Öffentliches Lese- und Lerntagebuch ;-)
« DNA-Sequenzierung: Verantwortung gegenüber anderen und informationelle SelbstbetimmungBlog-Parade: Was ist der Mensch? »

Stille Wasser sind tief: Worüber man nicht spricht

17.03.09

Permalink 02:01:37, Kategorien: xenia

Stille Wasser sind tief: Worüber man nicht spricht

Link: http://www.springerlink.com/content/515wg76276q18115/

In einer ökotoxikologischen Studie der Universität Frankfurt (am 10. März veröffentlicht) wurde erneut auf weibliche Sexualhormone im Trinkwasser hingewiesen. Diese körperfremden Stoffe (Xenohormone oder Endokrine Disruptoren) entsammen hauptsächlich Kunststoffverpackungen, die auch andere Lebensmittel verunreinigen können. In der Vergangenheit wurde häufig auf Kontamination des Trinkwassers mit Medikamentenrückständen und Hormonen hingewiesen. Neu an der vorgestellten Studie ist die direkte Verbindung zwischen Plastikverpackungen und Reproduktionsaktivität primitiver, asexueller Organismen. Man verwendete den Modellorganismus Potamopyrgus antipodarum: Eine kleine 'weibliche' Schnecken die sich über Jungfernzeugung vermehrt (Pathenogenese). Unabhängig von der Verschmutzung des Trinkwassers durch Medikamente und andere Stoffe die mit dem menschlichen Körper interagieren, konnte man hier auch in vitro (also nicht im Organismus sondern unter kontrollierteren Bedingungen im künstlichen System) Östrogenderivate nachweisen die man auf Plastikverpackunen zurückführen konnte.

Am 22.März ist Weltwassertag. Sollten wir ignorieren, dass wir die Wasserqualität nachhaltig verschlechtern? Wenn uns schon nichts an der Umwelt und den folgenden Generationen liegt, dann sollten wir zumindest zur Aufrechterhaltung unseres Geschlechterrollenverständnises umdenken. (Falls das jetzt zynisch klingt: War es auch!)

Die Funde der Frankfurter Forscher sollten zu einem Umdenken führen. Abgesehen von Fragen der praktischen Philosophie, über die Verantwortung des Menschen anderen Lebewesen gegenüber, stellt sich hier die Frage der Thematisierung dieser Problematik in den Medien. Wie können komplexe wissenschaftliche Sachverhalte in der Weise vermittelt werden, dass Menschen ihr Verhalten entsprechend regulieren können. Wie wir mit unserem Trinkwasser umgehen ist letztlich nicht nur eine Frage der Ethik, sondern im weitesten Sinne des freien Willens. Nur wenn ich die Konsequenzen meines Verhaltens, bzw. in diesem Fall meines Konsums, verstehen und zu einem gewissen Grade die Folgen meines Handelns antizipiern kann, kann ich dafür Verantwortung übernehmen. Nur wenn ich zwischen unterschiedlichen Handlungsalternalternativen wählen kann, kann ich überhaupt entscheiden und bin dadurch frei in meinem Willen.

Letztlich ist eine solche Vermittlungsaufgabe gerade dann schwierig, wenn selbst Experten nicht alle Konsequenzen menschlichen Verhaltens nachvollziehen können. Diese Problematik wurde in der Klimadebatte sehr deutlich und zeigt sich auch in der medialen Vermittlung der Wirkungszusammenhänge die zur Wirtschaftskrise führten.

Es wäre Wünschenswert wenn, neben der Sensibilisierung für Menschenrechtsfragen, der Weltwassertag auch ein Verantwortungsgefühl bei den Konsumenten der westlichen Welt anregen würde.

Ich kann nur sagen, dass ich in Zukunft nur aus dem Hahn trinke oder aus Glasflaschen. Darin befinden sich 'nur' die Rückstände aus Medikamenten und Hormonen (Antibaby-Pille) die unsere Mitmenschen in ihrem Urin an die Umwelt abgeben.

4 Kommentare

Kommentar von: Optimismus [Besucher] E-Mail · http://optimismus.wordpress.com/
Ein weiterer Ansatz wäre auch (und worüber man auch nicht gerne spricht), einfach weniger Medikamente einzunehmen, damit zumindest kein Anstieg der Wasserbelastung stattfindet. 2007 hat jeder Bundesbürger pro Jahr im Schnitt Medikamente im Wert von 400 Euro eingenommen. Hinzu kommen bis zu 1,5 Millionen Medikamentabhängige, die dauerhaft und zwanghaft Chemie einnehmen. Auch die Pille ist ein großer Wasserbelaster.

Anstelle bei einer einfachen Erkältung gleich Medikamente einzunehmen, erst einmal Tee trinken, warm halten, Obst essen und entspannen. Ebenso Medikamente nur solange einnehmen, bis der Körper seine eigenen Kräfte wieder mobilisieren kann. Die (leider üblichen) Nebenwirkungen werden so auch eingeschränkt.

Ich meine:
Anhand des Wassers kann man sehen, wie es uns Menschen geht.

Danke für die lehrreiche Ermahnung!
17.03.09 @ 17:05
Kommentar von: Sky [Besucher]
Interesantes Thema. Die "Verweicheierung" der Gesellschaft könnte sich so erklären lassen. Allerdings setzte dieser Vorgang bereits vor ca. 100 Jahren ein. Ausserdem sind nicht alle Mitbürger betroffen, in Abhängigkeit ihrer Gruppenzugehörigkeit.
Kam nicht mal aus katholischen Kreisen ein dbzgl. Denkansatz?
Wie dem auch sei, ich glaube nicht daran, zurzeit trennt sich die Gesellschaft von denjenigen, die nie familienfreudig waren und in früheren Zeiten eher zufällig Elternschaften begründet haben. Dann kam die "Pille", ein ganz natürlicher Vorgang aus meiner Sicht.
07.04.09 @ 16:06
Kommentar von: Jörg Friedrich [Mitglied] E-Mail
Offenbar gibt es in dieser Frage sehr unterschiedliche Ansichten. Hier ein sehr ausführlicher Artikel aus der FAZ: tinyurl . com / cjftsz

(Leider kann man bei Kommentaren wohl keine URL eingeben, also die Leerzeichen vor und nach dem Punkt und dem Schrägstrich rausnehmen.
10.04.09 @ 13:03
Kommentar von: Sky [Besucher]
Mittlerweile nehme ich die Sache etwas ernster, würde ja vieles erklären, vgl. auch:
http://www.faz.net/s/Rub268AB64801534CF288DF93BB89F2D797/Doc~EE6930FC5B89A4B90BC2A02564DA4D77D~ATpl~Ecommon~Scontent.html
10.04.09 @ 22:36

Einen Kommentar hinterlassen


Ihre E-Mail-Adresse wird nicht auf dieser Seite angezeigt.

Ihr URL wird angezeigt.
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, E-Mail-Adresse & Webseite)
(Benutzern erlauben, Sie durch ein Kontaktformular zu kontaktieren (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht weitergegeben))
Bitte schreiben Sie "Philosophie" (ohne Anführungszeichen)
antispam test