Wie wird es sein, wenn es unverständlich geworden ist, was eine Idee ist? (6)

von philohof E-Mail

Link: http://www.bibliotekacyfrowa.pl/Content/14681/Bezugspunkt_Gesellschaft.pdf

Ich weiß, es ist schön langsam Zeit, mit diesem Thema zu einem Ende zu kommen.

Aber ich habe eh nur noch dies eine zu sagen.

Und zwar gehört es zu meinen persönlichen philosophischen Methoden, am Ende einer Untersuchung die Fragestellung noch einmal umzudrehen, also nicht zu fragen: Wie wird es sein, wenn das Konzept der Ideen unverständlich geworden ist? – sondern: Was wäre, wenn man sich heute der Ideen wieder erinnern würde?

Wobei ich unter „Ideen“ im Zyklus dieser Untersuchung verstehe, dass man mit einer Idee einen Gedanken meint, den ein Mensch sich ausgedacht hat, um damit eine Frage zu klären, die er selber hat, oder ein Problem zu lösen, das ihn selber beschäftigt. Und wenn er diese Idee einem anderen Menschen mitteilt, dann darum, um diesem anderen Menschen damit mitzuteilen, was er selber denkt und was ihm selber wichtig ist.

Dieses Verständnis dessen, was Ideen sind, ist heute verlorengegangen. Das Wort gibt es zwar noch, aber wenn heute Menschen ihre Ideen mitteilen, dann sprechen sie nicht mehr über etwas, das sie selber interessiert, sondern über etwas, das von allgemeinem Interesse ist. Und sie formulieren mit ihren Ideen auch nicht Lösungsansätze für Fragen und Probleme, die sie selber haben, sondern solche, die allgemeingültig und also für alle Menschen wahr sind.

Der Irrtum oder das Vorurteil, das mir hinter dieser Vorgangsweise zu stecken scheint, findet sich in aller Wissenschaft und besteht darin, dass man glaubt, dass das, was für alle Menschen wahr ist auch für den einzelnen Menschen interessant sein müsse.

Ich bin erst vor gestern zufälligerweise auf meine Dissertation Bezugspunkt Gesellschaft. Über die Geselligkeit und Ungeselligkeit der Menschen. zu sprechen gekommen, in der ich gezeigt habe, dass die Wissenschaft der Soziologie uns Einzelmenschen die Gesellschaft nicht erklärt, weil die einzelnen Menschen (z.B. Durkheim: Die sozialen Tatsachen seien wie Dinge (und eben nicht wie Menschen) zu betrachten) in der soziologischen Konzeption von Gesellschaft gar nicht vorkommen. Niklas Luhmann hat mit dem Titel seines Großwerks Die Gesellschaft der Gesellschaft sehr gut zum Ausdruck gebracht, was Soziologie eigentlich ist: Sie ist eine Disziplin, welche die Gesellschaft aus der Perspektive und den Erkenntnisinteressen der Gesellschaft beschreibt. Das heißt, sie beschreibt die Gesellschaft nicht aus der Perspektive der einzelnen Menschen. Und daraus folgt eben, dass der einzelne Mensch aus der Soziologie nichts, oder nur beschränkt etwas, oder wenn schon etwas, dann eigentlich entgegen der ursprünglichen Intention der Disziplin der Soziologie, lernen kann. Und diese Einsicht lässt sich auch auf die anderen Wissenschaften übertragen. Aber das nur am Rande.

Gut, es geht mir also in diesem letzten Abschnitt zum Thema des Verlusts der Ideen darum, die Fragestellung noch einmal umzukehren, sie zu kippen, und durch dieses Kippen die Relevanz begreiflicher zu machen, die dieses Thema für mich hat.

Was wäre also, wenn man sich wieder daran erinnerte, was Ideen eigentlich sind, und dass Ideen dafür da sind, um anderen Menschen die eigenen Gedanken mitzuteilen?

Nun, der erste himmelhohe Unterschied für mich persönlich wäre der, dass ich auf Philosophiekonferenzen wieder etwas verstehen würde. Wenn ich gegenwärtig philosophische Kongresse und Tagungen besuche, erlebe ich Vortragende, die vor mir sitzen und etwas erzählen, das sie selber nicht interessiert, die mir nicht einsichtig machen, warum die Inhalte, die sie vortragen, mich interessieren sollen, und die für Probleme von angeblich allgemeiner Relevanz Antwortvorschläge unterbreiten, welche diese angeblich lösen.

