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Naturgesetze / „ceteris-paribus-Gesetze“ / nichtstrikte Gesetze

mily: Arial;">Manche Philosophen, die sich mit dem Kausalgeschehen in unserer Welt befassen (zum Beispiel Donald Davidson), sind der Auffassung, dass nur Prozesse, denen strikte Naturgesetze zugrundeliegen, als Kausalprozesse angesehen werden können. Nur die Physik weise solche Gesetze auf (was ja im Hinblick auf die Quantenphysik auch nicht ganz korrekt ist). Gesetze der Biologie oder der Psychologie würden nur ceteris paribus gelten, d.h., nur soweit alle nicht von diesen Gesetzen erfassten Faktoren ausgeschaltet seien (ceteris paribus = wenn alles Andere gleich ist). Sie seien auch nichtstrikt und könnten somit keine Kausalprozesse begründen. Gelegentlich zeigt sich auch eine Begriffsverwirrung, wenn etwa die Nichtstriktheit von Gesetzen damit begründet wird, dass sie nur ceteris paribus gelten. Dazu kurz folgende Überlegungen:

1.

Der ceteris-paribus-Vorbehalt gilt für alle Naturgesetze, auch für die Gesetze der Physik. Selbst die Gesetze der klassischen Mechanik, die Paradebeispiel für strikte Gesetze dienen könnten, werden in der Wirklichkeit selten in aller Reinheit vollzogen, nämlich hauptsächlich in speziellen Experimenten, bei denen alle anderen Einflüsse abgeschirmt werden. Ansonsten wirken meist verschiedene Faktoren und die für sie geltenden Gesetze in den Kausalprozessen zusammen. Den physikalischen Gesetzen kann also kein Vorrang für das Kausalgeschehen zuerkannt werden, weil sie - vermeintlich - nicht ceteris paribus gelten.

2.

Die Gesetze der Biologie und der Psychologie sind nichtstrikt, weil sie komplexe Vorgänge, zum Beispiel das Zusammenwirken von Untersystemen bei lebenden Organismen, betreffen oder weil psychologische Vorgänge durch den Einfluss des Bewusstseins bei Tieren und Menschen noch zusätzlich kompliziert werden. Diese Gesetze sind aber gleichwohl Kausalgesetze: Sie liefern Erklärungen für Vergangenes (warum ist X erkrankt? oder warum hat sich Y geärgert?)und ermöglichen Voraussagen für Zukünftiges, dies aber nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit. Die Vorgänge, denen sie zugrundeliegen, sind daher Kausalprozesse.

3.

Allen Kausalprozessen, auch den biologischen und den psychologichen, liegen physikalische Vorgänge mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten zugrunde. Das Vorherrschen von strikten Gesetzmäßigkeiten auf der physikalische Ebene schließt aber nicht aus, dass sich die Gesetze der Biologie und der Psychologie nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vollziehen, also nichtstrikt sind. Die physikalischen Vorgänge sind nämlich sozusagen nur das Baumaterial für die Vorgänge auf den höheren, komplexeren Ebenen.

Das Leib-Seele-Problem - ungelöst?

