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Die Frage nach Sinn als Eröffnung der Horizonte einer umfassenden Philosophie (2)

29.07.08 | von Markus Schroer [mail] | Kategorien: schroer
Überdem behaupte ich, dass die Konzeptionen Kants, Heideggers und Sartres einem ontologischen Solipsismus erliegen, was dero Entwürfe in dieser Hinsicht inakzeptabel macht. Dies ist ein gewagter, da gewaltiger Vorwurf - immerhin ist der Solipsismus eine der gefürchtetsten Konsequenzen einer Theorie bezüglich des Selbst. Er darf indes nicht als Respektlosigkeit vor oder gar Spott über die fraglos großen Philosophen missgedeutet werden; dessen ungeachtet sind auch große Männer und Frauen nicht vor Irrtümern gefeit. Aus welchem Grunde dieser Solipsismus, wie ich behaupte, inakzeptabel ist, wird, wie ich hoffe, aus dem Folgenden erhellen.
Das Problem, das ich bei den drei genannten Philosophen resp. in dero Konzeptionen sehe, nimmt seinen Anfang bereits in den Wurzeln der abendländischen Philosophie. Dieweil die Einteilung der Entitäten (onta bzw. entia) in Dinge und Handlungen bei Platon noch unproblematisch bleibt, stoßen wir bei Aristoteles bereits auf die weniger unproblematische Verallgemeinerung, nämlich diejenige Einteilung in Substanz, als das Zugrundeliegende, und Akzidens, als die dem Ersteren zufällig anhaftende Eigenschaft. Dies geschieht in Analogie zu der grammatischen Unterscheidung von Subjekt und Prädikat als Satzteilen sowie von Nomen und Verbum als Wortarten, wodurch eine äußerst fragwürdige Verflechtung der traditionellen Ontologie mit linguistischen Bestimmungen hervorgegangen ist. Warum ist dies so problematisch? Es fragt sich zunächst einmal, was Sprache überhaupt sei. Fasst man sie als Medium auf, so bleibt zu fragen, ob, und wenn ja, inwiefern Sprache überhaupt als adäquates Mittel zur Wiedergabe dessen, was uns in, durch und mit der Welt begegnet. Es zeigt sich an dieser Stelle der enge und gleichsam unvermeidbare Zusammenhang zwischen Ontologie, Epistemologie und Sprachphilosophie. Was ist Sein? Ist Sein bzw. sind Seiende und wir gleichermaßen so beschaffen, dass wir Erkenntnisse über sie gewinnen können? Und falls ja, ist Sprache in der Lage, diese Erkenntnisse korrekt wiederzugeben, d.i., verhalten sich (vermeintliche) Erkenntnisse und Aussagen über dieselben äquivalent zueinander?
Diese Fragen, wofern nicht schon geschehen, werden sämtlich in der Folge zu beantworten sein. Wir wollen freilich vorher in kurzer Form die Antworten Kants, Heideggers und Sartres vorstellig machen, um gleichsam dero Schwächen aufzuzeigen und der These, sämtliche besagter Konzeptionen liefen auf einen Solipsismus hinaus, ein begründetes Fundament zu verschaffen. Allein wir haben vordem noch einen Schritt zu tun, als da wäre: einen Blick auf die der Antike folgende abendländische Tradition zu werfen, bevor wir uns der uns wesentlich obliegenden Aufgabe zuwenden können.
[Fortsetzung folgt]

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Markus Schroer, Student der Philosophie und Geschichtswissenschaft. Wissenschaftliche Interessenschwerpunkte in der Philosophie: •Erkenntnistheorie •Sprachphilosophie •Philosophie des Geistes •Wissenschaftstheorie •Logik und Argumentationstheorie •Kant •theoretische Ethik Wissenschaftliche Interessenschwerpunkte in der Geschichtswissenschaft: •griechisch-römische Antike •1. und 2. Weltkrieg •Nationalsozialismus •Gesellschaft und Militärwesen
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