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Philosophie: Was existiert in unserer Welt?

Philosophie heißt ja Liebe zur Weisheit; welche Weisheit kann uns aber Philosophie bringen? Betrachten wir die Ontologie, die Lehre von dem, was in unserer Welt existiert. Dabei geht es nicht darum, was im Einzelnen da oder dort vorhanden ist, sondern was es überhaupt gibt. In unserer Erfahrungswelt begegnen wir den materiellen Dingen, wie den Tischen, Stühlen, Häusern, Fahrzeugen, Autos, Pflanzen, Tieren, Menschen, der Sonne,dem Mond, den Sternen. Dann sehen wir , dass es auch geistige Dinge gibt, wie Bücher, Gemälde, Musik, wissenschaftliche Erkenntnisse, Rechtsnormen und viels andere mehr. Wir bemerken, dass (höhere) Tiere und Menschen Empfindungen, Wahrnehmungen und ein Gedächtnis haben. Sie sind daher nicht nur materielle Dinge, sondern auch von geistiger Art. Menschen können denken uund aufgrund von Überlegungen oder auch Vorlieben Entscheidungen treffen. Sie sind also auch und vor allem geistige Wesen. Wie ist es nun mit den Pflanzen? Sie ernähren sich, wachsen, bewegen sich,wenn auch an einen Standort gebunden, vermehren sich und verbreiten sich damit, nehmen Umweltbedingungen wie Temperaturänderungen und Sonnenschein wahr und reagieren darauf. Sie sind also wesentlich mehr als materielle Gebilde: Sie haben Leben. Aristoteles spricht davon, dass sie eine anima vegetativa, eine vegetative Seele haben. Ausserdem vollzieht sich ihre individuelle Entstehung und Entwicklung aufgrund des genetischen Codes ihrer DNA. Damit sind auch Pflanzen vor allem geistige Wesen. Schließlich die leblosen Dinge: Sie sind das , was sie sind, durch ihre innere Struktur und äußere Form und gegebenenfalls durch ihre besondere Zweckbestimmung. Das kann man leicht sehen bei den von Menschen hergestellten Dingen wie Tische, Stühle, Häuser, Kleidungsstücke, Kugelschreiber, aber auch bei Dingen, die die Tiere herstellen, wie Vogelnester, Biberdämme, Spinnennetze. Diese haben alle einen spezifischen geistigen Gehalt. Aber auch Dinge ohne eine solche Zweckbestimmung haben jedenfalls eine Form und Struktur und besitzen dadurch geistigen Gehalt.

Damit gibt es keine Dinge, die nicht auch eine geistige Seite aufweisen. Materie als solche hat keine Existenz. Es gibt sie nur in Verbindung mit Geist. Wenn wir Dinge wahrnehmen, nehmen wir ihre geistige Seite wahr. Zwar sind die Wahrnehmungsprozesse auch materielle Prozesse: Beim Sehen empfangen wir Lichtwellen, beim Hören Schallwellen, beim Riechen Stoffe in der Luft, beim Schmecken die Speise, beim Fühlen die körperliche Berührung oder die Wärmestrahlung. Entscheidend ist aber die Wahrnehmung der geistigen Seite der Dinge. Nur dadurch können wir erkennen, was sie sind.

In unserer Welt gibt es nun nicht nur Dinge, sondern auch Ereignisse, Abläufe, Handlungen, Tätigkeiten, also dynamische Vorgänge. Auch diese weisen eine materielle und eine geistige Seite auf: Bei einer Demonstration bewegen sich viele Menschen durch die Straßen. Nur an ihren Tafeln und Schriftbändern kann ich jedoch erkennen, wogegen oder wofür sie demonstrieren. Ein Lehrer erzeugt in der Klasse nicht nur Schallwellen, sondern er unterrichtet die Schüler. Eine Bewegung der Hand kann vielerlei bedeuten. So sind Ereignisse das, was sie sind, nur aufgrund ihrer geistigen Seite. Das gilt - so überraschend das sein mag - selbst für reine Naturvorgänge wie Wetterereignisse: Ich kann erkennen, was sie sind, aufgrund ihrer geistigen Seite. So erkenne ich Donner, weil ich weiß, wie Donner sich anhört und was er bedeutet.