Das Leib-Seele-Problem (auch: Geist-Körper-Problem, engl. mind-body-problem) gab´s in der Philosophie schon bei den alten Griechen. Eine besonders intensive Diskussion begann in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Place, Smart und Feigl die naturwissenschaftlich festgestellte Korrelation zwischen mentalen Vorgängen wie Gedanken und Gefühlen beim Menschen mit neurophysiologischen (neuronalen) Vorgängen im Gehirn philosophisch dahingehend deuteten, dass die mentalen Vorgänge mit den neuronalen Vorgängen identisch sind. Diese Identitätstheorie wurde im Schrifttum so gedeutet, dass Typen von mentalen mit Typen von neuronalen identisch seien (sog. Typen-Identitätstheorie). Dagegen hat der amerikanische Philosoph Hilary Putnam zurecht eingewandt, das mentale Vorgänge beim Menschen und auch bei Tieren in unterschiedlicher Weise neuronal realisiert sein können (sog. multiple Realisierbarkeit, so etwa Schmerzempfindung bei Menschen und bei Lurchen)) und deshalb Typen von mentalen Vorgängen nicht mit bestimmten Typen von neuronalen Vorgängen identisch sein können. Das überzeugte. Der amerikanische Philosoph Donald Davidson entwickelte jedoch dann in den 70er Jahren eine Theorie, wonach in Einzelvorkommnissen (engl. token) der mentale Vorgang mit dem entsprechenden neuronalen Vorgang identisch sein kann (sog. Token-Identitätstheorie). Die Auffassung von Davidson setzte sich aber nicht durch, weil Davidson gleichzeitig postulierte , dass es Kausalität nur auf der physischen, eigentlich nur der physikalischen Ebene gebe; nur da gebe es strikte Gesetze und das sei Voraussetzung für kausale Wirksamkeit. Das wurde nicht akzeptiert, weil man schließlich mentale Vorgänge wie Gedanken, Überlegungen, Wünsche , Absichten, Gefühle nicht für kausal unwirksame bloße Begleiterscheinungen („Epiphänomeme“) physikalischer Vorgänge halten möchte. Eine schlüssige Theorie, wie eine Token-Identität mit kausaler Wirksamkeit mentaler Dinge verbunden werden könnte, wurde in der Folgezeit nicht entwickelt. Vielmehr war der Mainstream, funktionale Rollen mentaler Vorgänge auf funktionale  physische Vorgänge zu reduzieren. Allgemein gilt jedoch das Leib-Seele-Problem bis heute als ungelöst.
Dabei bietet sich folgende Lösung an:
Mentale Vorgänge sind als Einzelvorkommnisse mit bestimmten neuronalen Vorgängen identisch. Diese Vorkommnisse (Ereignisse) haben also sowohl mentale als auch physische Eigenschaften. Sie verursachen andere Ereignisse, die ebenfalls mentale und physische Eigenschaften haben. Dabei sind die mentalen Eigenschften des verursachenden Ereignisses kausal relevant für die mentalen Eigenschaften des Folgeereignisses und die physischen Eigenschaften des verusachenden Ereignisses kausal relevant für die physischen Eigenschaften des Folgeereignisses. Die kausale Wirksamkeit mentaler Dinge ist damit gesichert und über die Identität ist auch geklärt wie mentale Ereignisse physische Wirkungen haben können. Gleichzeitig gibt es keine Mehrfachverursachung (engl. overdetermination) von Ereignissen, weil jeweils nur ein Ereignis das andere verursacht.

