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Naturwissenschaften und Gottesfrage

Bei einer Vortragsveranstaltung zu dem genannten Thema gingen der Theologieprofessor und der Philosophieprofessor einmütig davon aus, dass die Naturwissenschaften letzlich die Entstehung des Kosmos, der Erde und der Lebewesen auf der Erde lückenlos erklären werden, sodass ein Eingreifen Gottes zur Überwindung von Lücken nicht angenommen werden müsse. Als „Lückenbüßer“ wird danach Gott nicht benötigt. Wenn allerdings das Universum mit dem Urknall aus dem Nichts entstanden sein sollte, könnten die Naturwissenschaften das nicht mehr erklären. Man müsste dann doch einen Schöpfer annehmen. Dass die Naturgesetze und -konstanten gerade so beschaffen sind, dass sie das Entstehen der Sterne und der Lebewesen auf der Erde ermöglicht haben (sog. „Feinabstimmung“), ist wegen der extremen Unwahrscheinlichkeit einer solchen Entwicklung wie ein Wunder zu betrachten ebenso wie man die Entwicklungsschritte der biologische Evolution miit der Entstehung des Lebens, der Pflanzen, der Tiere und des Menschen als Wunder ansehen muß. Der Naturwissenschaftler nimmt nun die Naturgesetze und -konstanten einfach als gegeben hin und die Evolution des Lebendigen erklärt er mit Mutation, Neukombination der Gene und Selektion sowie den unendlich großen Zeiträumen, in denen die Entwicklung stattgefunden hat. Wenn er aber dabei stehen bleibt, übersieht er etwas ganz Wesentliches, nämlich dass dieser ganze Prozess nicht nur ein materielles Geschehen, sondern auch eine Entfaltung des Geistes darstellt, in der man auch ein durchgehendes Wirken göttlichen Geistes sehen kann. Gott ist nicht darauf angewiesen, Naturgesetze zu durchbrechen, um Wunder zu wirken. Man kann das Ganze auch als Gottesbeweis (kosmologischerG.) nehmen. Jedenfalls schließt eine lückenlos durch Naturgesetze bestimmte Kausalität in der Welt die Existenz Gottes nicht aus.

Gilt in unserer Welt das Kausalprinzip?