Wenn sich diese Menschen wiederum daran erinnerten, was Ideen sind, so würde ich anstatt dessen von ihnen erfahren, welche Gedanken sie wirklich interessieren, warum sie glauben, dass das auch für andere Menschen interessant sein könnte sowie jenen Lösungsvorschlag, welcher sie selber am ehesten überzeugt.

Wenn die Vortragenden auf Philosophiekongressen so zu mir sprächen, wüsste ich nach ihren Vorträgen, was sie über ein Thema denken, und sie könnten – je nachdem, ob ich mich mit ihren Einschätzungen bezüglich des Themas anfreunden kann oder nicht – zu positiven oder negativen Vorbildern für mich werden. Das heißt, ich wäre in der Lage eine eigene Position ihnen gegenüber einzunehmen und würde sie als Orientierungspunkte für meine eigenen Überlegungen gewinnen.

Dieser Unterschied wäre wie Tag und Nacht für mich. Philosophiekonferenzen wären plötzlich zu etwas nütze für mich. Gegenwärtig sind sie nur sehr beschränkt nützlich für mich. Ich nutze sie, um mich darüber zu informieren, über welche Themen man in der Fachphilosophie gerade diskutiert. Aber ich achte mittlerweile peinlich darauf, nur jeden zweiten oder dritten Vortrag zu besuchen und reichlich Zeit zur Erholung zwischen den Vorträgen einzuplanen, denn ich weiß: Nach einem jeden dieser Philosophievorträge bin ich entfremdet. Genauer: Ich bin wie tumb geschlagen. Ich habe selber keine Gedanken mehr, denn ich habe im Vortrag ja auch keine erzählt bekommen, die mich zu eigenen Ideen anregen hätten können.

Nach so einem Philosophievortrag auf einer Philosophiekonferenz ist jeweils das Schlimmste passiert, was einem Philosophierenden überhaupt passieren kann: Mein eigenes Geistesleben ist zum Stillstand gekommen. Der oder die Vortragende hat mich mit seinem/ihren unpersönlichen, unkonkreten, interesselosen Vortrag geistig abgedreht. Und ich benötige danach jeweils viel Zeit bei einem Kaffee und meinem Schreibbuch um meine eigene innere Stimme wieder zum Sprechen zu bringen. Denn sie ist dann verstört und will nichts mehr sagen. Aber solange sie schweigt, leide ich, denn in dieser Zeit denke ich nichts, ich habe keine Fragen und ich weiß auch nicht mehr, was mich interessiert.

Deshalb besteht der Besuch von Philosophiekongressen für mich im Wandel auf einem schmalen Grat zwischen Nutzen und Schaden verursacht durch das Anhören der Vorträge. Es ist an und für sich schon verwunderlich, dass Philosophievorträge schädlich für den Philosophierenden sein sollten. Aber so ist es eben leider nun mal wirklich, und das Einzige, was mir bleibt, ist, in der Praxis irgendwie damit umzugehen.

Jetzt mag es der Fall sein, dass Sie keine Philosophiekongresse besuchen. In dem Fall lässt sich dasselbe, was ich Vorigen sagen wollte, auch in allgemeinerer Form formulieren. Schließlich hatte ich Ihnen mit den Philosophiekongressen ja nur ein konkretes Beispiel geben wollen, damit Sie sich den Helmut bei einer Philosophiekonferenz bildlich vorstellen können, wie er bei einem Vortrag gelangweilt drinnensitzt, weil sein Interesse an dem Gesagten keinen Halt finden kann – was auch kein Wunder ist, weil der/die Vortragende seine/ihre Zuhörer gar nicht anspricht und dadurch auch nicht zu ihnen spricht, ihnen also auch nichts mitteilt.

