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Das Leib-Seele-Problem - ungelöst?

Das Leib-Seele-Problem (auch: Geist-Körper-Problem, engl. mind-body-problem) gab´s in der Philosophie schon bei den alten Griechen. Eine besonders intensive Diskussion begann in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Place, Smart und Feigl die naturwissenschaftlich festgestellte Korrelation zwischen mentalen Vorgängen wie Gedanken und Gefühlen beim Menschen mit neurophysiologischen (neuronalen) Vorgängen im Gehirn philosophisch dahingehend deuteten, dass die mentalen Vorgänge mit den neuronalen Vorgängen identisch sind. Diese Identitätstheorie wurde im Schrifttum so gedeutet, dass Typen von mentalen mit Typen von neuronalen identisch seien (sog. Typen-Identitätstheorie). Dagegen hat der amerikanische Philosoph Hilary Putnam zurecht eingewandt, das mentale Vorgänge beim Menschen und auch bei Tieren in unterschiedlicher Weise neuronal realisiert sein können (sog. multiple Realisierbarkeit, so etwa Schmerzempfindung bei Menschen und bei Lurchen)) und deshalb Typen von mentalen Vorgängen nicht mit bestimmten Typen von neuronalen Vorgängen identisch sein können. Das überzeugte. Der amerikanische Philosoph Donald Davidson entwickelte jedoch dann in den 70er Jahren eine Theorie, wonach in Einzelvorkommnissen (engl. token) der mentale Vorgang mit dem entsprechenden neuronalen Vorgang identisch sein kann (sog. Token-Identitätstheorie). Die Auffassung von Davidson setzte sich aber nicht durch, weil Davidson gleichzeitig postulierte , dass es Kausalität nur auf der physischen, eigentlich nur der physikalischen Ebene gebe; nur da gebe es strikte Gesetze und das sei Voraussetzung für kausale Wirksamkeit. Das wurde nicht akzeptiert, weil man schließlich mentale Vorgänge wie Gedanken, Überlegungen, Wünsche , Absichten, Gefühle nicht für kausal unwirksame bloße Begleiterscheinungen („Epiphänomeme“) physikalischer Vorgänge halten möchte. Eine schlüssige Theorie, wie eine Token-Identität mit kausaler Wirksamkeit mentaler Dinge verbunden werden könnte, wurde in der Folgezeit nicht entwickelt. Vielmehr war der Mainstream, funktionale Rollen mentaler Vorgänge auf funktionale  physische Vorgänge zu reduzieren. Allgemein gilt jedoch das Leib-Seele-Problem bis heute als ungelöst.
Dabei bietet sich folgende Lösung an:
Mentale Vorgänge sind als Einzelvorkommnisse mit bestimmten neuronalen Vorgängen identisch. Diese Vorkommnisse (Ereignisse) haben also sowohl mentale als auch physische Eigenschaften. Sie verursachen andere Ereignisse, die ebenfalls mentale und physische Eigenschaften haben. Dabei sind die mentalen Eigenschften des verursachenden Ereignisses kausal relevant für die mentalen Eigenschaften des Folgeereignisses und die physischen Eigenschaften des verusachenden Ereignisses kausal relevant für die physischen Eigenschaften des Folgeereignisses. Die kausale Wirksamkeit mentaler Dinge ist damit gesichert und über die Identität ist auch geklärt wie mentale Ereignisse physische Wirkungen haben können. Gleichzeitig gibt es keine Mehrfachverursachung (engl. overdetermination) von Ereignissen, weil jeweils nur ein Ereignis das andere verursacht.

A

5 Kommentare

Kommentar von: Karl [Besucher]
Der Mensch als Durchgangsstation mat. u. geistiger Entw. !!!

Alles sehr knapp aber auch sehr treffend bemerkt.
Durchgangsstation? Er ist ein Entw.zustand ohne klar definiertes Ziel. Im ewigen Werden und Vergehen ist er ein scheinbar nach außen abgegrenzter Haufen Materie, die sich aus sich selbst heraus organisieren kann. Dieser "Haufen Materie" hat es durch "günstige" Umweltbedingungen zu Bewußtsein gebracht und kann Mittels seines Geistes seine Umwelt reflektieren. Aber was ist die Seele?
Was wenn die Seele nur der soziale Aspekt des Geistes ist?
... und der Kern dieses sozialen Aspekts seinen Sitz im Unterbewußtsein hat?
Vieles ist uns wissenschaftlich zugänglich geworden entsprechend unseres Erkenntnisstandes. Vieles ist uns philosophisch zugänglich. Doch gemessen an dem Möglichen weoiß der Mensch nichts!!!!
Was ist wenn alle Materie unterhalb der Quantenebene geistig miteinander verbunden ist?
Dieses "Meer" an geistiger Energie, wenn es existent ist, aus was resultiert es? Werden vielleicht durch dieses "Geistige Meer" alle Notwendigkeiten, sprich Gesetzmäßigkeiten, im gesamten Universum verteilt. Besser noch, sind sie durch dieses "Geistige Meer" an jedem Ort zu jeder Zeit immer present?
Sind wir Zufall oder Notwendigkeit?
Das Ziel sind wir jedenfalls nicht!!!
Wir wissen viel, und doch wissen wir garnichts!!??

