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		<title>Philosophieblog</title>
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		<description>Hier schreiben Philosophen &#252;ber Studium, Logik, Metaphysik, Ontologie, Ethik, Erkenntnis, Wissenschaft, Semiotik, Sprache, Politik, Kultur, Religion, Gesellschaft, Geschichte, &#196;sthetik und Technik</description>
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			<title>Ein erster Versucht, NLP (Neurolinguistisches Programmieren) zu verstehen</title>
			<link>http://philosophieblog.de/philohof/ein-erster-versucht-nlp-neurolinguistisc</link>
			<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 19:11:00 +0000</pubDate>			<dc:creator>philohof</dc:creator>
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						<description>&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://www.philohof.com/philosophie/nachdenken_ueber_wirtschaft/konzeptder_anpassungsgesellschaft_ueberNLP.pdf&quot;&gt;http://www.philohof.com/philosophie/nachdenken_ueber_wirtschaft/konzeptder_anpassungsgesellschaft_ueberNLP.pdf&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Endlich habe ich mich einmal bem&amp;#252;ht zu verstehen, wovon NLP eigentlich handelt. Zu dem Zweck habe ich ein handels&amp;#252;bliches Einf&amp;#252;hrungswerk zur Hand genommen (Roman Braun: NLP eine Einf&amp;#252;hrung. Carl Ueberreiter, Frankfurt/Wien 2003 - Die von mir gelesene Ausgabe ist zwar etwas &amp;#228;lter, das Buch scheint aber recht popul&amp;#228;r zu sein und liegt in neueren Ausgaben an mehreren Stellen in der Wiener Thalia-Buchhandlung zum Verkauf auf.)&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es ist nun gut m&amp;#246;glich, dass ich dieses Buch auf eine ein wenig andere Art analysiert habe, als sonst LeserInnen es normalerweise lesen. Denn ich habe mich darauf konzentriert, auf welcher Ebene das Buch eigentlich genau den Leser/die Leserin anspricht und welche Ebene es ausl&amp;#228;sst, also wor&amp;#252;ber es nichts sagt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Ergebnisse:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es ist eindeutig, dass das Buch ausschlie&amp;#223;lich den einzelnen Leser/die Leserin anspricht, um ihm oder ihr Erfolg zu versprechen. Die Gesellschaft kommt in dem Buch nicht vor, vor allem nicht in der Form, dass das Buch sagen w&amp;#252;rde: &amp;quot;Die Gesellschaft funktioniert so und so -und wenn du das verstehst und dich danach richtest wirst du Erfolg haben!&amp;quot; NLP funktioniert also nicht nach dem Modell &amp;quot;Gutes Benehmen wieder gefragt&amp;quot;, wo man von den Anderen mit Sympathie belohnt wird, wenn man sich an allgemein anerkannte Regeln h&amp;#228;lt. Doch gehen wir es systematisch an:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;a) Die Beziehung des Menschen zur Gesellschaft&lt;/p&gt;&lt;p&gt;kommt in dem Buch, wie gesagt, praktisch nicht vor. NLP&amp;#160;basiert ja nicht auf dem Prinzip: Pass dich an, und man wird zufrieden mit dir sein. Sondern NLP hat sich aus der Beobachtung erfolgreicher Menschen entwickelt. Und daraus haben die NLPianer den Grundsatz abgeleitet: Wenn etwas nicht funktioniert, dann probier einfach etwas anderes! Daraus folgt: NLP ist etwas, das funktioniert, egal welche Umweltbedingungen sozialer oder sonstiger Natur rundum herrschen. Nur: Was bedeutet das eigentlich?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es bedeutet, dass die Gesellschaft im NLP als eine Unbekannte gesetzt wird, als eine &amp;quot;black box&amp;quot;. Und daraus folgere ich nun wiederum, NLP ist die rechte Lehre f&amp;#252;r eine Gesellschaft, die sich selber nicht entscheiden will, ob sie so oder so sein will; f&amp;#252;r eine Gesellschaft, die blo&amp;#223; von ihren Mitgliedern fordert, sich so schnell wie m&amp;#246;glich anzupassen, wie immer und an welchem Zustand immer die Gesellschaft sich gerade befindet. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;b) Die Beziehung des Menschen zu sich selbst&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Hier liegen die Dinge auf Messers Schneide, und es ist nicht entscheidbar, was mehr z&amp;#228;hlt. Einerseits r&amp;#228;t NLP dem Menschen, in sich selbst hineinzuschauen und nach seinen W&amp;#252;nschen und Zielen zu suchen. Denn aus dem, was er gern tut und wirklich will, sch&amp;#246;pft der Mensch ja die psychische Kraft zum Handeln. Andererseits steht aber doch die Forderung nach dem Erfolg &amp;#252;ber der Verwirklichung der eigenen W&amp;#252;nsche des Menschen. Deshalb gibt es auch Techniken im NLP (Ankern, Dissoziieren etc.), um auf die eigenen Gef&amp;#252;hle Einfluss zu nehmen und sich in&amp;#160;jenen emotionalen Zustand zu bringen, der in&amp;#160;der Situation, in welcher man gerade steckt, am dienlichsten ist und in welchem man am leistungsf&amp;#228;higsten ist. Es ist also nicht entscheidbar, ob man im NLP wirklich auf sich h&amp;#246;rt oder ob man sich nicht doch eher selber manipuliert.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eindeutiger ist demgegen&amp;#252;ber, dass es im NLP keine Vorstellung von einem guten oder gegl&amp;#252;ckten Menschenleben gibt. Und insofern kann man schon sagen, dass NLP das Ich des Menschen genauso als &amp;quot;black box&amp;quot; ansieht wie die Gesellschaft. NLP verwendet den Menschen blo&amp;#223;, um m&amp;#246;glichst viel psychische Kraft und Wendigkeit aus ihm herauszuziehen, damit es sich in der Dunkelheit des Gesellschaftsraums, in welchem es nur mit der &amp;quot;trial and error&amp;quot;-Methode vorankommen kann, erfolgreich bewegt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;c) Die Beziehung des Menschen zum anderen Menschen&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es ist schon fast &amp;#252;berfl&amp;#252;ssig zu sagen, dass hier ebenfalls keine Vorstellung davon, wie eine gegl&amp;#252;ckte Beziehung zum anderen Menschen aussehen sollte, zugrunde liegt. Die Frage, die sich an dieser Stelle aufdr&amp;#228;ngt, ist viel eher: Wo NLP doch so wenige Anhaltspunkte hat (nicht in der Gesellschaft, wie wir gesehen haben, kaum im Selbst des Menschen), worauf kann&amp;#160;es sich denn &amp;#252;berhaupt st&amp;#252;tzen? Nun, in der Kommunikationsbeziehung mit dem anderen Menschen st&amp;#252;tzt man sich auf Elemente, die im unbewussten oder halbbewussten Bereich liegen. Mittels &amp;quot;Pacing&amp;quot; ahmt man den Gespr&amp;#228;chspartner/die Gespr&amp;#228;chspartnerin in K&amp;#246;rperhaltung, Sprechgeschwindigkeit und Tonalit&amp;#228;t nach und versucht auf diese Weise, eine angenehme Gespr&amp;#228;chsatmosph&amp;#228;re herzustellen. Mittels Beobachtung seiner/ihrer Augenbewegungen und Achtung auf bevorzugte Gespr&amp;#228;chsmetaphern (&amp;quot;Ich sehe das ein.&amp;quot; &amp;quot;Das h&amp;#246;rt sich gut an.&amp;quot; &amp;quot;Das begreife ich.&amp;quot;) versucht man herauszubekommen, welche Sinne beim Gespr&amp;#228;chspartner dominieren und stellt sich mit den eigenen Formulierungen ebenfalls darauf ein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es ist nun nicht so, dass man hier nicht das Gef&amp;#252;hl h&amp;#228;tte, ein Gespr&amp;#228;ch mit einem Mitmenschen nach dieser Anleitung w&amp;#252;rde nicht an ihm als Person vorbeigehen. Tats&amp;#228;chlich z&amp;#228;hlen die rationalen Vorstellungen, mit denen der andere Mensch sich selbst repr&amp;#228;sentieren m&amp;#246;chte, im NLP nicht; anstattdessen redet man eher mit dem Faktum, dass er oder sie ein visueller, ein kin&amp;#228;sthetischer oder olfaktorischer Typ ist. Man redet also nicht mit ihm/ihr selber, sondern mit bestimmten Elementen in ihm/in ihr, welche Erkenntnisse der Psychologie sind.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wiederum fragt sich, was das alles bedeutet? Eine gute Richtschnur bei der Analyse kann sein, dass NLP vielleicht deshalb so erfolgreich ist, weil es sich&amp;#160;in verschiedenste Diskurse NICHT einmischt. So gibt es etwa kein Konzept von NLP dar&amp;#252;ber, wie die Gesellschaft sein sollte, und NLP kommt dadurch nicht in Konflikt mit verschiedenen gesellschaftspoltischen Theorien. Trotzdem baut NLP an der Umgestaltung und Neugestaltung der Gesellschaft heftig mit, denn wenn es daran mitwirkt, eine Gesellschaft zu verwirklichen, die ohne eine Vorstellung vom gesellschaftlichen Zusammenleben auskommt, daf&amp;#252;r aber aus lauter flexiblen und schnell sich anpassenden menschlichen Gliedern besteht,dann ist das doch bitte auch eine Gesellschaftskonzeption (nur eben, dass man nicht sagt, dass es eine ist, oder eben einfach gar nicht dar&amp;#252;ber spricht).&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Tatsache, dass es im Neurolinguistischen Programmieren keine Vorstellung davon gibt, wie das menschliche Leben aussehen sollte oder wie ein gegl&amp;#252;cktes menschliches Leben aussehen sollte, bringt den NLP-Diskurs aus der Reichweite der Ethik. Gemeint sind dabei nat&amp;#252;rlich ethische Diskurse in der Nachfolge von Aristoteles, also solche, die die Frage nach dem guten Leben stellen. Dabei ist die Angelegenheit ja interessant: Einerseits empfiehlt NLP dem Individuum, seine W&amp;#252;nsche zu realisieren, aber ist das dem Individuum denn m&amp;#246;glich, ohne dass es sich Bilder davon macht, wie es sich ein gegl&amp;#252;cktes Menschenleben vorstellt? (Tats&amp;#228;chlich soll es sich ja im NLP auch solche bildliche Vorstellungen machen, aber diese schnell wieder verwerfen, wenn sie sich als nicht erfolgbringend erweisen.)&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aus philosophischer Sicht scheint mir die Sache so zu sein: Wenn NLP mit einem Konzept vom Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft aufwarten w&amp;#252;rde, dann h&amp;#228;tten wir was zu reden mit dem Neurolinguistischen Programmieren. Ebenso, wenn NLP ein Bild vom gegl&amp;#252;ckten Leben des Individuums entwerfen w&amp;#252;rden, auch dann h&amp;#228;tten&amp;#160;wir ein Thema. Aber NLP sagt ja einfach: &amp;quot;Macht, was ihr wollt. Achtet nur drauf, dass es funktioniert!&amp;quot; Es l&amp;#228;sst uns inhaltlich orientierte Menschen, die &amp;#252;ber ETWAS reden wollen, also ins Leere laufen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wie k&amp;#246;nnte es sich da anders verhalten im Gespr&amp;#228;ch mit dem anderen Menschen. Mir ist tats&amp;#228;chlich erst bei der Lekt&amp;#252;re von Roman Brauns Einf&amp;#252;hrungsbuch ins NLP bewusst geworden, wieviel Wert ich darauf lege, dass mein Gespr&amp;#228;chspartner/meine Gespr&amp;#228;chspartnerin mir auf einer rationalen Ebene begegnet, also auf das eingeht, was ich sage - und nicht auf meine K&amp;#246;rpersprache oder meine gustatorischen Metaphern. Das soll nicht hei&amp;#223;en, dass ich meine, Gef&amp;#252;hle seien nicht wichtig. Aber wenn ich spreche und argumentiere, dann baue ich mit Worten etwas zusammen und bin darauf konzentriert. Und dann m&amp;#246;chte ich auch, dass mich mein Gespr&amp;#228;chspartner dabei begleitet, auch wenn 93% aller Kommunikation nichtverbal sein sollten. Man verstehe mich nicht falsch, aber wenn ich gerade dabei bin zu formulieren, wie ich die Welt sehe und mein Gespr&amp;#228;chspartner/meine -partnerin hat nichts Besseres zu tun, als meine K&amp;#246;rperhaltung nachzuahmen, dann habe ich sehr stark das Gef&amp;#252;hl, dass diese Kommunikation an mir vorbeigeht und sich eher an&amp;#160;ETWAS in mir wendet als an mich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Womit wir die sehr merkw&amp;#252;rdigen Ergebnisse meiner Analyse zusammenfassen k&amp;#246;nnen: NLP ist so etwas wie ein Selbstverteidigungskurs f&amp;#252;r den Dschungel oder f&amp;#252;r den Kampf in der Dunkelheit, denn die Gesellschaft wird in ihm als &amp;quot;black box&amp;quot; angesetzt, der man mit dem Grundsatz &amp;quot;Wenn das nicht funktioniert, dann versuche etwas anderes!&amp;quot; begegnet. Wom&amp;#246;glich ist unsere Gesellschaft tats&amp;#228;chlich so eine &amp;quot;black box&amp;quot; ohne bestimmte Werte oder mit Werten, die sie laut verk&amp;#252;ndet, w&amp;#228;hrend sie sich in Wirklichkeit nach anderen Werten verh&amp;#228;lt - und das ist die eigentliche Grundlage des Erfolgs von NLP. Dem anderen Menschen begegnet NLP gar nicht anders als der Gesellschaft: NLP spricht ihn auf der rationalen Ebene gar nicht an, fragt gar nicht danach, wer er ist und f&amp;#252;r welche Art von Leben er sich entschieden hat. Wahrscheinlich stimmt es eh nicht, was er sagt. K&amp;#246;rpersprache und bevorzugte Sprachmetaphern sagen uns viel mehr &amp;#252;ber ihn als er selber zuzugeben bereit ist. Wahrscheinlich, wenn er/oder sie sagt, er/sie sei der oder der/oder die, erfahren wir durch unsere Beobachtungsgabe, dass gerade das Gegenteil richtig ist und nutzen diese Erkenntnis, um an seinem/oder ihrem bewussten Willen vorbei &amp;quot;erfolgreich&amp;quot; mit ihm/ihr zu kommunizieren und ihm/ihr z.B. etwas zu verkaufen. Diese Verhaltensweisen entsprechen den Anforderungen einer komplexen und chaotischen Gesellschaft (sowie einer bigotten Gesellschaft, einer Gesellschaft der Doppelmoral - falsch! sogar einer plurigotten und multimoralischen Gesellschaft!) und sind wahrscheinlich - das nehme ich einfach mal an - recht erfolgreich in ihr; die Kehrseite dieser Verhaltensweisen ist aber, dass ein Mensch, der NLP anwendet, im Grunde ohne Gesellschaft und Mitmenschen auskommen muss. Denn die Gesellschaft ist ja blo&amp;#223; eine &amp;quot;black box&amp;quot; f&amp;#252;r ihn, und den Mitmenschen reduziert er auf nicht viel mehr als dessen K&amp;#246;rpersprache.