Man kann sich fragen, wie die Ereignisse in unserer Welt zusammenhängen, ob sie einander bedingen und verursachen und ob es Kausalität als Prinzip gibt und ob dieses Prinzip sogar als durchgehend wirksam festzustellen ist. Schon die alten Griechen, vor allem Heraklit , Platon  und Aristoteles haben hierzu die Auffassung vertreten, dass nichts ohne Grund geschieht. Thomas von Aquin baut seine Philosophie maßgeblich auf dem Kausalsatz auf. Das gilt auch für Descartes.  Leibniz prägte den „Satz vom zureichenden Grund“, wonach nichts ohne zureichenden Grund geschehe. Dagegen führt David Hume aus, dass der kausale Zusammenhang von Wirkung und Ursache weder logisch abgeleitet werden noch empirisch nachgewiesen werden könne. Die Annahme einer Kausalität bei regelmäßig aufeinander folgenden Ereignissen sei nur eine Gewohnheit von uns Menschen. Für Kant ist Kausalität nur etwas in unserem Denken a priori Vorgegebenes,  dem nichts Objektives in der Welt entspricht. Auch von der modernen Mikrophysik wird das Kausalprinzip in Zweifel gezogen, weil es da spontane Vorgänge gibt, die nur statistischen Gesetzmäßigkeiten folgen. Betrachten wir nun unsere Welt, wie sie uns begegnet und fragen wir uns, ob wir ein objektives durchgehendes Kausalprinzip annehmen sollen:
Wenn es täglich dunkel und am nächsten Morgen wieder hell wird, dann deswegen, weil die Erde sich um sich selbst dreht. Die Jahreszeiten werden durch die Kreisbewegung der Erde um die Sonne verursacht. Der Mond erscheint einmal als Vollmond , einmal als Halbmond und einmal als Sichel, weil er verschiedene Positionen gegenüber der Sonne und der Erde einnimmt. Hochwasser wird durch langen starken Regen, Dürre durch eine lange Trockenheit verursacht. Aber auch die ganz alltäglichen Vorkommnisse in unserem Leben haben alle eine Ursache: Ich drehe den Wasserhahn auf und das Wasser läuft, und umgekehrt. Das Wasser für den Kaffee kocht, weil es lang erhitzt wurde. Ich halte als Autofahrer an, weil die Ampel rot ist oder weil ein vorfahrtsberechtigtes Fahrzeug kommt. Auch psychische Vorgänge haben jeweils eine Ursache, auch wenn diese manchmal nicht so klar zu erkennen ist. Vielfach bieten Naturgesetze ein Erklärung für das , was geschieht: Wenn ich einen Stein in die Luft werfe und dieser fällt dann zu Boden, dann ist das eine Wirkung der Gravitationskraft. Die Meinung von Kant, dass es ausserhalb unserers Denkens in der Natur keine Kausalität gebe, ist nicht haltbar. Auch David Hume kann uns nicht überzeugen Wir können nicht nur Regelmäßigkeiten beobachten, aus denen zugegebenermaßen keine logisch zwingenden  Schlüsse gezogen werden können, sondern wir wissen oft auch, warum etwas geschieht, weil wir nämlich die funktionellen Zusammenhänge kennen: Wenn ich das Licht einschalte und das Licht geht an, dann weiß ich, dass das etwas mit dem elektrischen Stromkreislauf zu tun hat, den ich in diesem Moment schließe. Wenn ich eine Zimmerpflanze nicht mehr gieße, weiß ich, warum sie zugrunde geht: Ohne Wasser kann sie nicht leben. So gibt es also zahllose funktionelle Zusammenhänge in unserer Welt, aus denen sich erklärt, warum bestimmte Ereignisse bestimmte Wirkungen haben.
Wir stellen also fest, das die Ereignisse in unserer Welt normalerweise eine Ursache haben, und zwar, mit Leibniz, dass sie einen  „zureichenden Grund“ haben. Die Aussage, dass sie notwendigerweise so eintreten mussten, ist damit nicht verbunden. Man kann auch nicht beweisen, dass es keine Ereignisse gibt, die ohne zureichenden Grund eintreten. Dazu müsste man darlegen können, dass solche Ereignisse logisch  unmöglich sind, was aber nicht der Fall ist. Man kann sich leigliich schwer vorstellen, dass sich etwas ereignet, ohne dass es einen Grund dafür gibt. Selbst wenn wir annähmen, dass Wesen aus einer transzendenten Welt in Geschehnisse unserer Welt eingreifen, würde eben dieses Eingreifen den zureichenden Grund darstellen. Auch haben Ereignisse, die uns als sinnlose Zufälligkeiten erscheinen, ihren Grund in den voneinander unabhängigen Faktoren, die dabei zusammengewirkt haben und die jeweils ihren eigenen zureichenden Grund haben. Das Kausalgeschehen in unserer Welt ist ja nicht einfach linear, sondern in der Regel komplex. Es müssen viele Bedingungen und verursachende Faktoren zusammentreffen, damit sich etwas Bestimmtes ereignen kann: Wenn Götze kurz vor Ende des Spiels das Tor schießt, das Deutschland zum Fußballweltmeister gemacht hat, dann muß er nicht nur zur rechten Zeit am richtigen Ort sein und  optimal schießen, sondern er muß auch passende Flanke erhalten, es darf ihn kein Gegner stören, der Torwart muß den Ball nicht abwehren können, Götze darf auch nicht an diesem Tage krank sein, der Trainer muß ihn eingewechselt haben, und so können wir das zurückführen bis zu Adam und Eva.
Nun gibt es aber doch Ereignisse, bei denen man zweifeln könnte, ob sie einen zureichenden Grund haben, nämlich Vorgänge in der Mikrophysik wie den Zerfall radioaktiver Elemente und Quantensprünge bei den Elektronenbahnen. Bei diesen gibt es nur statistische Gesetzmäßigkeiten. Die Halbwertszeit bei den radioaktiven Atomen besagt, dass innerhalb einer bestimmten Zeit, zum Beispiel 1000 Jahre, die Hälfte der Atome zerfällt. Welche das im einzelnen sind, ist nicht festgelegt und kann nicht vorausgesagt werden. Der Zerfall eine ganz bestimmten Atoms scheint daher keinen zureichenden Grund zu haben. Die statistische Gesetzmäßigkeit besagt jedoch, dass die radioaktiven Atome die Neigung haben, zu zerfallen, und zwar je nach Länge der Halbwertszeit stärker oder schwächer. Wenn sich diese Neigung im Einzelfall verwirklicht hat, können wir sie als zureichenden Grund für den Zerfall ansehen. Eine Notwendigkeit, dass das Atom genau zu diesem Zeitpunkt zerfallen ist, gibt es aber nicht. Das macht aber nichts. Der Grund muß ja nur zureichend sein. Die Vorgänge im mikrophysikalischen Bereich sind nicht vollständig determiniert, sie haben aber jeweils ihren Grund.
Wir sollten daher sinnvollerweise davon ausgehen, dass in unserer Welt ein durchgehendes Kausalprinzip gilt.