Überlegen wir nun, wie die Dinge, die wir spontan als rein geistig ansehen würden, wie Bücher, Filme, Kunstwerke, wissenschaftliche Theorien, in unserer Welt existieren, dann bemerken wir, dass sie jeweils eine materielle Grundlage haben: Ein Buch ist auf Papier gedruckt oder findet sich als Hörbuch auf einer CD, ein Gemälde besteht auch aus diversen Materialien, Musik erklingt mit Hilfe von Schallwellen in der Luft oder ist auf einem Tonträger aufgezeichnet oder ist mit Noten auf Papier gedruckt. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind in Medien wiedergegeben, nachdem sie ursprünglich im Kopf des jeweiligen Entdeckers vorhanden waren. Was im Computer gespeichert ist, ist geistig, hat aber eine materielle Grundlage. Derartige Beobachtungen verleiten zu der These, dass alle geistig existierenden Dinge auch materiell existieren, dass sie, um zu existieren, eine materielle Grundlage benötigen.

Um diese These zu erproben, kann man überlegen, ob es zum Beispiel Gott, Engel, Dämonen und unsterbliche Seelen gibt. Diese kann es geben und man kann sich vorstellen, dass sie dafür keiner materielle Grundlage bedürfen. Es ist nun aber so, dass ihr Vorhandensein umstritten ist und nicht gewusst werden, sondern allenfalls geglaubt werden kann. Man sollte sich aber bei philosophischen Überlegungen besser zunächst an die Dinge halten, die zweifelsfrei existieren und uns in unserem Leben ständig begegnen wie Bücher, CD´s und dergleichen.

Gehen wir also davon aus, dass die Dinge und auch die Ereignisse eine materielle und eine geistige Seite haben, weil Materie und Geist zusammen ihre Existenz begründen und sie zu dem machen, was sie sind.

Ereignisse in diesem Sinne sind auch unsere Gedanken, Wahrnehmungen und Empfindungen. Sie sind gleichzeitig Vorgänge in unserem Gehirn und haben darin ihre materielle Grundlage. Das ist nun eine Aussage von großer Bedeutung, die entsprechend umstritten ist. Die neuronalen Vorgänge im Gehirn folgen nämlich den Naturgesetzen und sind dadurch (weitgehend) determiniert. Es stellt sich die Frage, ob die mit ihnen verbundenen geistigen Vorgänge eigene Gesetzmäßigkeiten aufweisen, also gegenüber den materiellen Vorgängen autonom oder ob sie bloße Begleiterscheinungen zu diesen sind, die keine eigenständige kausale Wirksamkeit haben. Das ist aber ein großes Thema für sich.

 

 

2 Kommentare

Kommentar von: Wolfgang Hennig [Besucher]
Philosophie heißt ja Liebe zur Weisheit; welche Weisheit kann uns aber Philosophie bringen?

Philosophie kann zum Kern der Weisheit
führen: "VERNUNFT"-Denken-Handeln.
Der "G"RUND aller "IST"-Dinge "ist"
"GE"IST-RUND"..."runder Geist"
ist "Vernunftgeist"...
"runder Gedanken-Kreis-Lauf".
Sehend,wahrnehmend, erkennen.
Erkenntnis gewinnende Einsicht.
Einsichtige Erkenntnisgewinnung.
Vernunftgewinnung...mittels
Vernunftbegabung Erkennen, Einsehen...
mittels Gedankenfluß.
Selbsterkenntnis und Einsicht...
selber erkennen und einsehen,
auch "extern Wahr-genommenes".
Die WAHR(genommene)(Wesen-)HEIT
"WEISHEIT" "IST" "VERNUNFT".
Das "Ganze" natürlich im Zusammenhang
als "geistige Evolution", also
ein Generationen übergreifender
"Reifeprozess" mit "Vernunftpotenzwirkung",
wachsend quasi.
Wir können "nur" dem zeitgeistigen
"Status-Quo", dem gegenwärtigen Evolution(s)-Niveau entsprechend,
"Vernunft"-"Denken" und handeln.
"Vernunft-Sein" entwickelt sich
dynamisch.
Das hindert jedoch nicht, Vernunft
als "Sein", im Kern der Weisheit
mittels Philosophie zu erkennen
und einzusehen...
auch wenn sie evolutionär "wachsend" "IST".:=)

Gruß
W.H.
10.08.14 @ 15:40
Kommentar von: maier [Mitglied] E-Mail
Ich denke auch, dass Vernunft im Kern der Weisheit ist.Aber Gefühl darf auch nicht vernachlässigt werden.
Gruß, Maier
13.10.14 @ 19:13

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