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Also ist der NLP-Mensch allein. Er bleibt allein, denn er kann ja auch gar keinen zweiten Menschen finden. Somit ist die Frage, ob er sich denn zumindest selber hat? Man wird vorausahnen, dass ich die Tendenz habe, auch diese Frage eher negativ zu beantworten. Der NLP-praktizierende Mensch geht zwar von seinen W&amp;#252;nschen aus, aber er/oder sie geht ja trotzdem nicht wirklich von sich selber aus. Schlie&amp;#223;lich ist nicht Wunscherf&amp;#252;llung das h&amp;#246;chste Ziel von NLP, sondern Erfolg - und Erfolg ist &amp;quot;Leistung x Kommunikation&amp;quot;, wie es gegen Ende des Buchs von Roman Braun hei&amp;#223;t, mithin also etwas, das von der Anerkennung der Anderen abh&amp;#228;ngig ist.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wie kann man das alles in einen Satz fassen: NLP ist der Versuch, in dieser absoluten Dunkelheit der Verwirrung, in der wir heute leben, eine Art menschliches Zahnrad zu schaffen, das sich allein und durch sich selbst bewegend, ohne etwas zu sehen, doch mit unendlicher Kraft aus seinem Inneren, unaufh&amp;#246;rlich aus dem Schlamm herausdreht, um obenauf zu liegen zu kommen. Und was ist NLP daher? NLP ist dadurch die Anerkennung des Faktums der absoluten Dunkelheit der Verwirrung, in der wir heute alle in dieser unserer Gesellschaft&amp;#160;leben.&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/philohof/ein-erster-versucht-nlp-neurolinguistisc&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://philohof.philosophieblog.de/&quot;&gt;Philohof&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.philohof.com/philosophie/nachdenken_ueber_wirtschaft/konzeptder_anpassungsgesellschaft_ueberNLP.pdf">http://www.philohof.com/philosophie/nachdenken_ueber_wirtschaft/konzeptder_anpassungsgesellschaft_ueberNLP.pdf</a></p><p>Endlich habe ich mich einmal bem&#252;ht zu verstehen, wovon NLP eigentlich handelt. Zu dem Zweck habe ich ein handels&#252;bliches Einf&#252;hrungswerk zur Hand genommen (Roman Braun: NLP eine Einf&#252;hrung. Carl Ueberreiter, Frankfurt/Wien 2003 - Die von mir gelesene Ausgabe ist zwar etwas &#228;lter, das Buch scheint aber recht popul&#228;r zu sein und liegt in neueren Ausgaben an mehreren Stellen in der Wiener Thalia-Buchhandlung zum Verkauf auf.)</p><p>Es ist nun gut m&#246;glich, dass ich dieses Buch auf eine ein wenig andere Art analysiert habe, als sonst LeserInnen es normalerweise lesen. Denn ich habe mich darauf konzentriert, auf welcher Ebene das Buch eigentlich genau den Leser/die Leserin anspricht und welche Ebene es ausl&#228;sst, also wor&#252;ber es nichts sagt.</p><p>Die Ergebnisse:</p><p>Es ist eindeutig, dass das Buch ausschlie&#223;lich den einzelnen Leser/die Leserin anspricht, um ihm oder ihr Erfolg zu versprechen. Die Gesellschaft kommt in dem Buch nicht vor, vor allem nicht in der Form, dass das Buch sagen w&#252;rde: &quot;Die Gesellschaft funktioniert so und so -und wenn du das verstehst und dich danach richtest wirst du Erfolg haben!&quot; NLP funktioniert also nicht nach dem Modell &quot;Gutes Benehmen wieder gefragt&quot;, wo man von den Anderen mit Sympathie belohnt wird, wenn man sich an allgemein anerkannte Regeln h&#228;lt. Doch gehen wir es systematisch an:</p><p>&#160;a) Die Beziehung des Menschen zur Gesellschaft</p><p>kommt in dem Buch, wie gesagt, praktisch nicht vor. NLP&#160;basiert ja nicht auf dem Prinzip: Pass dich an, und man wird zufrieden mit dir sein. Sondern NLP hat sich aus der Beobachtung erfolgreicher Menschen entwickelt. Und daraus haben die NLPianer den Grundsatz abgeleitet: Wenn etwas nicht funktioniert, dann probier einfach etwas anderes! Daraus folgt: NLP ist etwas, das funktioniert, egal welche Umweltbedingungen sozialer oder sonstiger Natur rundum herrschen. Nur: Was bedeutet das eigentlich?</p><p>Es bedeutet, dass die Gesellschaft im NLP als eine Unbekannte gesetzt wird, als eine &quot;black box&quot;. Und daraus folgere ich nun wiederum, NLP ist die rechte Lehre f&#252;r eine Gesellschaft, die sich selber nicht entscheiden will, ob sie so oder so sein will; f&#252;r eine Gesellschaft, die blo&#223; von ihren Mitgliedern fordert, sich so schnell wie m&#246;glich anzupassen, wie immer und an welchem Zustand immer die Gesellschaft sich gerade befindet. </p><p>b) Die Beziehung des Menschen zu sich selbst</p><p>Hier liegen die Dinge auf Messers Schneide, und es ist nicht entscheidbar, was mehr z&#228;hlt. Einerseits r&#228;t NLP dem Menschen, in sich selbst hineinzuschauen und nach seinen W&#252;nschen und Zielen zu suchen. Denn aus dem, was er gern tut und wirklich will, sch&#246;pft der Mensch ja die psychische Kraft zum Handeln. Andererseits steht aber doch die Forderung nach dem Erfolg &#252;ber der Verwirklichung der eigenen W&#252;nsche des Menschen. Deshalb gibt es auch Techniken im NLP (Ankern, Dissoziieren etc.), um auf die eigenen Gef&#252;hle Einfluss zu nehmen und sich in&#160;jenen emotionalen Zustand zu bringen, der in&#160;der Situation, in welcher man gerade steckt, am dienlichsten ist und in welchem man am leistungsf&#228;higsten ist. Es ist also nicht entscheidbar, ob man im NLP wirklich auf sich h&#246;rt oder ob man sich nicht doch eher selber manipuliert.</p><p>Eindeutiger ist demgegen&#252;ber, dass es im NLP keine Vorstellung von einem guten oder gegl&#252;ckten Menschenleben gibt. Und insofern kann man schon sagen, dass NLP das Ich des Menschen genauso als &quot;black box&quot; ansieht wie die Gesellschaft. NLP verwendet den Menschen blo&#223;, um m&#246;glichst viel psychische Kraft und Wendigkeit aus ihm herauszuziehen, damit es sich in der Dunkelheit des Gesellschaftsraums, in welchem es nur mit der &quot;trial and error&quot;-Methode vorankommen kann, erfolgreich bewegt.</p><p>c) Die Beziehung des Menschen zum anderen Menschen</p><p>Es ist schon fast &#252;berfl&#252;ssig zu sagen, dass hier ebenfalls keine Vorstellung davon, wie eine gegl&#252;ckte Beziehung zum anderen Menschen aussehen sollte, zugrunde liegt. Die Frage, die sich an dieser Stelle aufdr&#228;ngt, ist viel eher: Wo NLP doch so wenige Anhaltspunkte hat (nicht in der Gesellschaft, wie wir gesehen haben, kaum im Selbst des Menschen), worauf kann&#160;es sich denn &#252;berhaupt st&#252;tzen? Nun, in der Kommunikationsbeziehung mit dem anderen Menschen st&#252;tzt man sich auf Elemente, die im unbewussten oder halbbewussten Bereich liegen. Mittels &quot;Pacing&quot; ahmt man den Gespr&#228;chspartner/die Gespr&#228;chspartnerin in K&#246;rperhaltung, Sprechgeschwindigkeit und Tonalit&#228;t nach und versucht auf diese Weise, eine angenehme Gespr&#228;chsatmosph&#228;re herzustellen. Mittels Beobachtung seiner/ihrer Augenbewegungen und Achtung auf bevorzugte Gespr&#228;chsmetaphern (&quot;Ich sehe das ein.&quot; &quot;Das h&#246;rt sich gut an.&quot; &quot;Das begreife ich.&quot;) versucht man herauszubekommen, welche Sinne beim Gespr&#228;chspartner dominieren und stellt sich mit den eigenen Formulierungen ebenfalls darauf ein.</p><p>Es ist nun nicht so, dass man hier nicht das Gef&#252;hl h&#228;tte, ein Gespr&#228;ch mit einem Mitmenschen nach dieser Anleitung w&#252;rde nicht an ihm als Person vorbeigehen. Tats&#228;chlich z&#228;hlen die rationalen Vorstellungen, mit denen der andere Mensch sich selbst repr&#228;sentieren m&#246;chte, im NLP nicht; anstattdessen redet man eher mit dem Faktum, dass er oder sie ein visueller, ein kin&#228;sthetischer oder olfaktorischer Typ ist. Man redet also nicht mit ihm/ihr selber, sondern mit bestimmten Elementen in ihm/in ihr, welche Erkenntnisse der Psychologie sind.</p><p>Wiederum fragt sich, was das alles bedeutet? Eine gute Richtschnur bei der Analyse kann sein, dass NLP vielleicht deshalb so erfolgreich ist, weil es sich&#160;in verschiedenste Diskurse NICHT einmischt. So gibt es etwa kein Konzept von NLP dar&#252;ber, wie die Gesellschaft sein sollte, und NLP kommt dadurch nicht in Konflikt mit verschiedenen gesellschaftspoltischen Theorien. Trotzdem baut NLP an der Umgestaltung und Neugestaltung der Gesellschaft heftig mit, denn wenn es daran mitwirkt, eine Gesellschaft zu verwirklichen, die ohne eine Vorstellung vom gesellschaftlichen Zusammenleben auskommt, daf&#252;r aber aus lauter flexiblen und schnell sich anpassenden menschlichen Gliedern besteht,dann ist das doch bitte auch eine Gesellschaftskonzeption (nur eben, dass man nicht sagt, dass es eine ist, oder eben einfach gar nicht dar&#252;ber spricht).</p><p>Die Tatsache, dass es im Neurolinguistischen Programmieren keine Vorstellung davon gibt, wie das menschliche Leben aussehen sollte oder wie ein gegl&#252;cktes menschliches Leben aussehen sollte, bringt den NLP-Diskurs aus der Reichweite der Ethik. Gemeint sind dabei nat&#252;rlich ethische Diskurse in der Nachfolge von Aristoteles, also solche, die die Frage nach dem guten Leben stellen. Dabei ist die Angelegenheit ja interessant: Einerseits empfiehlt NLP dem Individuum, seine W&#252;nsche zu realisieren, aber ist das dem Individuum denn m&#246;glich, ohne dass es sich Bilder davon macht, wie es sich ein gegl&#252;cktes Menschenleben vorstellt? (Tats&#228;chlich soll es sich ja im NLP auch solche bildliche Vorstellungen machen, aber diese schnell wieder verwerfen, wenn sie sich als nicht erfolgbringend erweisen.)</p><p>Aus philosophischer Sicht scheint mir die Sache so zu sein: Wenn NLP mit einem Konzept vom Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft aufwarten w&#252;rde, dann h&#228;tten wir was zu reden mit dem Neurolinguistischen Programmieren. Ebenso, wenn NLP ein Bild vom gegl&#252;ckten Leben des Individuums entwerfen w&#252;rden, auch dann h&#228;tten&#160;wir ein Thema. Aber NLP sagt ja einfach: &quot;Macht, was ihr wollt. Achtet nur drauf, dass es funktioniert!&quot; Es l&#228;sst uns inhaltlich orientierte Menschen, die &#252;ber ETWAS reden wollen, also ins Leere laufen.</p><p>Wie k&#246;nnte es sich da anders verhalten im Gespr&#228;ch mit dem anderen Menschen. Mir ist tats&#228;chlich erst bei der Lekt&#252;re von Roman Brauns Einf&#252;hrungsbuch ins NLP bewusst geworden, wieviel Wert ich darauf lege, dass mein Gespr&#228;chspartner/meine Gespr&#228;chspartnerin mir auf einer rationalen Ebene begegnet, also auf das eingeht, was ich sage - und nicht auf meine K&#246;rpersprache oder meine gustatorischen Metaphern. Das soll nicht hei&#223;en, dass ich meine, Gef&#252;hle seien nicht wichtig. Aber wenn ich spreche und argumentiere, dann baue ich mit Worten etwas zusammen und bin darauf konzentriert. Und dann m&#246;chte ich auch, dass mich mein Gespr&#228;chspartner dabei begleitet, auch wenn 93% aller Kommunikation nichtverbal sein sollten. Man verstehe mich nicht falsch, aber wenn ich gerade dabei bin zu formulieren, wie ich die Welt sehe und mein Gespr&#228;chspartner/meine -partnerin hat nichts Besseres zu tun, als meine K&#246;rperhaltung nachzuahmen, dann habe ich sehr stark das Gef&#252;hl, dass diese Kommunikation an mir vorbeigeht und sich eher an&#160;ETWAS in mir wendet als an mich.</p><p>Womit wir die sehr merkw&#252;rdigen Ergebnisse meiner Analyse zusammenfassen k&#246;nnen: NLP ist so etwas wie ein Selbstverteidigungskurs f&#252;r den Dschungel oder f&#252;r den Kampf in der Dunkelheit, denn die Gesellschaft wird in ihm als &quot;black box&quot; angesetzt, der man mit dem Grundsatz &quot;Wenn das nicht funktioniert, dann versuche etwas anderes!&quot; begegnet. Wom&#246;glich ist unsere Gesellschaft tats&#228;chlich so eine &quot;black box&quot; ohne bestimmte Werte oder mit Werten, die sie laut verk&#252;ndet, w&#228;hrend sie sich in Wirklichkeit nach anderen Werten verh&#228;lt - und das ist die eigentliche Grundlage des Erfolgs von NLP. Dem anderen Menschen begegnet NLP gar nicht anders als der Gesellschaft: NLP spricht ihn auf der rationalen Ebene gar nicht an, fragt gar nicht danach, wer er ist und f&#252;r welche Art von Leben er sich entschieden hat. Wahrscheinlich stimmt es eh nicht, was er sagt. K&#246;rpersprache und bevorzugte Sprachmetaphern sagen uns viel mehr &#252;ber ihn als er selber zuzugeben bereit ist. Wahrscheinlich, wenn er/oder sie sagt, er/sie sei der oder der/oder die, erfahren wir durch unsere Beobachtungsgabe, dass gerade das Gegenteil richtig ist und nutzen diese Erkenntnis, um an seinem/oder ihrem bewussten Willen vorbei &quot;erfolgreich&quot; mit ihm/ihr zu kommunizieren und ihm/ihr z.B. etwas zu verkaufen. Diese Verhaltensweisen entsprechen den Anforderungen einer komplexen und chaotischen Gesellschaft (sowie einer bigotten Gesellschaft, einer Gesellschaft der Doppelmoral - falsch! sogar einer plurigotten und multimoralischen Gesellschaft!) und sind wahrscheinlich - das nehme ich einfach mal an - recht erfolgreich in ihr; die Kehrseite dieser Verhaltensweisen ist aber, dass ein Mensch, der NLP anwendet, im Grunde ohne Gesellschaft und Mitmenschen auskommen muss. Denn die Gesellschaft ist ja blo&#223; eine &quot;black box&quot; f&#252;r ihn, und den Mitmenschen reduziert er auf nicht viel mehr als dessen K&#246;rpersprache.</p><p>Also ist der NLP-Mensch allein. Er bleibt allein, denn er kann ja auch gar keinen zweiten Menschen finden. Somit ist die Frage, ob er sich denn zumindest selber hat? Man wird vorausahnen, dass ich die Tendenz habe, auch diese Frage eher negativ zu beantworten. Der NLP-praktizierende Mensch geht zwar von seinen W&#252;nschen aus, aber er/oder sie geht ja trotzdem nicht wirklich von sich selber aus. Schlie&#223;lich ist nicht Wunscherf&#252;llung das h&#246;chste Ziel von NLP, sondern Erfolg - und Erfolg ist &quot;Leistung x Kommunikation&quot;, wie es gegen Ende des Buchs von Roman Braun hei&#223;t, mithin also etwas, das von der Anerkennung der Anderen abh&#228;ngig ist.</p><p>Wie kann man das alles in einen Satz fassen: NLP ist der Versuch, in dieser absoluten Dunkelheit der Verwirrung, in der wir heute leben, eine Art menschliches Zahnrad zu schaffen, das sich allein und durch sich selbst bewegend, ohne etwas zu sehen, doch mit unendlicher Kraft aus seinem Inneren, unaufh&#246;rlich aus dem Schlamm herausdreht, um obenauf zu liegen zu kommen. Und was ist NLP daher? NLP ist dadurch die Anerkennung des Faktums der absoluten Dunkelheit der Verwirrung, in der wir heute alle in dieser unserer Gesellschaft&#160;leben.</p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/philohof/ein-erster-versucht-nlp-neurolinguistisc">Original post</a> blogged on <a href="http://philohof.philosophieblog.de/">Philohof</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
