"Philosophie" ist ein pervertiertes Wort

von philohof E-Mail

Neulich traf ich unseren Techniker Fritz morgens in der U-Bahn. Ich treffe ihn dort bisweilen, weil wir ein Stück weit denselben Weg zur Arbeit haben. Wenn wir uns in der U-Bahn treffen, machen wir ein wenig Konversation und plaudern dabei gewöhnlich über wirtschaftliche und politische Probleme.
Dieses Mal wunderte sich Fritz, wozu die Leute Facebook brauchen. Aufgrund seiner Ingenieurspersönlichkeit hat Fritz oft eine etwas andere Perspektive auf die Dinge. Zu posten, welche Speisen man gerade gegessen hat, hält er für uninteressant, und sobald es sich um irgendein spezielleres Interesse handelt, über das man sich austauschen will, sei man doch in einem spezialisierten Internetforum besser aufgehoben. Es gebe ohnehin Foren für alles Mögliche, z.B. für Fotografie.
Ich entgegnete Fritz, ich wüsste auch nicht, wofür andere Leute Facebook gebrauchen. Aber ich könne ihm sagen, wofür ich es brauche. Nämlich um z.B. einen Link zu posten, wenn ich wieder einmal einen Post für meinen Blog auf philosophieblog.de geschrieben habe.
Ja, aber für Philosophie gibt es doch auch spezialisierte Foren. Ob ich dort nicht besser aufgehoben wäre, um mich mit Gleichgesinnten auszutauschen?
Leider nein, sagte ich, denn Philosophie sei ein pervertiertes Wort. Also ein Wort, bei dem auf seinem Weg durch die Geschichte schleichend seine Wortbedeutung abhandengekommen sei. So glaube ich ja z.B. auch nicht, dass an den Philosophieinstituten in den Universitäten Philosophie unterrichtet werde. Was mich in eine grelle Dissonanz zur sozialen Wirklichkeit setzt, denn: Alle Leute sind der Meinung, an den universitären Philosophieinstituten werde Philosophie praktiziert, aber ich war selbst dort, ich habe ja Philosophie studiert, und es wäre mir nicht aufgefallen, dass es dort Philosophie gäbe.
Die Angelegenheit sei eigentlich noch dramatischer, setzte ich noch eins drauf, denn bei allen Menschen, an die ich mich mit einem philosophischen Anliegen wende, seien die mehr oder weniger professionellen oder spezialisierten Philosophen diejenigen, von denen mir am meisten Abwehr entgegenschlage. Denn auf wen treffe ich, wenn ich auf einen spezialisierten Philosophen oder auf eine spezialisierte Philosophin treffe? Zumeist auf einen Besserwisser, der seine Position durch Wissen über spezielle Entwicklungen in seiner Subdisziplin innerhalb der akademischen Philosophie rechtfertigt und dadurch dem freien Austausch von Argumenten ein Ende setzt. Es erscheine mir völlig sinnlos, mit meinen philosophischen Interessen Verständnis bei Philosophen zu finden, denn diese seien mit vernünftigen Argumenten nicht erreichbar, sagte ich.
Da sei es schon besser, mein neues Posting über Facebook meinen in etwa 250 Freunden bekannt zu machen, denn darunter befinde sich zumindest eine Handvoll Menschen, die sich mit dem, was ich unter Philosophie verstehe, angefreundet hat und die den Text vielleicht lesen werden. Diese Menschen hätten zumindest grundsätzlich die Möglichkeit, meinen Blogtext verstehen zu können, weil sie keinen Hintergrund in Philosophie haben. Als philosophisch unbedarfte Menschen seien sie offen für das, was man ihnen gegenüber vorbringt, und wüssten nicht von Vornherein alles besser, sodass man ihnen nichts mehr erzählen kann.