A

Der Mensch als Durchgangsstation materieller und geistiger Entwicklung

Der Philosophieblog ist dabei, sein Leben auszuhauchen, seitdem philohof nicht mehr schreibt und die akademische Arbeit von Dan Sisermann keinen Kommentar gefunden hat. Dabei ist es schade, dass das von Robert Dürhager  mit vorstellbar großem Aufwand eingerichtete Forum nicht mehr von philosophisch Bewanderten und Interessierten für Diskussionen genutzt wird. Ich möchte deshalb einen Versuch unternehmen, hier etwas originäre Philosophie beizutragen in der verwegenen Hoffnung, vielleicht doch ein kommentierendes Echo zu finden.
Betrachten wir nun die Entwicklung der Welt, wie sie die Naturwissenschaften uns darstellen. Am Anfang unseres Universums gab es nur Wasserstoff, Helium und energetische Felder. Daraus sind in einer  physikalisch-chemisch-biologischen Entwicklung die Sterne, die schwereren chemischen Elemente (zum Beispiel das Gold!), die Planeten, die Pflanzen, die Tiere und schließlich der Mensch entstanden. Dabei ist jeder Entwicklungsschritt, jeder neue Zustand der Dinge, aus einem früheren Zustand hervorgegangen, der diesen Schritt ermöglicht hat. Alles befindet sich im Fluss. Auch Sterne sterben, Berge werden abgetragen, Pflanzen, Tiere und Menschen sterben. Die Materie aber, aus der sie aufgebaut sind, bleibt erhalten und es entstehen aus ihr neue Gebilde. Der Körper jedes einzelnen Menschen ist so als lebender Organismus nur eine Durchgangsstation, eine momentane Sitation, dieser umfassenden materiellen Entwicklung. Auch seine Knochen, die möglicherweise länger überdauern, verschwinden spätestens, wenn die Sonne zum Roten Riesen wird und die Erde verschluckt.
Überlegt man nun, wie es um die geistigen Dinge  steht, die in unserer Welt entstanden sind, und um die geistigen Vorgänge, die in ihr ablaufen, dann erkennt man, dass jeder neue geistige Zustand - ebenso wie das bei der materiellen Entwicklung der Welt der Fall ist - durch einen vorangehenden Zustand ermöglicht worden ist  und sich letzlich alles aus einem geistigen Urgrund heraus entwickelt. Dass die geistigen jeweils zusammen mit materiellen Vorgängen einheitliche Vorgänge bilden, sei nur am Rande erwähnt. Im Rahmen der globalen geistigen Entwicklung ist das geistige (geistig-seelische) Werden und Verlöschen des einzelnen Menschen nur eine Durchgangsstation oder -phase. Das gibt uns Veranlassung, uns als Menschen ganz klein zu fühlen, dafür aber die geistig-materielle Entwicklung des Kosmos und unserer Lebenswelt aus einem elementaren Urgrund heraus umso mehr zu bewundern. Vielleicht stirbt man dann leichter.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass die vorstehenden Ausführungen sehr komprimiert sind. Ich könnte auch noch viel dazu sagen. Wenn ich aber keine Kommentare bekomme, dann spare ich mir das.

Kleine Philosophie

1. Gott als der Urgrund der Welt

Über Gott kann man sich rein philosophische Gedanken machen. Gott könnte ein Wesen sein, das ausserhalb der Welt existiert und möglicherweise von außen auf die Welt einwirkt. Das ist jedoch Sache der Theologie oder des Glaubens. Gott könnte aber auch der Welt immanent und damit ein Teil der Welt sein. Man könnte ihn dann als den Urgrund allen Seins und allen Werdens verstehen. Alles, was in der Welt entstanden ist - Berge, Pflanzen, Tiere, Mensch - , wäre eine Entfaltung der Ursubstanz. Auch das geistige Leben sowie das moralische und das ästhetische Empfinden wären aus diesem Urgrund herzuleiten.
Nach dieser Vorstellung umfasst der Urgrund sowohl Materie als auch Geist - das erinnert alles sehr an Spinoza. Der Geist ist die Form der Materie. Materie ohne Form gibt es nicht (Aristoteles). Geistiges wird durch Materie aktualisiert (oder „individuiert“). Geist und Materie bedingen sich also gegenseitig, verhelfen sich zur aktuellen Existenz. Getrennt voneinander haben sie nur potentielles Sein, sind sie Verwirklichungsmöglichkeiten.
Wenn sich alles aus dem Urgrund entwickelt hat, muss der Urgrund diese Entwicklungsmöglichkeiten enthalten haben. Der Urgrund ist damit ein unendlich großes Reich des Möglichen. Man könnte sogar überlegen, ob abstrakte geometrische Formen wie der Kreis oder das Dreieck oder Sätze der Logik zu diesem Urgrund gehörten und somit bis zur Entdeckung durch die Menschen potentielles Sein besaßen.
Gott als der Urgrund der Welt hat immer schon existiert. Philosophisch ist es nicht notwendig, einen Anfang Gottes und mit ihm des Urgrunds anzunehmen. Auch der Urknall könnte auf dem ewig existierenden Urgrund beruhen.