Der Mensch als Durchgangsstation materieller und geistiger Entwicklung


Betrachten wir die Entwicklung der Welt, wie sie die Naturwissenschaften uns darstellen. Am Anfang unseres Universums gab es nur Wasserstoff, Helium und energetische Felder. Daraus sind in einer  physikalisch-chemisch-biologischen Entwicklung die Sterne, die schwereren chemischen Elemente (zum Beispiel das Gold!), die Planeten, die Pflanzen, die Tiere und schließlich der Mensch entstanden. Dabei ist jeder Entwicklungsschritt, jeder neue Zustand der Dinge, aus einem früheren Zustand hervorgegangen, der diesen Schritt ermöglicht hat. Alles befindet sich im Fluss. Auch Sterne sterben, Berge werden abgetragen, Pflanzen, Tiere und Menschen sterben. Die Materie aber, aus der sie aufgebaut sind, bleibt erhalten und es entstehen aus ihr neue Gebilde. Der Körper jedes einzelnen Menschen ist so als lebender Organismus nur eine Durchgangsstation, eine momentane Situation, dieser umfassenden materiellen Entwicklung. Auch seine Knochen, die möglicherweise länger überdauern, verschwinden spätestens, wenn die Sonne zum Roten Riesen wird und die Erde verschluckt.
Überlegt man nun, wie es um die geistigen Dinge  steht, die in unserer Welt entstanden sind, und um die geistigen Vorgänge, die in ihr ablaufen, dann erkennt man, dass jeder neue geistige Zustand - ebenso wie das bei der materiellen Entwicklung der Welt der Fall ist - durch einen vorangehenden Zustand ermöglicht worden ist  und sich letzlich alles aus einem geistigen Urgrund heraus entwickelt. Dass die geistigen jeweils zusammen mit materiellen Vorgängen einheitliche Vorgänge bilden, sei nur am Rande erwähnt. Im Rahmen der globalen geistigen Entwicklung ist das geistige (geistig-seelische) Werden und Verlöschen des einzelnen Menschen nur eine Durchgangsstation oder -phase. Das gibt uns Veranlassung, uns als Menschen ganz klein zu fühlen, dafür aber die geistig-materielle Entwicklung des Kosmos und unserer Lebenswelt aus einem elementaren Urgrund heraus umso mehr zu bewundern. Vielleicht stirbt man dann leichter.

Philosophie: Was existiert in unserer Welt?

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Philosophie: Was existiert in unserer Welt? 31.7.14

