Polarization in the Philosophy of Mind »

Externalisirung und Transcendenz

02.07.09 | von Markus Schroer [mail] | Kategorien: schroer
Der Mensch, als subiectiver sowohl denn als intersubiectiver Acteur, neigt, nicht zuletzt aus einer gewissen Nothwendigkeit, dazu, internalistisch gebildete Principien und Concepte zu externalisiren. Dies trifft, stärker noch als in der Erkenntnistheorie, namentlich auf die Ontologie der Ethik zu. Die Feststellung, daß sich jenseits irdischer Sphären keine Götterwelt befindet, hat nicht nur den Horizont der Menschheit als Species, mithin auf intersubiectiver Ebene, erweitert, sondern zugleich die Säulen der Ordnung, auf welchen die Welt zu ruhen dünkte, bis ins Mark erschüttert. Die zugleich einsetzende Simplificirung der Religion mit Hinblick auf die Zahl der Götter, überdem die Erkenntniß, daß die Erde keine Scheibe, sondern, wie Aristoteles bereits in der Antike geschlossen hatte, eine Kugel ist, zusammen mit der Möglichkeit, weit in den Himmel hineinzuschauen, haben die Sphären des Göttlichen, so man aus diversen Gründen nicht gewillt war, aufzugeben, um eine Stufe entrückt, wenn nicht fortgestoßen hier der bessere Ausdruck ist. Das Postulat einer intentional-causalen, extrinsischen Ordnung, welche wiederum einen Sinn des Ganzen mit sich brächte, machte das zweite Postulat der endgültigen Endrückung, mithin scheinbare Unergründlichkeit, nämlich dasjenige der Transcendenz des Göttlichen, unumgänglich.
Nun ist mittlerweile lange bekannt, daß das Erkennen von Mustern und Regelmäßigkeiten, die wenigstens in Ähnlichkeiten münden, welche wir dann oftmalen als Gleichheit categorisiren, nicht in jedem Falle den thatsächlichen Gegebenheiten entspricht. Vielmehr glauben wir auch dort Muster und so fort zu erkennen, wo keine sind. So wird ferner häufig der Begriff der Naturgesetze mißdeutet, wenn nicht mißbraucht, in dem Sinne, daß es sich bei den Naturgesetzen um Gesetze im juridischen Sinne handele; was ganz offenbar nicht der Fall ist. Vielmehr handelt es sich bei den Naturgesetzen um Beschreibungen der Vorgänge in der Natur – welche im Übrigen keinen subsistirenden, intentionalen Acteur darstellt, weil es keine solche subsistirende Entität gibt –, als wir sie in solcher Fülle beobachtet haben, daß wir es für unwahrscheinlich halten, es könne Ausnahmen geben. Die Naturgesetze sind mithin keine obiectiven, subsistirenden Vorschriften, wie sich die Natur zu verhalten habe. Überhaupt scheint es zweifelhaft, daß es so etwas als eine uniforme Natur gebe, wenn wir beyspielsweise an die Quantenmechanik und die für den Mikrokosmos gültigen Gesetze denken, welche anscheinend von dem des Makrokosmos abweichen, wobey freylich noch nicht einmal klar ist, wo die Grenzen zwischen beyden zu ziehen ist. Es kommt aber eine weitere Componente hinzu. So wie in menschlichen Systemen die führenden Persönlichkeiten den Regirten, Beherrschten, Repräsentirten oder wie immer man will Sicherheit geben, und sey diese nur vorgetäuscht, so müsse es doch, zumal aufgrund der scheinbar vorzufindenden extrinsischen Ordnung, auch mit Hinblick auf die gesamte Menschheit ein führendes Wesen geben. In Analogie zum Menschen wird dabey ein intentionaler Acteur, der wie die Menschen selbst zu allen Affecten und Emotionen fähig ist, vorgestellt; zugleich aber werden demselben alle Fehler jener abgesprochen, indem ihm alle Attribute der Vollkommenheit, d. i. Omnipotenz, Omnipräsenz et cetera, beigelegt werden, um ihm nicht zuletzt die Fähigkeiten, gleichzeitig als Schöpfer und Wächter funktioniren zu können, zu verleihen. Die damit unmittelbar zutage tretenden Widersprüche müssen dann freylich ignorirt werden, und in der That dünkt es, viele Menschen acceptirten diese Widersprüche ohne weiters.
Bringt nun jemand zur Verteidigung dieser Ansicht vor, (der monotheistische) Gott sey ob seiner Transcendenz für den Menschen unbegreifbar, so widerlegt er sich beziehungsweise die Ansicht, so er zu verteidigen gedenkt, selbst. Denn ist etwas unbegreiflich, d. i. nicht dem menschlichen Verstande zugänglich, so macht es nicht bloß keinen Sinn, sondern es ist und muß unmöglich seyn, darüber zu reden. Nur was sich begreifen läßt, läßt sich denken und glauben; alles andere ist nichts weiter als eine verklärte, chimärische Vorstellung. Daß genaugenommen vorstellen und denken nicht dasselbe sind, habe ich bereits an anderer Stelle ausgeführt; um weswillen es hier nur noch einmal skizzirt sey: Vorstellen können wir uns alles, und zwar meine ich damit, daß etwas Vorgestelltes nicht klar und abgeschlossen beschreibbar seyn müsse. Denken hingegen läßt sich nur, was klar und abgeschlossen durch den Verstand erfaßbar ist. Die Behauptungen und Auswüchse der Transcendenz aber erlauben es einem nicht einmal, sich eine Vorstellung zu machen von dem, was da angeblich jenseits des uns Bekannten oder wenigstens potentiell zu Erkennenden liegen solle; und ist mithin ein Unsinn.