2. Alles, was geschieht, hat einen „hinreichenden“ Grund
    
Das Leben lehrt uns , dass alles, was sich ereignet, einen Grund hat, der erklärt, wie es geschehen konnte. Man kann sich das Geschehen in unserer Welt als einen unendlich großen Wirbel von vernetzten Kausalreihen vorstellen, wobei jede Kausalreihe eine Folge von Zuständen der beteiligten Dinge ist. Jeder einzelne von diesen Zuständen muß durch den jeweils vorangehenden Zustand ermöglicht worden sein, sonst wäre er nicht eingetreten. Der Folgezustand muß aber nicht notwendigerweise eintreten. Wenn das so wäre, wäre alles Geschehen in der Welt einschließlich unseres geistigen Lebens und damit unserer Entscheidungen vollständig determiniert. Selbst in der Physik, für die an sich strikte Gesetze charakteristisch sind, gibt es keine durchgehende Determiniertheit der Vorgänge. Nach der Quantenmechanik herrschen nämlich in der Mikrophysik nur statistische Gesetzmäßigkeiten, was sich bei labilen Vorgängen in komplexen Systemen auch makrophysikalisch auswirkt.  Erst recht sind die Gesetze der Psychologie, die für das geistige Leben des Menschen relevant sind. nicht strikt.
Die Zukunft ist damit nicht festgelegt; es können sich ganz unterschiedliche, ja diametral entgegengesetzte Entwicklungen ergeben. Das aber, was in der Vergangenheit geschehen ist, kann mit der jeweiligen Ermöglichung durch vorangehende Zustände erklärt werden. So kann der Zerfall eines radioaktiven Atoms zu einem bestimmten Zeitpunkt damit erklärt werden, dass solche Atome nach einem statistischen Gesetz in bestimmten Zeiträumen zerfallen und dass daher jedem einzelnen dieser Atome die Tendenz zum Zerfall innewohnt.  Diese Tendenz hat den Zerfall zu dem bestimmten Zeitpunkt ermöglicht; es war aber nicht notwendig, dass das Atom genau zu dem Zeitpunkt zerfiel.
Man kann sich nun vorstellen, dass auch der Urknall durch eine solche, dem Urgrund innewohnende Tendenz hervorgerufen wurde. Allerdings könnte man hier wohl nicht ein statistisches Gesetz zur Erklärung heranziehen, denn der Urknall dürfte ein singuläres Ereignis sein, das es in der Welt bisher nur ein einziges Mal gegeben hat. Eine solche Tendenz kann es aber auch ohne Vorherrschen einer statistischen Gesetzmäßigkeit gegeben haben. Das wird klar, wenn man sich überlegt, dass ein radioaktives Atom die Tendenz zum Zerfall haben könnte, wenn es das einzige Atom seiner Art auf der Welt wäre. Diese Tendenz wäre ein „hinreichender“ Grund für diesen Vorgang wie eine Tendenz des Urgrunds, einen Urknall hervorzubringen, ein hinreichender Grund dafür wäre.


3. Dinge - Vorgänge - Eigenschaften - Bedeutung

Was in der Welt existiert, kann man schlicht als „Dinge“ bezeichnen.  So wären auch Gedanken, Gefühle, Erkenntnisse der Wissenschaften, Werke der Künste, der Literatur, der Technik Dinge. Berücksichtigt man die zeitlichen Veränderungen bei den Dingen, kann man von „Vorgängen“ oder auch  „Ereignissen“ sprechen. Mit diesen Begriffen müsste man eigentlich die ganze Welt erfassen können.
Die Dinge haben Eigenschaften, mit denen man sie identifizieren und beschreiben kann. Diese Eigenschaften können sich auf die materielle oder auf die geistige Seite der Dinge beziehen. So könnte man bei einem  Gemälde beschreiben, auf welchem Untergrund es gemalt ist und welche Farben an welchen Stellen aufgetragen sind, oder aber was es darstellt und was der künstlerische Gehalt ist. Bei einem erklingenden Musikstück könnte man die Folge der Frequenzen der Schallwellen oder aber die musikalische Aussage beschreiben. Letzlich sind aber alle Eigenschaften, auch soweit sie die stoffliche Grundlage von Dingen beschreiben, geistig; sie sagen aus, wie die Dinge sind, die „Seinsweise“ der Dinge. Bestimmte Eigenschaften sind in ihrer Summe dafür wesentlich, was ein Ding ist. Dazu kann auch die Entstehungsgeschichte eines Dings  gehören. Eine perfekt gefälschter 50€-Schein ist dennoch kein 50€-Schein, weil er zwar alle sinnlichen Qualitäten eines echten Geldscheins hat, aber nicht von der autorisierten staatlichen Stelle ausgegeben worden ist. Mehrere benachbarte Steinhaufen im Gebirge können Wegmarkierungen oder rein zufällige Gebilde sein
Alternativ zu „Eigenschaften“ kann man auch von der „Bedeutung“ der Dinge sprechen. Der Begriff Bedeutung passt noch besser zu Vorgängen. Bestimmte Vorgänge im Gehirn haben die Bedeutung eines Gedankens oder einer Empfindung. Menschliche Handlungen sind in der Regel mit Körperbewegungen verbunden; entscheidend ist aber ihre Bedeutung. Das ist ihre geistige Seite.

