Die Weichen sind gestellt...

von strigida E-Mail

... alle Formalitäten sind erledigt: Gesuch um Annahme als Doktorandin beim Dekanat einreichen, mit der Zulassung zum Studierendensekretariat und Immatrikulation beantragen... jetzt kann es losgehen....

Was war zuerst da - Attribut oder Rolle?

von strigida E-Mail

In der grundlegenden Frage danach, was "weiblich" (dasselbe gilt analog für das "Männliche") ist, stehen sich Behaviorismus und Biologismus konträr gegenüber. Gibt es "das Weibliche" an sich oder wird alles, was Weiblichkeit ausmacht, sozial erlernt? Simone de Beauvoir vertrat letztere Ansicht, wie ihr berühmtestes Zitat "On ne naît pas femme, on le devient" ("Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.") besagt. Lou Andreas-Salomé dagegen ging von einem Weiblichkeitskonzept aus, das naturgegeben dem männlichen als völlig unabhängig voneinander gegenübersteht.

Demnach muss es das "Weibliche" schon vorher geben. Damit sind nicht die inneren und äußeren körperlichen Geschlechtsmerkmale gemeint, sondern etwas darüber Hinausgehendes, das im Geist verortet ist. Und hier tun sich sofort eine Menge Fragen auf:

-> Was ist überhaupt Geist? (Die Philosophie des Geistes hat eine lange Tradition und es gibt tausende fantastischer Arbeiten, die sich dieser übermächtigen Frage schrittweise nähern)

-> Kann Geist geschlechtsspezifisch sein? (Gibt es hierfür Belege aus der Praxis, z.B. aus der linguistischen, aber auch aus der neurowissenschaftlichen Forschung?)

-> Was sind Primärattribute (im Gegensatz zur Sekundärattributen)

-> Wenn es Primärattribute gibt, welche sind es? Lassen sie sich benennen?

-> Wie sieht es mit modernen Fällen aus? Man denke hierbei nur an Transsexualität oder an den Sonderfall des David Reimer, stützen oder widerlegen diese Fälle eine der beiden Annahmen?

-> Kann man überhaupt Simone de Beauvoirs Ansatz mit dem von Lou Andreas-Salomé vergleichen, oder reden beide Philosophinnen über unterschiedliche Dinge, weil sie auf unterschiedlichen Ebenen argumentieren? Und wenn es unterschiedliche Ebenen gibt, welche sind es?

Die Frageliste kann noch um ein Vielfaches verlängert werden und im Laufe der künftigen Arbeit, der ich mich stellen möchte, werden auch noch viel mehr Fragen auftauchen. Aber das Forschungsfeld ist spannend, sehr spannend. Ich freue mich bereits darauf.

Das Schöne an einer philosophisch-kritischen Diskussion ist schließlich, dass nicht einfach argumentiert wird und dass derjenige "gewinnt", der am überzeugendsten seine Argumente logisch vorbringt, sondern dass das Gesagte/Geschriebene dann anhand von realen Fällen überprüft wird. In der philosophischen Wissenschaft geht es nicht um Überzeugungen, sondern um die Suche nach Fakten. Erst dort, wo wir keine sichtbaren Fakten finden, müssen wir ein Denkmodell konstruieren, das in sich schlüssig und unangreifbar ist. Dann wird es theoretisch. Doch uns Philosophen unterscheidet von Mystikern/Esoterikern/Was-auch-immer, dass wir nicht einfach etwas glauben, weil es gut klingt. Es muss auch kritischen Fragen standhalten können.

Und die Frage nach einem eigenen Weiblichkeitskonzept darf sich in ihrem Versuch nach einer Beantwortung nicht darauf gründen, dass uns etwas als "richtig und plausibel" erscheint, sondern es muss hieb- und stichfest gemacht werden mit logischen Argumenten.

Also, an die Arbeit, packen wir's an!

Ist Philosophie männlich?

von strigida E-Mail

Wirft man einen Blick in die großen Standardwerke der Philosophiegeschichte, stellt man mit Erstaunen fest, dass in nahezu allen Epochen Frauen faktisch gar nicht vorkommen. Woran liegt das? Gab es keine Philosophinnen? Diese Frage ist zu verneinen und auf das zweibändige Werk Marit Rullmanns zu verweisen, die Philosophinnen von der Antike beginnend bis in die Jetztzeit charakterisierte. (Rullmann, Marit: Philosophinnen Bd. I + II, 1995 Zürich, Dortmund: Suhrkamp Verlag)

Die Antike kannte weise Frauen wie Diotima aus Mantinea, die es sogar zur namentlichen Erwähnung bei Platon im "Symposion" brachte, aber auch die jüngst verfilmte Hypatia aus Alexandrien. Das Mittelalter war die Zeit der Mystikerinnen: Hildegard von Bingen, die beiden Mechthilds (von Magdeburg und von Hackeborn), aber auch Gertrud die Große von Helfta, um nur einige aufzuzählen, die in dieser Zeit philosophisch gewirkt hatten. Später widmet sich Rullman den Damen des "Rationalismus bis zur Aufklärung und ihrer Überwindung". Dazu zählen Damen wie Lady Anne Conway, die in ihrer monistischen Philosophie den Begriff der "Monade" entwarf, den später G.W. Leibnitz für seine Monadenlehre übernommen hatte. Von der Romantik bis zur Jetztzeit gab es philosophisch-reflektierende Damen wie Bettina von Armin und Rahel Varnhagen, wobei letztere ihr gesammeltes Gedankengut vor allem brieflich mitgeteilt hatte, und in späteren Zeiten folgten Lou Andreas-Salomé, Rosa Mayreder, Helene Stöcker und viele weitere, die bei Rullmann ausführlich beschrieben werden. Am bekanntesten dürften die Philosophinnen des 20. Jh. sein: Hannah Arendt, Simone de Beauvoir und heute Martha Nussbaum, die noch praktiziert.

Woran liegt es also, dass Frauen kaum Erwähnung finden in den Werken der Philosophiegeschichte? Ist daraus zu schließen, dass Philosophie männlich ist, oder noch schlimmer, dass Männer weibliche Philosophie nicht anerkennen? Dieser Blog soll weder ein Plädoyer gegen die großen (männlichen) Denker der Philosophiegeschichte werden, noch sich um eine Art Einführung einer "philosophischen Frauenquote" bemühen. Vielmehr sollen Werke von Philosophinnen hier (nur in kleinster Auswahl) etwas vertiefter dargestellt werden, um zu zeigen, dass Frauen mindestens ebenso gute (oder schlechte) philosophische Werke hervorgebracht haben wie ihre männlichen Kollegen.