekte aufweist (vgl. Doppelaspekt-Theorie in der Philosophie des Geistes). Der Begriff von Dürr (verkrusteter Geist) bringt eher eine Unklarheit. Ich denke nicht , dass Geist Materie hervorgebracht hat, sondern folge der Auffassung von Aristoteles, dass Geist die Form der Materie ist. Man kann das wie Sie auch so ausdrücken, dass Geist das mathematische Prinzip der Materie, gewissermaßen eine "anima mundi" sei.
Die Entwicklung der Welt als eine fortlaufende kontingente Aktualisierung der Potenz in einen großen Möglichkeitsraum hinein zu sehen halte ich für zutreffend. Die Entwicklung ist jedoch meines Erachtens nicht "geistgeleitet", sondern sie ist eine einheitliche Entfaltung der Geist-Materie. Dabei erklären sich die geistigen Vorgänge aus den geistigen Ursachen und physikalische Vorgänge aus den physikalischen Ursachen (vgl das Prizinp der kausalen Geschlossenheit des Physikalischen). Die geistigen Vorgäng bedürfen allerdings einer materiellen Grundlage, welche aber nicht die irdische Kohlenstoffchemie sein muss (in unserer Welt ist sie es aber).
Ich denke, wir sind nicht weit auseinander… Die aristotelische Form-Materie-Relation halte ich für durchaus hilfreich in unserem Fall – wenngleich ich der Form (als Idee) im platonischen Sinn den Vorrang geben würde (man könnte nun noch darüber diskutieren, inwieweit beide – Platon und Aristoteles – eine Urmaterie bzw. materia prima benötigen und wie deren Verhältnis zueinander ist). Ich würde auch nicht ohne weiteres von „geistgeleiteter Entwicklung“ sprechen (deswegen habe ich dies in meinem Text konkretisiert) – ich stimme zu, dass das zu Missverständnissen führen kann. Mein Verständnis des „Geistgeleiteten“ bezieht sich einfach auf allem zugrundliegende (mathematische, naturwissenschaftliche, metaphysische) Prinzipien.
Zur Frage des freien Willens möchte ich noch einen Kommentar anfügen:
Ich teile Ihre Auffassung, dass der menschliche Geist (Bewusstsein, Denken, Emotionen etc.) in der Evolution entstanden ist und dass die geistigen (oder auch: mentalen) Vorgänge an Gehirnprozesse gebunden sind, die ihrerseits den Naturgesetzen unterliegen. Das bedeutet aber nicht, dass der Mensch keinen freien Willen hätte. Es gibt allerdings keine Spontanentscheidungen, Entscheidungen, die nicht irgendwie verursacht wären und gleichsam aus dem Nichts herauskämen (wäre das „Akteurskausalität?“). Richtig verstanden ist Willensfreiheit die Möglichkeit zu selbstbestimmtem Entscheiden (als Endpunkt entsprechender Willensbildung); ich folge hier der Auffassung, die der Philosoph Michael Pauen und der Hirnforscher Gerhard Roth in dem Unseld-Taschenbuch “Freiheit,Schuld und Verantwortung....“(2008) dargelegt haben. Danach wäre Willensfreiheit sogar möglich, wenn die Gehirnprozesse vollständig determiniert wären, was wegen der quantenphysikalischen Unbestimmtheitrelation nicht der Fall ist. Diese Unbestimmtheit bringt nämlich keinen Gewinn für die Freiheit, sondern führt nur dazu, dass im Rahmen statistischer Gesetzmäßigkeiten der Zufall eine Rolle spielt. Sie eröffnet allerdings den Möglichkeitsraum für die Zukunft.
Freiheit des Willens besteht nun darin, dass die Willensbildung des Menschen maßgeblich von seinen eigenen Wertvorstellungen, Wünschen und rationalen Überlegungen geprägt ist und nicht ausschließlich von inneren und äußeren Zwängen bestimmt wird. Ein Mensch, der von einer Suchtkrankheit beherrscht wird, hat in einer bestimmten Beziehung keinen freien Willen. Das gilt auch von einem Menschen, der aus übermäßiger Ängstlichkeit bemüht ist, alle Erwartungen seiner familiären, beruflichen oder gesellschaftlichen Umgebung peinlichst genau zu erfüllen. Dagegen hat ein Verbrecher, der es für richtig hält. rücksichtslos seine eigenen Wünsche durchzusetzen, durchaus einen freien Willen (!). Man kann daher nicht sagen, das der Mensch als solcher schlechthin einen freien Willen hat oder nicht hat. Vielmehr haben die einzelnen Menschen in verschiedenen Beziehungen eine mehr oder weniger freie Willensbildung. Das ist also eine Frage der qualitativen Bewertung.
Die Willensbildung als mentaler Vorgang vollzieht sich auf der materiellen Grundlage der Hirnprozesse ohne die Naturgesetzlichkeit dieser Prozesse zu durchbrechen. Sie ist bestimmt durch die geistigen Faktoren (Überlegungen, Kenntnisse, Wünsche, Vorstellungen), die ebenfalls durch neuronale Strukturen im Gehirn realisiert sind....
Noch zu dem Aspekt des freien Willens:
1. Ihre „Spontanentscheidungen, Entscheidungen, die nicht irgendwie verursacht wären und gleichsam aus dem Nichts herauskämen“ gehen stark in Richtung Akteurskausalität. Diese „Spontanentscheidungen“ kommen allerdings nicht aus dem Nichts, sondern vom (gewissermaßen) voraussetzungslosen Akteur (was dann allerdings tatsächlich in Richtung einer Entscheidung aus dem Nichts geht...).
2. Der Rest, den Sie beschreiben, ist als Kompatibilismus bekannt. In meinen Augen im pragmatischen Sinn ok, mit einem absoluten Verständnis von Freiheit jedoch nicht vereinbar.
Warum? Ich bin einem Menschen ausgeliefert, jeden Tag, der seine eigenen Wahrheitstheorien kraft seiner funktionalen Autorität, permanent gegen andere Menschen, insbesondere gegen meine Person, durchzusetzen versucht. Dieser Satz, bzw. der ganze Text hilft mir beim nächsten verbalen Gefecht zu punkten. Effekthascherei habe ich dabei nicht im Blick.
Ich bin ein philosophisch hochinteressierter Mensch mit einer vorzüglichen Bibliothek, jedoch sehr unstrukturiert und eher auf bescheidenem Niveau nachdenkend. Ich entschloss mich soeben dieser Plattform beizutreten und bitte um Nachsicht, wenn sich heraustellen sollte, dass ich eher zu den Profiteuren hier gehören werde und weniger zu den Produzenten großer philosophischer Betrachtungen.
Ihren Text habe ich mir ausgedruckt, um ihn gleich in der S-Bahn zu lesen. Das Buch von Gerhard Schurz habe ich soeben bestellt. Diesen Düsseldorfer Gelehrten kannte ich und habe schon einige Seiten gelesen, nämlich Abhandlungen, die auf seiner Website bzw. der Seite der Heine Universität downloadbar sind.
VG
M.P.
Beste Grüße