Vor einigen Tagen habe ich in Göteborg auf der ECER eine Präsentation über "Philosophische Aspekte virtuellen Lernens" gehalten. Gleich auf der zweiten Folie habe ich als Beispiel den Screenshot einer Fehlermeldung von Windows abgebildet: "Virtual Memory Too Low". Als diese Folie an der Reihe war wurde der Saal merkwürdig unruhig. Schließlich wollte mich eine Person im Raum darauf aufmerksam machen, dass etwas mit meinem Computer nicht stimmt (dabei arbeite ich mit Ubuntu). Ich hatte mit einer solchen Reaktion nicht gerechnet und bin verwundert: Computer und der Umgang mit ihnen sind so alltäglich, dass ihre Bildsprache selbstverständlich geworden ist.
Eben in dieser Selbstverständlichkeit sehe ich eine Notwendigkeit für philosophische Überlegungen und ganz besonders was das meistgebrauchte Worte in der Beschreibung von Computer und Internet angeht: "virtuell". Es gibt kaum eine Netztheorie, die nicht über dieses Wort reflektiert. Aber ich frage mich, ob wir dieses Wort tatsächlich in einer einheitlichen Art und Weise verwenden, oder ob wir unter "virtuell" nicht eine Heterogenität an Bedeutungen zusammenfassen, von der nur schwer zu sagen ist, was allen Bedeutungen gemeinsam sein soll. Es handelt sich um ein Sprachspiel unserer Zeit und Computer und Internet motivieren uns zu ontologischen und metaphysischen Gedanken. Ich habe die Verwendung dieses Wortes im Umfeld der Mediendidaktik und des Lernens mit Computer und Internet analysiert und sehe wenig Anhaltspunkte für eine einheitliche Theorie der Virtualität, wie sie etwa Pierre Lévy aufzeigt.
Wer Interesse am Thema hat: Hier mein Artikel dazu in der Zeitschrift MedienPädagogik -- natürlich "virtuell".