Ja, das verstünde er, sagte Fritz, und damit sei ich der Erste, der ihm ein akzeptables Argument vorgebracht hätte, wofür Facebook vielleicht doch tauglich wäre. Bei mir wirkte unser Gespräch noch nach, und mir fiel ein, dass ich ja schon öfters in meinem Leben über die Einteilung der Welt in Fächer und Schubladen nachgedacht hatte, wobei mir dabei immer wieder aufgefallen war, wie problematisch solche Einteilungen sind, weil es innerhalb eines Fachs immer die soziale Gruppe, die sich durchsetzt, ist, die bestimmt, wie das Fach definiert wird und sich selbst sehen soll. Wer immer mit der Meinung der herrschenden Gruppe über das Fach nicht übereinstimmt, dem bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, auf dem „freien Markt“ oder jedenfalls außerhalb des Fachs nach Gesprächspartnern zu suchen. Fritz war die Einteilung der Welt in Fächer und Schubladen offenbar bislang noch als eine unproblematische Angelegenheit erschienen, die einfach zweckmäßig war. So würde man ja auch von vornherein erwarten, dass Fotografieinteressierte Gleichgesinnte in einem Fotografie finden und Computersystemadministrationsinteressierte in einem Forum für Systemadministration. Nur: So ist es bei Philosophie eben gerade nicht. Aber darüber sprachen wir dann nicht mehr, denn wir waren schon bei unseren Büros angekommen.
Als Philosophieinteressierter muss man sich eingestehen, dass andere Philosophen diejenigen Menschen sind, die am philosophiedesinteressiertesten von allen Adressaten sind, an die man sich wenden kann. Bitte, wieso das so ist, darüber könnten wir nun mutmaßen und ich hätte da schon auch meine Ideen zu dem Thema. Aber Fakt ist, dass jene Menschen, die der Meinung sind, alle Menschen müssten sich ganz leicht und konfliktlos unter Themenstichworten und Überschriften versammeln können, Druck auf uns Philosophieinteressierte ausüben. Druck in der Richtung, dass „Philosophie“ doch auch so unproblematisch und verständlich sein müsste wie „Fotografie“. Ja, und vielleicht verfallen wir sogar bisweilen selbst in den Glauben, da seien doch noch andere Menschen, die von sich selbst sagen, sie seien philosophiebegeistert, und diese Menschen müssten doch eine teilweise überlappende oder zumindest kompatible geistige Interessenlage mitbringen wie wir selber.
Aber eigene Erfahrung lehrt, dass das nicht der Fall ist: Ein Argument, das der Eine als im Mainstream der philosophischen Tradition befindlich einschätzt, hält der Andere für so inakzeptabel, dass es in einem respektablen philosophischen Diskurs nicht einmal geäußert werden kann, ohne blöd und peinlich zu wirken. Was für den einen Philosophen eine lohnende philosophische Aufgabe ist, hat für den anderen mit Philosophie überhaupt nichts zu tun und ist bloß hohles Geschwätz. So weit sind wir nämlich in Wirklichkeit voneinander entfernt.
Freilich, die Menschen fahren fort, daran zu glauben, dass man wissen könne, was Philosophie sei. Dass es so etwas wie eine Wortbedeutung von „Philosophie“ gebe. Und wenn sie sie schon selbst nicht wüssten, weil sie ja Laien sind, so würden sie zumindest erwarten, dass philosophische Fachleute befriedigend darüber Auskunft geben könnten, was denn das sei, „Philosophie“.
