Der Logiker Carl Gustav Hempel beschrieb in den 1940er Jahren ein von ihm entdecktes Paradoxon. Er stellte fest, dass die Beobachtung eines nicht-schwarzen Objekts, beispielsweise eines grünen Apfels, die Annahme unterstützen kann, dass alle Raben schwarz sind. Er leitete nämlich aus dem Satz "Alle Raben sind schwarz" den Umkehrschluss "Alle nicht-schwarzen Objekte sind keine Raben" ab. Ich möchte hier meine eigenen Gedanken zu dem Problem darlegen.
Das Paradoxon suggeriert, dass man entweder die Menge aller Raben untersucht, um zu überprüfen ob sie alle schwarz sind, oder man untersucht die Menge aller nicht-schwarzen Objekte, um zu überprüfen ob sie alle keine Raben sind. Damit würde, laut Hempel, jede Beobachtung von etwas Nicht-Schwarzem, das kein Rabe ist, auch die Hypothese bekräftigen, dass alle Raben schwarz sind. Was dem gesunden Menschenverstand aber zu widersprechen scheint.
Unter dieser Prämisse hätte außerdem ein schwarzer Nicht-Rabe keinerlei Information für die Frage nach schwarzen Raben. Man muss aber, wenn man nach Raben sucht, auch alle anderen Objekte darauf überprüfen, ob sie Raben sind. Die Beobachtung muss also zwangsläufig bereits einen Informationsgehalt haben.
Je mehr man überprüft, ohne einen Widerspruch zu finden, desto wahrscheinlicher wird es, dass die begründet aufgestellte Annahme korrekt ist.
Könnte ich Mengen separat untersuchen, hätte ein Wechsel des Objekts, nach dem gefragt wird, beispielsweise von Raben auf nicht-schwarze Objekte, zur Folge, dass die Informationen, die ich bereits erhalten habe, unbrauchbar wären. Der Grund dafür ist, dass keine Schnittmenge zwischen beiden Mengen besteht.
Hempels Satz "Alle Raben sind schwarz" sollte also umformuliert werden in: "Alles ist kein nicht-schwarzer Rabe". Durch diese Bildung der Allklasse löst man das Paradoxon auf, denn es wird deutlich, dass sowohl ein grüner Apfel, als auch ein schwarzer Rabe, diese Aussage unterstützen. Nur wenn ich mich auf eine Teilmenge des Ganzen konzentriere, tritt die Irritation auf.
Es ist klar, dass die Art der Frage, die Art der Antwort bedingt, und dass man beobachtete von nicht-beobachteten Objekten unterscheiden muss. Ein beobachtetes Objekt ist zum Beispiel ein "Nicht-Einhorn". Je mehr "Nicht-Einhörner" man beobachtet, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es keine Einhörner gibt. Die Aussage "Es gibt Einhörner" hat demnach keine Grundlage. Da sich eine Falsifizierung, aus Mangel an einer überprüfbaren Menge, bei dieser Behauptung nicht umsetzen lässt, muss man sie versuchen zu verifizieren. Bei Objekten mit einer empirischen Basis ist es genau umgekehrt. Dort muss man, aus Mangel an einer überprüfbaren Menge, die Behauptung versuchen zu falsifizieren. Um "Es gibt Einhörner" zu beweisen, muss man also ein Einhorn finden. Dass es keine Einhörner gibt, kann man genauso wenig beweisen, wie dass alle Raben schwarz sind.
Das Thema der beobachteten Dinge ist bei Hempels Paradox besonders wichtig, denn der Satz "Alle nicht-schwarzen Objekte sind keine Raben" bedeutet nicht logisch zwingend, dass alle Raben schwarz sind. Es könnte auch sein, dass es gar keine Raben gibt und damit die Behauptung über deren Gefieder weder wahr noch falsch, sondern unentscheidbar ist. Für die Menge der nicht-schwarzen Objekte existieren einfach keine schwarzen Raben, ganz unabhängig davon, ob sie in anderen Mengen existieren. Man kann keine Aussagen über Sachverhalte machen, die außerhalb eines Bezugsrahmens liegen. Man müsste ihn so erweitern, dass Informationen aus anderen Mengen gewonnen werden können und damit einen neuen Bezugsrahmen schaffen. Ein Vergleich zwischen nicht-schwarzen Objekten und Raben lässt sich insofern nur in derjenigen Obermenge durchführen, die beide Mengen umfasst.
Ein grüner Apfel unterstützt also sowohl die Aussage "Alles ist kein nicht-schwarzer Rabe", als auch "Alle nicht-schwarzen Objekte sind keine Raben" und natürlich noch viele andere Aussagen, die jedoch alle die Eigenschaften eines grünen Apfels betreffen müssen.
