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Offensichtlich lässt sich mit solchen Titeln Geld machen. Andernfalls würden namhafte Magazine darauf verzichten schwarz-weiße Bilder unserer Gesellschaft zu zeichnen. Dabei zitiert man renommierte Akademiker und belegt die Behauptungen mit populärwissenschaftlichen Slogans. Männer denken wie Jäger und Frauen wie Mütter. Darwin hat das so gesagt...
Dabei gibt es unter Wissenschaftlern keinen Konsens über dieses Thema. Weder über die Forschungsmethoden noch darüber, was denn ein richtig guter Beweis für diesen Unterschied im Denken der Geschlechter wäre. Was würde denn überzeugen? Trotzdem spricht keiner über die Möglichkeit, dass das Geschlecht eine ebenso irrelevante Kategorie wie die Händigkeit sein könnte.
Stattdessen hört man von Forschern unterschiedlichster Disziplinen, die der Frage nach dem Unterschied zwischen den Geschlechtern nachgehen. Soziologen erheben, dass Frauen 1,46-mal häufiger dies ankreuzten als jenes. Psychologen stellen fest, dass Jungs häufiger zuschlagen als Mädchen, Mädchen häufiger heulen als Jungen, Jungen länger bei den Eltern leben als Mädchen etc. Und in der Medizin beginnt man langsam zu verstehen, dass der Unterschied, der zunächst wohl am offensichtlichsten ist, dass Männer und Frauen körperlich verschieden sind, auch für die Diagnostik und Behandlung von Krankheiten von Bedeutung ist. Ein Herzinfarkt wird bei Frauen oft viel zu spät erkannt, weil die Symptome die Männer in solchen Fällen zeigen fehlen.
Im Stimmenwirrwarr der Experten ist es zu laut um die eigene kleine Stimme im Kopf zu hören. Bin ich mehr Frau oder mehr Xenia. Um meine Phänomenologie der Weiblichkeit mit der der Persönlichkeit zu vergleichen bedarf es mehr als man zunächst glaubt. Schließlich ist schon der Name, der hier symbolisch für mich steht, der sich quasi auf mich bezieht, gleichzeitig Angabe meines Geschlechts. Kann ich mich ungeschlechtlich denken?
In meinem Denken selbst ist kein Anzeichen für mein Geschlecht zu finden. Aber, wie Descartes erklärte, finde ich in meinem Denken, dass es ein denkendes Subjekt gibt. Das heißt, wenn ich mich gedanklich auf mich selbst beziehe, dann kann der Inhalt meiner Gedanken, die Person auf die meine Gedanken referieren vielleicht nicht ungeschlechtlich gedacht werden, aber der Gedanke selbst impliziert kein Geschlecht.
Forschungsansätze, die versuchen einen Unterschied, beispielsweise im Problemlösen der Geschlechter zu finden, suchen also nach einem Unterschied im Denken der Geschlechter. Das heißt, das z.B. ein Gedanke an den Weg zum Kölner Dom bei Männern und Frauen verschieden sein muss, selbst wenn beide den Weg dorthin finden würden, d.h. beide Geschlechter den Weg richtig repräsentieren. Der Gedanke selbst hat somit Eigenschaften, die unabhängig von dem Inhalt nur von dem Geschlecht des Denkenden abhängen und die bei Gedanken gleichgeschlechtlicher Menschen gleich sind. Das heißt, ein Gedanke hat eine spezifische Form, die geschlechtsabhängig ist. Gedanken haben also genauso ein Geschlecht, wie alles andere am Menschen. Ist mein Gedanke über Xenia vielleicht weiblich? Dies ist mir phänomenal nicht zugänglich.
Es ist also Forschungsprogramm eine Eigenschaft von Gedanken zu finden, die dem Denkenden verborgen ist. Hier stellt sich das Problem der epistemischen Asymmetrie auf mir neue Weise. Kann eine andere Person mehr über meine Gedanken wissen als ich selbst?
Die Argumentation derjenigen, die obige Frage bejahen ist etwa so:
Das Gehirn eines Menschen ist Grundlage seines Denkens und die Eigenschaften des Gehirns bestimmen die Eigenschaften der Gedanken. Ist der Körper einer Person weiblich, so muss das Gehirn, da es Teil dieses Körpers ist, auch weiblich sein. Daraus lässt sich schließen, dass dieser Mensch weibliche Gedanken hat.
Man unterscheidet im akademischen Diskurs zwischen Sex und Gender. Sex ist das biologische Geschlecht eines Lebewesens und Gender die geschlechtliche Rolle, die eine Person in der Gesellschaft erfüllt. Dabei war es wohl zunächst im Interesse der Frauen die Bedingtheit der sozialen Rolle einer Person von dessen biologischen Geschlecht zu trennen.
Mir scheint allerdings die Fundiertheit dieser begrifflichen Unterscheidung zweifelhaft. Obwohl man in den Sozial- und Geisteswissenschaften glaubt eine differenziertere Beschreibung menschlicher Geschlechtsidentität zu ermöglichen, spiegelt der Genderbegriff nur den Sexbegriff wider. Es wird davon ausgegangen, dass es nur zwei biologische Geschlechter gibt. Diese Dichotomie wird unreflektiert auf die Gender-Rollen abgebildet.
Dabei gibt es nicht nur Penis und Vagina. Von intersexuellen Menschen spricht man hinter vorgehaltener Hand. Sie passen nicht in unsere Weltvorstellung, selbst wenn Frauen beruflich erfolgreicher sind als ihre Männer und Männer auf die Kinder aufpassen. Ich glaube aber, dass das biologische Geschlecht immer uneindeutig ist, weil sehr unterschiedliche Eigenschaften geschlechtliche sind. Würde man alle Eigenschaften, die geschlechtsbestimmend sind, von der Hormonlage über die Ausprägung der primären Geschlechtsmerkmale bis zu der Physiognomie quantifizieren und in einem funktionalen Verhältnis zueinander aufzeichnen, könnte man für jedes Individuum einem Punkt in einem multidimensionalem Vektorraum angeben. Es gäbe dann kein Geschlecht per se, sondern nur die Nähe zwischen Menschen und Räume mit höherer Menschendichte in diesem virtuellen Raum geschlechtlicher Merkmale. Diese 'Ballungsräume' entsprechen grob unseren stereotypischen Vorstellungen von Männlichkeit oder Weiblichkeit.
Menschen verstärken durch Verhalten, Kleidung und subtilere Einstellungen ihre typisch männlichen/weiblichen Eigenschaften. Diese Manipulationen haben nicht nur Konsequenzen für ihren Gender, sie wirken auch auf ihr biologisches Geschlecht zurück. Der Körper und das Gehirn stehen in Wechselwirkung mit den Erfahrungen und dem Verhalten des Menschen und werden so geformt. Dies geschieht aber im Rahmen einer normierten und normierenden Gesellschaft. Gäbe es die fiktiven Gräben zwischen den Geschlechtern nicht, könnten andere sexuellen und sozialen Identitäten entstehen die unter gegebenen Umständen schwer vorstellbar sind. Das biologische Geschlecht eines Gehirns ist also nicht bestimmbar.
Ein Gedanke ist also weder männlich noch weiblich. Mein Titel müsste also heißen: Menschen sind anders, Gedanken auch.