Aber das ist nicht der Fall. Es gibt viele Philosophiekonzepte und kein gemeinsames. Weder allgemein noch unter Fachleuten ist es ausgemacht, was Philosophie ist. Deshalb wird man die Tatsache akzeptieren müssen, dass „Philosophie“ ein unverständliches Wort ist. Und einen jeden Menschen, der behauptet, dass er Philosophie mache, muss man zuerst fragen, was Philosophie für ihn sei, was er denn eigentlich genau damit meint.
Und der Grund dafür ist, dass „Philosophie“ ein pervertiertes Wort ist. Das bedeutet, dass es irgendwann im Laufe der Geschichte mal einen Anfang gab, zumeist wird dieser in Griechenland lokalisiert, wo einige Menschen die Aufgabe und das Ziel der Philosophie bestimmt haben. Dann kam die nächste Generation und fand diese Aufgabe unattraktiv und das Ziel nicht lohnenswert und bestimmte die Philosophie neu. Und dann kam die dritte Generation und macht dasselbe mit er zweiten. Eine lange Zeit hindurch war die Philosophie die Magd der Theologie, weil der Glaube den Rahmen des gültigen Weltbilds bestimmte und man es für eitel und sinnlos hielt, sich um ein Weltbild außerhalb des Glaubens und unabhängig von ihm zu bemühen. Heute ist die Philosophie die Magd der Wissenschaft, weil unser Zeitalter ein wissenschaftsdominiertes ist. Zwar interessiert die Wissenschaft kaum jemanden, aber unser Wirtschaftssystem basiert auf Patenten und intellektuellem Eigentum, sodass wir alle zur Wissenschaft verdammt sind. Und auch die Philosophie ist heute dazu verdammt, eine wissenschaftliche zu sein oder als wissenschaftlich zumindest zu erscheinen.
Jedes neue Zeitalter, jede Geistesmode färbt die Philosophie völlig durch, und die Philosophie hat zu wenig Eigencharakter, um dem irgendetwas entgegensetzen zu können. Das ist der Grund, warum „Philosophie“ auch in jedem Zeitalter bisher immer ein mehr oder weniger pervertiertes Wort gewesen ist. Mir fiele auch gar nichts ein, was man dagegen unternehmen könnte. Außer vielleicht dieses: Den Leuten klar machen, dass „Philosophie“ kein Wort ist wie Fotografie oder Systemadministration, Biologie, Mathematik oder Logistik. Dass es ein unverständliches Wort ist oder zumindest eines, das nicht ohne weiteres, also ohne weitere Erläuterung verständlich ist. Und natürlich auch, dass Philosophen nichts mit anderen Philosophen gemein haben.
An der Stelle drängt sich der Einwand auf, warum ich bei diesem Wort bleiben will? Wenn es so unverständlich ist und nicht dazu taugt, dass Gleichgesinnte sich unter ihm zusammenfinden, warum sollte ich es nicht über Bord werfen und meine Interessen unter einem anderen Begriff verfolgen? – Nun, sofort würde ich das machen, wenn mir ein solches Wort einfiele, das besser oder zumindest gleich gut zum Ausdruck bringt, was ich unter Philosophie tun will. Aber ich weiß leider kein solches Wort. „Philosophie“ bringt immer noch am besten jenes Projekt des eigenständigen Denkens zum Ausdruck, in welchem ein Mensch den obersten Probierstein der Wahrheit in sich selbst findet (Kant), auch wenn man immer dazusagen muss: Das hätte Philosophie der Idee nach vielleicht einmal sein sollen; aber in der Realität finden Sie das heute nirgendwo.
Und daher verwende ich weiterhin dieses pervertierte Wort, um damit eine Tätigkeit zu bezeichnen, die aus Sicht der menschlichen Sozialität ja im Grunde auch pervers ist: Selberdenken kann doch im Sinne keiner Gemeinschaft oder Gesellschaft sein! Es käme jeder zu einer eigenen Meinung – worum könnte man sich dann noch versammeln?