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			<title></title>
			<link>http://philosophieblog.de/maier/title-28</link>
			<pubDate>Sun, 29 Aug 2010 10:54:04 +0000</pubDate>			<dc:creator>G&#252;nter Maier</dc:creator>
			<category domain="main">maier</category>			<guid isPermaLink="false">722@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Identit&amp;#228;t&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der philosophische Begriff der Identit&amp;#228;t spielt eine Rolle in der Philosophie des Geistes zum Beispiel f&amp;#252;r die Frage, ob Gedanken und Empfindungen mit neuronalen Vorg&amp;#228;ngen identisch sein k&amp;#246;nnen und ob das eine Erkl&amp;#228;rung daf&amp;#252;r sein kann, dass mentale Vorg&amp;#228;nge in unserer Welt kausal wirksam sind. So ist etwa die Empfindung von Durst ein mentaler Vorgang, der verursacht, dass ich zum K&amp;#252;hlschrank gehe, um ein Getr&amp;#228;nk zu holen, was mit K&amp;#246;rperbewegungen verbunden ist. Dabei wird die Aktivit&amp;#228;t der Muskeln von neuronalen Vorg&amp;#228;ngen ausgel&amp;#246;st und gesteuert, die wiederum von anderen neuronalen Vorg&amp;#228;ngen verursacht worden sind. Mein Absicht, etwas zum Trinken zu holen, k&amp;#246;nnte aber dann eine kausale Rolle spielen, wenn dieser mentale Vorgang mit den die Muskelbewegeunegen ausl&amp;#246;senden neuronalen Vorg&amp;#228;ngen identisch w&amp;#228;re. &lt;br /&gt;In der philosophischen Diskussion wird einer solchen Vorstellung entgegengehalten (Saul Kripke), dass Identit&amp;#228;t eine notwendige Beziehung ist und dass die Beziehung zwischen mentalen und physischen Vorg&amp;#228;ngen das Merkmal der Notwendigkeit nicht aufweist, also kontingent ist. Beliebtes Beispiel: Schmerz ist beim Menschen&amp;#160; verbunden mit einer Reizung von C-Fasern. Das sei aber nicht notwendig, weil die Schmerzempfindung neuronal ganz anders realisiert sein k&amp;#246;nnte. Der Schmerz k&amp;#246;nne daher nicht mit der Reizung von C-Fasern identisch sein. Ein Paradebeispiel f&amp;#252;r das Vorliegen einer Identit&amp;#228;t und die daf&amp;#252;r erforderliche Notwendigkeit&amp;#160; der Beziehung sei die zwischen Wasser und H2O. Das kann nicht &amp;#252;berzeugen:&lt;br /&gt;Wasser ist ein Stoff mit bestimmten Eigenschaften: Es ist fl&amp;#252;ssig, durchsichtig, geschmacklos, gefriert bei 0&amp;#176; und verdampft bei 100&amp;#176;, findet sich im Regen, in Fl&amp;#252;ssen und Seeen und besteht aus H2O-Molek&amp;#252;len. Was nun interessant ist: Die Bezeichnung &amp;#8222;Wasser&amp;#8220; ist auch nur eine Eigenschaft dieses Stoffs, was man allein daran sehen kann, dass sie in anderen Sprachen anders lautet (Water, eau, aqua etc.). Auch die wissenschaftlichen Namen wie Wasserstoffoxid, Diwasserstoffmonoxid, Dihydrogeniumoxid (s. Wikipedia) sind nur Bezeichnungen in der Sprache der Chemie und damit blo&amp;#223;e Eigenschaften des genannten Stoffs. Sie weisen ledigich auf eine andere Eigenschaft des Stoffs hin, n&amp;#228;mlich aus H2O-Molek&amp;#252;len zu bestehen. Verschiedene Eigenschaften sind nicht identisch, eben weil sie verschieden sind. So kann die Eigenschaft, durchsichtig zu sein, nicht identisch sein mit der Eigenschaft, in der deutschen Sprache den Namen &amp;#8222;Wasser&amp;#8220; zu tragen. Es ist daher falsch zu sagen: Wasser ist identisch mit H2O. Das Paradebeispiel ist ungeeignet.&lt;br /&gt;Eine notwendige Identit&amp;#228;tsbeziehung gibt es aber sehr wohl, und zwar nicht zwischen Eigenschaften sondern zwischen Dingen, die mit unterschiedlichen Eigenschaften bezeichnet werden, n&amp;#228;mlich wenn sich die Bezeichnungen auf dasselbe Ding beziehen. So ist der Stoff, der sich auf unserer Erde in Fl&amp;#252;ssen und Seeen befindet, identisch mit dem Stoff, der im Deutschen mit&amp;#160; dem Wort &amp;#8222;Wasser&amp;#8220; bezeichnet wird. Andere Beispiele f&amp;#252;r Identit&amp;#228;t: Der Dichter Mark Twain hei&amp;#223;t eigentlich Samuel Clemens und er ist der Verfasser von &amp;#8222;Hucklebery Finn&amp;#8220;. Man kann daher sagen, dass die mit Mark Twain bezeichnete Person identisch ist&amp;#160; mit der Person Samuel Clemens und mit der Person, die Huckleberry Finn geschrieben hat. Oder: Die Person, die Horst K&amp;#246;hler hei&amp;#223;t, ist identisch mit der Person, die bis vor kurzem der deutsche Bundespr&amp;#228;sident war. (Die Eigenschaft, Horst K&amp;#246;hler zu hei&amp;#223;en, ist dagegen nicht identisch mit der Eigenschaft, bis vor kurzem Bundespr&amp;#228;sident gewesen zu sein).&lt;br /&gt;Zur&amp;#252;ck zu mentalen Vorg&amp;#228;ngen: Diese k&amp;#246;nnen identisch sein mit physischen Vorg&amp;#228;ngen, wenn man die Identit&amp;#228;tsbeziehung so versteht, dass die mit ihren mentalen Eigenschaften &lt;em&gt;bezeichneten &lt;/em&gt;Vorg&amp;#228;nge identisch sind mit Vorg&amp;#228;ngen, die mit bestimmten physischen Eigenschaften &lt;em&gt;bezeichnet &lt;/em&gt;werden.&amp;#160; Die Bezeichnungen weisen jeweils auf dieselben Vorg&amp;#228;nge hin, die damit notwendig mit sich selbst identisch sind. Die Absicht, etwas zu trinken, weist auf einen Vorgang hin, der gleichzeitig mit bestimmten physischen Eigenschaften(neuronales Muster XYZ) bezeichnet wird. Es handelt sich um denselben psychophysischen Vorgang. Unterschiedlich bezeichnete Vorg&amp;#228;nge, die in Wahrheit identisch sind, k&amp;#246;nnen nicht verschieden sein; sie haben jeweils alle ihre Eigenschaften und sind damit &lt;em&gt;notwendig &lt;/em&gt;identisch.&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/maier/title-28&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://maier.philosophieblog.de/&quot;&gt;Maier&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><br />Identit&#228;t<br /><br />Der philosophische Begriff der Identit&#228;t spielt eine Rolle in der Philosophie des Geistes zum Beispiel f&#252;r die Frage, ob Gedanken und Empfindungen mit neuronalen Vorg&#228;ngen identisch sein k&#246;nnen und ob das eine Erkl&#228;rung daf&#252;r sein kann, dass mentale Vorg&#228;nge in unserer Welt kausal wirksam sind. So ist etwa die Empfindung von Durst ein mentaler Vorgang, der verursacht, dass ich zum K&#252;hlschrank gehe, um ein Getr&#228;nk zu holen, was mit K&#246;rperbewegungen verbunden ist. Dabei wird die Aktivit&#228;t der Muskeln von neuronalen Vorg&#228;ngen ausgel&#246;st und gesteuert, die wiederum von anderen neuronalen Vorg&#228;ngen verursacht worden sind. Mein Absicht, etwas zum Trinken zu holen, k&#246;nnte aber dann eine kausale Rolle spielen, wenn dieser mentale Vorgang mit den die Muskelbewegeunegen ausl&#246;senden neuronalen Vorg&#228;ngen identisch w&#228;re. <br />In der philosophischen Diskussion wird einer solchen Vorstellung entgegengehalten (Saul Kripke), dass Identit&#228;t eine notwendige Beziehung ist und dass die Beziehung zwischen mentalen und physischen Vorg&#228;ngen das Merkmal der Notwendigkeit nicht aufweist, also kontingent ist. Beliebtes Beispiel: Schmerz ist beim Menschen&#160; verbunden mit einer Reizung von C-Fasern. Das sei aber nicht notwendig, weil die Schmerzempfindung neuronal ganz anders realisiert sein k&#246;nnte. Der Schmerz k&#246;nne daher nicht mit der Reizung von C-Fasern identisch sein. Ein Paradebeispiel f&#252;r das Vorliegen einer Identit&#228;t und die daf&#252;r erforderliche Notwendigkeit&#160; der Beziehung sei die zwischen Wasser und H2O. Das kann nicht &#252;berzeugen:<br />Wasser ist ein Stoff mit bestimmten Eigenschaften: Es ist fl&#252;ssig, durchsichtig, geschmacklos, gefriert bei 0&#176; und verdampft bei 100&#176;, findet sich im Regen, in Fl&#252;ssen und Seeen und besteht aus H2O-Molek&#252;len. Was nun interessant ist: Die Bezeichnung &#8222;Wasser&#8220; ist auch nur eine Eigenschaft dieses Stoffs, was man allein daran sehen kann, dass sie in anderen Sprachen anders lautet (Water, eau, aqua etc.). Auch die wissenschaftlichen Namen wie Wasserstoffoxid, Diwasserstoffmonoxid, Dihydrogeniumoxid (s. Wikipedia) sind nur Bezeichnungen in der Sprache der Chemie und damit blo&#223;e Eigenschaften des genannten Stoffs. Sie weisen ledigich auf eine andere Eigenschaft des Stoffs hin, n&#228;mlich aus H2O-Molek&#252;len zu bestehen. Verschiedene Eigenschaften sind nicht identisch, eben weil sie verschieden sind. So kann die Eigenschaft, durchsichtig zu sein, nicht identisch sein mit der Eigenschaft, in der deutschen Sprache den Namen &#8222;Wasser&#8220; zu tragen. Es ist daher falsch zu sagen: Wasser ist identisch mit H2O. Das Paradebeispiel ist ungeeignet.<br />Eine notwendige Identit&#228;tsbeziehung gibt es aber sehr wohl, und zwar nicht zwischen Eigenschaften sondern zwischen Dingen, die mit unterschiedlichen Eigenschaften bezeichnet werden, n&#228;mlich wenn sich die Bezeichnungen auf dasselbe Ding beziehen. So ist der Stoff, der sich auf unserer Erde in Fl&#252;ssen und Seeen befindet, identisch mit dem Stoff, der im Deutschen mit&#160; dem Wort &#8222;Wasser&#8220; bezeichnet wird. Andere Beispiele f&#252;r Identit&#228;t: Der Dichter Mark Twain hei&#223;t eigentlich Samuel Clemens und er ist der Verfasser von &#8222;Hucklebery Finn&#8220;. Man kann daher sagen, dass die mit Mark Twain bezeichnete Person identisch ist&#160; mit der Person Samuel Clemens und mit der Person, die Huckleberry Finn geschrieben hat. Oder: Die Person, die Horst K&#246;hler hei&#223;t, ist identisch mit der Person, die bis vor kurzem der deutsche Bundespr&#228;sident war. (Die Eigenschaft, Horst K&#246;hler zu hei&#223;en, ist dagegen nicht identisch mit der Eigenschaft, bis vor kurzem Bundespr&#228;sident gewesen zu sein).<br />Zur&#252;ck zu mentalen Vorg&#228;ngen: Diese k&#246;nnen identisch sein mit physischen Vorg&#228;ngen, wenn man die Identit&#228;tsbeziehung so versteht, dass die mit ihren mentalen Eigenschaften <em>bezeichneten </em>Vorg&#228;nge identisch sind mit Vorg&#228;ngen, die mit bestimmten physischen Eigenschaften <em>bezeichnet </em>werden.&#160; Die Bezeichnungen weisen jeweils auf dieselben Vorg&#228;nge hin, die damit notwendig mit sich selbst identisch sind. Die Absicht, etwas zu trinken, weist auf einen Vorgang hin, der gleichzeitig mit bestimmten physischen Eigenschaften(neuronales Muster XYZ) bezeichnet wird. Es handelt sich um denselben psychophysischen Vorgang. Unterschiedlich bezeichnete Vorg&#228;nge, die in Wahrheit identisch sind, k&#246;nnen nicht verschieden sein; sie haben jeweils alle ihre Eigenschaften und sind damit <em>notwendig </em>identisch.</p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/maier/title-28">Original post</a> blogged on <a href="http://maier.philosophieblog.de/">Maier</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
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		</item>
				<item>
			<title>Philosophy of mind</title>
			<link>http://philosophieblog.de/philohof/philosophy-of-mind</link>
			<pubDate>Fri, 13 Aug 2010 21:58:15 +0000</pubDate>			<dc:creator>philohof</dc:creator>