4. Ebenen im materiellen und im geistigen Bereich

Das Geistige ist nicht einfach nochmal eine Ebene über der biologischen Ebene. In der materiellen Sphäre kann man ausgehend von der elementarsten physikalischen Ebene mit zunehmender Komplexität etwa die Ebenen der Chemie, der Zellen, der Organe und der lebenden Organismen unterscheiden. Die Bestandteile der niedrigeren Ebenen bilden das Ganze des Organismus; es handelt sich hier um die Beziehung zwischen dem Ganzen und seinen Teilen. Dabei ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile, weil es entscheidend darauf ankommt, wie die Teile zusammengesetzt und miteinander verbunden sind. Eine derartige Beziehung herrscht dagegen nicht zwischen  dem Empfinden und Denken des Menschen und den damit verbundenen Strukturen der materielle Seite. Diese stehen den geistigen Vorgängen jeweils als Ganzes gegenüber. Wenn also jemand etwas denkt, zum Beispiel „Morgen wird es regnen“, dann bilden alle damit korrelierten neuronalen Strukturen im Gehirn das materielle Gegenstück. Die geistige Seite befindet sich nicht auf  einer höheren Komplexitätsebene. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Teile, die dieses Organ konstituieren, etwa die Neuronen, auch eine geistige Seite, nämlich bestimmte Eigenschaften, haben. Diese Eigenschaften sind aber noch nicht der Ebene des Bewusstseins, des Denkens und des Empfindens zuzuordnen.
Weder auf der materiellen noch auf der geistigen Seite gibt es eine Verursachung nach unten (vom Ganzen auf seine Teile) noch eine von unten nach oben (von den Teilen zum Ganzen). Die Änderung eines Bestandteils ist zugleich die Änderung des Ganzen. Die Änderung des Ganzen ist nur möglich durch eine Änderung von Bestandteilen: ein einheitlicher Vorgang, keine wechselseitige Kausalbeziehung.
Zu beachten ist, dass nicht alle materiellen Vorgänge im Körper für das mentale Geschehen relevant sind: Wenn unbemerkt ein Haar ausfällt, ändert
sich nichts in der mentalen Sphäre.

