« Kreationisten...Wissenschaft und Dogmatik »

12 Kommentare

  1. § Jochen Ebmeier® E-Mail sagte am:
    Die Wissenschaft stand "auf derselben Seite" wie die Kirche? Das verstehe ich nicht. Noch weniger verstünde ich, wenn da stünde: 'Die Kirche stand auf derselben Seite wie die Wissenschaft' - was doch wohl dasselbe bedeuten würde.

    Ich habe mir auch angewöhnt, von Wissenschaft in specie erst SEIT Galilei zu reden; weil er mit dem Rückgriff auf Plato und die Erfindung der "Naturgesetze" einen Schlussstrich unter die Scholastik gezogen -, und allerdings so die Naturbetrachtung aus dem kirchliche Dogma gelöst hat.

    Insofern kommt mir jene Sendung - so, wie Sie darüber schreiben - doch richtiger vor als Ihr eigner Kommentar.
  2. § heichele® E-Mail sagte am:
    „Die Wissenschaft stand "auf derselben Seite" wie die Kirche? Das verstehe ich nicht.“

    Warum? Kirche und Wissenschaft waren zwar nicht Eines, aber hatten zu dieser Zeit mit dem Aristotelismus doch eine enorm stark verbindende Komponente. Die aristotelische Naturphilosophie (das war im Wesentlichen der Stand der Wissenschaft) stützte (nach leichten Modifikationen) das Christentum und umgekehrt.

    Es ist sicherlich richtig, von „moderner“ (Natur)Wissenschaft erst seit Galilei zu sprechen. Der Knackpunkt hier ist aber nicht (nur) die Loslösung von der Kirche, sondern vor allem die Loslösung vom Aristotelismus (in Philosophie/Naturwissenschaft). Im Übrigen wurde (Proto)Wissenschaft natürlich seit der Antike mit teilweise beeindruckender Methode und Erfolg betrieben – mit Einschränkungen von verschiedenster Seite im Lauf der Zeit.
  3. § Jochen Ebmeier® E-Mail sagte am:
    Na, dann seh'n wir uns mal die Sache genauer an. 'Wissenschaft' in einem spezifischen Sinn ist - in den modernen Gesellschaften, was eine Tautologie ist - eine öffentliche Instanz; sofern sie nämlich eine - relativ autonome - Institution ist. Das war sie in vorgalileischer Zeit nicht - und das lag nicht am Aristotelismus, sondern an der Kirche. Die WAR nämlich eine Institution; und das vor allem andern. Innerhalb dieser Institution gab es (auch) Leute, die im weitesten Sinne das betrieben, was man heute Wissenschaft nennen würde. Aber dies war die Reihenfolge; nicht umgekehrt.

    In der Tat war in der vorscholastischen Zeit Plato prominenter als Aristoteles. Nicht, dass Galileo auf Plato zurückgegriffen hat, war der springende Punkt; sondern dass er die 'Ideen' in "Naturgesetze" übersetzt hat. Über Ideen konnte die Kirche eine Oberhoheit beanspruchen. Über Naturgesetze nicht mehr.
  4. § heichele® E-Mail sagte am:
    Ich empfehle dringend, sich genauer mit Wissenschaftsgeschichte (durchaus in Zusammenhang mit Galilei) zu beschäftigen. Ich empfehle durchaus meinen Blog und mein Buch, aber gerne auch angesehene internationale Fachleute wie z.B. Crombie, Drake, Mittelstrass oder Koyré.

    1.Natürlich war der Aristotelismus eine wissenschaftliche Instanz: die Erde hatte z.B. im Zentrum des Universums zu stehen, weil schwere Elemente sich zur Weltmitte bewegen sollte – nicht, weil die Kirche das so toll fand (sie fand es aber zudem…)

    2.Die Rückbesinnung auf den (Neu)Platonismus im Sinne des Glaubens an die Mathematisierbarkeit der Welt (wo natürlich die platonischen Ideen zu unveränderlichen Naturgesetzen wurden) war der zentrale Aspekt bei der Entstehung der neuzeitlichen Naturwissenschaft – auch da empfehle ich unter anderem oben genannte Quellen.
  5. § Jochen Ebmeier® E-Mail sagte am:
    Und ich empfehle Ihnen Cassirer.
  6. § Rüdiger E-Mail sagte am:
    Ich glaube, hier geht es um die Frage diachroner oder synchronischer Wertung. In der Zeit Galileos sind Wissenschaftler den Irrtümern der kirchlichen Weltsicht gefolgt. Das habe ich übrigens mit großem Interesse gelesen. Für mich kommt da der Mensch ins Bild, der mehr will als er kann. Er wird die zeitgenössische Weltsicht schwer los. Zeitgeschichtlich ist die Wissenschaft dagegen die Instanz, die zur Aufklärung geführt hat. Sie hat also temporäre kirchliche Dogmen, aber auch sich selbst überwunden.
    Nun stelle man sich die Aufgabe vor, das ZDF soll das Thema publikumsgemäß darstellen. Das geht nur in der diachronen, zeitgeschichtlichen Relation zwischen Wissenschaft und Kirche. Damit will ich das ZDF weder heilig noch weise sprechen. Aber primär interessiert den "Normal-TV-Verwender" zunächst mal die geschichtliche Entwicklung. Betrachtungen aus dem Blickwinkel der Zeit Galileos sind da schwer darstellbar, - auch wenn ich spannend finde, was ich dazu in diesem Blog gerade gelesen habe.
  7. § heichele® E-Mail sagte am:
    @Rüdiger