Philosophie heißt ja Liebe zur Weisheit; welche Weisheit kann uns aber Philosophie bringen? Betrachten wir die Ontologie, die Lehre von dem, was in unserer Welt existiert. Dabei geht es nicht darum, was im Einzelnen da oder dort vorhanden ist, sondern was es überhaupt gibt. In unserer Erfahrungswelt begegnen wir den materiellen Dingen, wie den Tischen, Stühlen, Häusern, Fahrzeugen, Autos, Pflanzen, Tieren, Menschen, der Sonne,dem Mond, den Sternen. Dann sehen wir , dass es auch geistige Dinge gibt, wie Bücher, Gemälde, Musik, wissenschaftliche Erkenntnisse, Rechtsnormen und viels andere mehr. Wir bemerken, dass (höhere) Tiere und Menschen Empfindungen, Wahrnehmungen und ein Gedächtnis haben. Sie sind daher nicht nur materielle Dinge, sondern auch von geistiger Art. Menschen können denken uund aufgrund von Überlegungen oder auch Vorlieben Entscheidungen treffen. Sie sind also auch und vor allem geistige Wesen. Wie ist es nun mit den Pflanzen? Sie ernähren sich, wachsen, bewegen sich,wenn auch an einen Standort gebunden, vermehren sich und verbreiten sich damit, nehmen Umweltbedingungen wie Temperaturänderungen und Sonnenschein wahr und reagieren darauf. Sie sind also wesentlich mehr als materielle Gebilde: Sie haben Leben. Aristoteles spricht davon, dass sie eine anima vegetativa, eine vegetative Seele haben. Ausserdem vollzieht sich ihre individuelle Entstehung und Entwicklung aufgrund des genetischen Codes ihrer DNA. Damit sind auch Pflanzen vor allem geistige Wesen. Schließlich die leblosen Dinge: Sie sind das , was sie sind, durch ihre innere Struktur und äußere Form und gegebenenfalls durch ihre besondere Zweckbestimmung. Das kann man leicht sehen bei den von Menschen hergestellten Dingen wie Tische, Stühle, Häuser, Kleidungsstücke, Kugelschreiber, aber auch bei Dingen, die die Tiere herstellen, wie Vogelnester, Biberdämme, Spinnennetze. Diese haben alle einen spezifischen geistigen Gehalt. Aber auch Dinge ohne eine solche Zweckbestimmung haben jedenfalls eine Form und Struktur und besitzen dadurch geistigen Gehalt.

Damit gibt es keine Dinge, die nicht auch eine geistige Seite aufweisen. Materie als solche hat keine Existenz. Es gibt sie nur in Verbindung mit Geist. Wenn wir Dinge wahrnehmen, nehmen wir ihre geistige Seite wahr. Zwar sind die Wahrnehmungsprozesse auch materielle Prozesse: Beim Sehen empfangen wir Lichtwellen, beim Hören Schallwellen, beim Riechen Stoffe in der Luft, beim Schmecken die Speise, beim Fühlen die körperliche Berührung oder die Wärmestrahlung. Entscheidend ist aber die Wahrnehmung der geistigen Seite der Dinge. Nur dadurch können wir erkennen, was sie sind.

In unserer Welt gibt es nun nicht nur Dinge, sondern auch Ereignisse, Abläufe, Handlungen, Tätigkeiten, also dynamische Vorgänge. Auch diese weisen eine materielle und eine geistige Seite auf: Bei einer Demonstration bewegen sich viele Menschen durch die Straßen. Nur an ihren Tafeln und Schriftbändern kann ich jedoch erkennen, wogegen oder wofür sie demonstrieren. Ein Lehrer erzeugt in der Klasse nicht nur Schallwellen, sondern er unterrichtet die Schüler. Eine Bewegung der Hand kann vielerlei bedeuten. So sind Ereignisse das, was sie sind, nur aufgrund ihrer geistigen Seite. Das gilt - so überraschend das sein mag - selbst für reine Naturvorgänge wie Wetterereignisse: Ich kann erkennen, was sie sind, aufgrund ihrer geistigen Seite. So erkenne ich Donner, weil ich weiß, wie Donner sich anhört und was er bedeutet.

Überlegen wir nun, wie die Dinge, die wir spontan als rein geistig ansehen würden, wie Bücher, Filme, Kunstwerke, wissenschaftliche Theorien, in unserer Welt existieren, dann bemerken wir, dass sie jeweils eine materielle Grundlage haben: Ein Buch ist auf Papier gedruckt oder findet sich als Hörbuch auf einer CD, ein Gemälde besteht auch aus diversen Materialien, Musik erklingt mit Hilfe von Schallwellen in der Luft oder ist auf einem Tonträger aufgezeichnet oder ist mit Noten auf Papier gedruckt. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind in Medien wiedergegeben, nachdem sie ursprünglich im Kopf des jeweiligen Entdeckers vorhanden waren. Was im Computer gespeichert ist, ist geistig, hat aber eine materielle Grundlage. Derartige Beobachtungen verleiten zu der These, dass alle geistig existierenden Dinge auch materiell existieren, dass sie, um zu existieren, eine materielle Grundlage benötigen.

