This is the blog's tagline

Warum ist der Abendstern nicht mit dem Morgenstern identisch?

0]>

In der philosophischen Diskussion wird gelegentlich das Verhältnis des Abendsterns zum Morgenstern als Beispiel für Identität angeführt, Sowohl der Abend- als auch der Morgenstern seien ja mit dem Planeten Venus und daher auch mit einander identisch. Da kann aber etwas nicht stimmen, denn kaum jemand würde die am Abendhimmel erscheinende Venus als Morgenstern bezeichnen. Denkt man darüber nach, so ergibt sich: Es gibt den Planeten, der den Namen „Venus“ trägt. Dieser Planet hat die Eigenschaft, für uns Menschen häufig am Abenhimmel und am Morgenhimmel als auffällig heller Stern zu erscheinen. Die Erscheinung am Abendhimmel bezeichnen die Menschen als „Abendstern“ und die am Morgenhimmel als „Morgenstern“. Es handelt sich also um zwei Bezeichnungen von Erscheinungsweisen des Planeten Venus. Da es zwei unterschiedliche Erscheinungsweisen sind, sind sie nicht identisch.

In Anwendung auf das Leib-Seele-Problem, also das Problem, wie vor allem beim Menschen geistige und körperliche Vorgänge zusammenwirken, zeigt sich Folgendes:

Als Lösung für dieses Problem wird von einigen Philosophen angenommen, dass die geistigen Vorgänge mit den entsprechenden körperlichen Vorgängen identisch sind. Man benötigt dann keine Erklärung, wie die geistigen Vorgänge auf die körperlichen einwirken können, und umgekehrt. Ist nun beispielsweise ein Gedanke identisch mit den entspechenden neuronalen Vorgängen im Gehirn? Das ist genauso wenig der Fall, wie der Abendstern mit dem Morgenstern identisch ist! Die Rolle der Venus spielt nämlich der einheitliche geistig-körperliche Vorgang, der einerseits als Gedanke, andererseits als neuronaler Ablauf in Erscheinung tritt. Entscheidend ist, dass der Gedanke mit dem neuronalen Ablauf eine (wirkende) Einheit bildet. Sie als identisch zu bezeichnen, wäre falsch.

3 Kommentare

Kommentar von: Rainer Ostendorf [Besucher] · http://www.freidenker-galerie.de
"Gebildet ist, wer weiß, wo er findet, was er nicht weiß." Georg Simmel (1858-1918)

Der Artikel und die Webseite gefallen mir.
Schöne Grüsse aus der Freidenker Galerie

Rainer Ostendorf
www.freidenker-galerie.de
05.01.14 @ 18:34
Kommentar von: azendrah [Mitglied] E-Mail
Der 'neuronale Vorgang'
ist auch nur ein Gedanke.
So wie 'der Planet Venus',
'der Morgenstern', 'der Abendstern'.

Die Erscheinung am Himmel
ist eine Form des Sehens.
So wie die Bildgebung
des Hirnforschers.

Die Formen des Sehens, Denkens etc.
bilden die Einheit des Daseins.
04.04.14 @ 17:03
Kommentar von: eule [Besucher]
im kopf sind geist und körper untrennbar verwoben wie schwarze und weiße figuren während eines schachspiels, stimmt. aber im körper sitzt der schwarze spieler allein da (was entspricht auf geistiger ebene einem furz, einem fußtritt, einem herzschlag?)
und -vermutlich- nach dem tod, gegebenenfalls sogar davor, sitzt der weiße spieler alleine. allemal ist es so im traum, wer das ableugnet, macht mir eine wunderschöne symmetrie kaputt
20.08.14 @ 22:21

Einen Kommentar hinterlassen


Ihre E-Mail-Adresse wird nicht auf dieser Seite angezeigt.

Ihr URL wird angezeigt.
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, E-Mail-Adresse & Webseite)
(Benutzern erlauben, Sie durch ein Kontaktformular zu kontaktieren (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht weitergegeben))
Bitte schreiben Sie "Philosophie" (ohne Anführungszeichen)
antispam test