5. Freiheit der Willensbildung

Wir Menschen sind in der Regel überzeugt, dass wir unseren Willen frei bilden können. Das gilt natürlich nur innerhalb eines durch die konkreten Lebensumstände vorgegebenen Rahmens: Ich kann nicht etwas tun wollen, was mir offensichtlich unmöglich ist, zum Beispiel aus dem Stand 10m hoch zu springen oder wie Jesus über das Wasser zu wandeln. Aber zu Handlungen, die mir jetzt und hier möglich sind, kann ich mich wohl frei entscheiden? Da gibt es aber ein Problem: Alles, was in mir geistig vorgeht, beruht auf physischen Vorgängen, die sich im Wesentlichen in meinem Gehirn abspielen. Diese Vorgänge sind materielle Vorgänge, die sich nach den Naturgesetzen, nämlich denen der Physik, der Chemie und der Biologie richten. Spinoza, der noch nichts von Unbestimmtheiten im mikrophysikalischen Bereich wissen konnte und der die Naturvorgänge daher für vollständig determiniert hielt, war deshalb der Überzeugung, dass auch unser geistiges Leben vollständig auch für die Zukunft festgelegt ist. Eine Möglichkeit, dennoch glücklich zu leben, sah er dann darin, sich in diese nun einmal gegebene Sachlage zu fügen und sich positiv dazu einzustellen.
Wir wissen aber nun, dass die physischen Vorgänge aufgrund der quantenphysikalischen Unbestimmtheiten nicht strikt determiniert sind, vielmehr die Zukunft offen ist. Ermöglicht das eine Freiheit der Willensbildung? Da muß man sehen, dass wegen dieser Unbestimmtheiten auch Zufälle im physischen Bereich eine Rolle spielen. Damit ergeben sich im Gehirn Konstellationen, die von diesen Zufällen abhängen und auch auf der geistigen Seite eine Bedeutung haben können. Die Mitwirkung von Zufällen bringt aber überhaupt keinen Vorteil für die Freiheit der Willensbildung. Diese muß daher anders begründet werden:
Wenn sich in einem Menschen ein bestimmter Wille bildet, der dann auch zu einem Entschluss führt, ist das ein geistiger Prozess, bei dem unter Umständen viele Faktoren zusammenwirken wie etwa verstandesmäßige Überlegungen, emotionale Einstellungen und Befindlichkeiten, die auch unterbewusst sein können. All diese Faktoren sind auch physisch in Form von neuronalen Strukturen im Gehirn vorhanden; auch dort gibt es das Zusammenspiel der Faktoren. Das Ganze ist aber ein einheitlicher Prozess, wobei dessen geistige Seite durch die Eigenart der geistigen und die physische Seite durch die Eigenart der physischen Faktoren bestimmt wird. Man kann sich das anhand eines Beispiels verdeutlichen:
Wenn ich mich entschließe, ein bestimmtes Auto bei einem Händler zu kaufen, dann gehen dem viele Überlegungen voraus; aber auch emotionale Gründe wie etwa persönliche Vorlieben spielen eine Rolle. Der Entschluss ist aber gleichzeitig ein neuronales Muster im Gehirn, dass durch die physischen Faktoren verursacht worden ist. Das Vorhandensein dieses Musters erklärt wiederum, warum ich meinen Entschluss durch entsprechendes Handeln vollziehen kann: Dazu muss ich ja meinen Körper mit seinen Teilen  in bestimmter Weise bewegen, und das sind ja (auch) physische Vorgänge, die durch die von meinem Gehirn ausgehenden Impulse verursacht werden.

Ist eine solche Willensbildung nun frei? Ich meine: ja: Denn der Entschluss beruht auf meinen vernünftigen Überlegungen, auf einer bewussten Abwägung verschiedener, unter Umständen sich widerstreitender Gesichtspunkte und auf den Einstellungen und den Vorlieben, die meine Persönlichkeit prägen. Mehr kann ich mir als Freiheit gar nicht wünschen, und das ist das, was wir als Empfindung von Freiheit haben, nämlich dass wir aus unserern eigenen Gründen, Vorstellungen und Vorlieben heraus handeln können. Dass unsere Entschlüssse dabei aus (weitgehend) determinierten Kausalverläufen hervorgehen und nicht einfach aus dem Nichts kommen, sollte diese Empfindung nicht beeinträchtigen können.