			<category domain="main">philohof</category>			<guid isPermaLink="false">719@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot;&gt;Heute habe ich mich mit &amp;#8222;philosophy of mind&amp;#8220; besch&amp;#228;ftigt. &lt;span&gt;Da gibt es unter anderem folgende Positionen: &lt;/span&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;span&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot;&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Dualism, monism, physicalist position, interactionist dualism, psychophysical parallelism, occasionalism, property dualism, epiphenomenalism, non-reductive physicalism, phenomenalism, behaviorism, philosophical behaviorism, type physicalism, functionalism, anomalous monism, emergentism, eliminative materialism, externalism and internalism (semantic, cognitive, phenomenal externalism), naturalism, biological naturalism&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;. (&lt;a href=&quot;http://www.wikipedia.org/&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#800080&quot;&gt;www.wikipedia.org&lt;/font&gt;&lt;/a&gt;) &lt;/span&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt; &lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Klingt alles sehr einsch&amp;#252;chternd &amp;#8211; so wie der Begriff &amp;#8220;philosophy of mind&amp;#8221; selber. Vermutung: dass man diesen Begriff erfunden hat, um andere Menschen aus der Diskussion auszuschlie&amp;#223;en. &amp;#8222;Was, du wei&amp;#223;t nicht, was &amp;#8222;philosophy of mind&amp;#8220; ist, dann kannst du nicht mitreden!&amp;#8220;&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Aber liest man dann bei wikipedia nach, stellt sich schnell heraus, dass es sich blo&amp;#223; um eine Version des Leib-Seele-Problems handelt &amp;#8211; respektive des Leib-Geist-Problems, so wie es Descartes (&amp;#8222;res cogitans&amp;#8220;) aufgeworfen hat: &amp;#8222;He was therefore the first to formulate the mind-body problem in the form in which it still exists today.&amp;#8220; &amp;#8211; Und zwar mit lauter Argumenten, die man auch alle irgendwie kennt (das sind die &amp;#8211;isms oben), wenn auch sicherlich von amerikanischen Philosophen weiter ausgearbeitet und verfeinert.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Was einem soziologisch aufmerksamen Philosophen wie mir bei der Lekt&amp;#252;re dieses wikipedia-Artikels auff&amp;#228;llt, ist: Dass man sich offenbar gar nicht dar&amp;#252;ber wundert, dass die verschiedenen Positionen zum body-mind problem alle Namen tragen, die weniger sachbezogen sind als dass sie die Institutionen reflektieren, die sie hervorgebracht haben: Es ist ja eben die Frage, ob etwas, wenn es z.B. nat&amp;#252;rlich ist, gleich ein &amp;#8222;naturalism&amp;#8220; ist?&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Um es an einem Beispiel zu erkl&amp;#228;ren: Ich als Philosoph w&amp;#252;rde, wenn ich auf den Hintern gefallen w&amp;#228;re und mir am Stei&amp;#223; weggetan h&amp;#228;tte, sagen: &amp;#8222;Ich bin auf den Hintern gefallen, deshalb tut mir der Stei&amp;#223; weh.&amp;#8220; Die wissenschaftliche Version dieses Satzes lautet: &amp;#8222;Aufdenhinternfallismus f&amp;#252;hrt zu Stei&amp;#223;wehwehismus.&amp;#8220; (Gewiss, sie w&amp;#252;rden die &amp;#8211;ismen bevorzugt mit lateinischen und griechischen Fremdw&amp;#246;rtern als Wortteilen bilden.) &lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Es w&amp;#228;re freilich auch m&amp;#246;glich dass sie nur sagen: &amp;#8222;Aufdenhinternfallismus f&amp;#252;hrt zu Stei&amp;#223;schmerzen.&amp;#8220; Aber in dem Fall bildeten die Stei&amp;#223;schmerzen kein besonderes Krankheitsbild, das sich von anderen Krankheitsbildern unterscheidet &amp;#8211; und w&amp;#228;re deshalb f&amp;#252;r die WissenschaftlerInnen weniger interessant.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Die Anh&amp;#228;nger der Stei&amp;#223;wehwehismusthese w&amp;#228;ren dann die Stei&amp;#223;wehwehisten. Sie w&amp;#252;rden Kongresse f&amp;#252;r Stei&amp;#223;wehwehlogie ausrichten und zu diesen nur ausgesuchte Experten, ganz ber&amp;#252;hmte Stei&amp;#223;wehwehlogen, einladen. Es w&amp;#252;rden Lehrb&amp;#252;cher und Begriffslexika zur Stei&amp;#223;wehwehlogie erscheinen und am Ende w&amp;#252;rde vielleicht sogar ein Nobelpreis f&amp;#252;r eine gro&amp;#223;e Entdeckung in der Stei&amp;#223;wehwehlogie vergeben. Diese Diskursbildung findet in der Weise auch dann statt, wenn Zweifel daran bestehen, dass Stei&amp;#223;wehwehismus &amp;#252;berhaupt ein eigenes und ernstzunehmendes Thema ist &amp;#8211; wie es &amp;#252;brigens auch bei &amp;#8222;philosophy of mind&amp;#8220; der Fall ist: &amp;#8222;However, Hilary Putnam, the originator of functionalism, has also adopted the position that the mind-body problem is an illusory problem&amp;#8230;&amp;#8220;&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Ich wei&amp;#223;, das klingt jetzt sehr nach Herabw&amp;#252;rdigung, aber wie soll man sich denn ausdr&amp;#252;cken, wenn man bemerkt, dass gar keine Sensibilit&amp;#228;t daf&amp;#252;r besteht, dass derartige Diskursmuster und Muster der Diskursorganisation sich auch inhaltlich auf die Diskussion &amp;#252;ber ein bestimmtes Thema &amp;#252;bertragen? Wissenschaft scheint immer so detailgenau wie m&amp;#246;glich &amp;#252;ber die Wirklichkeit zu reden, in Wirklichkeit redet sie bei allem immer in erster Linie von sich selbst.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Und so nimmt es nicht wunder, dass &amp;#8222;philosophy of mind&amp;#8220;, wie sich herausstellt, trotz des Namens im Grunde gar kein philosophisches Problem ist, sondern ein wissenschaftliches: &amp;#8222;Yet it also seems to many that science will eventually have to explain such experiences. This follows from the logic of reductive explanations.&amp;#8220; Diese S&amp;#228;tze, die auf die Notwendigkeit der Erkl&amp;#228;rung der &amp;#8222;qualia&amp;#8220;, also qualitativer geistiger Zust&amp;#228;nde, gem&amp;#252;nzt ist, gibt auch einen Hinweis auf die wissenschaftliche Vorgehensweise: Wissenschaft sucht immer, komplexere Zust&amp;#228;nde aus weniger komplexen Ebenen heraus zu erkl&amp;#228;ren. (Erst wenn sich das als unm&amp;#246;glich herausstellt, wechselt sie auf die komplexere Ebene und sucht dort nach Mustern und Regelm&amp;#228;&amp;#223;igkeiten.) Der Hintergrund ist die Suche der Wissenschaft nach allgemeinen Gesetzlichkeiten, nach Naturgesetzen. Damit soll nicht gesagt sein, dass es nicht auch eine interessante Frage sein kann, wie geistige Vorstellungen aus neuronalen (k&amp;#246;rperlichen) Bewegungen heraus entstehen. Sondern nur, dass das die Wissenschaft interessieren muss, weil sie auf die k&amp;#246;rperlichen Zust&amp;#228;nde des Menschen Zugriff hat (=diese mit Messger&amp;#228;ten untersuchen kann) und von dort aus eine Br&amp;#252;cke auf die n&amp;#228;chsth&amp;#246;here (und wissenschaftlichen Ger&amp;#228;ten nicht unmittelbar zug&amp;#228;nglichen) Ebene &amp;#8211; jene des Geistigen &amp;#8211; zu schlagen versucht.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#8222;Philosophy of mind&amp;#8220; erweist sich&amp;#160;also trotz des Namens als ein wissenschaftliches Problem (ein Problem, das sich aus dem Konzept des wissenschaftlichen Diskurses und seinen Funktionsgesetzlichkeiten ergibt) und als kein philosophisches! Ich habe mir &amp;#252;berlegt, was zu tun w&amp;#228;re, um daraus ein philosophisches Problem zu machen: Als erstes m&amp;#252;sste man es seiner wissenschaftlichen Sprache entkleiden. Denn die &amp;#8211;isms sind wie unverr&amp;#252;ckbare T&amp;#252;rme; sie zurren die Gedanken fest und verhindern das Denken. Das Zweite w&amp;#228;re: Man m&amp;#252;sste herausarbeiten, was f&amp;#252;r einen Einzelmenschen (denn Philosophie ist der Blick auf die Welt vom Individuum aus) gewonnen oder verloren w&amp;#228;re, wenn man diese oder jene Frage so oder anders beantwortet. Zum Beispiel: Dostojewskis Diktum &amp;#8222;Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt!&amp;#8220; &amp;#8211; ist zwar falsch, aber wenigstens philosophisch, denn es konturiert das, was f&amp;#252;r den einzelnen Menschen bei dieser Frage auf dem Spiel steht. Und dadurch, dass man wei&amp;#223;, was f&amp;#252;r den Einzelmenschen auf dem Spiel steht, wei&amp;#223; man auch, worum es bei der Frage &amp;#252;berhaupt geht.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Sehen Sie: Und bei der &amp;#8222;philosophy of mind&amp;#8220; wei&amp;#223; man das nicht! An keiner einzigen Stelle versucht der wikipedia-Artikel zu erkl&amp;#228;ren, warum man denn unbedingt die &amp;#220;bersetzung von Gehirn in Vernunft genau erkl&amp;#228;ren will. Man findet nur folgende blasse Anzeigetafel, die eine Richtung weist:&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot;&gt;&amp;#8222;There are countless subjects that are affected by the ideas developed in the philosophy of mind. Clear examples of this are the nature of death and its definitive character, the nature of emotion, of perception and of memory. Questions about what a person is and what his or her identity consists of also have much to do with the philosophy of mind. There are two subjects that, in connection with the philosophy of the mind, have aroused special attention: free will and the self.&amp;#8221;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Die Person, freier Wille, das Selbst&amp;#8230; das Problem ist nur, dass diese Fragen mit wissenschaftlichen Mitteln gar nicht gel&amp;#246;st werden k&amp;#246;nnen, weil Wissenschaft diese Entit&amp;#228;ten von Vornherein verneint. Wozu &amp;#252;brigens ebenfalls ein guter Hinweis in demselben wikipedia-Artikel zu finden ist: &amp;#8222;This article uses first-person (&amp;quot;I&amp;quot;; &amp;quot;we&amp;quot;) or second-person (&amp;quot;you&amp;quot;) inappropriately. &lt;span&gt;Please rewrite it to use a more formal, encyclopedic tone. &lt;/span&gt;(July 2010)&amp;#8220; Dieser Artikel (es ist der &amp;#8222;qualia&amp;#8220;-Artikel) verwendet die pers&amp;#246;nlichen F&amp;#252;rw&amp;#246;rter freilich nicht falsch, sondern er verwendet sie &amp;#252;berhaupt. Diese haben aber in der Wissenschaft keinen Platz. &lt;span&gt;Daher wundert mich nicht, dass: &amp;#8222; The view of the self as an illusion is widely accepted by many philosophers, such as Daniel Dennett and Thomas Metzinger.&amp;#8221; &lt;/span&gt;In der Wissenschaft h&amp;#228;tte ich nur Platz, wenn ich kein Helmut w&amp;#228;re, sondern ein Helmutismus.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Somit folgt aus dieser Untersuchung: Die Wissenschaft (oder die wissenschaftliche akademische Philosophie) will mit &amp;#8222;philosophy of mind&amp;#8220; eigentlich Probleme l&amp;#246;sen, die sie von vornherein ausgeschlossen hat, deren Behandlung sie nicht einmal zul&amp;#228;sst. Wenn ich vorher als Philosoph mit soziologischem Blick gesprochen habe, so will ich nun noch davon sprechen, was ich mit meinem Sinn f&amp;#252;r das Individuelle in diesem Artikel sehe: Es wird in dem ganzen Artikel nicht genauer beschrieben und differenziert, was denn mit &amp;#8222;mind&amp;#8220; gemeint ist &amp;#8211; ob es sich hier um die einzelmenschliche Vernunft handelt oder um die gemeinsame Vernunft, an der wir alle Anteil haben und an die wir Anschluss suchen, wenn wir Argumente gebrauchen. (Diese Differenzierung klingt nur in einer nebens&amp;#228;chlichen Bemerkung &amp;#252;ber Hegels &amp;#8222;subjektive&amp;#8220; und &amp;#8222;objektive Vernunft&amp;#8220; an.) Und wenn es sich um die gemeinsame Vernunft handelt, ob man sich vorstellt, dass die Individuen einen ganzen oder nur teilweisen Zugang zu ihr haben. Ober aber es handelt sich bei &amp;#8222;philosophy of mind&amp;#8220; ja &amp;#252;berhaupt nur um die Frage der &amp;#8222;artificial intelligence&amp;#8220; &amp;#8211; aber in dem Fall w&amp;#252;rde es auch gen&amp;#252;gen, wenn man etwas erf&amp;#228;nde, das blo&amp;#223; wie Vernunft ist und in der Praxis bei Computern und Robotern funktioniert und m&amp;#252;sste gar nicht das mind-body problem beim Menschen l&amp;#246;sen. Also auch diese Frage nach dem genauen Verst&amp;#228;ndnis von &amp;#8222;mind&amp;#8220; w&amp;#228;re bei einer philosophischen Behandlung des Themas zu kl&amp;#228;ren.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/philohof/philosophy-of-mind&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://philohof.philosophieblog.de/&quot;&gt;Philohof&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font size="3"><font face="Times New Roman">Heute habe ich mich mit &#8222;philosophy of mind&#8220; besch&#228;ftigt. <span>Da gibt es unter anderem folgende Positionen: </span></font></font><span><font face="Times New Roman" size="3">&#160;</font></span><font size="3"><font face="Times New Roman"><em><span>Dualism, monism, physicalist position, interactionist dualism, psychophysical parallelism, occasionalism, property dualism, epiphenomenalism, non-reductive physicalism, phenomenalism, behaviorism, philosophical behaviorism, type physicalism, functionalism, anomalous monism, emergentism, eliminative materialism, externalism and internalism (semantic, cognitive, phenomenal externalism), naturalism, biological naturalism</span></em><span>. (<a href="http://www.wikipedia.org/"><font color="#800080">www.wikipedia.org</font></a>) </span></font></font><font face="Times New Roman" size="3">&#160;</font> </p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Klingt alles sehr einsch&#252;chternd &#8211; so wie der Begriff &#8220;philosophy of mind&#8221; selber. Vermutung: dass man diesen Begriff erfunden hat, um andere Menschen aus der Diskussion auszuschlie&#223;en. &#8222;Was, du wei&#223;t nicht, was &#8222;philosophy of mind&#8220; ist, dann kannst du nicht mitreden!