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Naturgesetze / „ceteris-paribus-Gesetze“ / nichtstrikte Gesetze

mily: Arial;">Manche Philosophen, die sich mit dem Kausalgeschehen in unserer Welt befassen (zum Beispiel Donald Davidson), sind der Auffassung, dass nur Prozesse, denen strikte Naturgesetze zugrundeliegen, als Kausalprozesse angesehen werden können. Nur die Physik weise solche Gesetze auf (was ja im Hinblick auf die Quantenphysik auch nicht ganz korrekt ist). Gesetze der Biologie oder der Psychologie würden nur ceteris paribus gelten, d.h., nur soweit alle nicht von diesen Gesetzen erfassten Faktoren ausgeschaltet seien (ceteris paribus = wenn alles Andere gleich ist). Sie seien auch nichtstrikt und könnten somit keine Kausalprozesse begründen. Gelegentlich zeigt sich auch eine Begriffsverwirrung, wenn etwa die Nichtstriktheit von Gesetzen damit begründet wird, dass sie nur ceteris paribus gelten. Dazu kurz folgende Überlegungen:

1.

Der ceteris-paribus-Vorbehalt gilt für alle Naturgesetze, auch für die Gesetze der Physik. Selbst die Gesetze der klassischen Mechanik, die Paradebeispiel für strikte Gesetze dienen könnten, werden in der Wirklichkeit selten in aller Reinheit vollzogen, nämlich hauptsächlich in speziellen Experimenten, bei denen alle anderen Einflüsse abgeschirmt werden. Ansonsten wirken meist verschiedene Faktoren und die für sie geltenden Gesetze in den Kausalprozessen zusammen. Den physikalischen Gesetzen kann also kein Vorrang für das Kausalgeschehen zuerkannt werden, weil sie - vermeintlich - nicht ceteris paribus gelten.

2.

Die Gesetze der Biologie und der Psychologie sind nichtstrikt, weil sie komplexe Vorgänge, zum Beispiel das Zusammenwirken von Untersystemen bei lebenden Organismen, betreffen oder weil psychologische Vorgänge durch den Einfluss des Bewusstseins bei Tieren und Menschen noch zusätzlich kompliziert werden. Diese Gesetze sind aber gleichwohl Kausalgesetze: Sie liefern Erklärungen für Vergangenes (warum ist X erkrankt? oder warum hat sich Y geärgert?)und ermöglichen Voraussagen für Zukünftiges, dies aber nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit. Die Vorgänge, denen sie zugrundeliegen, sind daher Kausalprozesse.

3.

Allen Kausalprozessen, auch den biologischen und den psychologichen, liegen physikalische Vorgänge mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten zugrunde. Das Vorherrschen von strikten Gesetzmäßigkeiten auf der physikalische Ebene schließt aber nicht aus, dass sich die Gesetze der Biologie und der Psychologie nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vollziehen, also nichtstrikt sind. Die physikalischen Vorgänge sind nämlich sozusagen nur das Baumaterial für die Vorgänge auf den höheren, komplexeren Ebenen.

2 Kommentare

Kommentar von: Containerbewohner [Besucher] · http://www.knauss-raumsysteme.de
Schöner und verständlicher Artikel. Hat mir gut gefallen. Studiere bald Psychologie und werde häufiger mal vorbeischauen.
05.06.12 @ 14:52
Kommentar von: Burobedarf Dresden [Besucher] · http://buerobedarf-dresden.de/
das ist auch gut zu wissen.
18.02.14 @ 12:48

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