Eines der bekanntesten und kontroversesten Bücher von dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz ist seine Theodizee. Sie trägt den langen Titel "Theodizee von der Güte Gottes, der Freiheit des Menschen und dem Ursprung des Übels" und ist 1710 in Amsterdam erschienen. Hautsächlich ist sie motiviert durch eine Auseinandersetzung mit dem aufklärerischen "Dictionnaire historique et critique", das Pierre Bayle einige Jahre zuvor veröffentlicht hat. Diese Auseinandersetzung fand nun weniger zwischen Leibniz und Bayle statt, als vielmehr zwischen Leibniz und der Königin Sophie Charlotte von Hannover.
Wie Leibniz in einem Brief schreibt, ist die Theodizee aus Konversationen und Schriftstücken zwischen ihm und der Königin hervorgeganen. Sein Hauptanliegen war es dabei, die Königin von der Nichtigkeit der Einwände von Bayle zu überzeugen. Nachdem die Könin unerwartet gestorben war, formte Leibniz -- wohl auch zum literarischen Andenken an die von ihm sehr geschätzte Sophie Charlotte -- aus den Schriftstücken die Theodizee. Deswegen wirkt das Werk auch weniger systematisch und gleicht eher einer wilden Aneinanderreihung ähnlicher Argumente.
Inhaltlich argumentiert Leibniz in der Theodizee natürlich für die Welt als die beste aller möglichen Welten. Um diese These zu verdeutlichen: Nach Leibniz ist in der Welt in der wir leben das meiste Glück und das wenigste Unglück realisiert! Ich brauche wohl nicht weiter darauf einzugehen, dass es dabei um eine sehr kontraintuitive These handelt. Obendrein reicht es Leibniz schon aus, Hirngespinste als Argumente für diese These gelten zu lassen. So erwidert er etwa dem Einwand, das Übel überwiege auf der Welt, mit einem Hinweis auf die Möglichkeit uns unbekannter aber intelligenter Kreaturen irgendwo im Universum, die die Quote des Glücks nach oben korrigierten. Er erklärt explizit, dass man diese Tatsache nicht beweisen könnte. Die Wahrheit einer solchen Möglichkeit spielt für ihn also keine Rolle.
Leibniz als der Philosoph der großen Vernunftprinzipien denkt dabei natürlich daran, dass die Möglichkeit als solche schon ausreichend ist für ihre Wirklichkeit. Denn nach Leibniz kann der perfektionistische Gott nicht anders, als die beste aller möglichen Welten zu realisieren. Demnach reicht ihm jedes Hirngespinst als Argument für seine Theodizee, solange nur die Quantität von Glück erhöht wird.