Schlagworte: abgeschlossen, ähnlich, akteur, akzeptieren, allgegenwart, allmacht, ansicht, begreifen, denken, diesseits, einfach, einheitlich, entität, erkennen, ethik, externalisieren, externalisierung, extrinsisch, gedenken, gesetz, gleichheit, gott, götter, göttlich, himmel, horizont, ignorieren, intern, internalisieren, internalistisch, intersubjektiv, jenseits, kategorie, kategorisieren, klar, konzept, makrokosmos, menschheit, menschlich, mikrokosmos, monotheistisch, muster, namentlich, natur, naturgesetz, notwendig, objektiv, omnipotenz, omnipräsenz, ontologie, ordnen, ordnung, potentiell, potenziell, prinzip, prinzipien, quantenmechanik, regelmäßigkeit, religion, säule, schöpfer, sein, simpel, simplifizieren, sinn, skizzieren, spezies, subjektiv, subsistieren, transzendent, transzendenz, unbegreifbar, unbegreiflich, uniform, unsinn, verstand, verteidigen, verteidigung, vorschrift, vorstellen, wächter, wahrscheinlich, widerlegen, widerspruch, widersprüche, zweifelhaft

2 Kommentare

Kommentar von: W Baudisch [Besucher] · http://wolfgang66.wordpress.com/
Hallo,
ich finde Ihren Beitrag ausgezeichnet, ja ich möchte sogar sagen brilliant, vom Inhalt her. Aber was soll dieser schreckliche KAUDERWELSCH? Wörter wie "Simplificirung" schreibt man heutzutage "Simplifizierung". Sie sollten beim Schreiben einen Spellcheck mit neuer Deutscher Rechtschreibung einschalten! Ich bekomme MAGENKRÄMPFE beim Lesen. Oder möchten Sie durch diese verschrobene "Orthographi" (jetzt habe ich auch so einen Nonsens reingeschrieben) beweisen, dass Sie besonders viel Kant gelesen haben?

Klare Gedanken kann man auch in klarer, schöner Sprache zum Ausdruck bringen. Lesen Sie lieber Wittgenstein statt Kant.
24.08.09 @ 01:31
Kommentar von: Markus Schroer [Mitglied] E-Mail
Vielen Dank für das Lob.

Zur Sprache beziehungsweise Orthographie: Ich habe diesen Beitrag ursprünglich für mich als eine Art Aphorismus aufgeschrieben. Und da ich eine Vorliebe für alte Texte sowie alte Schriften habe (zum Beispiel deutsche Kurrentschrift), habe ich den Text in einer alten Orthographie verfasst. Wie man in neuer deutscher Rechtschreibung schreibt, weiß ich im Übrigen sehr wohl. ;-) Daher ist es wohl kaum nötig, eine Rechtschreibprüfung einzuschalten, zumal diese viele Fehler zu finden vermeint, die keine sind.
Wie dem auch sei, da ich den Inhalt für einigermaßen veröffentlichungswert hielt, habe ich den Text – vor allem aus Zeitmangel ohne Überarbeitung – hier eingestellt.
Ferner habe ich mich bereits einigermaßen ausführlich mit Wittgenstein beschäftigt und tue dies auch weiterhin.
24.08.09 @ 10:35

Einen Kommentar hinterlassen


Ihre E-Mail-Adresse wird nicht auf dieser Seite angezeigt.

Ihr URL wird angezeigt.
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, E-Mail-Adresse & Webseite)
(Benutzern erlauben, Sie durch ein Kontaktformular zu kontaktieren (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht weitergegeben))
Bitte schreiben Sie "Philosophie" (ohne Anführungszeichen)
antispam test

Kategorien

Markus Schroer, Student der Philosophie und Geschichtswissenschaft. Wissenschaftliche Interessenschwerpunkte in der Philosophie: •Erkenntnistheorie •Sprachphilosophie •Philosophie des Geistes •Wissenschaftstheorie •Logik und Argumentationstheorie •Kant •theoretische Ethik Wissenschaftliche Interessenschwerpunkte in der Geschichtswissenschaft: •griechisch-römische Antike •1. und 2. Weltkrieg •Nationalsozialismus •Gesellschaft und Militärwesen
Home Philosophieblog.de

Suche