MfrGr Karl
29.01.12 @ 21:11
Kommentar von: Sophrosynos [Besucher] E-Mail · http://sophrosynos.blogspot.com/
Tja, was ist hier der Punkt? Dass das Leib-Seele-Problem (das heute wohl besser als Gehirn-Qualia-Problem bezeichnet würde), eigentlich gelöst ist? Sollte der Beitrag so gemeint sein, dann scheint der Verweis auf die doch schon einigermaßen angejahrten Identitätstheorien ein wenig anachronistisch. Denn die Diskussion ist längst viel weiter. Allein schon das Verständnis, was denn unter "mind" zu verstehen sei, hat sich hinsichtlich des besagten Problem deutlich gewandelt: der "Geist" lässt sich problemlos als auf physiologischen Prozessen aufruhend verstehen (vgl. Nicolai Hartmann, "Das Problem des geistigen Seins"). Das tatsächliche Problem liegt tiefer, nämlich in den Qualia und ihrer rein subjektiven Zugänglichkeit. Da wird es schon schwierig, wie denn die Identität zweier Größen zu verstehen sein soll, die sich in dieser Zugänglichkeit vollständig unterscheiden. Zudem ergeben sich eine große Zahl von (bislang?) ungelösten Problemen: z.B. wie ist multiple Realisierung zu verstehn, also eine n:1-Abbildung hinsichtlich des Verhältnisses von physiologischen Prozessen und Qualiaphänomenen. Das Problem der Identitätstheorien liegt nicht in diesem Verhältnis begründet, sondern in unserem nicht-problemangemessenen Identitätsbegriff (der sich eben doch wieder nur auf objektiv zugängliche Entitäten bezieht; die ja auch mentaler Natur sein können, etwa abstrakte Begriffe).

Hinsichtlich dieses Problemaufrisses erscheint mir der Artikel noch ein wenig optimierungsfähig.
22.02.12 @ 22:57
Kommentar von: Klaus [Besucher]
Schöner Überblick!
"Das wurde nicht akzeptiert, weil man schließlich mentale Vorgänge wie Gedanken, Überlegungen, Wünsche , Absichten, Gefühle nicht für kausal unwirksame bloße Begleiterscheinungen („Epiphänomeme“) physikalischer Vorgänge halten möchte." Tja, warum nicht? Mir erscheint das doch noch plausibel.
Habe mit zurzeit wieder den Brüntrup vorgenommen - es ist schwer, in dem Wust von Literatur rote Fäden auszumachen.
05.05.12 @ 09:57
Kommentar von: Klaus [Besucher]
Schöner Überblick!
"[...] physikalischer Vorgänge halten möchte." Tja, warum nicht? Mir erscheint das doch noch plausibel.
Habe mit zurzeit wieder den Brüntrup vorgenommen - es ist schwer, in dem Wust von Literatur rote Fäden auszumachen.
05.05.12 @ 09:59
Kommentar von: Mariana Moreno [Besucher] E-Mail
Ungelöst ist es doch immer noch, jedoch kann man die mentale Ursachen behandeln lassen, damit die physische Folgen verändert werden können. Genauso kann es umgekehrt vorkommen. Durch eine Psychotherapie als Ergänzung einer körperlichen Behandlung kann man viel davon profitieren.
Ich habe es mal gemacht, Leib und Seele gleichzeitig behandeln gelassen und die Ergebnisse waren mit Sicherheit viel besser als wenn man nur auf einen Bereich eingeht.
Facharzt+Psychotherapie+häufige psychologische online Beratung haben zwischendurch mir sehr gut geholfen. Die Psychotherapie habe ich bei der renommierten Dr.Shaw und die Beratung bei psycheplus. Das erste Zeichen war meine andauernde Bauchschmerzen und die Ursache hat aber anscheinend mit dem Körper wenig zu tun. Ich kann es nur weiterempfehlen.
https://www.psycheplus.de/beratung
LG, Mariana
12.08.13 @ 11:43

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