(Kleiner Scherz am Rande: Kommunikation hat, nach Schulz von Thun, vier Funktionen: 1. Sachinhalt (Worüber ich informiere), 2. Selbstoffenbarung (Was ich von mir selbst kundgebe), 3. Beziehung (Was ich von dir halte und wie wir zueinander stehen) und 4. Appell (Wozu ich dich veranlassen möchte.) (Vgl. Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden. Psychologie der Kommunikation, Band 1. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg. S. 25-30.) Wissenschaft ließe sich in Bezug darauf definieren als der Versuch, Kommunikation auf die erste der vier Funktionen (Sachinhalt) zu beschränken. Daraus erhellt, warum wissenschaftliche Texte nichts mitteilen: Ich benötige nämlich auch die restlichen drei Funktionen einer Mitteilung (Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell), um sie überhaupt verstehen zu können. Ich benötige diese drei restlichen Funktionen auch, um mich von der Mitteilung überhaupt angesprochen zu fühlen; dann benötige sich sie, um mich selbst zu verstehen, wenn ich den Sachinhalt der Mitteilung verstehe; und schließlich benötige ich sie, um mir überhaupt eine Vorstellung davon machen zu können, was für ein Mensch man sein muss, um diesen Sachinhalt verstehen zu können. Im Grund tue ich mit dieser Serie von Postings über den Verlust der Ideen nichts anderes als diese drei fehlenden Funktionen der Kommunikation einzuklagen.)

Nun aber: Was wäre der Vorteil oder was wäre anders, wenn wir uns wieder daran erinnern würden, was Ideen sind?

Ich glaube, der bedeutendste Unterschied wäre der, dass man dann einen Menschen, der etwas ausspricht, was (noch) nicht ganz richtig ist, nicht gleich ganz plattmachen würde. Man würde ihn dann nicht in einer Weise kritisieren, die ihn beschämt und so sehr deprimiert, dass er von nun an auf Jahre hinaus nicht mehr den Mut finden wird, sich eine eigene Meinung – also eine eigene Idee – zu einem bestimmten Thema zu bilden.

Und warum würde man das nicht mehr tun? Man würde das deshalb nicht mehr tun, weil man mit dem Konzept der Idee eine Vorstellung hätte, die einen daran erinnert, dass jegliche Aussage nicht nur in universalen Dimensionen entweder wahr oder falsch sein kann, sondern dass sie auch in einem Bezug steht zu der Person, die sie geäußert hat. Und die Existenz dieses Bezugs würde man nun mithilfe des Begriffs der Idee wahrnehmen können, sodass man dadurch – hoffentlich – davon abgehalten wird, ihn gedankenlos zu zerstören.

Denn letztlich bringt der Bezug eines Gedankens zu dem Menschen, der sich diesen Gedanken gemacht hat, zum Ausdruck, wie weit dieser Mensch in seinem Denken bislang gekommen ist. Und das mag jetzt vielleicht nicht sehr weit sein (sodass die Kritik, die geäußert wird, zu Recht besteht), aber wenn man den Menschen durch rücksichtslose Kritik ganz platt macht, also psychisch völlig deprimiert, dann tritt dadurch nicht einfach die Wahrheit an die Stelle des Irrtums, sondern der Mensch wird mit seinem Denken wieder ganz zurück an den Start geschickt. Und wenn man ihn derart entmutigt, dann ist wahrlich die Frage, ob er darauf damit reagiert, indem er weiterhin sich redlich bemühen wird.

Allgemeiner gesprochen, wenn man sich an die Idee der Idee wiedererinnern würde, dann könnten Lernende in einem Bildungssystem das Gefühl haben, dass es auch um sie ein bisschen geht, dass man sie unterrichtet, um ihnen zu helfen und nicht zu dem Zweck, um ihnen Wissenskeulen zwischen die Beine zu werfen, über die sie stolpern sollen.

Man würde dann mit mehr Rücksicht gegenüber den lernenden Menschen vorgehen, weil man dann wüsste, dass die Ideen, die sie zum Ausdruck bringen, Ausdruck sind des Stadiums im Lernprozess, in dem sie sich gerade befinden. Indem man nicht einfach alle halbrichtigen Ideen bekämpft, als wären sie des Teufels, könnte man jene Zwischenschritte ermöglichen, die sich zwischen dem Noch-nichts-über-eine-Sache-Wissen und dem Die-Sache-ganz-und-gar-Verstehen befinden. Das sind jene Zwischenstufen, die für die Lernenden so wichtig sind, weil sie sich auf ihnen am verletzlichsten fühlen.

