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Link: http://www.springerlink.com/content/515wg76276q18115/
In einer ökotoxikologischen Studie der Universität Frankfurt (am 10. März veröffentlicht) wurde erneut auf weibliche Sexualhormone im Trinkwasser hingewiesen. Diese körperfremden Stoffe (Xenohormone oder Endokrine Disruptoren) entsammen hauptsächlich Kunststoffverpackungen, die auch andere Lebensmittel verunreinigen können. In der Vergangenheit wurde häufig auf Kontamination des Trinkwassers mit Medikamentenrückständen und Hormonen hingewiesen. Neu an der vorgestellten Studie ist die direkte Verbindung zwischen Plastikverpackungen und Reproduktionsaktivität primitiver, asexueller Organismen. Man verwendete den Modellorganismus Potamopyrgus antipodarum: Eine kleine 'weibliche' Schnecken die sich über Jungfernzeugung vermehrt (Pathenogenese). Unabhängig von der Verschmutzung des Trinkwassers durch Medikamente und andere Stoffe die mit dem menschlichen Körper interagieren, konnte man hier auch in vitro (also nicht im Organismus sondern unter kontrollierteren Bedingungen im künstlichen System) Östrogenderivate nachweisen die man auf Plastikverpackunen zurückführen konnte.
Am 22.März ist Weltwassertag. Sollten wir ignorieren, dass wir die Wasserqualität nachhaltig verschlechtern? Wenn uns schon nichts an der Umwelt und den folgenden Generationen liegt, dann sollten wir zumindest zur Aufrechterhaltung unseres Geschlechterrollenverständnises umdenken. (Falls das jetzt zynisch klingt: War es auch!)
Die Funde der Frankfurter Forscher sollten zu einem Umdenken führen. Abgesehen von Fragen der praktischen Philosophie, über die Verantwortung des Menschen anderen Lebewesen gegenüber, stellt sich hier die Frage der Thematisierung dieser Problematik in den Medien. Wie können komplexe wissenschaftliche Sachverhalte in der Weise vermittelt werden, dass Menschen ihr Verhalten entsprechend regulieren können. Wie wir mit unserem Trinkwasser umgehen ist letztlich nicht nur eine Frage der Ethik, sondern im weitesten Sinne des freien Willens. Nur wenn ich die Konsequenzen meines Verhaltens, bzw. in diesem Fall meines Konsums, verstehen und zu einem gewissen Grade die Folgen meines Handelns antizipiern kann, kann ich dafür Verantwortung übernehmen. Nur wenn ich zwischen unterschiedlichen Handlungsalternalternativen wählen kann, kann ich überhaupt entscheiden und bin dadurch frei in meinem Willen.
Letztlich ist eine solche Vermittlungsaufgabe gerade dann schwierig, wenn selbst Experten nicht alle Konsequenzen menschlichen Verhaltens nachvollziehen können. Diese Problematik wurde in der Klimadebatte sehr deutlich und zeigt sich auch in der medialen Vermittlung der Wirkungszusammenhänge die zur Wirtschaftskrise führten.
Es wäre Wünschenswert wenn, neben der Sensibilisierung für Menschenrechtsfragen, der Weltwassertag auch ein Verantwortungsgefühl bei den Konsumenten der westlichen Welt anregen würde.
Ich kann nur sagen, dass ich in Zukunft nur aus dem Hahn trinke oder aus Glasflaschen. Darin befinden sich 'nur' die Rückstände aus Medikamenten und Hormonen (Antibaby-Pille) die unsere Mitmenschen in ihrem Urin an die Umwelt abgeben.