6. Was ist „Seele“ und ist sie unsterblich?

Die Menschen haben eine Seele, und man kann annehmen, dass auch viele Tiere eine Seele haben. Seele kann man so verstehen, dass sie alles umfasst, was (beim Menschen) die Persönlichkeit eines Menschen ausmacht, seine Art zu reden und zu lachen, die Art, wie er sich kleidet und sich bewegt , wie er in bestimmten Situationen reagiert, seine innere geistige Struktur, was er liebt und was er ablehnt, was sein Gedächtnis gespeichert hat, welche Ereignisse in seinem Leben ihn geformt haben. Zur Persönlichkeit eines Menschen gehören auch seine äusserliche Erscheinung, seine Gestalt, seine Gesichtszüge, der Blick seiner Augen. Aristoteles spricht hier von der Form des Körpers; aber was Seele ist, geht weit darüber hinaus. Die seelischen Eigenschaften des Menschen, die sich auch in seiner Körperlichkeit ausprägen, sind (wie alle Eigenschaften) etwas Geistiges, das aber nicht unabhängig von seiner physischen Grundlage existiert. Löst sich diese Grundlage auf, weil der Mensch stirbt, dann löst sich auch seine Seele auf. Der Mensch kann nicht mehr lachen, reden, sich freuen und seine charakteristischen Wesenszüge ausleben. In der Erinnerung anderer  Menschen kann er noch „fortleben“, aber es nicht der Mensch selbst, der da noch existiert. An eine unsterbliche immaterielle Seele kann man zwar glauben; dass verstößt auch nicht gegen irgendwelche Vernunftsprinzipien. Eine solche von einer körperlichen Grundlage unabhängige Seele ist aber nicht das, was wir in unserem Leben an anderen Menschen und an uns selbst kennenlernen und was in seiner Existenz nicht bezweifelt werden kann.

Ist die Raumzeit etwas an sich Existierendes?


Für Kant sind Raum und Zeit Formen der Anschauung, die unserem Denken vorgegeben sind. Kant verwirft Newtons These von Raum und Zeit als an sich bestehenden Dingen (Klassiker der Philosophie II, hg. Otfried Höffe, C.H. Beck Verlag 1981, S.20).
Auch ich neige zu der Auffassung, dass Zeit nichts an sich Existierendes ist, sondern etwas, was wir mit unserem Denken an die Welt herantragen. Was es in der Welt gibt, sind Dinge und Ereignisse, und mit unseren Zeitbegriffen bringen wir Ordnung in die Ereignisse. Da gibt es eben ein Vorher und ein Nachher, einen Anfang und eine Ende, eine Vergangenheit und eine Zukunft. Statt eines in die Zukunft gerichteten Zeitpfeils (bei dem man sich fragen müsste, ob er eine kausale Wirksamkeit hat) kann man sich Koordinaten in Richtung Zukunft und in Richtung Vergangenheit vorstellen, auf denen wir die Ereignisse abtragen, wobei wir auch die Abstände zwischen den vergangenen und den zu erwartenden oder möglichen künftigen Ereignissen feststellen können. Wir messen die Zeit mit Uhren und Kalendern. Es gibt jedoch keine Stunden, Tage und Jahre, sondern das sind Maßeinheiten, die wir an die Ereignisse herantragen. Dabei ist es verständlich und naheliegend, dass wir die Drehung der Erde um sich selbst als Maßeinheit für den Tag und die Drehung der Erde um die Sonne als eine solche für das Jahr verwenden. Das ist aber nicht zwingend, siehe das islamische Jahr!
Nun sagen uns die Physiker, dass sich die Bewegung der Himmelskörper und auch die des Lichts nach der aktuellen Struktur(oder: der "Geometrie") der Raumzeit richtet. Die Physiker gehen davon aus, dass die Raumzeit etwas Existierendes ist, weil sie kausal wirksam ist. Mit dem Urknall sei die Raumzeit entstanden. Ich habe dazu meine eigene Meinung: Die Himmelskörper bewegen sich zwar nach der Struktur der Raumzeit. Die Raumzeit wird aber gleichzeitig durch die Massenverteilung dieser Körper geformt. Ich sehe die Raumzeit daher wie ein Naturgesetz, das die Bewegung der Körper in Relation zueinander beschreibt und - wie das bei Naturgesetzen so ist - Voraussagen ermöglicht. Die Raumzeit ist also nicht etwas, das von aussen auf die Bewegung der Körper einwirkt, ebenso wenig wie in der klassischen Mechanik das Gravitationsgesetz die wechselseitige Anziehung von  Körpern bewirkt. Die Körper ziehen sich halt entsprechend der Größe ihrer Massen an und das Gravitationsgesetz beschreibt das. Die Naturgesetze sind den Dingen gleichsam eingeschrieben, anders als etwa Rechtsvorschriften, die von Menschen gemacht werden und auf Menschen von aussen einwirken (und möglicherweise befolgt werden).