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Ist die Raumzeit etwas an sich Existierendes?


Für Kant sind Raum und Zeit Formen der Anschauung, die unserem Denken vorgegeben sind. Kant verwirft Newtons These von Raum und Zeit als an sich bestehenden Dingen (Klassiker der Philosophie II, hg. Otfried Höffe, C.H. Beck Verlag 1981, S.20).
Auch ich neige zu der Auffassung, dass Zeit nichts an sich Existierendes ist, sondern etwas, was wir mit unserem Denken an die Welt herantragen. Was es in der Welt gibt, sind Dinge und Ereignisse, und mit unseren Zeitbegriffen bringen wir Ordnung in die Ereignisse. Da gibt es eben ein Vorher und ein Nachher, einen Anfang und eine Ende, eine Vergangenheit und eine Zukunft. Statt eines in die Zukunft gerichteten Zeitpfeils (bei dem man sich fragen müsste, ob er eine kausale Wirksamkeit hat) kann man sich Koordinaten in Richtung Zukunft und in Richtung Vergangenheit vorstellen, auf denen wir die Ereignisse abtragen, wobei wir auch die Abstände zwischen den vergangenen und den zu erwartenden oder möglichen künftigen Ereignissen feststellen können. Wir messen die Zeit mit Uhren und Kalendern. Es gibt jedoch keine Stunden, Tage und Jahre, sondern das sind Maßeinheiten, die wir an die Ereignisse herantragen. Dabei ist es verständlich und naheliegend, dass wir die Drehung der Erde um sich selbst als Maßeinheit für den Tag und die Drehung der Erde um die Sonne als eine solche für das Jahr verwenden. Das ist aber nicht zwingend, siehe das islamische Jahr!
Nun sagen uns die Physiker, dass sich die Bewegung der Himmelskörper und auch die des Lichts nach der aktuellen Struktur(oder: der "Geometrie") der Raumzeit richtet. Die Physiker gehen davon aus, dass die Raumzeit etwas Existierendes ist, weil sie kausal wirksam ist. Mit dem Urknall sei die Raumzeit entstanden. Ich habe dazu meine eigene Meinung: Die Himmelskörper bewegen sich zwar nach der Struktur der Raumzeit. Die Raumzeit wird aber gleichzeitig durch die Massenverteilung dieser Körper geformt. Ich sehe die Raumzeit daher wie ein Naturgesetz, das die Bewegung der Körper in Relation zueinander beschreibt und - wie das bei Naturgesetzen so ist - Voraussagen ermöglicht. Die Raumzeit ist also nicht etwas, das von aussen auf die Bewegung der Körper einwirkt, ebenso wenig wie in der klassischen Mechanik das Gravitationsgesetz die wechselseitige Anziehung von  Körpern bewirkt. Die Körper ziehen sich halt entsprechend der Größe ihrer Massen an und das Gravitationsgesetz beschreibt das. Die Naturgesetze sind den Dingen gleichsam eingeschrieben, anders als etwa Rechtsvorschriften, die von Menschen gemacht werden und auf Menschen von aussen einwirken (und möglicherweise befolgt werden).


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