    An einigen Punkten stimme ich zu. Das Problem ist nur, dass auch diese Formulierung missverständlich ist: „In der Zeit Galileos sind Wissenschaftler den Irrtümern der kirchlichen Weltsicht gefolgt.“ Damit wird implizit behauptet, die Kirche habe eine Weltsicht erschaffen, der die Wissenschaft dann – aus welchen Gründen auch immer – gefolgt sei. Das greift aber zu kurz:

    Wissenschaft bis zu Galileis Zeiten berief sich (meist) auf die antiken griechischen Größen (zur Zeit Galileis v.a. auf den Aristotelismus). Das heißt, Wissenschaft berief sich auf ihre eigene (!) Tradition. Für einige hundert Jahre Mitte des ersten Jahrtausend stimmt es stellenweise, dass wissenschaftliche Erkenntnisse der Griechen negiert wurden und kosmologische Modelle theologisch begründet wurden (vgl. z.B. Tabernakelmodelle) – am Übergang von Mittelalter zu Neuzeit jedoch stand Naturphilosophie/Naturwissenschaft in ihrer eigenen Tradition – von der Kirche unterstützt. Das bedeutet aber eben nicht, dass die Kirche sich etwas ausgedacht hatte und dann die Wissenschaft dem blind gefolgt wäre.
  8. § Sky E-Mail sagte am:
    Harald Lesch ist mir bereits mehrfach übel aufgefallen - neben seinen großartigen anderen Leistungen im populärwissenschaftlichen Bereich -, _wenn_ es um philosophische Erörterungen ging, zu denen er geladene Gäste metaphorisch oder auch nicht, bspw. beim "Italiener", bewirtete.

    Das Christentum, das neben dem Judentum das Fundament unserer Kultur darstellt, nicht zuletzt wegen seiner (vglw. ;) Toleranz und seinen Wertemengen, wird leider immer wieder herabgesetzt und somit falsch benotet.

    Allerdings ist das Vorgetragene Mainstream zurzeit und da schwimmt der Harald Lesch eben gerne mit.
  9. § heichele® E-Mail sagte am:
    Mir ist das bei Lesch bis jetzt eigentlich weniger aufgefallen. Ich habe ihn und seine Positionen immer als relativ ausgewogen - gerade auch, was das Verhältnis Naturwissenschaft-Kirche anbelangt - angesehen. Von daher war ich eben schon ziemlich überrascht.
  10. § Sky E-Mail sagte am:
    Hat hier schon mal jemand die Harald Lesch-Philosophiestunden rezensiert? ;)
    MFG, Sky
  11. § heichele® E-Mail sagte am:
    Bis jetzt noch nicht ;-)
  12. § Frank Meier E-Mail sagte am:
    Thomas,

    Du schreibst daß Du selten so etwas dummes im TV gesehen hast. Und dann sagst Du noch was von Polemik.

    Um mal eines Klarzustellen. Ich habe Deinen Kommentar hier sorgfältig gelesen. Und wie Du Polemisch und Dumm anprangerst, muß ich sagen, daß Du keinen Deut besser bist.

    Wie immer verbiegen Leute Deiner Art die Logik so daß es paßt.

    So, fangen wir mal an:
    Es ist doch klar daß Wissenschaftler erst mal am Anfang einer Entdeckung misstrauisch sind. Das war früher so, und ist heute so. Das Du dieses als Argument benutzt, ist einfach lächerlich. im Gegensatz dazu hatte die Kirche klare Interessen Gallileo mit seinen Entdeckungen unten zu halten. Die Wissenschaftler waren nur vorsichtig. Du verbiegst Argumente!

    Wie Du die Kirche hier damit verteidigst, daß Du andere als schlecht hinstellst, ist einfach dumm.

    Und Lesch sagte es korrekt, auch wenn es Deiner gehirngewaschenen Meinung nicht paßt.

    Ich will mich mit Deinen weiteren Argumenten nicht befassen. Du argumentierst wie ich das von Esotherikern und anderen Sorten Menschen kenne.Verbiege die Wahrheit, benutze teile der Wissenschaft, welche passen, und dann argumentiere so daß es paßt.

    Pech gehabt!

    Auf mich hat Dein hier zusammenmanipulierter Schwachsinn nicht gewirkt!

    Trotz alledem freundliche Grüße
    Frank Meier

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