„Leider“ habe ich vorhin nur einen kleinen Ausschnitt aus der ZDF-Sendung „Faszination Universum“ mit Harald Lesch gesehen: das Thema lautete „Das neue Bild des Kosmos. Von Tycho Brahe zu Galileo Galilei“. Was ich in den fünf Minuten zu sehen bekam, hatte allerdings mit der historischen Wahrheit nicht viel zu tun. Was macht man in solchen Fällen? Nachschauen, ob zufälligerweise auf der Homepage des Senders etwas zu der Sendung steht. Und siehe da: auch dort findet sich der Unfug…
Nachdem ich zu Galilei und dem ganzen Umfeld seiner Verurteilung bereits etliches geschrieben habe, werde ich hier auf eine ausführliche Widerlegung der nur exemplarisch angeführten ZDF-Zitate (es gibt noch mehr Blödsinn als die unten stehenden Aussagen, aber zu viel Zeit möchte ich für die 1000. Klarstellung auch nicht aufbringen) verzichten und das Ganze nur stichpunktartig abhandeln.
„Die Wissenschaften unterstanden dem Einfluss der Kirche, sie bestimmte, was richtig und was falsch war. Das änderte sich, als man Phänomene am Himmel entdeckte, die sich nicht in die bisherigen Erklärungsmodelle einfügten und ein völlig neues Weltbild erforderlich machten. Bis ins 16. Jahrhundert hinein unterlag das Weltbild der Deutungshohheit der Kirche: Die Erde ist das Zentrum des Kosmos, der Mensch steht im Mittelpunkt des Universums. Wer an den vermeintlich ewigen Wahrheiten rüttelte und eine Theoriebildung auf Basis von genauen Beobachtungen und Berechnungen anstrebte, sah sich schnell im Konflikt mit dem Vatikan.“
Einseitiger geht es kaum... Die Wissenschaften unterstanden AUCH dem Einfluss der Kirche: zu dieser Zeit war die etablierte Wissenschaft auf der gleichen Seite wie die Kirche und jeder Angriff auf das tradierte Weltbild war ein Angriff auf Kirche UND Wissenschaft. Die ersten Angriffe gegen Galilei z.B. kamen von seinen Fachkollegen, nicht aus der Kirche.
„An seinem berühmten Hauptwerk, dem "Dialog über die zwei wichtigsten Weltsysteme", schrieb Galilei 20 Jahre. Darin trägt er seine Argumente für das heliozentrische Weltbild geschickt in Form fiktiver Gesprächsinhalte vor. Rom entging die Veröffentlichung dieses Werkes nicht, denn Galileo war einer der bedeutensten Gelehrten seiner Zeit. Eine päpstliche Kommission analysierte Galileis Werk, bald nachdem es in Florenz gedruckt worden war - und empörte sich. Die Haltung eines so angesehenen Mannes wie Galilei konnte man nicht ignorieren. So wurde der mit 68 Jahren alte und gebrechliche Wissenschaftler vor die Inquisition zitiert und dazu gezwungen, seinen Theorien abzuschwören. Doch dieser Triumph des Klerus war von kurzer Dauer. Der aus Sicht der Kirche ungeheuerliche Gedanke, dass statt der Erde die Sonne im Zentrum des damals bekannten Unversums steht und die Planeten um die Sonne kreisen - dies war von nun an nicht mehr eine ketzerische Idee, sonderen eine wissenschaftlich belegte Theorie.“
Warum sich die Kirche empörte, war nicht einfach der oben erwähnte Grund (was die Empörung natürlich nicht viel besser macht): es ging unter anderem um die (vermeintliche) Widersetzung gegen einen persönlichen päpstlichen Befehl, persönliche Beleidigungen und die fragwürdige Erlangung der Druckerlaubnis. Zudem, noch einmal für alle zum mitschreiben: mindestens genauso empört wie die Kirche waren Galileis Kollegen aus Philosophie und Physik, also der Wissenschaft. Des Weiteren war der Heliozentrismus von nun an keine „wissenschaftlich belegte Theorie“, sondern z.B. mit Brahes Kompromiss eine Alternative zum widerlegten Geozentrismus: wenngleich Galilei das aristotelisch-ptolemäische Weltbild (der Kirche UND Wissenschaft) wiederlegen konnte, hatte er keinen Beweis für den Heliozentrismus – nur Indizien.