&#8220;</font></p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Aber liest man dann bei wikipedia nach, stellt sich schnell heraus, dass es sich blo&#223; um eine Version des Leib-Seele-Problems handelt &#8211; respektive des Leib-Geist-Problems, so wie es Descartes (&#8222;res cogitans&#8220;) aufgeworfen hat: &#8222;He was therefore the first to formulate the mind-body problem in the form in which it still exists today.&#8220; &#8211; Und zwar mit lauter Argumenten, die man auch alle irgendwie kennt (das sind die &#8211;isms oben), wenn auch sicherlich von amerikanischen Philosophen weiter ausgearbeitet und verfeinert.</font></p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Was einem soziologisch aufmerksamen Philosophen wie mir bei der Lekt&#252;re dieses wikipedia-Artikels auff&#228;llt, ist: Dass man sich offenbar gar nicht dar&#252;ber wundert, dass die verschiedenen Positionen zum body-mind problem alle Namen tragen, die weniger sachbezogen sind als dass sie die Institutionen reflektieren, die sie hervorgebracht haben: Es ist ja eben die Frage, ob etwas, wenn es z.B. nat&#252;rlich ist, gleich ein &#8222;naturalism&#8220; ist?</font></p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Um es an einem Beispiel zu erkl&#228;ren: Ich als Philosoph w&#252;rde, wenn ich auf den Hintern gefallen w&#228;re und mir am Stei&#223; weggetan h&#228;tte, sagen: &#8222;Ich bin auf den Hintern gefallen, deshalb tut mir der Stei&#223; weh.&#8220; Die wissenschaftliche Version dieses Satzes lautet: &#8222;Aufdenhinternfallismus f&#252;hrt zu Stei&#223;wehwehismus.&#8220; (Gewiss, sie w&#252;rden die &#8211;ismen bevorzugt mit lateinischen und griechischen Fremdw&#246;rtern als Wortteilen bilden.) </font></p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Es w&#228;re freilich auch m&#246;glich dass sie nur sagen: &#8222;Aufdenhinternfallismus f&#252;hrt zu Stei&#223;schmerzen.&#8220; Aber in dem Fall bildeten die Stei&#223;schmerzen kein besonderes Krankheitsbild, das sich von anderen Krankheitsbildern unterscheidet &#8211; und w&#228;re deshalb f&#252;r die WissenschaftlerInnen weniger interessant.</font></p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Die Anh&#228;nger der Stei&#223;wehwehismusthese w&#228;ren dann die Stei&#223;wehwehisten. Sie w&#252;rden Kongresse f&#252;r Stei&#223;wehwehlogie ausrichten und zu diesen nur ausgesuchte Experten, ganz ber&#252;hmte Stei&#223;wehwehlogen, einladen. Es w&#252;rden Lehrb&#252;cher und Begriffslexika zur Stei&#223;wehwehlogie erscheinen und am Ende w&#252;rde vielleicht sogar ein Nobelpreis f&#252;r eine gro&#223;e Entdeckung in der Stei&#223;wehwehlogie vergeben. Diese Diskursbildung findet in der Weise auch dann statt, wenn Zweifel daran bestehen, dass Stei&#223;wehwehismus &#252;berhaupt ein eigenes und ernstzunehmendes Thema ist &#8211; wie es &#252;brigens auch bei &#8222;philosophy of mind&#8220; der Fall ist: &#8222;However, Hilary Putnam, the originator of functionalism, has also adopted the position that the mind-body problem is an illusory problem&#8230;&#8220;</font></p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Ich wei&#223;, das klingt jetzt sehr nach Herabw&#252;rdigung, aber wie soll man sich denn ausdr&#252;cken, wenn man bemerkt, dass gar keine Sensibilit&#228;t daf&#252;r besteht, dass derartige Diskursmuster und Muster der Diskursorganisation sich auch inhaltlich auf die Diskussion &#252;ber ein bestimmtes Thema &#252;bertragen? Wissenschaft scheint immer so detailgenau wie m&#246;glich &#252;ber die Wirklichkeit zu reden, in Wirklichkeit redet sie bei allem immer in erster Linie von sich selbst.</font></p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Und so nimmt es nicht wunder, dass &#8222;philosophy of mind&#8220;, wie sich herausstellt, trotz des Namens im Grunde gar kein philosophisches Problem ist, sondern ein wissenschaftliches: &#8222;Yet it also seems to many that science will eventually have to explain such experiences. This follows from the logic of reductive explanations.&#8220; Diese S&#228;tze, die auf die Notwendigkeit der Erkl&#228;rung der &#8222;qualia&#8220;, also qualitativer geistiger Zust&#228;nde, gem&#252;nzt ist, gibt auch einen Hinweis auf die wissenschaftliche Vorgehensweise: Wissenschaft sucht immer, komplexere Zust&#228;nde aus weniger komplexen Ebenen heraus zu erkl&#228;ren. (Erst wenn sich das als unm&#246;glich herausstellt, wechselt sie auf die komplexere Ebene und sucht dort nach Mustern und Regelm&#228;&#223;igkeiten.) Der Hintergrund ist die Suche der Wissenschaft nach allgemeinen Gesetzlichkeiten, nach Naturgesetzen. Damit soll nicht gesagt sein, dass es nicht auch eine interessante Frage sein kann, wie geistige Vorstellungen aus neuronalen (k&#246;rperlichen) Bewegungen heraus entstehen. Sondern nur, dass das die Wissenschaft interessieren muss, weil sie auf die k&#246;rperlichen Zust&#228;nde des Menschen Zugriff hat (=diese mit Messger&#228;ten untersuchen kann) und von dort aus eine Br&#252;cke auf die n&#228;chsth&#246;here (und wissenschaftlichen Ger&#228;ten nicht unmittelbar zug&#228;nglichen) Ebene &#8211; jene des Geistigen &#8211; zu schlagen versucht.</font></p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">&#8222;Philosophy of mind&#8220; erweist sich&#160;also trotz des Namens als ein wissenschaftliches Problem (ein Problem, das sich aus dem Konzept des wissenschaftlichen Diskurses und seinen Funktionsgesetzlichkeiten ergibt) und als kein philosophisches! Ich habe mir &#252;berlegt, was zu tun w&#228;re, um daraus ein philosophisches Problem zu machen: Als erstes m&#252;sste man es seiner wissenschaftlichen Sprache entkleiden. Denn die &#8211;isms sind wie unverr&#252;ckbare T&#252;rme; sie zurren die Gedanken fest und verhindern das Denken. Das Zweite w&#228;re: Man m&#252;sste herausarbeiten, was f&#252;r einen Einzelmenschen (denn Philosophie ist der Blick auf die Welt vom Individuum aus) gewonnen oder verloren w&#228;re, wenn man diese oder jene Frage so oder anders beantwortet. Zum Beispiel: Dostojewskis Diktum &#8222;Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt!&#8220; &#8211; ist zwar falsch, aber wenigstens philosophisch, denn es konturiert das, was f&#252;r den einzelnen Menschen bei dieser Frage auf dem Spiel steht. Und dadurch, dass man wei&#223;, was f&#252;r den Einzelmenschen auf dem Spiel steht, wei&#223; man auch, worum es bei der Frage &#252;berhaupt geht.</font></p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Sehen Sie: Und bei der &#8222;philosophy of mind&#8220; wei&#223; man das nicht! An keiner einzigen Stelle versucht der wikipedia-Artikel zu erkl&#228;ren, warum man denn unbedingt die &#220;bersetzung von Gehirn in Vernunft genau erkl&#228;ren will. Man findet nur folgende blasse Anzeigetafel, die eine Richtung weist:</font></p><p><span><font size="3"><font face="Times New Roman">&#8222;There are countless subjects that are affected by the ideas developed in the philosophy of mind. Clear examples of this are the nature of death and its definitive character, the nature of emotion, of perception and of memory. Questions about what a person is and what his or her identity consists of also have much to do with the philosophy of mind. There are two subjects that, in connection with the philosophy of the mind, have aroused special attention: free will and the self.&#8221;</font></font></span> </p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Die Person, freier Wille, das Selbst&#8230; das Problem ist nur, dass diese Fragen mit wissenschaftlichen Mitteln gar nicht gel&#246;st werden k&#246;nnen, weil Wissenschaft diese Entit&#228;ten von Vornherein verneint. Wozu &#252;brigens ebenfalls ein guter Hinweis in demselben wikipedia-Artikel zu finden ist: &#8222;This article uses first-person (&quot;I&quot;; &quot;we&quot;) or second-person (&quot;you&quot;) inappropriately. <span>Please rewrite it to use a more formal, encyclopedic tone. </span>(July 2010)&#8220; Dieser Artikel (es ist der &#8222;qualia&#8220;-Artikel) verwendet die pers&#246;nlichen F&#252;rw&#246;rter freilich nicht falsch, sondern er verwendet sie &#252;berhaupt. Diese haben aber in der Wissenschaft keinen Platz. <span>Daher wundert mich nicht, dass: &#8222; The view of the self as an illusion is widely accepted by many philosophers, such as Daniel Dennett and Thomas Metzinger.&#8221; </span>In der Wissenschaft h&#228;tte ich nur Platz, wenn ich kein Helmut w&#228;re, sondern ein Helmutismus.</font></p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Somit folgt aus dieser Untersuchung: Die Wissenschaft (oder die wissenschaftliche akademische Philosophie) will mit &#8222;philosophy of mind&#8220; eigentlich Probleme l&#246;sen, die sie von vornherein ausgeschlossen hat, deren Behandlung sie nicht einmal zul&#228;sst. Wenn ich vorher als Philosoph mit soziologischem Blick gesprochen habe, so will ich nun noch davon sprechen, was ich mit meinem Sinn f&#252;r das Individuelle in diesem Artikel sehe: Es wird in dem ganzen Artikel nicht genauer beschrieben und differenziert, was denn mit &#8222;mind&#8220; gemeint ist &#8211; ob es sich hier um die einzelmenschliche Vernunft handelt oder um die gemeinsame Vernunft, an der wir alle Anteil haben und an die wir Anschluss suchen, wenn wir Argumente gebrauchen. (Diese Differenzierung klingt nur in einer nebens&#228;chlichen Bemerkung &#252;ber Hegels &#8222;subjektive&#8220; und &#8222;objektive Vernunft&#8220; an.) Und wenn es sich um die gemeinsame Vernunft handelt, ob man sich vorstellt, dass die Individuen einen ganzen oder nur teilweisen Zugang zu ihr haben. Ober aber es handelt sich bei &#8222;philosophy of mind&#8220; ja &#252;berhaupt nur um die Frage der &#8222;artificial intelligence&#8220; &#8211; aber in dem Fall w&#252;rde es auch gen&#252;gen, wenn man etwas erf&#228;nde, das blo&#223; wie Vernunft ist und in der Praxis bei Computern und Robotern funktioniert und m&#252;sste gar nicht das mind-body problem beim Menschen l&#246;sen. Also auch diese Frage nach dem genauen Verst&#228;ndnis von &#8222;mind&#8220; w&#228;re bei einer philosophischen Behandlung des Themas zu kl&#228;ren.</font></p><p><font face="Times New Roman" size="3">&#160;</font><font face="Times New Roman" size="3">&#160;</font><font face="Times New Roman" size="3">&#160;</font><font face="Times New Roman" size="3">&#160;</font></p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/philohof/philosophy-of-mind">Original post</a> blogged on <a href="http://philohof.philosophieblog.de/">Philohof</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
								<comments>http://philosophieblog.de/philohof/philosophy-of-mind#comments</comments>
		</item>
				<item>
			<title>ML-Lehrer</title>
			<link>http://philosophieblog.de/flossmann/ml-lehrer</link>
			<pubDate>Tue, 03 Aug 2010 09:48:09 +0000</pubDate>			<dc:creator>Bernd Flossmann</dc:creator>
			<category domain="main">flossmann</category>			<guid isPermaLink="false">706@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p&gt;Der britische Videok&amp;#252;nstler &lt;strong&gt;Phil Collins&lt;/strong&gt; hat auf der diesj&amp;#228;hrigen Berlin Biennale einen Film &amp;#252;ber ehemalige DDR ML-Lehrer vorgestellt. Spiegel Online berichtet dar&amp;#252;ber &lt;a title=&quot;Phil Collins ML-Lehrer SPON&quot; href=&quot;http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=71030044&amp;amp;aref=image043/2010/06/19/CO-SP-2010-025-0122-0123.PDF&amp;amp;thumb=false&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;F&amp;#252;r diejenigen, die jetzt nicht wissen, wor&amp;#252;ber ich rede: ML ist die Abk&amp;#252;rzung f&amp;#252;r &lt;strong&gt;Marxismus-Leninismus&lt;/strong&gt; und damit die Bezeichnung f&amp;#252;r die Staatsideologie der Deutschen Demokratischen Republik und der anderen sich sozialistisch oder kommunistisch nennenden L&amp;#228;nder. Diese Ideologie, welche in eher religi&amp;#246;ser Weise, aber mit wissenschaftlichem Anspruch ausge&amp;#252;bt wurde, basierte weitgehend auf den Werken von Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin). Eine oder zwei Generationen vor meinem Studium spielte noch Stalin die entscheidende Rolle.&lt;/p&gt;

&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/flossmann/ml-lehrer#more706&quot;&gt;Mehr lesen &amp;raquo;&lt;/a&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/flossmann/ml-lehrer&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://flossmann.philosophieblog.de/&quot;&gt;Flossmann&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der britische Videok&#252;nstler <strong>Phil Collins</strong> hat auf der diesj&#228;hrigen Berlin Biennale einen Film &#252;ber ehemalige DDR ML-Lehrer vorgestellt. Spiegel Online berichtet dar&#252;ber <a title="Phil Collins ML-Lehrer SPON" href="http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=71030044&amp;aref=image043/2010/06/19/CO-SP-2010-025-0122-0123.PDF&amp;thumb=false" target="_blank">hier</a>.</p>

<p>F&#252;r diejenigen, die jetzt nicht wissen, wor&#252;ber ich rede: ML ist die Abk&#252;rzung f&#252;r <strong>Marxismus-Leninismus</strong> und damit die Bezeichnung f&#252;r die Staatsideologie der Deutschen Demokratischen Republik und der anderen sich sozialistisch oder kommunistisch nennenden L&#228;nder. Diese Ideologie, welche in eher religi&#246;ser Weise, aber mit wissenschaftlichem Anspruch ausge&#252;bt wurde, basierte weitgehend auf den Werken von Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin). Eine oder zwei Generationen vor meinem Studium spielte noch Stalin die entscheidende Rolle.</p>

