Etwa auf den heutigen Tag vor 159 Jahren erschien Kierkegaards Buch "Die Krankheit zum Tode" (dänischer Titel "Sygdommen Til Døden"). Wenn man Kierkegaard etwas aufmerksamer liest stellt man schnell fest, dass er häufiger in seinen Texten sich wiederholende Phrasen als rhetorisches Mittel einsetzt. Auch in diesem Buch ist das oft der Fall und in den Wiederholungen bringt er zwei wichtige Begriffe seiner Philosophie auf den Punkt, nämlich das Selbst und die Verzweiflung.

Das Buch beginnt gleich im ersten Abschnitt mit einer vielzitierten Passage über das menschliche Selbst -- diese Stelle ist auch auf der abgebildeten Manuskriptseite im untersten Abschnitt zu sehen.

"Der Mensch ist Geist. Was aber ist Geist? Der Geist ist das Selbst. Was aber ist das Selbst? Das Selbst ist ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält, oder ist dasjenige am Verhältnis, dass das Verhältnis sich zu sich selbst verhält; das Selbst ist nicht das Verhältnis, sondern dass das Verhältnis sich zu sich selbst verhält"

Das Interessante an dieser Stelle ist -- und nach Ernst Tugendhat ist Sören Kierkegaard einer der ersten Philosophen, der diesen Punkt überhaupt in Worte gefasst haben -- dass der Mensch sich zu sich selbst verhalten kann. Dabei bestimmt Kierkegaard das menschliche Selbst nicht als etwas Gegenständliches sondern als ein Verhältnis, in dem man sich zu sich selbst verhält. Und um es genau wiederzugeben: Das Selbst ist das Dass dieses Verhältnisses. Ein solches Verhältnis ist etwa der Umgang mit sich oder die Aneignung von sich bei einer Handlung. Es ist Sören Kierkegaard ein großes Anliegen in seiner Philosophie die ethische Relevanz dieses Selbstverhaltens herauszuarbeiten.

Gemeint mit der Krankheit zum Tode ist die Verzweiflung (dän. "Fortvivlese") und diese bringt Kierkegaard auf die folgende Formeln: "Verzweifelt nicht man selbst sein wollen" und "Verzweifelt man selbst sein wollen". Verzweifelt ist man, da man sein eigenes Ideal nicht loswerden bzw. erreichen kann. Im ersten Fall möchte man nicht derjenige Mensch sein, der man eigentlich ist. Im zweiten Fall möchte man ein anderer Mensch sein, ein selbst erdachtes Ideal. Beides ist nach Kierkegaard nicht möglich, denn im Sichzusichverhalten verhält man sich stets gegenüber etwas Zukünftigem. Martin Heidegger würde hier vom Entwurf des Daseins sprechen und dieser Wurf ist nach vorne gerichtet, also in die Zukunft.

Eine Beschriebung folgt noch.
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