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10 Kommentare

  1. § Günter Maier E-Mail sagte am:
    Ich halte den Beitrag nach der einmaligen Lektüre für ausgezeichnet, sowohl was die naturwissenschaftlichen Aussagen, als auch, was die philosophischen Überlegungen betrifft. Sie wehren sich zurecht gegen eine Bezeichnung als "Materialist".
    Ich werde über Ihren Beitrag noch nachdenken und Ihnen vielleicht noch einen inhaltlichen Kommentar geben.
  2. § heichele® E-Mail sagte am:
    Besten Dank für die freundlichen Worte! Über einen inhaltlichen Kommentar würde ich mich freuen.
  3. § Günter Maier E-Mail sagte am:
    Zur Ontologie:
    Auch ich halte einen ontologischen Monismus für zutreffend. Die fundamentale Substanz würde ich aber nicht Geist (Information) nennen. Ich halte es eher mit Spinoza ("deus sive natura" im Sinne von "Geist oder auch Materie") Man könnte die fundamentale Substanz "Geist-Materie" nennen, weil sie beide Aspekte aufweist (vgl. Doppelaspekt-Theorie in der Philosophie des Geistes). Der Begriff von Dürr (verkrusteter Geist) bringt eher eine Unklarheit. Ich denke nicht , dass Geist Materie hervorgebracht hat, sondern folge der Auffassung von Aristoteles, dass Geist die Form der Materie ist. Man kann das wie Sie auch so ausdrücken, dass Geist das mathematische Prinzip der Materie, gewissermaßen eine "anima mundi" sei.
    Die Entwicklung der Welt als eine fortlaufende kontingente Aktualisierung der Potenz in einen großen Möglichkeitsraum hinein zu sehen halte ich für zutreffend. Die Entwicklung ist jedoch meines Erachtens nicht "geistgeleitet", sondern sie ist eine einheitliche Entfaltung der Geist-Materie. Dabei erklären sich die geistigen Vorgänge aus den geistigen Ursachen und physikalische Vorgänge aus den physikalischen Ursachen (vgl das Prizinp der kausalen Geschlossenheit des Physikalischen). Die geistigen Vorgäng bedürfen allerdings einer materiellen Grundlage, welche aber nicht die irdische Kohlenstoffchemie sein muss (in unserer Welt ist sie es aber).
  4. § heichele® E-Mail sagte am:
    Herzlichen Dank für den fruchtbaren und fundierten Kommentar!

    Ich denke, wir sind nicht weit auseinander… Die aristotelische Form-Materie-Relation halte ich für durchaus hilfreich in unserem Fall – wenngleich ich der Form (als Idee) im platonischen Sinn den Vorrang geben würde (man könnte nun noch darüber diskutieren, inwieweit beide – Platon und Aristoteles – eine Urmaterie bzw. materia prima benötigen und wie deren Verhältnis zueinander ist). Ich würde auch nicht ohne weiteres von „geistgeleiteter Entwicklung“ sprechen (deswegen habe ich dies in meinem Text konkretisiert) – ich stimme zu, dass das zu Missverständnissen führen kann. Mein Verständnis des „Geistgeleiteten“ bezieht sich einfach auf allem zugrundliegende (mathematische, naturwissenschaftliche, metaphysische) Prinzipien.
  5. § Günter Maier E-Mail sagte am:
    Ja, wir sind wohl nicht weit auseinander. Wenn Sie der Form (als Idee ) im platonischen Sinn den Vorrang vor der aristotelischen Auffassung geben, nehme ich doch nicht an, dass Sie dem Geist-Materie-Dualismus Platons zuneigen (weil Sie sich ja zu einem ontologischen Monismus bekennen).
    Zur Frage des freien Willens möchte ich noch einen Kommentar anfügen:
    Ich teile Ihre Auffassung, dass der menschliche Geist (Bewusstsein, Denken, Emotionen etc.) in der Evolution entstanden ist und dass die geistigen (oder auch: mentalen) Vorgänge an Gehirnprozesse gebunden sind, die ihrerseits den Naturgesetzen unterliegen. Das bedeutet aber nicht, dass der Mensch keinen freien Willen hätte. Es gibt allerdings keine Spontanentscheidungen, Entscheidungen, die nicht irgendwie verursacht wären und gleichsam aus dem Nichts herauskämen (wäre das „Akteurskausalität?“). Richtig verstanden ist Willensfreiheit die Möglichkeit zu selbstbestimmtem Entscheiden (als Endpunkt entsprechender Willensbildung); ich folge hier der Auffassung, die der Philosoph Michael Pauen und der Hirnforscher Gerhard Roth in dem Unseld-Taschenbuch “Freiheit,Schuld und Verantwortung....“(2008) dargelegt haben. Danach wäre Willensfreiheit sogar möglich, wenn die Gehirnprozesse vollständig determiniert wären, was wegen der quantenphysikalischen Unbestimmtheitrelation nicht der Fall ist. Diese Unbestimmtheit bringt nämlich keinen Gewinn für die Freiheit, sondern führt nur dazu, dass im Rahmen statistischer Gesetzmäßigkeiten der Zufall eine Rolle spielt. Sie eröffnet allerdings den Möglichkeitsraum für die Zukunft.
    Freiheit des Willens besteht nun darin, dass die Willensbildung des Menschen maßgeblich von seinen eigenen Wertvorstellungen, Wünschen und rationalen Überlegungen geprägt ist und nicht ausschließlich von inneren und äußeren Zwängen bestimmt wird. Ein Mensch, der von einer Suchtkrankheit beherrscht wird, hat in einer bestimmten Beziehung keinen freien Willen. Das gilt auch von einem Menschen, der aus übermäßiger Ängstlichkeit bemüht ist, alle Erwartungen seiner familiären, beruflichen oder gesellschaftlichen Umgebung peinlichst genau zu erfüllen. Dagegen hat ein Verbrecher, der es für richtig hält. rücksichtslos seine eigenen Wünsche durchzusetzen, durchaus einen freien Willen (!). Man kann daher nicht sagen, das der Mensch als solcher schlechthin einen freien Willen hat oder nicht hat. Vielmehr haben die einzelnen Menschen in verschiedenen Beziehungen eine mehr oder weniger freie Willensbildung. Das ist also eine Frage der qualitativen Bewertung.
    Die Willensbildung als mentaler Vorgang vollzieht sich auf der materiellen Grundlage der Hirnprozesse ohne die Naturgesetzlichkeit dieser Prozesse zu durchbrechen. Sie ist bestimmt durch die geistigen Faktoren (Überlegungen, Kenntnisse, Wünsche, Vorstellungen), die ebenfalls durch neuronale Strukturen im Gehirn realisiert sind....