<a href="http://philosophieblog.de/flossmann/ml-lehrer#more706">Mehr lesen &raquo;</a><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/flossmann/ml-lehrer">Original post</a> blogged on <a href="http://flossmann.philosophieblog.de/">Flossmann</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
								<comments>http://philosophieblog.de/flossmann/ml-lehrer#comments</comments>
		</item>
				<item>
			<title>Jean Piaget: "Weisheit und Illusionen der Philosophie"</title>
			<link>http://philosophieblog.de/philohof/jean-piaget-weisheit-und-illusionen-der</link>
			<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 21:20:55 +0000</pubDate>			<dc:creator>philohof</dc:creator>
			<category domain="main">philohof</category>			<guid isPermaLink="false">705@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Das Buch, das ich gerade lese &amp;#8211; Jean Piaget: &lt;em&gt;Weisheit und Illusionen der Philosophie&lt;/em&gt; (Suhrkamp, Frankfurt/Main 1974 (1. Aufl. 1965) &amp;#8211; gibt mir Gelegenheit, meine Einstellung zur Wissenschaft zur &amp;#252;berdenken:&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt; &lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Piagets Grundthese halte ich f&amp;#252;r richtig:&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#8222;die Philosophie f&amp;#252;hrt zu &amp;#8222;Einsichten&amp;#8220; (sagesse), auf die vernunftbegabte Wesen wie die Menschen f&amp;#252;r die Koordinierung ihrer verschiedenen T&amp;#228;tigkeiten angewiesen sind, aber nicht zu dem eigentlichen, durch Kontrollverfahren &amp;#252;berpr&amp;#252;fbaren Wissen, das wir &amp;#8222;Erkenntnis&amp;#8220; nennen. (S. 7)&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt; &lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Zwei Dinge bleiben mir trotzdem zu diesem Buch zu sagen:&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt; &lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;text-indent: -18pt; margin: 0cm 0cm 0pt 36pt; tab-stops: list 36.0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot;&gt;&lt;span&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;1)&lt;/font&gt;&lt;span style=&quot;font: 7pt 'Times New Roman'&quot;&gt;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160; &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;Piaget k&amp;#228;mpft (ab Kapitel III, S. 103) gegen etwas, das er &amp;#8222;suprawissenschaftliche Erkenntnis&amp;#8220; nennt. Er meint damit &amp;#8222;bestimmte Philosophien&amp;#8220;, die ab dem 19. Jh. entstanden, welche meinen, der Wissenschaft an Dignit&amp;#228;t gleichwertige oder sogar &amp;#252;berlegene Wahrheitsaussagen liefern zu k&amp;#246;nnen und die sich dabei blo&amp;#223; auf die Reflexion und die Intuition als Erkenntnisquellen st&amp;#252;tzen. Piaget wendet sich insbesondere gegen die philosophischen Psychologien von Maine de Biran, Bergson, Sartre und Merleau-Ponty, erw&amp;#228;hnt aber auch Husserl, Heidegger und andere. Ich denke, Piaget ist darin Recht zu geben, dass Philosophie keine wesensm&amp;#228;&amp;#223;ig andere Erkenntnisart als Wissenschaft ist und diese Philosophen daher ein unrechtm&amp;#228;&amp;#223;iges und auch ein aussichtsloses Projekt verfolgten. Allerdings meine ich auch, dass sie dabei in einer Art &amp;#8222;Notwehr&amp;#8220; gegen&amp;#252;ber der Wissenschaft handelten: Der gesellschaftliche Erfolg der Einzelwissenschaften zwang sie, wenn sie in der &amp;#214;ffentlichkeit Geh&amp;#246;r finden wollten, zu Wahrheitsbehauptungen auf derselben Anspruchsebene, auf der sich auch die wissenschaftlichen Wahrheitsbehauptungen bewegten. Da sie aber als Individuen nicht ebensoviel leisten konnten wie die Wissenschaften, die in Teamarbeit verfuhren, waren sie gezwungen, durch die Behauptung einer anderen Erkenntnisweise einen Erkenntnisvorsprung zumindest vorzut&amp;#228;uschen. Was w&amp;#228;re n&amp;#228;mlich passiert, h&amp;#228;tten sie es nicht getan? Es w&amp;#228;re offenbar geworden, wie ungen&amp;#252;gend sie &amp;#252;ber den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt in den einzelnen Disziplinen auf dem Laufenden waren. Was ich daraus folgere: Ist Philosophie, so wie Piaget sie definiert &amp;#8222;eine vern&amp;#252;nftige Einstellung zur Totalit&amp;#228;t des Realen&amp;#8220;, dann schlie&amp;#223;t sie also die gesamte Bandbreite des Realen ein und geht damit weit &amp;#252;ber die beschr&amp;#228;nkten Arbeitsfelder von EinzelwissenschaftlerInnen hinaus. Und war es am Ende des 19. Jhs. schon unm&amp;#246;glich f&amp;#252;r Intellektuelle und Vielleser, sich &amp;#252;ber die Fortschritte der einzelnen Disziplinen informiert zu halten, dann ist das heute noch viel unm&amp;#246;glicher. Das hat zur Folge, dass, wenn heute jemand sich ein Herz nimmt zu philosophieren, er/sie unvermeidlicherweise soviel Bl&amp;#246;dsinn &amp;#252;ber einzelne wissenschaftliche Problemstellungen oder Erkenntnisse sagen wird, dass es den WissenschaftlerInnen die Schamesr&amp;#246;te ins Gesicht treibt. Aber: Wir k&amp;#246;nnen nur entweder das akzeptieren oder andernfalls die Konsequenz ziehen, dass Philosophieren und Denken heute unm&amp;#246;glich geworden sind, weil die Wissenschaft in jeder Frage h&amp;#246;chstwahrscheinlich alles besser wei&amp;#223; als wir Individuen. Aber das w&amp;#228;re gewisserma&amp;#223;en der soziale Tod des Menschen.&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;text-indent: -18pt; margin: 0cm 0cm 0pt 36pt; tab-stops: list 36.0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;font face=&quot;Times New Roman&quot;&gt;&lt;span&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;2)&lt;/font&gt;&lt;span style=&quot;font: 7pt 'Times New Roman'&quot;&gt;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160; &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;Jean Piaget wirft den Philosophen aber nicht in erster Linie vor, dass sie uninformiert seien. Das tut er zwar auch, aber der Hauptvorwurf lautet dahingehend, dass sie nicht bereit seien, ihre durch Reflexion und Introspektion gewonnenen Erkenntnisse mittels geeigneter Pr&amp;#252;fverfahren zu objektivieren und zu Tatsachenerkenntnissen zu erh&amp;#228;rten. Und hier fand ich besonders die Seiten 206-207 interessant, auf denen mir Piaget ungef&amp;#228;hr Folgendes zu sagen scheint: Er, Piaget, sei bereit, einen jeden Gespr&amp;#228;chsteilnehmer ernst zu nehmen, welcher seine pers&amp;#246;nlichen Beobachtungen oder Ideen durch rationale und f&amp;#252;r alle einsichtige Beweise untermauere. (Piaget zitiert zustimmend den Psychologen Th. Flournoy, der f&amp;#252;r seine wissenschaftliche Arbeit zwei Prinzipien hatte: &amp;#8222;1. Alles ist m&amp;#246;glich (&amp;#8222;es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als in der gesamten Philosophie&amp;#8220;); 2. Das Gewicht der Beweise mu&amp;#223; der Befremdlichkeit der Tatsachen angemessen sein (ich w&amp;#252;rde hinzuf&amp;#252;gen: sowie dem mehr oder weniger pers&amp;#246;nlichen Charakter ihrer ersten Beobachtung).&amp;#8220; (S. 207) Bei der Lekt&amp;#252;re dieser Stelle fiel mir ein, dass meine eigene &amp;#8222;Abwendung&amp;#8220; von der Wissenschaft (ohne dass damit eine Entscheidung verbunden gewesen w&amp;#228;re, unwissenschaftlich zu werden) durch Erlebnisse w&amp;#228;hrend meines Studiums an der Universit&amp;#228;t verursacht worden war, die mir SOGAR DAS noch verboten: Ich durfte nicht l&amp;#228;nger selber beobachten und eigene Gedanken entwickeln, denn beides, so lehrte man mich, sei subjektiv und methodisch unkontrolliert. Anstatt dessen h&amp;#228;tte ich meine Forschungshypothesen von vornherein in eine bestehende allgemeine Theorie einzubetten (z.B. in die Psychoanalyse, in die Wissenssoziologie oder in die Systemtheorie) und von dieser auszugehen. Es versteht sich von selbst, dass man mir dadurch genau jene Wurzel abschnitt, aus der mein Interesse an der wissenschaftlichen Arbeit seine Energien bezog. Fazit: Mit WissenschaftlerInnen vom Schlage Piagets h&amp;#228;tte ich offenbar noch gekonnt, denn er h&amp;#228;tte es mir erlaubt, meine subjektiven Eingebungen nachtr&amp;#228;glich durch rationale Beweise und empirische Pr&amp;#252;fverfahren zu best&amp;#228;tigen &amp;#8211; mit heutigen WissenschaftlerInnen ist das jedoch nicht mehr m&amp;#246;glich. Diese Entwicklung steht vermutlich in einem gr&amp;#246;&amp;#223;eren Zusammenhang, in welchem heute zunehmend empirische Wissenschaft durch Evidenzwissenschaft ersetzt wird. Hinter diesen beiden f&amp;#252;r den Uneingeweihten Beobachter harmlosen Begriffen verbirgt sich der Vorrang, welchen man heute den Ergebnissen von organisierten Studien (ohne deren Inhalt und Machart nachzuvollziehen) der konkreten Beobachtung von Fakten gegen&amp;#252;ber einr&amp;#228;umt. Es wird einem also heute in der Wissenschaft das Schauen und das Denken verboten (wohingegen das blinde F&amp;#252;r-Wahr-Halten von Ergebnissen von Studien, welche man inhaltlich nicht einmal nachvollzogen hat, durchaus in Ordnung zu sein scheint). Das also ist der eigentliche Grund f&amp;#252;r meine &amp;#8222;Abwendung&amp;#8220; von der Wissenschaft: nicht meine Weigerung, mich mit Tatsachen auseinanderzusetzen (was das ist, was&amp;#160;Piaget an den Philosophen kritisiert), sondern - genau umgekehrt - meine Begierde nach der Auseinandersetzung mit Tatsachen, die mir jedoch in verschiedenen Seminaren wiederholt verboten worden war.&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/philohof/jean-piaget-weisheit-und-illusionen-der&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://philohof.philosophieblog.de/&quot;&gt;Philohof&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Das Buch, das ich gerade lese &#8211; Jean Piaget: <em>Weisheit und Illusionen der Philosophie</em> (Suhrkamp, Frankfurt/Main 1974 (1. Aufl. 1965) &#8211; gibt mir Gelegenheit, meine Einstellung zur Wissenschaft zur &#252;berdenken:</font></p><p><font face="Times New Roman" size="3">&#160;</font> </p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Piagets Grundthese halte ich f&#252;r richtig:</font></p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">&#8222;die Philosophie f&#252;hrt zu &#8222;Einsichten&#8220; (sagesse), auf die vernunftbegabte Wesen wie die Menschen f&#252;r die Koordinierung ihrer verschiedenen T&#228;tigkeiten angewiesen sind, aber nicht zu dem eigentlichen, durch Kontrollverfahren &#252;berpr&#252;fbaren Wissen, das wir &#8222;Erkenntnis&#8220; nennen. (S. 7)</font></p><p><font face="Times New Roman" size="3">&#160;</font> </p><p style="margin: 0cm 0cm 0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman" size="3">Zwei Dinge bleiben mir trotzdem zu diesem Buch zu sagen:</font></p><p><font face="Times New Roman" size="3">&#160;</font> </p><p style="text-indent: -18pt; margin: 0cm 0cm 0pt 36pt; tab-stops: list 36.0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman"><span><font size="3">1)</font><span style="font: 7pt 'Times New Roman'">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; </span></span><font size="3">Piaget k&#228;mpft (ab Kapitel III, S. 103) gegen etwas, das er &#8222;suprawissenschaftliche Erkenntnis&#8220; nennt. Er meint damit &#8222;bestimmte Philosophien&#8220;, die ab dem 19. Jh. entstanden, welche meinen, der Wissenschaft an Dignit&#228;t gleichwertige oder sogar &#252;berlegene Wahrheitsaussagen liefern zu k&#246;nnen und die sich dabei blo&#223; auf die Reflexion und die Intuition als Erkenntnisquellen st&#252;tzen. Piaget wendet sich insbesondere gegen die philosophischen Psychologien von Maine de Biran, Bergson, Sartre und Merleau-Ponty, erw&#228;hnt aber auch Husserl, Heidegger und andere. Ich denke, Piaget ist darin Recht zu geben, dass Philosophie keine wesensm&#228;&#223;ig andere Erkenntnisart als Wissenschaft ist und diese Philosophen daher ein unrechtm&#228;&#223;iges und auch ein aussichtsloses Projekt verfolgten. Allerdings meine ich auch, dass sie dabei in einer Art &#8222;Notwehr&#8220; gegen&#252;ber der Wissenschaft handelten: Der gesellschaftliche Erfolg der Einzelwissenschaften zwang sie, wenn sie in der &#214;ffentlichkeit Geh&#246;r finden wollten, zu Wahrheitsbehauptungen auf derselben Anspruchsebene, auf der sich auch die wissenschaftlichen Wahrheitsbehauptungen bewegten. Da sie aber als Individuen nicht ebensoviel leisten konnten wie die Wissenschaften, die in Teamarbeit verfuhren, waren sie gezwungen, durch die Behauptung einer anderen Erkenntnisweise einen Erkenntnisvorsprung zumindest vorzut&#228;uschen. Was w&#228;re n&#228;mlich passiert, h&#228;tten sie es nicht getan? Es w&#228;re offenbar geworden, wie ungen&#252;gend sie &#252;ber den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt in den einzelnen Disziplinen auf dem Laufenden waren. Was ich daraus folgere: Ist Philosophie, so wie Piaget sie definiert &#8222;eine vern&#252;nftige Einstellung zur Totalit&#228;t des Realen&#8220;, dann schlie&#223;t sie also die gesamte Bandbreite des Realen ein und geht damit weit &#252;ber die beschr&#228;nkten Arbeitsfelder von EinzelwissenschaftlerInnen hinaus. Und war es am Ende des 19. Jhs. schon unm&#246;glich f&#252;r Intellektuelle und Vielleser, sich &#252;ber die Fortschritte der einzelnen Disziplinen informiert zu halten, dann ist das heute noch viel unm&#246;glicher. Das hat zur Folge, dass, wenn heute jemand sich ein Herz nimmt zu philosophieren, er/sie unvermeidlicherweise soviel Bl&#246;dsinn &#252;ber einzelne wissenschaftliche Problemstellungen oder Erkenntnisse sagen wird, dass es den WissenschaftlerInnen die Schamesr&#246;te ins Gesicht treibt. Aber: Wir k&#246;nnen nur entweder das akzeptieren oder andernfalls die Konsequenz ziehen, dass Philosophieren und Denken heute unm&#246;glich geworden sind, weil die Wissenschaft in jeder Frage h&#246;chstwahrscheinlich alles besser wei&#223; als wir Individuen. Aber das w&#228;re gewisserma&#223;en der soziale Tod des Menschen.