7 Kommentare

Kommentar von: Phil EIdos [Besucher] E-Mail · https://phileidos.wordpress.com
Vielen Dank für die Denkanstöße!

Neu auf diesem Blog, bin ich jetzt gespannt, nach und nach mehr herauszufinden, was Sie nun unter "Philosophie" verstehen. Der Abschnitt am Ende ("eigenständiges Denken" etc.) war da ja noch sehr rätselhaft.

Aber gibt es nicht vielleicht doch ein paar Punkte mehr, die man allgemein unter dem Begriff Philosophie verstehen muss?

Möglicherweise, dass es eine "Suche" ist? Wobei dem ja wieder die von Ihnen beschriebenen Akademiker entgegenstehen, die nicht suchen, sondern schon (eine feste Überzeugung) gefunden haben.

Oder das versucht wird, die obersten Wahrheiten zu formulieren? Eine Art "Erste Wissenschaft": Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? ... Was ist das erste Seiende?

Vielleicht sind eher die Methoden im Wandel, die Fragen aber die gleichen?
16.02.15 @ 00:24
Kommentar von: philohof [Besucher] · http://www.philohof.com
Hallo Phil Eldos,
vielen Dank für Ihren Kommentar!

Was ich für ein Philosophieverständnis habe?
- Nun, vor allem: kein geheimnisvolles oder schwer verständliches.

Und auch das mit dem eigenständigen Denken ist nicht rätselhaft: Entweder man denkt, um für einen selber zu denken, oder man denkt, um einen Beitrag zu einem Fach zu leisten. Das sind zwei entgegengesetzte Richtungen der Aktion. Wenn jemand einen Beitrag zu einem Fach leistet, ist es sekundär, um nicht zu sagen: unwichtig, was er selber denkt oder ob er selber was dabei lernt.

Ob Philosophie eine Suche ist? Ich bin mit vielem einverstanden. Viele Philosophiekonzepte stehen dem meinen näher als dasjenige, was gegenwärtig hauptsächlich praktiziert wird.

Es scheint halt bei jedem Philosophiekonzept die Frage zu sein: Lässt es sich objektivieren (hier: in Gestalt von Publikationen zum gegenständlichen Objekt machen), lässt es sich institutionalisieren, lässt es sich festschreiben? Umso statischer und stabiler ein Philosophiekonzept ist, desto mehr Chancen wird es haben, sich in der Gesellschaft durchzusetzen.

Eine Suche ist nicht statisch, das ist ein bewegliches Konzept - wird also nicht viel Chancen haben.
16.02.15 @ 17:14
Kommentar von: Phil EIdos [Besucher] · https://phileidos.wordpress.com
Vielen Dank für Ihre Antwort.

Rätselhaft ist vielleicht das falsch Wort, eher: unklar. Selbst wenn Philosophie für Sie heißt, selbst zu denken (und nicht für eine externe Institution), dann scheint mir weder Ziel noch Gegenstand dieses eigenständigen Denkens damit bezeichnet. Erkenntnis als Selbstzweck? Oder Erkenntnis, um damit zur Verwirklichung der Existenz zu finden? Um das "gute Leben" zu finden?

Ich denke, ich teile mit Ihnen in großen Zügen die Kritik am derzeitigen akademischen Betrieb, soweit ich das einschätzen kann.
Aber sehe ich das richtig, dass sie die Philosophie nur als eine individuelle Praktik sehen möchten, die, sobald sie zu einer Institution gerinnt, im Verfall begriffen ist?

Sehr richtig ist da die Analyse, dass so etwas wie "Macht" sich natürlich eher nur bei Institutionen finden lässt, nicht bei eigenständigen Philosophen.
Fehlt Ihnen diese "Macht" oder überhaupt der "Einfluss", den man in einem universitären Betrieb vielleicht am ehesten hat? Mit Publikationen, die von weiteren Kreisen gelesen werden? Ich weiß natürlich nicht, wie viel Sie mit der akademischen Welt zu tun haben, aber es klingt eher so, als würden Sie in Abgrenzung dazu leben.
16.02.15 @ 22:24
Kommentar von: philohof [Besucher] · http://www.philohof.com
Lieber Phil Eldos,

ein bisschen stört mich das "nur" in Ihrem Satz: "Aber sehe ich das richtig, dass sie die Philosophie nur als eine individuelle Praktik sehen möchten..." Denn gegenwärtig sind wir der Meinung, ohne eine solche Praxis individueller Erkenntnis auskommen zu können. Und ich glaube halt nicht, dass wir unsere Köpfe ausschalten können, weil die Wissenschaft wahre Erkenntnisse generiert.

Macht und Einfluss fehlen mir nicht. Ich suche Gesprächspartner. Aber die zu finden ist eben schwer in einer wissenschaftlichen Welt, in der viele Menschen nicht mehr verstehen, was eine Mitteilung ist. Oder denen das Konzept nicht mehr geläufig ist, dass man vielleicht deshalb über etwas nachdenkt, weil man es sich selbst zu erklären versucht.
16.02.15 @ 22:48
Kommentar von: Phil Eidos [Besucher] · https://phileidos.wordpress.com
Lieber Philohof,

das "nur" war in der Tat eher fehl am Platz. Ich sehe die Philosophie auch als einen individuellen Prozess, bei dem man das eigene Denken hinterfragt bzw. auch die gesamte Lebensweise, die daraus folgt. Daher ist das kein "nur", sondern ein äußerst schwieriger - vielleicht existenzieller - Prozess, zu dem die wenigsten sich bereit finden. Aus diesem Grund sind Institutionen so angenehm: weil man sich in Ihnen nicht verwandeln muss.

