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Auf dem ScienceBlog WeiterGen habe ich einen interessanten Beitrag zu den Methoden und den ethischen Implikationen der DNA-Sequenzierung gelesen. Ich will hier nur kurz zitieren, was mich ins Grübeln gebracht hat:
"Wir sind nicht mehr weit entfernt von der Sequenzierung eines kompletten Humangenoms für unter 1000 Euro und ich würde selbstverständlich meine DNA sequenzieren lassen. Die Frage, die mich zur Zeit beschäftigt ist: Was würde meine Krankenkasse machen, wenn sie Zugang zu den Daten hätte? Oder anders gefragt: Wäre es denkbar, dass Krankenkassen ihren Kunden besondere Konditionen anbieten, wenn die Versicherten den Kassen freiwillig ihre DNA-Sequenzen zur Verfügung stellen würden?"
Ich sehe das nicht so locker. Selbst wenn man die Gelegenheit hätte kurzfristig zu sparen, weiß man nicht welche Konsequenzen weitere Forschung mit sich bringt. Beispielsweise wäre es doch denkbar, dass ein Paar, dem aufgrund seiner DNA-Sequenz keine Gesundheitsrisiken zugesprochen werden, ein Kind bekommt. Aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und neuer statistischer Auswertungsverfahren ist es aber später möglich, spezifische Krankheiten oder gesundheitliche Anfälligkeit des Kindes mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit zu antizipieren. Da ja schon die ursprüngliche GenCard (also die der Eltern) nur probabilistische Aussagen über die relative Gesundheit einer Person erlaubt, glaube ich nicht, dass man vor der Auswertung noch unsicherer Daten zurückschrecken würde. Dieses Kind müsste als Erwachsener seine GenCard freigeben, da den Unternehmen ja eh Daten vorliegen, die sie, so unsicher sie auch sein mögen, verwenden würden. Man gibt also nicht nur seine eigene DNA-Sequenz preis, sondern indirekt Einblick in die potentiellen Sequenzen von Familienangehörigen.
Ich bin nicht konservativ, aber ich glaube, dass es noch zu früh ist um diese ethischen Fragen zu beantworten. Es ist nicht absehbar welche Information der DNA-Sequenz tatsächlich in den nächsten Jahrzehnten verwertet werden kann. Außerdem müssen wir einige Veränderungen im zwischenmenschlichen Verhalten berücksichtigen, die eine Einstellung zu diesem Thema beeinflussen könnten. In der post-web-2.0 Ära (Gott sei Dank ließt niemand meinen Blog, sonst müsste ich mich für diesen Ausdruck wirklich schämen ;-) hat sich die Kommunikationskultur so stark verändert, dass manche Umgangsformen noch nicht etabliert sind, die Menschen unter Umständen vor einander schützen.
Das gerade junge Menschen nicht gelernt haben ihre Privatsphäre zu hüten und dadurch später im Leben auf Probleme stoßen lässt sich anhand dieses Zitats von einem Bewerbungsleitfaden auf der StudiVz-Seite illustrieren: “Fotos, die Dich betrunken, leicht bekleidet oder in ähnlichen, für die Bewerbungsphase unangemessenen Situationen zeigen, solltest Du vermeiden.” -Nein, echt? Das ist aber leider schwierig, wenn man überhaupt mal als junger Mensch mal feiern will. Schließlich hat fast jeder eine Handy-Kamera und kann die peinlichsten Situationen fotografieren. Das diese Fotos im Netz landen lässt sich oft nicht vermeiden, weil die meisten Menschen nicht darüber nachdenken, dass der Fotografierte selbst bestimmen sollte, ob sein Bild auf StudiVZ landet. Man kann nicht von der eigenen ‘lockeren Einstellung’ auf die des Gegenübers schließen. Man weiß auch nie wer diese Informationen später nutzt und wozu. Es ist eine gemeinsame Aufgabe, der informationstechnologischen Revolution, die uns so viele neue Kulturtechniken gebracht hat, eine Evolution der Umgangsformen folgen zu lassen. Dazu sollte der Respekt vor der informationellen Selbstbetimmung eines Jeden Menschen gehören.
Erst wenn wir verstanden haben welche Implikationen neue Technologien haben, können wir das Ausmaß unseres Verhaltens begreifen. Ich spreche mich daher für einen ethischen Konsequentialismus aus. Ich will, dass meine Handlungen gutes bewirken. Wenn ich nicht weiß, welche Folgen mein Handeln hat und ich mir zumindest denken kann, dass auch Schlechtes (nicht nur für mich, sondern auch für andere) durch mein Handeln geschehen könnte, mach ich einfach mal NIX.