Ich habe selten so etwas Dummes im ZDF gesehen (gelesen). Eine dermaßen billige und polemische „Wissenschaftssendung“ sollte eigentlich unter dem Niveau des ZDF sein. Und warum Harald Lesch das mitmacht, ist mir auch schleierhaft. Für gewöhnlich – was er in den verschiedensten Sendungen und auch „live“ präsentiert – ist er ja sowohl ein redlicher Wissenschaftler als auch (neben den unbestrittenen konkret-fachlichen Qualifikationen und seinen Unterhaltungsqualitäten) ein guter Kenner der Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte.
Bildungsfernsehen zum Internationalen Jahr der Astronomie ist ja etwas schönes, aber dann doch bitte unter Berücksichtigung des Wortes „Bildung“. Eine derart primitive Meinungsmache gegen die Kirche ist einfach widerlich. Die Kirche hat mit Sicherheit genug Fehler in ihrer Geschichte gemacht - sowohl in ihrem Verhalten Galilei gegenüber als auch gegenüber der Wissenschaft/Philosophie im Allgemeinen: wenn man nun kritisieren möchte, sollte man dann aber auch an den richtigen Stellen bohren und sich nicht einem breitgetretenen Märchen anschließen. Fehlt nur noch, dass behauptet wird, Galilei sei auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, weil er die kirchliche Lehre der Erdscheibe zurückgewiesen hätte…

Ich habe mir auch angewöhnt, von Wissenschaft in specie erst SEIT Galilei zu reden; weil er mit dem Rückgriff auf Plato und die Erfindung der "Naturgesetze" einen Schlussstrich unter die Scholastik gezogen -, und allerdings so die Naturbetrachtung aus dem kirchliche Dogma gelöst hat.
Insofern kommt mir jene Sendung - so, wie Sie darüber schreiben - doch richtiger vor als Ihr eigner Kommentar.
Warum? Kirche und Wissenschaft waren zwar nicht Eines, aber hatten zu dieser Zeit mit dem Aristotelismus doch eine enorm stark verbindende Komponente. Die aristotelische Naturphilosophie (das war im Wesentlichen der Stand der Wissenschaft) stützte (nach leichten Modifikationen) das Christentum und umgekehrt.
Es ist sicherlich richtig, von „moderner“ (Natur)Wissenschaft erst seit Galilei zu sprechen. Der Knackpunkt hier ist aber nicht (nur) die Loslösung von der Kirche, sondern vor allem die Loslösung vom Aristotelismus (in Philosophie/Naturwissenschaft). Im Übrigen wurde (Proto)Wissenschaft natürlich seit der Antike mit teilweise beeindruckender Methode und Erfolg betrieben – mit Einschränkungen von verschiedenster Seite im Lauf der Zeit.
In der Tat war in der vorscholastischen Zeit Plato prominenter als Aristoteles. Nicht, dass Galileo auf Plato zurückgegriffen hat, war der springende Punkt; sondern dass er die 'Ideen' in "Naturgesetze" übersetzt hat. Über Ideen konnte die Kirche eine Oberhoheit beanspruchen. Über Naturgesetze nicht mehr.
1.Natürlich war der Aristotelismus eine wissenschaftliche Instanz: die Erde hatte z.B. im Zentrum des Universums zu stehen, weil schwere Elemente sich zur Weltmitte bewegen sollte – nicht, weil die Kirche das so toll fand (sie fand es aber zudem…)
2.Die Rückbesinnung auf den (Neu)Platonismus im Sinne des Glaubens an die Mathematisierbarkeit der Welt (wo natürlich die platonischen Ideen zu unveränderlichen Naturgesetzen wurden) war der zentrale Aspekt bei der Entstehung der neuzeitlichen Naturwissenschaft – auch da empfehle ich unter anderem oben genannte Quellen.
