Ist Philosophie männlich?
Wirft man einen Blick in die großen Standardwerke der Philosophiegeschichte, stellt man mit Erstaunen fest, dass in nahezu allen Epochen Frauen faktisch gar nicht vorkommen. Woran liegt das? Gab es keine Philosophinnen? Diese Frage ist zu verneinen und auf das zweibändige Werk Marit Rullmanns zu verweisen, die Philosophinnen von der Antike beginnend bis in die Jetztzeit charakterisierte. (Rullmann, Marit: Philosophinnen Bd. I + II, 1995 Zürich, Dortmund: Suhrkamp Verlag)
Die Antike kannte weise Frauen wie Diotima aus Mantinea, die es sogar zur namentlichen Erwähnung bei Platon im "Symposion" brachte, aber auch die jüngst verfilmte Hypatia aus Alexandrien. Das Mittelalter war die Zeit der Mystikerinnen: Hildegard von Bingen, die beiden Mechthilds (von Magdeburg und von Hackeborn), aber auch Gertrud die Große von Helfta, um nur einige aufzuzählen, die in dieser Zeit philosophisch gewirkt hatten. Später widmet sich Rullman den Damen des "Rationalismus bis zur Aufklärung und ihrer Überwindung". Dazu zählen Damen wie Lady Anne Conway, die in ihrer monistischen Philosophie den Begriff der "Monade" entwarf, den später G.W. Leibnitz für seine Monadenlehre übernommen hatte. Von der Romantik bis zur Jetztzeit gab es philosophisch-reflektierende Damen wie Bettina von Armin und Rahel Varnhagen, wobei letztere ihr gesammeltes Gedankengut vor allem brieflich mitgeteilt hatte, und in späteren Zeiten folgten Lou Andreas-Salomé, Rosa Mayreder, Helene Stöcker und viele weitere, die bei Rullmann ausführlich beschrieben werden. Am bekanntesten dürften die Philosophinnen des 20. Jh. sein: Hannah Arendt, Simone de Beauvoir und heute Martha Nussbaum, die noch praktiziert.
Woran liegt es also, dass Frauen kaum Erwähnung finden in den Werken der Philosophiegeschichte? Ist daraus zu schließen, dass Philosophie männlich ist, oder noch schlimmer, dass Männer weibliche Philosophie nicht anerkennen? Dieser Blog soll weder ein Plädoyer gegen die großen (männlichen) Denker der Philosophiegeschichte werden, noch sich um eine Art Einführung einer "philosophischen Frauenquote" bemühen. Vielmehr sollen Werke von Philosophinnen hier (nur in kleinster Auswahl) etwas vertiefter dargestellt werden, um zu zeigen, dass Frauen mindestens ebenso gute (oder schlechte) philosophische Werke hervorgebracht haben wie ihre männlichen Kollegen.
7 Kommentare
An der blöden weiblichen Bescheidenheit. Schau mal allein in diesem Blog nach. Die Männer nennen ihren Namen und ihre Aktivitäten und Veröffentlichungen. Willst du etwas als "strigida" Karriere machen?
Übrigens hat dein Blog meinen Kommentar nicht geschluckt mit der Begründung, ich könnte philosophie nicht schreiben. Kann ich aber besser als der doofe antispam test, weil ich weiß, dass es groß geschrieben wird.
Welcher große Philosoph hat sich denn diesen genialen Satz überlegt?
(Sorry, ich bin heute auf Krawall gebürstet.)
So, jetzt versuche ich mal, philosophie richtig zu schreiben. Klappt am besten mit cut and paste.

08.10.10 13:52:40, 