Der Dialog scheint mir auch zentral. Da bin ich sehr geprägt von der sokratischen Methode der Überprüfung von eigenen und fremden Überzeugungen. Ich hoffe, ich werde nie ein solcher Gesprächspartner der flieht, sobald die eigene geliebte Überzeugung ins Schwanken gerät (vgl. Kephalos in der Politeia).
17.02.15 @ 10:42
Kommentar von: Vogt [Besucher]
Hallo philohof,

zum besseren Verständnis: Sie schreiben zu Anfang, dass dem Wort 'Philosophie' "schleichend seine Wortbedeutung" abhanden gekommen sei.
Gab es denn für Sie eine Zeit, in welcher es eine geeignetere Wortbedeutung für 'Philosophie' gab? Welche war das?

Mit Grüßen
Ihr Vogt
18.02.15 @ 14:36
Kommentar von: philohof [Besucher] · http://www.philohof.com
Hallo Vogt,

Einwand akzeptiert. Es gab nie eine solche Zeit.

Aber ich glaube, auch das wissen viele Menschen nicht. Weil es ja so ist, dass gewöhnliche Leute (Nichtakademiker) vor der Gelehrsamkeit erstarren wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange und deshalb alles für wahrer und echter halten, je älter es ist, wenn es außerdem noch dazu in einer ihnen unverständlichen, aber hochgeachteten europäischen Kultursprache geschrieben ist.

Nein, es gab nie eine solche Zeit. Im Laufe der der Geschichte haben sich verschiedene Menschen in verschiedenen Epochen unterschiedliche Vorstellungen von Philosophie gemacht. Und wenn wir heute zurückblicken und eine "Gestalt" oder eine "Idee" der Philosophie in der Philosophiegeschichte sehen wollen, dann ist das eine Projektion. (Was nicht bedeuten soll, dass eine solche Projektion nicht sinnvoll und nützlich sein kann.)

Das würde ich also schon auch zugestehen, dass es nie eine Zeit der wahren Philosophie - in der man sich anschauen kann, wie Philosophie wirklich ist und sein soll - gegeben hat.

Das macht aber meine Geschichte, so wie ich sie erzählt habe, nicht ganz falsch. Immerhin würde ich doch sagen, dass die menschliche Geschichte eine solche von zunehmender sozialer Organisation ist. Und die zunehmende Einbindung der Philosophie in institutionalisierte Abläufe hat die Philosophie verändert. Wenn Philosophie etwas sein muss, das auf Konferenzen präsentiert werden kann und in online-Philosophiezeitschriften publiziert werden kann, dann muss sie sicherlich eine andere Gestalt annehmen, als wenn der Sokrates mit dem Phaidros philosophiert.

Aber das ist nicht das starke Argument. Das Argument, auf dem man meiner Meinung nach bestehen muss, ist: Das, was Philosophie WIRKLICH ist, das gibt es nicht. Weder ist dieses Wissen über das wahre Wesen der Philosophie in meinem Besitz noch in jenem der durch ihr Berufsrecht befugten Vertreter des Fachs.

Hier steht also Wort gegen Wort. Wir können nicht darüber diskutieren, was Philosophie in Wirklichkeit ist, sondern nur darüber, was es sinnvoller Weise sein sollte.
18.02.15 @ 16:19

Einen Kommentar hinterlassen


Ihre E-Mail-Adresse wird nicht auf dieser Seite angezeigt.

Ihr URL wird angezeigt.
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, E-Mail-Adresse & Webseite)
(Benutzern erlauben, Sie durch ein Kontaktformular zu kontaktieren (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht weitergegeben))
Bitte schreiben Sie "Philosophie" (ohne Anführungszeichen)
antispam test