Immer wieder wird dem Skeptizismus ein performativer Selbstwiderspruch vorgeworfen. Dass dieses Argument logisch nicht haltbar ist, wird in den seltensten Fällen explizit gemacht. Ich möchte nun einmal hier darstellen, worin, meines Erachtens, der Denkfehler der Skeptizismusgegner liegt.
Erst einmal: Was ist Skeptizismus überhaupt? Es ist die Feststellung, dass es keinen privilegierten Zugang zur Wahrheit gibt. Der Skeptizismus besagt ganz einfach, dass alle Annahmen angezweifelt werden können. Dass es also kein objektives Wissen über die Welt gibt.
Dieser Gedanke, ist an sich ja schon recht einleuchtend. Woher soll man auch irgendeine Sicherheit nehmen können, wenn man sich nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann?
Wie die Umgebung erfahren wird, ist durch die Kriterien der Nützlichkeit und des Zufalls diktiert. Eigenarten der Sinnesorgane und neuronaler, psychischer und kognitiver Prozesse bestimmen was wir wahrnehmen. Die Kategorien in denen wir denken, sind Artefakte unserer Erfahrung und der Evolution des Menschen. Sie haben sich lediglich in der praktischen Anwendung bewährt. Neugeborene, zum Beispiel, sind in der Reizverarbeitung anscheinend wesentlich undifferenzierter als ältere Kinder und Erwachsene. Ihre Perzeption ist synästhetisch. Das heißt, ihre Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten) sind nicht voneinander getrennt, sondern noch formlos verschmolzen. Erst im Laufe des weiteren Lebens, kristallisieren sie sich als separate Einheiten heraus.
Von Zeit zu Zeit sollte man sich auch vor Augen führen, wie Insekten ihre Umwelt wohl erfahren. Kann man allen Ernstes behaupten, dass sie in der gleichen Realität leben wie wir? Sie nehmen, praktisch in jeder Hinsicht, vollkommen andere Informationen auf als ein Mensch. Nicht nur rein physiologisch, sondern auch in den Dimensionen des Raumes und der Zeit. Für einen Schmetterling beispielsweise, wäre eine Filmvorführung, wie sie in jedem herkömmlichen Kino stattfindet, nicht mehr als eine öde Diashow.
Der Skeptizismus macht allerdings immer nur Aussagen über die externe Realität. Sonst wäre er schon lange durch Descartes’ Cogito ergo sum widerlegt worden. Wir müssen uns schließlich sicher sein können, dass wir irgendwie existieren, denn unsere Form des Daseins, ist die Definition für Existenz, die wir auf die Welt projizieren. Das Ich ist das Eichmaß, das Urmeter, der Existenz.
Was der Skeptizismus feststellt, ist also dass eben diese einzige Sicherheit, die uns gegeben ist, uns daran hindert irgendeine andere Sicherheit zu erlangen.
Nun, wie kann von Kritikern, an so etwas Schlüssigem, wie dieser Erkenntnis, überhaupt gezweifelt werden? Die Kritiker jedenfalls argumentieren, dass der Zweifel ja eben genau der wunde Punkt der Überlegungen sei. Wenn man laut Skeptizismus an allem zweifeln soll, dann müsse man auch am Skeptizismus selbst zweifeln. Es wird dem Skeptizismus also eine Antinomie vorgeworfen: Die Menschen sollen laut ihm nichts wirklich wissen können. Doch wie können sie dann wissen, dass sie nichts wissen können?
Ist dieser Einwand nicht, als ob man behaupten würde, dass Blinde sehen könnten, weil sie nichts „sehen“? Der Skeptizismus ist doch nicht etwas, was ist, sondern er ist die Abwesenheit von etwas, nämlich von Sicherheit. Sowenig wie Blinde sehen können, sowenig können wir etwas sicher wissen.
Als Skeptiker stelle ich mich in die Welt, deute auf die Sachverhalte in ihr und sage immer wieder: „Dessen kann man sich nicht sicher sein! Und dessen kann man sich nicht sicher sein! Und ... etc.“. Aber wo finde ich denn den Skeptizismus, auf den ich zeigen und feststellen kann: „Dessen kann man sich nicht sicher sein!“? Die Antwort lautet: Mein Finger ist der Skeptizismus. Doch er ist kein Teil der Welt. Er ist eine Negation. Ich kann nicht auf ihn weisen, denn dazu müsste ich ihn verwenden.
Das schöne an ihm ist letztendlich, dass er seine Feinde mit den eigenen Waffen schlägt. Er nutzt die Logik um zu beweisen, dass er entweder Recht hat und somit seine Kritiker Unrecht haben. Oder die Welt nicht logisch ist und es in diesem Fall ohnehin kein Richtig oder Falsch gibt.
Ich bin ich, und alles andere ist nicht ich. Man muss an allem zweifeln, weil man nicht daran zweifeln kann.