Zudem würde man eine Idee nicht mehr ausschließlich danach beurteilen, ob sie wahr ist oder falsch, sondern danach, ob ein Mensch etwas aus ihr lernt. Die Funktion einer Idee, dass sie nämlich dazu da ist, damit ein einzelner Mensch etwas aus ihr lernt, würde dann überhaupt erst zum ersten Mal wieder in den Blick kommen.

Kurz, wenn man sich wiederum daran erinnern würde, was Ideen sind, würde man Lernenden mit Rücksicht begegnen. Man würde sich ihnen gegenüber vorsichtig verhalten, um nicht das zu zerstören – ihre Bildung – woran sie mit großer Mühe arbeiten. Wenn man hingegen, so wie das heute der Fall ist, mit der Überzeugung agiert, dass Ideen nicht die Ideen von Menschen sind, sondern dass sie unabhängig von Menschen bestehen und nur den Zweck haben, den Wissensschatz der Menschheit zu erweitern, dann wird man ohne das kleinste bisschen Verständnis für die Lern- und Bildungsbemühungen der einzelnen Menschen sein. Das fehlende Verständnis für die Mühe der menschlichen Lernbemühungen führt zu einem rücksichtslosen Verhalten ihnen gegenüber, welches wiederum zur Folge hat, dass die Menschen Lernen bald mit negativen Emotionen assoziieren und es tunlichst vermeiden, wo es sich vermeiden lässt.

Nun ist es mir bewusst, dass es auch (viele) Menschen gibt, die das, was ich hier beschreibe, anders sehen, kurz: die schlicht gar kein Problem darin sehen, worin ich ein ziemlich großes und brennendes Problem sehe. Zu diesen Menschen kann ich nur sagen, dass ich sie nicht verstehe. Dass ich nicht begreife, wie sie funktionieren und empfinden.

Es sind das jene Menschen, die der Ansicht sind, es sei nicht nötig, dass Menschen sich ein eigenes Bild von einem Inhalt machen, den sie erlernen wollen, weil alle Inhalte in wahrer Gestalt in wissenschaftlichen Lehrwerken gespeichert sind und man sie sich einfach aneignen könne. Ich persönlich bin nicht der Ansicht, dass man aus wissenschaftlichen Lehrwerken etwas lernen kann, weil sie nicht didaktisiert sind, weil sie nicht pädagogisch aufbereitet sind. Das Wissen in ihnen ist so dargestellt, wie es dem Bedürfnis des Faches entspricht, sich nach außen hin, gegenüber anderen Fächern und gegenüber der Öffentlichkeit, darzustellen. Aber wissenschaftliches Wissen als wissenschaftliches Wissen ist gewöhnlich nicht auf die Bedürfnisse von Lernenden zugeschnitten.

Wissenschaftliche Lehrwerke belasten den Lernenden gewöhnlich mit zu viel Detailwissen und bringen spezifisches Wissen jeweils zum falschen Zeitpunkt. Also jeweils nicht dann, wenn es eine Antwort auf eine Frage sein kann, die der Lernende gegenwärtig hat, sondern dann, wenn der Lernende es sich einfach merken muss, weil ihm noch jede Vorstellung von der Sache fehlt, die es ihm erlauben würde, eigene Fragestellungen zu entwickeln.

Ich persönlich gestehe, dass ich aus wissenschaftlichen Werken nichts lernen kann. Im Gegenteil, wissenschaftliche Werke machen mich dumm, weil ich bei ihrer Lektüre diejenigen Fragen vergesse, die ich gegenwärtig habe und mich dafür mit Inhalten beschäftige, die mich gegenwärtig nicht interessieren, weil ich ihre Relevanz noch gar nicht verstehe. Das englische Wort „dull“ wäre wohl der bessere Ausdruck dafür: Wenn ich wissenschaftliche Werke lese, werde ich gewöhnlich nicht gescheiter, sondern „dull“.