</font></font></p><p style="text-indent: -18pt; margin: 0cm 0cm 0pt 36pt; tab-stops: list 36.0pt" class="MsoNormal"><font face="Times New Roman"><span><font size="3">2)</font><span style="font: 7pt 'Times New Roman'">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; </span></span><font size="3">Jean Piaget wirft den Philosophen aber nicht in erster Linie vor, dass sie uninformiert seien. Das tut er zwar auch, aber der Hauptvorwurf lautet dahingehend, dass sie nicht bereit seien, ihre durch Reflexion und Introspektion gewonnenen Erkenntnisse mittels geeigneter Pr&#252;fverfahren zu objektivieren und zu Tatsachenerkenntnissen zu erh&#228;rten. Und hier fand ich besonders die Seiten 206-207 interessant, auf denen mir Piaget ungef&#228;hr Folgendes zu sagen scheint: Er, Piaget, sei bereit, einen jeden Gespr&#228;chsteilnehmer ernst zu nehmen, welcher seine pers&#246;nlichen Beobachtungen oder Ideen durch rationale und f&#252;r alle einsichtige Beweise untermauere. (Piaget zitiert zustimmend den Psychologen Th. Flournoy, der f&#252;r seine wissenschaftliche Arbeit zwei Prinzipien hatte: &#8222;1. Alles ist m&#246;glich (&#8222;es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als in der gesamten Philosophie&#8220;); 2. Das Gewicht der Beweise mu&#223; der Befremdlichkeit der Tatsachen angemessen sein (ich w&#252;rde hinzuf&#252;gen: sowie dem mehr oder weniger pers&#246;nlichen Charakter ihrer ersten Beobachtung).&#8220; (S. 207) Bei der Lekt&#252;re dieser Stelle fiel mir ein, dass meine eigene &#8222;Abwendung&#8220; von der Wissenschaft (ohne dass damit eine Entscheidung verbunden gewesen w&#228;re, unwissenschaftlich zu werden) durch Erlebnisse w&#228;hrend meines Studiums an der Universit&#228;t verursacht worden war, die mir SOGAR DAS noch verboten: Ich durfte nicht l&#228;nger selber beobachten und eigene Gedanken entwickeln, denn beides, so lehrte man mich, sei subjektiv und methodisch unkontrolliert. Anstatt dessen h&#228;tte ich meine Forschungshypothesen von vornherein in eine bestehende allgemeine Theorie einzubetten (z.B. in die Psychoanalyse, in die Wissenssoziologie oder in die Systemtheorie) und von dieser auszugehen. Es versteht sich von selbst, dass man mir dadurch genau jene Wurzel abschnitt, aus der mein Interesse an der wissenschaftlichen Arbeit seine Energien bezog. Fazit: Mit WissenschaftlerInnen vom Schlage Piagets h&#228;tte ich offenbar noch gekonnt, denn er h&#228;tte es mir erlaubt, meine subjektiven Eingebungen nachtr&#228;glich durch rationale Beweise und empirische Pr&#252;fverfahren zu best&#228;tigen &#8211; mit heutigen WissenschaftlerInnen ist das jedoch nicht mehr m&#246;glich. Diese Entwicklung steht vermutlich in einem gr&#246;&#223;eren Zusammenhang, in welchem heute zunehmend empirische Wissenschaft durch Evidenzwissenschaft ersetzt wird. Hinter diesen beiden f&#252;r den Uneingeweihten Beobachter harmlosen Begriffen verbirgt sich der Vorrang, welchen man heute den Ergebnissen von organisierten Studien (ohne deren Inhalt und Machart nachzuvollziehen) der konkreten Beobachtung von Fakten gegen&#252;ber einr&#228;umt. Es wird einem also heute in der Wissenschaft das Schauen und das Denken verboten (wohingegen das blinde F&#252;r-Wahr-Halten von Ergebnissen von Studien, welche man inhaltlich nicht einmal nachvollzogen hat, durchaus in Ordnung zu sein scheint). Das also ist der eigentliche Grund f&#252;r meine &#8222;Abwendung&#8220; von der Wissenschaft: nicht meine Weigerung, mich mit Tatsachen auseinanderzusetzen (was das ist, was&#160;Piaget an den Philosophen kritisiert), sondern - genau umgekehrt - meine Begierde nach der Auseinandersetzung mit Tatsachen, die mir jedoch in verschiedenen Seminaren wiederholt verboten worden war.</font></font></p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/philohof/jean-piaget-weisheit-und-illusionen-der">Original post</a> blogged on <a href="http://philohof.philosophieblog.de/">Philohof</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
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		</item>
				<item>
			<title>Gibt es Universalien, zum Beispiel "die Amsel"?</title>
			<link>http://philosophieblog.de/maier/gibt-es-universalien-zum-beispiel-die-am</link>
			<pubDate>Sun, 25 Jul 2010 09:41:40 +0000</pubDate>			<dc:creator>G&#252;nter Maier</dc:creator>
			<category domain="main">maier</category>			<guid isPermaLink="false">704@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p&gt;Der Universalienstreit zieht sich durch die ganze Philosophiegeschichte. Vielfach wird die Auffassung vertreten, dass es nur einzelne Dinge gibt, die wir Menschen mit Begriffen klassifizieren, die als Produkte unseres Denkens nur in unserem Denken und unserer sprachlichen Kommunikation existieren.Es g&amp;#228;be demnach nur einzelne Amseln (oder Stubenfliegen oder G&amp;#228;nsebl&amp;#252;mchen), aber nicht &amp;quot;die Amsel&amp;quot;. Das ist m.E. nicht haltbar: &amp;quot;Die Amsel&amp;quot; hat einen bestimmten Bauplan, der in der Evolution entstanden ist und jeweils weitervererbt wird.Diesen Bauplan gibt es; er ist eine wesentliche Eigenschaft der &amp;quot;Amsel&amp;quot;. Zu behaupten, dass es &amp;quot;die Amsel&amp;quot; nicht gibt, w&amp;#228;re vergleichbar mit der Behauptung, dass es den &amp;quot;VW-Polo&amp;quot; oder das &amp;quot;Erdinger Wei&amp;#223;bier&amp;quot; nicht gibt, sondern nur einzelne Exemplare, die wir mit unserem Denken unter diese Begriffe einordnen.&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/maier/gibt-es-universalien-zum-beispiel-die-am&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://maier.philosophieblog.de/&quot;&gt;Maier&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Universalienstreit zieht sich durch die ganze Philosophiegeschichte. Vielfach wird die Auffassung vertreten, dass es nur einzelne Dinge gibt, die wir Menschen mit Begriffen klassifizieren, die als Produkte unseres Denkens nur in unserem Denken und unserer sprachlichen Kommunikation existieren.Es g&#228;be demnach nur einzelne Amseln (oder Stubenfliegen oder G&#228;nsebl&#252;mchen), aber nicht &quot;die Amsel&quot;. Das ist m.E. nicht haltbar: &quot;Die Amsel&quot; hat einen bestimmten Bauplan, der in der Evolution entstanden ist und jeweils weitervererbt wird.Diesen Bauplan gibt es; er ist eine wesentliche Eigenschaft der &quot;Amsel&quot;. Zu behaupten, dass es &quot;die Amsel&quot; nicht gibt, w&#228;re vergleichbar mit der Behauptung, dass es den &quot;VW-Polo&quot; oder das &quot;Erdinger Wei&#223;bier&quot; nicht gibt, sondern nur einzelne Exemplare, die wir mit unserem Denken unter diese Begriffe einordnen.</p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/maier/gibt-es-universalien-zum-beispiel-die-am">Original post</a> blogged on <a href="http://maier.philosophieblog.de/">Maier</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
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		</item>
				<item>
			<title>Die Natur ist frei oder deus sive natura</title>
			<link>http://philosophieblog.de/flossmann/die-natur-ist-frei-oder-deus-sive-natura</link>
			<pubDate>Tue, 13 Jul 2010 09:50:36 +0000</pubDate>			<dc:creator>Bernd Flossmann</dc:creator>
			<category domain="main">flossmann</category>			<guid isPermaLink="false">703@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://blogs.handout.de/philspass/&quot;&gt;http://blogs.handout.de/philspass/&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Haben wir und wenn ja, worin besteht unsere (Wahl-Entscheidungs-) &lt;strong&gt;Freiheit&lt;/strong&gt; in Bezug auf Naturgesetze?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Denkfehler besteht meiner Meinung nach darin, dass die Erkl&amp;#228;rung der Vergangenheit und der vergangenen Entscheidungen von Mensch und Natur (und damit die Erkl&amp;#228;rbarkeit der Vergangenheit&amp;#160;&amp;#160;und der vergangenen Entscheidungen von Mensch und Natur) als Kausalit&amp;#228;t&amp;#160;&lt;strong&gt;vereinseitigt&lt;/strong&gt; wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur weil ich meine Entscheidung post festum erkl&amp;#228;ren kann, war die Entscheidung nicht notwendig so und nicht anders. Erkl&amp;#228;rbarkeit ist nicht das Gleiche wie Notwendigkeit!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielmehr, nachdem die Entscheidung f&amp;#252;r den Lavastrom, rechts oder links zu fliessen oder f&amp;#252;r mich, rechts oder links zu k&amp;#228;mpfen gefallen ist, hat der Berg, habe ich ein libidin&amp;#246;ses Bed&amp;#252;rfnis nach&amp;#160;&lt;strong&gt;Rechtfertigung&lt;/strong&gt; dieser Entscheidung (ich habe den Pfeil losgelassen, die Macht abgegeben, die Energie freigesetzt, das Kondom nicht benutzt) weil ich mit  der&amp;#160;&lt;strong&gt;Verantwortung&lt;/strong&gt; f&amp;#252;r die&amp;#160;&lt;strong&gt;Folgen&lt;/strong&gt; konfrontiert werde (Der Pfeil trifft den Hund, die Macht wird missbraucht, die Energie t&amp;#246;tet Natur, der Samen erzeugt ein Kind und entscheidet &amp;#252;ber mein Leben f&amp;#252;r die n&amp;#228;chsten 18 Jahre) und ich gebe in meiner Erkl&amp;#228;rung (mehr oder &lt;br /&gt;
weniger unbewusst) all den Fakten eine &lt;strong&gt;h&amp;#246;here Chance&lt;/strong&gt;, in meinem Wissens - Modell aufzuscheinen, welche meine Entscheidung post festum st&amp;#252;tzen. Das ist der Grund, weshalb die Eule der Minerva erst in der D&amp;#228;mmerung losfliegt.&lt;/p&gt;
&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/flossmann/die-natur-ist-frei-oder-deus-sive-natura#more703&quot;&gt;Mehr lesen &amp;raquo;&lt;/a&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/flossmann/die-natur-ist-frei-oder-deus-sive-natura&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://flossmann.philosophieblog.de/&quot;&gt;Flossmann&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blogs.handout.de/philspass/">http://blogs.handout.de/philspass/</a></p><p>Haben wir und wenn ja, worin besteht unsere (Wahl-Entscheidungs-) <strong>Freiheit</strong> in Bezug auf Naturgesetze?</p>
<p>Ein Denkfehler besteht meiner Meinung nach darin, dass die Erkl&#228;rung der Vergangenheit und der vergangenen Entscheidungen von Mensch und Natur (und damit die Erkl&#228;rbarkeit der Vergangenheit&#160;&#160;und der vergangenen Entscheidungen von Mensch und Natur) als Kausalit&#228;t&#160;<strong>vereinseitigt</strong> wird.</p>
<p>Nur weil ich meine Entscheidung post festum erkl&#228;ren kann, war die Entscheidung nicht notwendig so und nicht anders. Erkl&#228;rbarkeit ist nicht das Gleiche wie Notwendigkeit!</p>
<p>Vielmehr, nachdem die Entscheidung f&#252;r den Lavastrom, rechts oder links zu fliessen oder f&#252;r mich, rechts oder links zu k&#228;mpfen gefallen ist, hat der Berg, habe ich ein libidin&#246;ses Bed&#252;rfnis nach&#160;<strong>Rechtfertigung</strong> dieser Entscheidung (ich habe den Pfeil losgelassen, die Macht abgegeben, die Energie freigesetzt, das Kondom nicht benutzt) weil ich mit  der&#160;<strong>Verantwortung</strong> f&#252;r die&#160;<strong>Folgen</strong> konfrontiert werde (Der Pfeil trifft den Hund, die Macht wird missbraucht, die Energie t&#246;tet Natur, der Samen erzeugt ein Kind und entscheidet &#252;ber mein Leben f&#252;r die n&#228;chsten 18 Jahre) und ich gebe in meiner Erkl&#228;rung (mehr oder <br />
weniger unbewusst) all den Fakten eine <strong>h&#246;here Chance</strong>, in meinem Wissens - Modell aufzuscheinen, welche meine Entscheidung post festum st&#252;tzen. Das ist der Grund, weshalb die Eule der Minerva erst in der D&#228;mmerung losfliegt.</p>
<a href="http://philosophieblog.de/flossmann/die-natur-ist-frei-oder-deus-sive-natura#more703">Mehr lesen &raquo;</a><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/flossmann/die-natur-ist-frei-oder-deus-sive-natura">Original post</a> blogged on <a href="http://flossmann.philosophieblog.de/">Flossmann</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
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		</item>
				<item>
			<title>Willenlos frei</title>
			<link>http://philosophieblog.de/zimmerschied/willenlos-frei</link>
			<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 16:26:09 +0000</pubDate>			<dc:creator>Patrick Zimmerschied</dc:creator>
			<category domain="main">Metaphysik</category>			<guid isPermaLink="false">702@http://philosophieblog.de/</guid>