Um diese These zu erproben, kann man überlegen, ob es zum Beispiel Gott, Engel, Dämonen und unsterbliche Seelen gibt. Diese kann es geben und man kann sich vorstellen, dass sie dafür keiner materielle Grundlage bedürfen. Es ist nun aber so, dass ihr Vorhandensein umstritten ist und nicht gewusst werden, sondern allenfalls geglaubt werden kann. Man sollte sich aber bei philosophischen Überlegungen besser zunächst an die Dinge halten, die zweifelsfrei existieren und uns in unserem Leben ständig begegnen wie Bücher, CD´s und dergleichen.

Gehen wir also davon aus, dass die Dinge und auch die Ereignisse eine materielle und eine geistige Seite haben, weil Materie und Geist zusammen ihre Existenz begründen und sie zu dem machen, was sie sind.

Ereignisse in diesem Sinne sind auch unsere Gedanken, Wahrnehmungen und Empfindungen. Sie sind gleichzeitig Vorgänge in unserem Gehirn und haben darin ihre materielle Grundlage. Das ist nun eine Aussage von großer Bedeutung, die entsprechend umstritten ist. Die neuronalen Vorgänge im Gehirn folgen nämlich den Naturgesetzen und sind dadurch (weitgehend) determiniert. Es stellt sich die Frage, ob die mit ihnen verbundenen geistigen Vorgänge eigene Gesetzmäßigkeiten aufweisen, also gegenüber den materiellen Vorgängen autonom oder ob sie bloße Begleiterscheinungen zu diesen sind, die keine eigenständige kausale Wirksamkeit haben. Das ist aber ein großes Thema für sich.

Philosophie: Was existiert in unserer Welt?

Philosophie heißt ja Liebe zur Weisheit; welche Weisheit kann uns aber Philosophie bringen? Betrachten wir die Ontologie, die Lehre von dem, was in unserer Welt existiert. Dabei geht es nicht darum, was im Einzelnen da oder dort vorhanden ist, sondern was es überhaupt gibt. In unserer Erfahrungswelt begegnen wir den materiellen Dingen, wie den Tischen, Stühlen, Häusern, Fahrzeugen, Autos, Pflanzen, Tieren, Menschen, der Sonne,dem Mond, den Sternen. Dann sehen wir , dass es auch geistige Dinge gibt, wie Bücher, Gemälde, Musik, wissenschaftliche Erkenntnisse, Rechtsnormen und viels andere mehr. Wir bemerken, dass (höhere) Tiere und Menschen Empfindungen, Wahrnehmungen und ein Gedächtnis haben. Sie sind daher nicht nur materielle Dinge, sondern auch von geistiger Art. Menschen können denken uund aufgrund von Überlegungen oder auch Vorlieben Entscheidungen treffen. Sie sind also auch und vor allem geistige Wesen. Wie ist es nun mit den Pflanzen? Sie ernähren sich, wachsen, bewegen sich,wenn auch an einen Standort gebunden, vermehren sich und verbreiten sich damit, nehmen Umweltbedingungen wie Temperaturänderungen und Sonnenschein wahr und reagieren darauf. Sie sind also wesentlich mehr als materielle Gebilde: Sie haben Leben. Aristoteles spricht davon, dass sie eine anima vegetativa, eine vegetative Seele haben. Ausserdem vollzieht sich ihre individuelle Entstehung und Entwicklung aufgrund des genetischen Codes ihrer DNA. Damit sind auch Pflanzen vor allem geistige Wesen. Schließlich die leblosen Dinge: Sie sind das , was sie sind, durch ihre innere Struktur und äußere Form und gegebenenfalls durch ihre besondere Zweckbestimmung. Das kann man leicht sehen bei den von Menschen hergestellten Dingen wie Tische, Stühle, Häuser, Kleidungsstücke, Kugelschreiber, aber auch bei Dingen, die die Tiere herstellen, wie Vogelnester, Biberdämme, Spinnennetze. Diese haben alle einen spezifischen geistigen Gehalt. Aber auch Dinge ohne eine solche Zweckbestimmung haben jedenfalls eine Form und Struktur und besitzen dadurch geistigen Gehalt.