Infolge dieses Kippens oder Umkehrens meiner Fragestellung wird also schon deutlich sichtbar, dass es gewaltige praktische Konsequenzen hätte, wenn man sich an die Vorstellung von den Ideen wieder erinnern würde.

In der letzten Zeit ist mir für diese gewaltige Veränderung eine Formel eingefallen: „Wie wäre es, wenn man sich wiederum vorstellte, dass ein Mensch einen Gedanken denkt?“ Diese Formel beinhaltet, dass dieser Gedanke der Gedanke dieses Menschen wäre und dass er Ausdruck des Denkens dieses Menschen wäre. Gegenwärtig werden allgemein ja gerade die gegenteiligen Vorstellungen unterhalten: Wir meinen mit „Gedanken“ „Gedanken ohne Menschen, die sie gedacht haben“, und wir sehen in ihnen auch nur Gebilde, die bloß entweder wahr oder falsch sein können, aber nicht solche, die irgendeine Funktion für den Menschen, der sie hervorgebracht hat, haben.

Mir scheint, wenn man heutzutage den Gedanken wieder fassen könnte, dass „ein Mensch einen Gedanken denkt“, dann würde mit einem lauten Knall unsere gesamte gegenwärtige Zivilisation auseinanderbrechen und unser öffentliches Bildungssystem, welches auf den entgegengesetzten Prinzipien aufgebaut ist, würde vor Schmerz wie eine Rakete auffahren und ins All davonzischen. Es wäre das eine Revolution von einer Reichweite, wie wir sie uns gar nicht vorstellen können.

Auf der anderen Seite zeigt das Zurückkippen der Fragestellung aber auch, bis zu welchem Grad wir gegenwärtig unseren Begriff von dem, was eine Idee eigentlich ist, schon verloren haben.

In dieser Serie von Postings zu diesem Thema habe ich mir ja Gedanken gemacht, was sein würde, wenn er uns ganz und gar verloren ginge. Und die Antwort, zumindest für mich persönlich, lässt sich so zusammenfassen: Ich würde völlig orientierungslos werden. Und: Ich würde jedes Mittel verlieren, um meine Orientierung in der Welt zumindest teilweise zurückzugewinnen. Aber: Zum Teil haben wir die Idee der Idee ja schon verloren – und zwar, wie ich gezeigt habe, zeigt sich dieser Verlust umso mehr, je höher man in der Bildungshierarchie aufsteigt und je höher der Grad an Öffentlichkeit der Sprechsituation ist.

Mir scheint, das ist auch letztlich der Grund, warum man mit anderen Menschen passabel philosophieren kann, solange man es in einem privaten, entspannten Rahmen tut und es nicht „Philosophie“ nennt. Denn in so einem privaten Rahmen und solange sie nicht wissen, was sie tun, können Menschen ihre Gedanken ungeniert äußern, ohne sofort schneidende Kritik fürchten zu müssen. Sie können also dasjenige tun, was man an sich so tut, wenn man philosophiert. Ringen sie sich hingegen bei einer öffentlichen Philosophieveranstaltung zu einer Frage oder Bemerkung durch, so tun sie das immer mit der Angst, dass ihre Frage nicht wichtig oder relevant ist, weil es ja bloß ihre Frage ist. Und das geschieht nur, weil uns Heutigen die Vorstellung davon verloren gegangen ist, was eine Idee eigentlich ist oder sein sollte.

So, Schluss jetzt! Ich glaube ja nun nicht, dass mein Schreiben den gesellschaftlichen Lauf der Dinge ändern kann. Das bedeutet: Mit der Situation, wie sie gegenwärtig ist – mit diesem Halbvergessen-Sein und in besseren Kreisen Geächtet-Sein der Ideen – werden wir leben müssen. Und auch ich werde die restlichen Tage meines Lebens damit leben müssen.

Mit meinem Schreiben zu diesem Thema versuche ich nur, schriftliche Zeugnisse dafür zu schaffen, dass es die Idee der Idee irgendwann einmal gegeben hat. Und wenn mir hier Texte gelungen sind, in denen aus einigen Absätzen zumindest zaghaft herausleuchtet, worin diese Idee der Idee denn inhaltlich bestanden haben könnte, dann bin ich schon sehr zufrieden.

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