Nun stelle man sich die Aufgabe vor, das ZDF soll das Thema publikumsgemäß darstellen. Das geht nur in der diachronen, zeitgeschichtlichen Relation zwischen Wissenschaft und Kirche. Damit will ich das ZDF weder heilig noch weise sprechen. Aber primär interessiert den "Normal-TV-Verwender" zunächst mal die geschichtliche Entwicklung. Betrachtungen aus dem Blickwinkel der Zeit Galileos sind da schwer darstellbar, - auch wenn ich spannend finde, was ich dazu in diesem Blog gerade gelesen habe.
An einigen Punkten stimme ich zu. Das Problem ist nur, dass auch diese Formulierung missverständlich ist: „In der Zeit Galileos sind Wissenschaftler den Irrtümern der kirchlichen Weltsicht gefolgt.“ Damit wird implizit behauptet, die Kirche habe eine Weltsicht erschaffen, der die Wissenschaft dann – aus welchen Gründen auch immer – gefolgt sei. Das greift aber zu kurz:
Wissenschaft bis zu Galileis Zeiten berief sich (meist) auf die antiken griechischen Größen (zur Zeit Galileis v.a. auf den Aristotelismus). Das heißt, Wissenschaft berief sich auf ihre eigene (!) Tradition. Für einige hundert Jahre Mitte des ersten Jahrtausend stimmt es stellenweise, dass wissenschaftliche Erkenntnisse der Griechen negiert wurden und kosmologische Modelle theologisch begründet wurden (vgl. z.B. Tabernakelmodelle) – am Übergang von Mittelalter zu Neuzeit jedoch stand Naturphilosophie/Naturwissenschaft in ihrer eigenen Tradition – von der Kirche unterstützt. Das bedeutet aber eben nicht, dass die Kirche sich etwas ausgedacht hatte und dann die Wissenschaft dem blind gefolgt wäre.
Das Christentum, das neben dem Judentum das Fundament unserer Kultur darstellt, nicht zuletzt wegen seiner (vglw. ;) Toleranz und seinen Wertemengen, wird leider immer wieder herabgesetzt und somit falsch benotet.
Allerdings ist das Vorgetragene Mainstream zurzeit und da schwimmt der Harald Lesch eben gerne mit.
MFG, Sky
Du schreibst daß Du selten so etwas dummes im TV gesehen hast. Und dann sagst Du noch was von Polemik.
Um mal eines Klarzustellen. Ich habe Deinen Kommentar hier sorgfältig gelesen. Und wie Du Polemisch und Dumm anprangerst, muß ich sagen, daß Du keinen Deut besser bist.
Wie immer verbiegen Leute Deiner Art die Logik so daß es paßt.
So, fangen wir mal an:
Es ist doch klar daß Wissenschaftler erst mal am Anfang einer Entdeckung misstrauisch sind. Das war früher so, und ist heute so. Das Du dieses als Argument benutzt, ist einfach lächerlich. im Gegensatz dazu hatte die Kirche klare Interessen Gallileo mit seinen Entdeckungen unten zu halten. Die Wissenschaftler waren nur vorsichtig. Du verbiegst Argumente!
Wie Du die Kirche hier damit verteidigst, daß Du andere als schlecht hinstellst, ist einfach dumm.
Und Lesch sagte es korrekt, auch wenn es Deiner gehirngewaschenen Meinung nicht paßt.
Ich will mich mit Deinen weiteren Argumenten nicht befassen. Du argumentierst wie ich das von Esotherikern und anderen Sorten Menschen kenne.Verbiege die Wahrheit, benutze teile der Wissenschaft, welche passen, und dann argumentiere so daß es paßt.
Pech gehabt!
Auf mich hat Dein hier zusammenmanipulierter Schwachsinn nicht gewirkt!
Trotz alledem freundliche Grüße
Frank Meier