This is the blog's tagline

Gilt in unserer Welt das Kausalprinzip?

Man kann sich fragen, wie die Ereignisse in unserer Welt zusammenhängen, ob sie einander bedingen und verursachen und ob es Kausalität als Prinzip gibt und ob dieses Prinzip sogar als durchgehend wirksam festzustellen ist. Schon die alten Griechen, vor allem Heraklit , Platon  und Aristoteles haben hierzu die Auffassung vertreten, dass nichts ohne Grund geschieht. Thomas von Aquin baut seine Philosophie maßgeblich auf dem Kausalsatz auf. Das gilt auch für Descartes.  Leibniz prägte den „Satz vom zureichenden Grund“, wonach nichts ohne zureichenden Grund geschehe. Dagegen führt David Hume aus, dass der kausale Zusammenhang von Wirkung und Ursache weder logisch abgeleitet werden noch empirisch nachgewiesen werden könne. Die Annahme einer Kausalität bei regelmäßig aufeinander folgenden Ereignissen sei nur eine Gewohnheit von uns Menschen. Für Kant ist Kausalität nur etwas in unserem Denken a priori Vorgegebenes,  dem nichts Objektives in der Welt entspricht. Auch von der modernen Mikrophysik wird das Kausalprinzip in Zweifel gezogen, weil es da spontane Vorgänge gibt, die nur statistischen Gesetzmäßigkeiten folgen. Betrachten wir nun unsere Welt, wie sie uns begegnet und fragen wir uns, ob wir ein objektives durchgehendes Kausalprinzip annehmen sollen:
Wenn es täglich dunkel und am nächsten Morgen wieder hell wird, dann deswegen, weil die Erde sich um sich selbst dreht. Die Jahreszeiten werden durch die Kreisbewegung der Erde um die Sonne verursacht. Der Mond erscheint einmal als Vollmond , einmal als Halbmond und einmal als Sichel, weil er verschiedene Positionen gegenüber der Sonne und der Erde einnimmt. Hochwasser wird durch langen starken Regen, Dürre durch eine lange Trockenheit verursacht. Aber auch die ganz alltäglichen Vorkommnisse in unserem Leben haben alle eine Ursache: Ich drehe den Wasserhahn auf und das Wasser läuft, und umgekehrt. Das Wasser für den Kaffee kocht, weil es lang erhitzt wurde. Ich halte als Autofahrer an, weil die Ampel rot ist oder weil ein vorfahrtsberechtigtes Fahrzeug kommt. Auch psychische Vorgänge haben jeweils eine Ursache, auch wenn diese manchmal nicht so klar zu erkennen ist. Vielfach bieten Naturgesetze ein Erklärung für das , was geschieht: Wenn ich einen Stein in die Luft werfe und dieser fällt dann zu Boden, dann ist das eine Wirkung der Gravitationskraft. Die Meinung von Kant, dass es ausserhalb unserers Denkens in der Natur keine Kausalität gebe, ist nicht haltbar. Auch David Hume kann uns nicht überzeugen Wir können nicht nur Regelmäßigkeiten beobachten, aus denen zugegebenermaßen keine logisch zwingenden  Schlüsse gezogen werden können, sondern wir wissen oft auch, warum etwas geschieht, weil wir nämlich die funktionellen Zusammenhänge kennen: Wenn ich das Licht einschalte und das Licht geht an, dann weiß ich, dass das etwas mit dem elektrischen Stromkreislauf zu tun hat, den ich in diesem Moment schließe. Wenn ich eine Zimmerpflanze nicht mehr gieße, weiß ich, warum sie zugrunde geht: Ohne Wasser kann sie nicht leben. So gibt es also zahllose funktionelle Zusammenhänge in unserer Welt, aus denen sich erklärt, warum bestimmte Ereignisse bestimmte Wirkungen haben.
Wir stellen also fest, das die Ereignisse in unserer Welt normalerweise eine Ursache haben, und zwar, mit Leibniz, dass sie einen  „zureichenden Grund“ haben. Die Aussage, dass sie notwendigerweise so eintreten mussten, ist damit nicht verbunden. Man kann auch nicht beweisen, dass es keine Ereignisse gibt, die ohne zureichenden Grund eintreten. Dazu müsste man darlegen können, dass solche Ereignisse logisch  unmöglich sind, was aber nicht der Fall ist. Man kann sich leigliich schwer vorstellen, dass sich etwas ereignet, ohne dass es einen Grund dafür gibt. Selbst wenn wir annähmen, dass Wesen aus einer transzendenten Welt in Geschehnisse unserer Welt eingreifen, würde eben dieses Eingreifen den zureichenden Grund darstellen. Auch haben Ereignisse, die uns als sinnlose Zufälligkeiten erscheinen, ihren Grund in den voneinander unabhängigen Faktoren, die dabei zusammengewirkt haben und die jeweils ihren eigenen zureichenden Grund haben. Das Kausalgeschehen in unserer Welt ist ja nicht einfach linear, sondern in der Regel komplex. Es müssen viele Bedingungen und verursachende Faktoren zusammentreffen, damit sich etwas Bestimmtes ereignen kann: Wenn Götze kurz vor Ende des Spiels das Tor schießt, das Deutschland zum Fußballweltmeister gemacht hat, dann muß er nicht nur zur rechten Zeit am richtigen Ort sein und  optimal schießen, sondern er muß auch passende Flanke erhalten, es darf ihn kein Gegner stören, der Torwart muß den Ball nicht abwehren können, Götze darf auch nicht an diesem Tage krank sein, der Trainer muß ihn eingewechselt haben, und so können wir das zurückführen bis zu Adam und Eva.
Nun gibt es aber doch Ereignisse, bei denen man zweifeln könnte, ob sie einen zureichenden Grund haben, nämlich Vorgänge in der Mikrophysik wie den Zerfall radioaktiver Elemente und Quantensprünge bei den Elektronenbahnen. Bei diesen gibt es nur statistische Gesetzmäßigkeiten. Die Halbwertszeit bei den radioaktiven Atomen besagt, dass innerhalb einer bestimmten Zeit, zum Beispiel 1000 Jahre, die Hälfte der Atome zerfällt. Welche das im einzelnen sind, ist nicht festgelegt und kann nicht vorausgesagt werden. Der Zerfall eine ganz bestimmten Atoms scheint daher keinen zureichenden Grund zu haben. Die statistische Gesetzmäßigkeit besagt jedoch, dass die radioaktiven Atome die Neigung haben, zu zerfallen, und zwar je nach Länge der Halbwertszeit stärker oder schwächer. Wenn sich diese Neigung im Einzelfall verwirklicht hat, können wir sie als zureichenden Grund für den Zerfall ansehen. Eine Notwendigkeit, dass das Atom genau zu diesem Zeitpunkt zerfallen ist, gibt es aber nicht. Das macht aber nichts. Der Grund muß ja nur zureichend sein. Die Vorgänge im mikrophysikalischen Bereich sind nicht vollständig determiniert, sie haben aber jeweils ihren Grund.
Wir sollten daher sinnvollerweise davon ausgehen, dass in unserer Welt ein durchgehendes Kausalprinzip gilt.

Noch kein Feedback

Einen Kommentar hinterlassen


Ihre E-Mail-Adresse wird nicht auf dieser Seite angezeigt.

Ihr URL wird angezeigt.
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, E-Mail-Adresse & Webseite)
(Benutzern erlauben, Sie durch ein Kontaktformular zu kontaktieren (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht weitergegeben))
Bitte schreiben Sie "Philosophie" (ohne Anführungszeichen)
antispam test