Damit gibt es keine Dinge, die nicht auch eine geistige Seite aufweisen. Materie als solche hat keine Existenz. Es gibt sie nur in Verbindung mit Geist. Wenn wir Dinge wahrnehmen, nehmen wir ihre geistige Seite wahr. Zwar sind die Wahrnehmungsprozesse auch materielle Prozesse: Beim Sehen empfangen wir Lichtwellen, beim Hören Schallwellen, beim Riechen Stoffe in der Luft, beim Schmecken die Speise, beim Fühlen die körperliche Berührung oder die Wärmestrahlung. Entscheidend ist aber die Wahrnehmung der geistigen Seite der Dinge. Nur dadurch können wir erkennen, was sie sind.

In unserer Welt gibt es nun nicht nur Dinge, sondern auch Ereignisse, Abläufe, Handlungen, Tätigkeiten, also dynamische Vorgänge. Auch diese weisen eine materielle und eine geistige Seite auf: Bei einer Demonstration bewegen sich viele Menschen durch die Straßen. Nur an ihren Tafeln und Schriftbändern kann ich jedoch erkennen, wogegen oder wofür sie demonstrieren. Ein Lehrer erzeugt in der Klasse nicht nur Schallwellen, sondern er unterrichtet die Schüler. Eine Bewegung der Hand kann vielerlei bedeuten. So sind Ereignisse das, was sie sind, nur aufgrund ihrer geistigen Seite. Das gilt - so überraschend das sein mag - selbst für reine Naturvorgänge wie Wetterereignisse: Ich kann erkennen, was sie sind, aufgrund ihrer geistigen Seite. So erkenne ich Donner, weil ich weiß, wie Donner sich anhört und was er bedeutet.

Überlegen wir nun, wie die Dinge, die wir spontan als rein geistig ansehen würden, wie Bücher, Filme, Kunstwerke, wissenschaftliche Theorien, in unserer Welt existieren, dann bemerken wir, dass sie jeweils eine materielle Grundlage haben: Ein Buch ist auf Papier gedruckt oder findet sich als Hörbuch auf einer CD, ein Gemälde besteht auch aus diversen Materialien, Musik erklingt mit Hilfe von Schallwellen in der Luft oder ist auf einem Tonträger aufgezeichnet oder ist mit Noten auf Papier gedruckt. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind in Medien wiedergegeben, nachdem sie ursprünglich im Kopf des jeweiligen Entdeckers vorhanden waren. Was im Computer gespeichert ist, ist geistig, hat aber eine materielle Grundlage. Derartige Beobachtungen verleiten zu der These, dass alle geistig existierenden Dinge auch materiell existieren, dass sie, um zu existieren, eine materielle Grundlage benötigen.

Um diese These zu erproben, kann man überlegen, ob es zum Beispiel Gott, Engel, Dämonen und unsterbliche Seelen gibt. Diese kann es geben und man kann sich vorstellen, dass sie dafür keiner materielle Grundlage bedürfen. Es ist nun aber so, dass ihr Vorhandensein umstritten ist und nicht gewusst werden, sondern allenfalls geglaubt werden kann. Man sollte sich aber bei philosophischen Überlegungen besser zunächst an die Dinge halten, die zweifelsfrei existieren und uns in unserem Leben ständig begegnen wie Bücher, CD´s und dergleichen.

Gehen wir also davon aus, dass die Dinge und auch die Ereignisse eine materielle und eine geistige Seite haben, weil Materie und Geist zusammen ihre Existenz begründen und sie zu dem machen, was sie sind.

Ereignisse in diesem Sinne sind auch unsere Gedanken, Wahrnehmungen und Empfindungen. Sie sind gleichzeitig Vorgänge in unserem Gehirn und haben darin ihre materielle Grundlage. Das ist nun eine Aussage von großer Bedeutung, die entsprechend umstritten ist. Die neuronalen Vorgänge im Gehirn folgen nämlich den Naturgesetzen und sind dadurch (weitgehend) determiniert. Es stellt sich die Frage, ob die mit ihnen verbundenen geistigen Vorgänge eigene Gesetzmäßigkeiten aufweisen, also gegenüber den materiellen Vorgängen autonom oder ob sie bloße Begleiterscheinungen zu diesen sind, die keine eigenständige kausale Wirksamkeit haben. Das ist aber ein großes Thema für sich.