						<description>&lt;p&gt;&amp;#8222;Und die menschlichen Handlungen sind genauso frei und sinnleer wie die freien Bewegungen der Elementarteilchen.&amp;#8220;&lt;br /&gt;Michel Houellebecq, &lt;em&gt;Gegen die Welt, gegen das Leben&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was soll es eigentlich bedeuten einen freien Willen zu haben? Bedeutet es bewusst entscheiden zu k&amp;#246;nnen? Doch was hei&amp;#223;t &amp;#8222;bewusst&amp;#8220;? Und was hei&amp;#223;t &amp;#8222;entscheiden k&amp;#246;nnen&amp;#8220;? Wo liegt der Unterschied, ob ich eine M&amp;#252;nze werfe oder willentlich Kopf oder Zahl w&amp;#228;hle?&lt;br /&gt;Offensichtlich in dem Gef&amp;#252;hl, welches die Handlung begleitet. Ich wei&amp;#223; bei einer zuf&amp;#228;lligen Wahl nicht was das Ergebnis sein wird, allerdings wei&amp;#223; ich es bei einer &amp;#252;berlegten Entscheidung auch nicht. Jedenfalls nicht bevor ich mich zu ihr entschieden habe. Ich kann schlie&amp;#223;lich nicht entscheiden woran ich denke. Die Gedanken kommen wie &lt;em&gt;sie&lt;/em&gt; wollen. Wie sollte es auch anders sein? Ich kann mich logischerweise ja nicht daf&amp;#252;r entscheiden an etwas oder nicht an etwas zu denken, ohne eben gerade daran zu denken.&lt;br /&gt;DENK JETZT NICHT AN EINEN ELEFANTEN!&lt;br /&gt;Ist was ich tue also genauso zuf&amp;#228;llig, wie der Fluss meiner Gedanken? Es scheint nicht so zu sein. Es scheint da eine Qualit&amp;#228;t zu geben, die dem spontanen Auftreten des Bildes eines Elefanten fremd ist. Diese Eigenschaft ist es, welche dem Subjekt die Verantwortlichkeit f&amp;#252;r sein Handeln aufzwingt. Aber jedem Handeln liegt ein Gedanke zugrunde. Ja, die Handlung selbst ist eigentlich nichts weiter als ein ausgef&amp;#252;hrter Gedanke. Wie kann da also ein Unterschied existieren?&lt;br /&gt;Beim Wort &amp;#8222;Elefant&amp;#8220; werde ich immer an einen Elefanten denken. Zwangsl&amp;#228;ufig. Ich kann gar nicht anders. Darum hat man dabei nicht das Gef&amp;#252;hl, entschieden zu haben woran man denkt. Es spielt keine Rolle, ob das Elefanten-Bild durch einen &amp;#228;u&amp;#223;eren Reiz verursacht wird oder ob es mir einfach ganz pl&amp;#246;tzlich in den Sinn kommt. Beides ist gleicherma&amp;#223;en frei von einer Empfindung der Urheberschaft des Gedankens (kreative Menschen sprechen deshalb h&amp;#228;ufig davon, dass sie das Gef&amp;#252;hl haben, die Ideen w&amp;#252;rden ihnen von einer fremden Quelle zuflie&amp;#223;en).&lt;br /&gt;In einer bestimmten bewussten Entscheidungssituation werde ich allerdings nicht intuitiv denken. Das hei&amp;#223;t, ich f&amp;#252;hre dann eine T&amp;#228;tigkeit nicht instinktiv oder gewohnheitsm&amp;#228;&amp;#223;ig aus. Im Gegensatz etwa zu einem Engl&amp;#228;nder, der auf einer deutschen Stra&amp;#223;e versehentlich zum Geisterfahrer wird. Ihn mit den Worten &amp;#8222;Er h&amp;#228;tte eben besser aufpassen m&amp;#252;ssen&amp;#8220; zur&amp;#160; Rechenschaft zu ziehen ist albern. Wenn er in diesem Moment h&amp;#228;tte besser aufpassen k&amp;#246;nnen, dann h&amp;#228;tte er es sicherlich getan.&lt;br /&gt;Die Verschiedenartigkeit liegt darin, dass beim automatischen Ausf&amp;#252;hren von etwas, die T&amp;#228;tigkeit wie das Bild des Elefanten aufblitzt, ohne von uns gerufen worden zu sein, w&amp;#228;hrend wir beim geplanten Handeln dar&amp;#252;ber reflektieren. Der Grad der Komplexit&amp;#228;t nimmt also zu. W&amp;#228;hrend bei Ersterem der handelnde Gedanke wie aus dem Nichts hervortritt, so hat man bei Letzterem schon vorher eine Vorstellung davon. Diese ist allerdings ebenfalls aus dem Nirgendwo gekommen und wird von weiteren &amp;#220;berlegungen begleitet, die zwar irgendwie mit dem Ursprungsgedanken verkn&amp;#252;pft sind, aber wie genau und warum, bleibt ebenso im Dunkeln wie dessen Grund. Dennoch soll am Ende etwas entstehen, das das Individuum verantwortlich macht. Diese lange Kette von Gedanken m&amp;#252;sste demnach eine andere Beschaffenheit aufweisen als ein einzelner Gedanke. Eine solche Emergenz scheint subjektiv durchaus zuzutreffen, doch wo verl&amp;#228;uft die Grenze? Ab wann entscheide ich bewusst?&lt;br /&gt;Die Antwort auf diese Frage l&amp;#228;uft wohl letztendlich darauf hinaus, dass wir nie wissen, warum wir etwas tun. Und zwar aus dem gleichen Grund, aus dem wir nichts dar&amp;#252;ber sagen k&amp;#246;nnen, warum irgendetwas geschieht (sofern es &amp;#252;berhaupt Gr&amp;#252;nde f&amp;#252;r Ereignisse gibt). Wir konstruieren uns Erkl&amp;#228;rungen von denen wir behaupten, sie bed&amp;#252;rften keiner weiteren Begr&amp;#252;ndung, obwohl durch sie eigentlich nichts klarer ist als zuvor. Wittgenstein hat das im Tractatus so formuliert:&lt;br /&gt;&amp;#8222;Der ganzen modernen Weltanschauung liegt die T&amp;#228;uschung zugrunde, da&amp;#223; die sogenannten Naturgesetze die Erkl&amp;#228;rungen der Naturerscheinungen seien.&lt;br /&gt;So bleiben sie bei den Naturgesetzen als bei etwas Unantastbaren stehen, wie die &amp;#196;lteren bei Gott und dem Schicksal.&amp;#8220;&lt;br /&gt;Genauso bleibt der Alltagsverstand beim Willen stehen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wie ich wollen kann was ich will. Wo ich keine Begr&amp;#252;ndung mehr finde, da h&amp;#246;rt eben mein Wille auf, denkt man. Aber wieso sollte dies eine Auswirkung auf die Bewertung meiner Taten haben? Ich kann doch nur schuldig sein, wenn ich verantwortlich daf&amp;#252;r bin, dass ich ich bin (und dann m&amp;#252;sste ich auch die Schuld f&amp;#252;r diese Verantwortlichkeit tragen et cetera &amp;#8211; ad infinitum), denn mein Wille, das bin ich.&lt;br /&gt;Unser Hang zur Kausalit&amp;#228;t, die Illusion wir w&amp;#252;ssten warum wir tun was wir tun, sch&amp;#252;rt den Gedanken an einen pers&amp;#246;nlich kontrollierten Willen. Doch schon Jesus Christus rief angeblich, als er ans Kreuz geschlagen wurde: &amp;#8222;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!&amp;#8220;.&lt;br /&gt;Und &lt;em&gt;das&lt;/em&gt; ist wahre Erkenntnis.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nachtr&amp;#228;glicher Hinweis vom 05.08.2010: Da ich mir gerade &amp;#8222;Inception&amp;#8220; im Kino angesehen habe und die Parallelen zu meinem Text fast schon unheimlich sind, m&amp;#246;chte ich darauf aufmerksam machen, dass der Blog-Eintrag am 05.07.2010 entstanden ist. Also drei Tage vor der Weltpremiere des Films. Ich kann demnach nicht von ihm beeinflusst worden sein, au&amp;#223;er eventuell durch au&amp;#223;ersinnliche Wahrnehmung, falls es so etwas gibt. Jedenfalls fand keine bewusste Inspiration statt.&lt;/p&gt;&lt;div class=&quot;item_footer&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://philosophieblog.de/zimmerschied/willenlos-frei&quot;&gt;Original post&lt;/a&gt; blogged on &lt;a href=&quot;http://zimmerschied.philosophieblog.de&quot;&gt;Zimmerschied&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Und die menschlichen Handlungen sind genauso frei und sinnleer wie die freien Bewegungen der Elementarteilchen.&#8220;<br />Michel Houellebecq, <em>Gegen die Welt, gegen das Leben</em></p><p>Was soll es eigentlich bedeuten einen freien Willen zu haben? Bedeutet es bewusst entscheiden zu k&#246;nnen? Doch was hei&#223;t &#8222;bewusst&#8220;? Und was hei&#223;t &#8222;entscheiden k&#246;nnen&#8220;? Wo liegt der Unterschied, ob ich eine M&#252;nze werfe oder willentlich Kopf oder Zahl w&#228;hle?<br />Offensichtlich in dem Gef&#252;hl, welches die Handlung begleitet. Ich wei&#223; bei einer zuf&#228;lligen Wahl nicht was das Ergebnis sein wird, allerdings wei&#223; ich es bei einer &#252;berlegten Entscheidung auch nicht. Jedenfalls nicht bevor ich mich zu ihr entschieden habe. Ich kann schlie&#223;lich nicht entscheiden woran ich denke. Die Gedanken kommen wie <em>sie</em> wollen. Wie sollte es auch anders sein? Ich kann mich logischerweise ja nicht daf&#252;r entscheiden an etwas oder nicht an etwas zu denken, ohne eben gerade daran zu denken.<br />DENK JETZT NICHT AN EINEN ELEFANTEN!<br />Ist was ich tue also genauso zuf&#228;llig, wie der Fluss meiner Gedanken? Es scheint nicht so zu sein. Es scheint da eine Qualit&#228;t zu geben, die dem spontanen Auftreten des Bildes eines Elefanten fremd ist. Diese Eigenschaft ist es, welche dem Subjekt die Verantwortlichkeit f&#252;r sein Handeln aufzwingt. Aber jedem Handeln liegt ein Gedanke zugrunde. Ja, die Handlung selbst ist eigentlich nichts weiter als ein ausgef&#252;hrter Gedanke. Wie kann da also ein Unterschied existieren?<br />Beim Wort &#8222;Elefant&#8220; werde ich immer an einen Elefanten denken. Zwangsl&#228;ufig. Ich kann gar nicht anders. Darum hat man dabei nicht das Gef&#252;hl, entschieden zu haben woran man denkt. Es spielt keine Rolle, ob das Elefanten-Bild durch einen &#228;u&#223;eren Reiz verursacht wird oder ob es mir einfach ganz pl&#246;tzlich in den Sinn kommt. Beides ist gleicherma&#223;en frei von einer Empfindung der Urheberschaft des Gedankens (kreative Menschen sprechen deshalb h&#228;ufig davon, dass sie das Gef&#252;hl haben, die Ideen w&#252;rden ihnen von einer fremden Quelle zuflie&#223;en).<br />In einer bestimmten bewussten Entscheidungssituation werde ich allerdings nicht intuitiv denken. Das hei&#223;t, ich f&#252;hre dann eine T&#228;tigkeit nicht instinktiv oder gewohnheitsm&#228;&#223;ig aus. Im Gegensatz etwa zu einem Engl&#228;nder, der auf einer deutschen Stra&#223;e versehentlich zum Geisterfahrer wird. Ihn mit den Worten &#8222;Er h&#228;tte eben besser aufpassen m&#252;ssen&#8220; zur&#160; Rechenschaft zu ziehen ist albern. Wenn er in diesem Moment h&#228;tte besser aufpassen k&#246;nnen, dann h&#228;tte er es sicherlich getan.<br />Die Verschiedenartigkeit liegt darin, dass beim automatischen Ausf&#252;hren von etwas, die T&#228;tigkeit wie das Bild des Elefanten aufblitzt, ohne von uns gerufen worden zu sein, w&#228;hrend wir beim geplanten Handeln dar&#252;ber reflektieren. Der Grad der Komplexit&#228;t nimmt also zu. W&#228;hrend bei Ersterem der handelnde Gedanke wie aus dem Nichts hervortritt, so hat man bei Letzterem schon vorher eine Vorstellung davon. Diese ist allerdings ebenfalls aus dem Nirgendwo gekommen und wird von weiteren &#220;berlegungen begleitet, die zwar irgendwie mit dem Ursprungsgedanken verkn&#252;pft sind, aber wie genau und warum, bleibt ebenso im Dunkeln wie dessen Grund. Dennoch soll am Ende etwas entstehen, das das Individuum verantwortlich macht. Diese lange Kette von Gedanken m&#252;sste demnach eine andere Beschaffenheit aufweisen als ein einzelner Gedanke. Eine solche Emergenz scheint subjektiv durchaus zuzutreffen, doch wo verl&#228;uft die Grenze? Ab wann entscheide ich bewusst?<br />Die Antwort auf diese Frage l&#228;uft wohl letztendlich darauf hinaus, dass wir nie wissen, warum wir etwas tun. Und zwar aus dem gleichen Grund, aus dem wir nichts dar&#252;ber sagen k&#246;nnen, warum irgendetwas geschieht (sofern es &#252;berhaupt Gr&#252;nde f&#252;r Ereignisse gibt). Wir konstruieren uns Erkl&#228;rungen von denen wir behaupten, sie bed&#252;rften keiner weiteren Begr&#252;ndung, obwohl durch sie eigentlich nichts klarer ist als zuvor. Wittgenstein hat das im Tractatus so formuliert:<br />&#8222;Der ganzen modernen Weltanschauung liegt die T&#228;uschung zugrunde, da&#223; die sogenannten Naturgesetze die Erkl&#228;rungen der Naturerscheinungen seien.<br />So bleiben sie bei den Naturgesetzen als bei etwas Unantastbaren stehen, wie die &#196;lteren bei Gott und dem Schicksal.&#8220;<br />Genauso bleibt der Alltagsverstand beim Willen stehen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wie ich wollen kann was ich will. Wo ich keine Begr&#252;ndung mehr finde, da h&#246;rt eben mein Wille auf, denkt man. Aber wieso sollte dies eine Auswirkung auf die Bewertung meiner Taten haben? Ich kann doch nur schuldig sein, wenn ich verantwortlich daf&#252;r bin, dass ich ich bin (und dann m&#252;sste ich auch die Schuld f&#252;r diese Verantwortlichkeit tragen et cetera &#8211; ad infinitum), denn mein Wille, das bin ich.<br />Unser Hang zur Kausalit&#228;t, die Illusion wir w&#252;ssten warum wir tun was wir tun, sch&#252;rt den Gedanken an einen pers&#246;nlich kontrollierten Willen. Doch schon Jesus Christus rief angeblich, als er ans Kreuz geschlagen wurde: &#8222;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!&#8220;.<br />Und <em>das</em> ist wahre Erkenntnis.</p><p>Nachtr&#228;glicher Hinweis vom 05.08.2010: Da ich mir gerade &#8222;Inception&#8220; im Kino angesehen habe und die Parallelen zu meinem Text fast schon unheimlich sind, m&#246;chte ich darauf aufmerksam machen, dass der Blog-Eintrag am 05.07.2010 entstanden ist. Also drei Tage vor der Weltpremiere des Films. Ich kann demnach nicht von ihm beeinflusst worden sein, au&#223;er eventuell durch au&#223;ersinnliche Wahrnehmung, falls es so etwas gibt. Jedenfalls fand keine bewusste Inspiration statt.</p><div class="item_footer"><p><small><a href="http://philosophieblog.de/zimmerschied/willenlos-frei">Original post</a> blogged on <a href="http://zimmerschied.philosophieblog.de">Zimmerschied</a>.</small></p></div>]]></content:encoded>
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