  6. § heichele® E-Mail sagte am:
    Ob ich dem platonischen Geist-Materie-Dualismus zustimme, hängt nun von der konkreten Auslegung ab. Ich stimme aber z.B. dem cartesianischen Geist-Materie-Dualismus nicht zu.

    Noch zu dem Aspekt des freien Willens:

    1. Ihre „Spontanentscheidungen, Entscheidungen, die nicht irgendwie verursacht wären und gleichsam aus dem Nichts herauskämen“ gehen stark in Richtung Akteurskausalität. Diese „Spontanentscheidungen“ kommen allerdings nicht aus dem Nichts, sondern vom (gewissermaßen) voraussetzungslosen Akteur (was dann allerdings tatsächlich in Richtung einer Entscheidung aus dem Nichts geht...).

    2. Der Rest, den Sie beschreiben, ist als Kompatibilismus bekannt. In meinen Augen im pragmatischen Sinn ok, mit einem absoluten Verständnis von Freiheit jedoch nicht vereinbar.
  7. § peine® E-Mail sagte am:
    Guten Abend, ich habe zufällig ihren Beitrag gelesen und war begeistert über den folgenden Satz:Die Wahrheit einer Aussage muss objektiv, also unabhängig von den Einstellungen des Erkenntnissubjekts bestehen. Das zentrale wissenschaftliche Kriterium für Objektivität liegt nun in der Intersubjektivität von Aussagen, weswegen man auch (statt von einem naiven absoluten Objektivitätsverständnis) von der intersubjektiven Objektivierbarkeit wissenschaftlicher Aussagen spricht.

    Warum? Ich bin einem Menschen ausgeliefert, jeden Tag, der seine eigenen Wahrheitstheorien kraft seiner funktionalen Autorität, permanent gegen andere Menschen, insbesondere gegen meine Person, durchzusetzen versucht. Dieser Satz, bzw. der ganze Text hilft mir beim nächsten verbalen Gefecht zu punkten. Effekthascherei habe ich dabei nicht im Blick.

    Ich bin ein philosophisch hochinteressierter Mensch mit einer vorzüglichen Bibliothek, jedoch sehr unstrukturiert und eher auf bescheidenem Niveau nachdenkend. Ich entschloss mich soeben dieser Plattform beizutreten und bitte um Nachsicht, wenn sich heraustellen sollte, dass ich eher zu den Profiteuren hier gehören werde und weniger zu den Produzenten großer philosophischer Betrachtungen.
    Ihren Text habe ich mir ausgedruckt, um ihn gleich in der S-Bahn zu lesen. Das Buch von Gerhard Schurz habe ich soeben bestellt. Diesen Düsseldorfer Gelehrten kannte ich und habe schon einige Seiten gelesen, nämlich Abhandlungen, die auf seiner Website bzw. der Seite der Heine Universität downloadbar sind.

    VG
    M.P.
  8. § heichele® E-Mail sagte am:
    Es freut mich, wenn der Text Ihnen hilft. So wie ich das sehe, wollten Sie den Kommentar unter den Artikel "Aufklärung 2.0" stellen... Egal - ich lasse den Kommentar vorerst mal hier.

    Beste Grüße
  9. § Dr. Peter Meier E-Mail sagte am:
    Zuerst vielen Dank für die Ausarbeitung dessen, was ich Option I nenne. Auf angegebenem Link habe ich dem für den geneigten Leser Option II entgegen gestellt. Emergenter Zeitgeist mit all seiner Arglist, oder Lebens- durch Aufgabenerfüllung, das ist die Frage. Zum Letzteren stelle ich http://living1think2systems3.wordpress.com/ zur Verfügung und freue mich hier wie dort auf Feedback.
  10. § Doctor Hesselius E-Mail sagte am:
    Einstein hat sich nicht geirrt. Der Alte würfelt wirklich nicht. Die Quantenmechanik beweist durchaus nicht das Gegenteil. (siehe Bohmsche Mechanik) Die Frage nach dem freien Willen ist einfach falsch gestellt. Eigentlich geht es um Selbsbestimmung, eine solche ist nicht nur mit einem vollkommenen Determinismus kompatibel, nein ein solcher ist geradezu die notwendige Voraussetzung dafür. Von Akteurskausalität kann dabei ohne weiteres gesprochen werden. Ich habe das hier detailliert dargelegt: http://exitus-historiae.blogspot.de/2012/05/der-freie-wille-ein-missverstandnis.html

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